Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1982-1983
- Issue
- No. 50 (1982-1983)
- Date
- 1982-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Der schwere Anfang... die „Jüdische Turnerschaft” Die sportliche Betätigung, Turnen und Leichtathletik, gehören heute zur Selbstverständlichkeit, und auch jüdische Sportgruppen bestehen in Israel und überall dort, wo es grössere jüdische Gemeinden gibt. Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts waren sie unbekannt. Wer noch mit den Anregern und Gründern derartiger Gruppen sprechen konnte, wurde von ihrer beinahe revolutionären Jugendbegeisterung, die noch im hohen Alter aus ihnen sprach, mitgerissen und angesteckt. Auf dem 2. Zionistenkongress, 1898, wirft Max Nordau das Wort vom „Muskeljudentum” in die Debatte. Im gleichen ■ Sommer kommen 48 jüdische Studenten in Berlin zusammen, einer Anregung des späteren Rabbiners Wilhelm Levi folgend, die am 23. Oktober 1898 den Turnverein „Bar Kochba” gründen. Die jungen Menschen kamen aus den deutschen Ostprovinzen, wo ihre Familien lange als Handwerker und Händler ansässig waren, um in der jungen Reichshauptstadt zu lernen und ihre Zukunft zu suchen. Unter den ersten Turnbrüdern sei „keine Niete” gewesen, wie Richard Blum später voller Stolz feststellen konnte. Viele waren eng mit den Anfängen des Palästinaaufbaus verbunden. Wir wollen nur Arthur Biram nennen, der im Jahre 1914 die Realschule in Haifa gründete und sie lange Jahre leitete, heute als „Biram Schule” im Volksmund bekannt, Elias Auerbach, der 1909 als erster europäischer Arzt nach Haifa kam, 1898 war er noch zu jung, um volles Gründungsmitglied zu werden, aber sein Bruder Israel, langjähriger Schulleiter der Goldschmidt Schule in Konstantinopel — Istanbul gehörte zur Gründergruppe. Die Bestimmungen verlangen ausgebildete Turnlehrer und Vorturner. Drei legen die Turnlehrerprüfung ab, Richard Blum, H. Jalowitz und M. Zirker, andere besuchen Vorturnerkurse der Deutschen Turnerschaft. Die jüdische Gemeinde weigert sich noch, ihnen die Turnhalle der Knabenschule zu überlassen, denn der Verein hatte neben der körperlichen Ertüchtigung die "Pflege der nationaljüdischen Gesinnung” sich zur Aufgabe gesetzt. Das Jugendamt der Stadt Berlin ist nicht so zimperlich. Am 5. Dezember 1898 konnte der erste Turnabend abgehalten werden. Der berliner Verein ist zum Stamm der „Jüdischen Turnerschaft” geworden, und später, nach dem 1. Weltkrieg, zur treibenden Kraft zur Gründung des Makkabiweltverbandes. Die 48 jungen Menschen haben ihr Ziel auch dort erreicht, wo es sich nicht immer in der Mitgliederzahl ihrer Verbände ausgedrückt hat. Die offiziellen jüdischen Stellen versuchten längere Zeit die Idee totzuschweigen, dann bekämpften sie sie, ohne ihre Ausbreitung verhindern zu können, von den jüdischen Zeitschriften stand nur das „Israelitische Familienblatt” der Gruppe “sympatisierend” gegenüber ist aber mit den anderen gegen Abschlussbestreburigen. Seit dem Jahre 1900 erscheint monatlich die „Jüdische Turnzeitung”, unter der Redaktion von Richard Blum, „Officielles Organ des jüdischen Turnvereins Bar Kochba Berlin”. Wir hatten noch die Möglichkeit, in den Exemplaren zu schmökern, die Dr. Richard Blum, ein in Berlin bekannter Chirurg und