Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1982-1983
- Issue
- No. 50 (1982-1983)
- Date
- 1982-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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50—JAEHRIGES JUBILAEUM VON SOPHIE (GEB. BARUTH) UND DAVID EVEN-PINAH (ECKSTEIN) DIE NATIONAL-AKADEMIE FEIEIRTE AM 20.7.83 IM RATHAUS VON HAIFA DAS 50-JAEHRIGE JUBILÄUM DER ALIJAH VON DAVID UND SOPHIE EVEN-PINAH, DIE AM 20.7.33 IN YAFFA LANDETEN. AUS DEN ANSPRACHEN BEI DER FEIER EROEFFNUNG DURCH DEN BÜRGERMEISTER VON HAIFA, Herr Arjeh Gur’el: Geehrter Herr Even-Pinah, geehrte Frau Even- Pinah, unsere Freundin, Knesseth-Abgeordnete Ge’ulab Cohen, meine Damen und Herren! Die Geschichte der Alijoth in unser Land, die Geschichte der heroischen Kämpfe unserer Chaluzim, — anfangend mit denen der ersten Alijah (1882) und den Bilu’im bis in unsere Zeit — sind noch nicht tiefgehend und umfassend richtig dar. gestellt worden. Zwar wurde darüber nicht wenig geschrieben, aber noch kein Künstler hat bisher die Geschichte des wunderbaren Heldentums dieser Ali' joth geschaffen und zum vollen Ausdruck gebracht: die Schwierigkeiten, die alltäglich überwunden wurden, die Kämpfe und die Kriege. Diese Geschichte ist noch nicht in solcher Form u. Eindringlichkeit geschrieben worden, dass sie der jungen Generation als Fackel für ihre u. unsere Zukunft leuchten und sie bewegen kann, sich jene Begriffe zu eigen zu machen, die in der Vergangenheit den hier Anwesenden heilig waren: Zionismus und Chaluzijuth, Kämpfe und Kriege, die Untergrundbewegungen und alles was zur Errichtung unseres Staates und zu seiner Festigung und Stärke geführt hat. In diesem Heldenepos war die ERZIEHUNG von besonderer Bedeutung; — nicht der alltägli. che routinemässige Unterricht, sondern die ER¬ ZIEHUNG: Die Formung des besonderen Charakters des neuen Israelischen Menschen. Ich erwähne dies, weil die Lebensgeschichte von Herrn Even-Pinah — in der Mandatszeit und im Staat Israel — ein gewichtiger Teil, vielleicht sogar ein Vorbild für eine solche Erziehung ist. Herrn Even-Pinah wurde die Ehrenbürger, schaft der Stadt Haifa vor meiner Amtsepoche auf Grund guten Beschlusses weiser und verständiger Stadtvertreter verliehen. Aus Anlass dieser Feier habe ich untersucht, weshalb sie es taten — wobei mir noch Erinnerungen aus der Zeit meiner Tätigkeit in Haifa vor der Staatsgründung zugute kamen — und mir wurde klar, dass die Verleihung der Ehrenbürgerschaft damals ein Akt der Gerechtigkeit war. David und Sophie Even-Pinah haben 35 Jahre lang den Kampf gegen die Routine und das Festhalten am Gewohnten in stetem Gegensatz zur Denkweise des „Establishment” geführt. Sie nahmen in ihre Schulen Jugendliche jeden Standes, verschiedener Alters¬ und Bildungsstufen auf und bemühten sich ernsthaft, Jeden einzelnen bildungsmässig zu fördern und zugleich zu erziehen, — und dies lange, bevor der Begriff Integration offiziell eingeführt wurde. Die Ergebnisse dieser ihrer Tätigkeit und ihres Einflusses auf die Israelische Ge. Seilschaft sind von unschätzbaren Wert. Daher meine ich, dass die National-Akademie recht daran tat, auf Anregung und unter Leitung der Knesseth-Abgeordneten Ge’ulah Cohen diese Feier anlässlich des 50. Jahrestages der Alija von Herrn und Frau Even-Pinah zu veranstalten. Wir, die Gesellschaft, sind nicht immer grosszügig in der Anerkennung ihrer aktiven, schöpferischen, kämpferischen Mitglieder. Wir kommen oft zu spät, einem Menschen das zu sagen, was unser Herz für ihn empfindet — sondern man sagt es, wenn er es schon nicht mehr hören kann. Ich freue mich über die Initiative der Knesseth-Abgeordneten Ge’ulah Cohen, uns die Gelegenheit zu geben, dem Ehepaar Even-Pinah im Namen der Einwohner dieser Stadt unseren aufrichtigen Dank für das auszusprechen, was Sie in verschiedenen Epochen für ihre damals jungen Menschen, die jetzt erwachsen sind, getan haben; dafür, dass Sie nicht den leichten Weg gewählt, sondern sich mit den Problemen auseinandergesetzt und nicht das übliche Verfahren widerspruchslos als gut angenommen haben — und Ihren eignen Weg gegangen sind: dafür, dass Sie, Herr Even-Pinah, auf Ihre Weise ein kämpferischer Mensch gewesen sind. Wir drücken Ihnen unsere Hochachtung und unsern Dank für all das aus, was Sie bis jetzt geleistet haben, und wir wünschen Ihnen und Ihrer Gattin noch viele fruchtbare Jahre — so denken alle Bewohner Haifas, welche ja Sie u. Ihren Gang in den Strassen unserer Stadt kennen. Mögen wir uns noch viele Jahre Ihrer Gegenwart und Ihres Gedankenreichtums erfreuen! Seien Sie