Orthopäde, der dann lange Jahre in Haifa als Facharzt tätig war, wo er im Jahre 1963 im neunzigsten Lebensjahre verschied, gerettet hatte. Es waren aufregende Dinge, die die Turner um die Jahrhundertwende bewegten. Kraftstrotzende Gedichte, ein Marschlied, “Wohlan! Lasst das Sinnen und Sorgen”. Die „Turnfahrten” werden nett beschrieben, einmal heisst es, „Es hatten sich dreizehn Herren beteiligt,...”, Wir lesen von „Spielen und Übungen ohne Geräte”, und „Freiübungen ohne Belastung”. Man setzt sich mit der jüdischen Presse auseinander, die die Bestrebungen, jüdische Turngruppen zu schaffen, strikt ablehnte. Ende 1900 wird eine „Lehrlingsabteilung” geschaffen und damit der Kreis einer akademischen Vereinigung gesprengt, die Idee ist zu einer jüdischen Volksbewegung geworden, im gleichen Jahre erlaubte die jüdische Gemeinde die Benutzung ihrer Turnhalle. Die Turnzeitung so bescheiden sie auch aufgemacht ist, findet weite Verbreitung, sie bringt Kontakte mit Gruppen, von deren Bestehen man wenig oder nichts wusste, wie die Tatsache, dass es einen jüdischen Turnverein in Konstantinopel seit 1895 gab, in Hamburg eine „Israelische Turnerschaft”, 1898, die vor der berliner Gruppe aktiv war. Das Presseorgan stellt die Adresse dar, um Gedanken und Erfahrungen auszutauschen, in Philopopel wird 1898 eine Turngruppe gegründet, in Bialitz-Biala 1899, im gleichen Jahr in Wien, und 1900 eine zweite Gruppe, Sofia 1899, Halberstadt und Mährisch Ostrau 1900, um die Anfänger zu nennen. Die Mitglieder der Vereine schreiben fleissig Briefe an die Turnzeitung, Sprachenfragen kannte das damalige Europa nicht, und deutsch war die Kommunikationssprache der jüdischen Gruppen. Rufe nach einer Dachorganisation werden schon früh erhoben, die aber erst 1903 auf dem 6. Zionistenkongress verwirklicht wird, nach einem Antrag der 400 (!) Mitglieder des Bar Kochba, Berlin. Im Gründungsjahr setzte Bich die Jüdische Turnerschaft aus 15 Vereinigungen zusammen, neben 5 Gruppen in Bulgarien, in einem Landesverband zusammengeschlossen, die durch die Turnzeitung Kontakte mit der Jüdischen Turnerschaft aufnahm. Bar Kochba, Berlin, zählt im Jahre 1904 660 eingeschriebene Mitglieder, die in neun verschiedenen Abteilungen aktiv Sport treiben. Nach dem „Jüdischen Turntag” 1905 bricht eine Krise aus, einige Gruppen sondern sich ab, aber trotzdem erleben die Vereine eine stetige Entwicklung. In Palästina wird die erste Sportgruppe 1906 in Jaffa gegründet. Es fehlten die Menschen den Sport populär zu machen, wie Turnlehrer und Vorturner. Im Jahre 1909 wandern Ernst Hermann und Elias Auserbach ein, die den Geist des Bar Kochba mitbrachten, bis zum Weltkrieg werden Gruppen in Petach Tikwa, Rischon l’Zion, Rechowot, Ness Ziona und Gedera ge. gründet, dann folgen Vereine in Jerusalem, Sichron Jakob, Ekron, Haifa, Beyrouth. Der Turnlehrer des hebräischen Gymnasiums in Jaffa wird 1908 nach Deutschland und in die Schweiz zur Ausbildung geschickt. In der Turnzeitung lesen wir ein Interview mit Zwi Orloff, „Häufig bildet der gemeinsame Dreschplatz der einzelnen Kolonie der Versammlungsort”, „Pferderennen, Prelsschiessen, Wettlauf, Springen und Ringkampf” Pessach 1908 verantstalteten die Schüler des Gymnasiums ein Schauturnen in Rechowot, „Der Eindruck dieses improvisierten Schauturnens war ein ausserordentlicher und wird auch den Kindern in stolzer Erinnerung bleiben”. Als Arthur Biram im Jahre 1914 keinen Turnlehrer für seine Schule fand, musste Dr. Auerbach die Aufgabe übernehmen, denn für Biram konnte es keine moderne Schule ohne Sportbetrieb geben.— * In der Jüdischen Turnzeitung sorgte man sich um ‘Kommandoworte’, die ausserhalb Deutschlands angewendet werden können, man erkannte, dass man in Bulgarien, der Türkei und in Palästina nicht mit den deutschen Ausdrücken weiter kommt. Im Jahre 1908 werden in der Zeitschrift Vorschläge erbeten, und auch Berichte über “praktische Erfahrungen” mit hebräischen Ausdrücken,... Organisatorisch teilte man die Jüdische Turnerschaft in Landeskreise ein, es gab den deutschen, den Westösterreichischen, in dem der Wiener Turnverein, der Turnverein Zion, und seit 1909 Hakoah, als Fussballklub und Leichtathletik die Stützen darstellten, den Kreis Galizien — Bukowina, der es trotz organisatorischer Schwierigkeiten bis 1914 auf 27 Gruppen .brachte, organisatorisch ausserhalb blieben Bulgarien mit 10 Turngruppen wie die Türkei, wo sich nach der Revolution von 1908 das jüdische Sportleben rege entwickeln konnte. In Palästina, der letzten Landesgruppe, folgte der Zusammenschluss erst 1912. Der deutsche Kreise organisierte zwei Turnfahrten nach Palästina, 1913 und 1914. Mit dem Ausbruch des Krieges wird die Aktivität der Sportgruppen unterbrochen. Die Jugend aller Länder zieht Uniform an. An einen Neuanfang konnte man erst im September 1919, fast ein Jahr nach dem Waffenstillstand, denken. Die noch aktiven Mitglieder des deutschen Kreises treffen sich in München, aber erst auf dem 12. Kongress in Karlsbad 1921, wird die jüdische Sportbewegung neu geschaffen, unter aktiver Leitung der jüdischen Verbände in Deutschland, aus der „Jüdischen Turnerschaft” wird der Makkabiweltverband, der auf dem Turntag in Karlsbad Heinrich Loewe zum Präsidenten wählt. In Jahre 1925 wird das Präsidium vorübergehend nach Wien verlegt, während die Leitung, die 1929 gewählt wird, mit Dr. Leiewer, Fritz Bernstein, Richard Blum, Dr. Friedenthal, — in Berlin residiert. Die Parole einer auf Palästina ausgerichteten Erziehungsarbeit wird proklamiert, und die Makkabia wird ins Gespräch gebracht, die dann 1932 zu dem grossen jüdischen Sporttreffen, zur ersten internationalen jüdischen Veranstaltung in Tel Aviv wurde, nachdem ein passender Sportplatz zur Verfügung stand. Es traten 500 Sportler aus 16 Landeskreisen an, neben 2000 Sportlern aus Palästina, die zweite Makkabia 1935. Dann verhindert der Weltkrieg die Bewegung, die dritte Makkabia kann erst 1950 abgehalten werden. In der Geschichte der Jüdischen Turnerschaft wie auch später im Makkabi Weltverband fehlen Nachrichten aus Russland, dem zaristischen wie dem bolschewistischen. In der Liste der Landeskreise des Makkabi fehlen Jugoslavien mit 15 Verbänden und Ungarn, in beiden Ländern war der Anschluss an internationale Gesellschaften behördlich verboten. Die U.S.A. ist 1930 nur mit einem Verband, Brooklyn, vertreten, ebenso England. Die grösste Zahl aktiver Sportverbände zählte Polen mit 62 Vereinen, es folgten die Tschechoslowakei mit 42, Deutschland 30, Österreich 10, (Fortsetzung auf Seite 19) 18