gesegnet! Chedvah Karmeli, Absolventin des Even-Pi. nah-Gymnagiums (1953) : Herr Jubilar verehrte Frau Even-Pinah, geehrte Gäste! Es ist für mich eine grosse Ehre, an diesem Abend eine Begrüssungsansprache halten zu dürfen. Vor 33 Jahren trat ich in das Even-Pinah- Gymnasium ein. Seit damals bin ich vielen Lehrern begegnet — zuerst als Schülerin und später als Lehrerin, und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass das Ehepaar Even-Pinah nicht nur ein Lehrer-Ehepaar, sondern auch ein pädagogisches „Institut” besonderer Art war. Im Laufe der Jahre kam mir die Einzigartigkeit dieses „Institutes” noch mehr zum Bewusstsein. Der Direktor — ich nenne ihn heute noch „Herr Direktor” — ging in seiner pädagogischen Haltung und Denkart seinen Zeitgenossen voran. Der Herr Bürgermeister hat ja schon einiges in dieser Beziehung erwähnt, und ich möchte darin fortfahren. Heutzutage sprich man über „Höhere Schule für alle” als etwas Selbstverständliches — aber damals war es anders: Das Schulgeld war hoch, und die meisten von uns waren unbemittelt. Die schulischen Anforderungen waren hoch, und Schüler, die keine genügend hohen Zensuren hatten, wurden nicht aufgenommen, beziehungsweise,. mussten abgehen. Aber in unserer Schule waren all diese Dinge nicht relevant: Jeder Schüler, der ernstlich lernen wollte, wurde aufgenommen, auch wenn seine Noten nicht hoch waren. Wir erhielten Stipendien, und es wurde uns geholfen, einen Arbeitsplatz in den schulfreien Stunden zu finden. Damals kritisierten viele diese Methode — aber sie erwies sich als richtig! Das beweisen die Dutzende unserer Absolventen, die heute Schlüsselpositionen auf allen Gebieten unseres öffentlichen Lebens einnehmen. Die Sorge für den Schüler als Menschen war das Wichtigste für das Ehepaar Even-Pinah. Erziehung zu höheren Werten, zu echtem Zionismus, zu jüdisch-nationaler Gesinnung und Liebe zu Eretz-Israel: all dieses war in unserer Schule von entscheidender Bedeutung. Das Leben des Direktors entsprach seinem Lehren, sein Handeln seinem Denken. Das kam nicht nur in den planmässigen Unterrichtsstunden zum Ausdruck, sondern auch in besonderen ausserplanmässigen Veranstaltungen. Erst viele Jahre später begann man im Erziehungsdepartement offiziell über die Notwendigkeit der Erziehung zu „jüdischem Bewusstsein” zu sprechen. Jedoch in unserer Schule, wiewohl sie nicht als „religiös” deklariert war, wurden uns diese Werte sowohl in Unterrichtsstunden als auch in besonderen Veranstaltungen nahegebracht. Eine solche Veranstaltung war der „Zweite Sseder”. Damals — und sogar noch bis vor wenigen Jahren, nachdem sie schon in den Ruhestand getreten waren — pflegte das Ehepaar damals Schüler und jetzt ebendiese Schüler von einst mit ihren Ehepartnern und Kindern einzuladen, mit ihnen gemeinsam einen „Zweiten Sseder” zu feiern. So war es auch denjenigen Schülern, die von Hause aus keine jüdische Tradition kannten, vergönnt, das Fest in seiner traditionellen Form zu erleben — und wir alle hatten die Freude eines unvergesslichen Erlebnisses, in dem wir alle zusammen eine grosse Familie waren. Ein Thema besonders in seiner Art, war das der hebräischen Namen. Der Direktor, der als Chaluz auch auf diesem Gebiete schon längst seinen früheren fremdsprachigen Namen mit einem hebräischen gewechselt hatte, riet auch uns Schülern., ein gleiches zu tun: Und als ich in der Schule lernte, tauschten wir alle unsere fremden Namen gegen hebräische Namen aus. Das war in den Schulen jener Epoche etwas Ungewöhnliches — auch dies ein Beweis für echten Pioniergeist. Die Zeit reicht nicht aus, im Einzelnen all das Grosse zu erzählen, das der Direktor und Frau Even- Pinah getan haben und noch heute tun — setzen sie doch ihren pädagogischen Einfluss fort, auch nachdem sie nicht mehr unterrichtlich tätig sind. Zwischen dem Ehepaar Even-Pinah und vielen ihrer Schüler entwickelte sich eine persönliche Verbundenheit besonderer Art — und das ist nicht erstaunlich. Während all dieser vielen Jahre, in denen es mir vergönnt war, mit ihnen in freundschaftlichen Beziehungen zu stehen und ihre Meinungen zu hören und zu lesen, empfand ich nie den altersmässigen Unterschied zwischen ihnen und mir: Jugendlicher Geist war für sie charakteristisch. Zweifellos bewahrheitete sich an ihnen jener Segen, von dem Agnon in seiner Erzählung „Die guten Jahre” spricht: Dass die Lebensjahre eines Mehschen hier erst von der Stunde seiner Alijah an zu zählen sind. Und demnach ist der heutige Tag nicht nur das 50jährige Jubiläum ihrer Alijah in unser Land, son- (Fortsetzung auf Seite 17) 16