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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1982-01-01 · No. 50 (1982-1983) · p. Seite 14

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1982-1983
Issue
No. 50 (1982-1983)
Date
1982-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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Juden in Deutschland von den Tagen Roms bis zur Weimarer Epoche Gerade in diesem Jahre, ein halbes Jahrhundert nach dem Anfang der zum furchtbaren Ende des europaeischen Judentums fuehrte, 50 Jahre seit dem Beginn der deutschen Meussen-Alij ah (Einwanderung) in unser Land, erinnert sich mancher aeltere Mensch erneut an das Vergangene und versuchen gerade juengere von mitteleuropaeischen Einwanderern abstammende Israelis, ihr spezifisches geistiges Erbgut zu erforschen. Der Durchschnittsmensch, der weder die Jahr. buecher des Leo Baeck Instituts liest, noch sonst oft akademisch trockene Vortraege zum Thema hoert oder Artikel darueber liest, hat hier Gelegenheit sich plastisch vor Augen zu fuehren, wie grandios und tragisch zugleich der Ablauf der Geschichte der Juden auf deutschem Boden sich entwickelte. Der Gesamteindruck ist faszinierend und stimmt traurig zugleich. In fast 600 Fotos bezw. Zeichnungen, ornamentierten mittelalterlichen Handschriften, Buechern und Ritualgegenstaenden sieht man die „Juden in Deutschland” und willkuerlich vom schrecklichen Ende her: Von dem erst kurz vor dem Ausgang aus der Halle fluechtig dargestellten Untergang — dem Holocaust. Dieser furchtbare Schatten verduestert den Stolz und die Genugtuung an dem so unermesslich reichen Gut, welches die Juden in Deutschland seit der Roemerzeit, trotz aller Verfolgungen Im Verlag „Machon Jeruschalayim”, der es sich unter Leitung von Rabbi Josef Buxbaum zur Aufgabe gesetzt hat, bisher unbekannte Schriften von Talmudgelehrten aus der Vergangenheit, darunter besonders solcher aus „Aschkenas” in Buchform herauszugeben, erschien jüngst eine Sammlung von Werken des Rabbi Aryeh Loeb Wormser (1768 — 1847). Es handelt sich dabei um Abhandlungen über didaktische Themen, z.B. wie die heilige Schrift am besten zu studieren, und gelehrte Anmerkungen zu den Talmudtraktaten. Die der Veröffentlichung zugrunde liegenden Schriften stammen aus dem Besitz von Nachfahren des Rabbi, dessen m.i nuskripte jedoch zum Teil bei einem Brand in sei. nein Haus noch zu seinen Lebzeiten verloren gingen. Erscheint der Rabbi nunmehr in neuem Licht als bedeutender und tiefgründiger Talmid Chacham' der sich auch — eine dazumal seltene Erscheinung unter seinesgleichen — weitgehende weltliche Kentnisse erwarb und verwertete, so beruhte sein Ruf im Wesentlichen als Wundertäter und Helfer der Armen und Hilfesuchenden. Obwohl er immer ablehnte Wunder zu vollbringen, gelangte sein Ruf aus der kleinen Stadt Michelstadt im Odenwald nach ganz Deutschland und darüber hinaus. Den ihn Aufsuchenden half er im Wesentlichen durch Gebet, Zuspruch und praktischen Rat, und die ihm reichlich zugehenden Spenden verwandte er für arme Jünger seiner Jeschiva. Er selbst war fast be- und Schwierigkeiten in zivilisatorischer und kultureller Hinsicht geschaffen haben. Was gibt es da nicht alles zu sehen und zu lernen, wie viel Luecken im Wissen ueber unsere „Wurzeln” auszufuellen. Wir beginnen bei der Nachricht des roemischen Kaisers Konstantin aus dem Jahre 328 an die Stadt Koeln bezueglich ihrer juedischen Gemeinde, betrachten Urkunden aus der Bluetezeit unter der Herrschaft Karls d&s Grossen, waehrend der die Juden als gleichberechtigte Buerger angesehen wurden, — und begreifen aufs Neue die Urspruenge des von der katholischen Kirche geschuerten Judenhasses — Ritualmordbeschuldigung — die Maerchen von Brunnenvergiftungen, Hostienschaendungen, aus denen der moderne Antisemitismus in reichem Masse gespeist wurde. Die Massaker der Juden in den alten „Schumgemeinden” (Speyer, Worms und Mainz) am Rhein und anderen Orten im elsaessischen und sueddeutschen Raum, der eigentlichen Wiege des „Aschkenasischen” Judentums, fuehrten zu dem damaligen juedischen Drang nach Osten. Blickt man auf die Pfeile auf den Wandkarten, welche die Auswanderungsstellen der Juden aus Deutschland ueber Oesterreich und Boehmen nach Polen und ganz Ost Europa illustrieren, so begreift man, wie aus „Heilbronn” der Familienname Halperin, aus Speyer — Schapiro entstand. Die juedischen Trachten und Braeuche, von Eisenmenger und Schudt beschrieben und illudürfnislos und ernährte sich nur von nicht animalischer Kost. Auch die nichtjüdischen Mitbürger seiner Heimat verehrten ihn sehr und beteten noch später an seinem Grab wenn in Not. Noch heute dient seine Grabstätte Besuchern aus Europa, die dort beten und auf Hilfe hoffen. Auch die Synagoge in der er betete und sein Wohnhaus werden gezeigt, an dem Letzteren ist eine Gedenktafel angebracht, die ihm seine Vaterstadt vor vielen Jahren widmete, und die die Nazizeit in einem Keller verbrachte. Der Baalschem von Michelstadt war, wie Gerschom Scholem bemerkt, einer der letzten Kabbalisten aus Deutschland. Sein Lehrer war Rabbi Nathan Adler in Frankfurt a.M., der ebenfalls kabbalistische Neigungen aufwies, einer seiner Schüler war der berühmte Rabbi Moses Schreiber, ebenfalls aus Frankfurt, später als „Chatam Sofer”, Rabbiner in Pressburg (Bratislava) hoch geachtet. Leben und erzählte Taten des Baalschem wurden mehrfach in Buchform berichtet. Einer seiner Enkel, der Bankier Samuel Straus aus Karlsruhe war wohlbekannt als grosser Philanthrop, Mitgründer des Schaarei Zedek Hospitals und anderer Wohlfartsinstitutionen in Jerusalem. Seine Söhne und Schwiegersöhne waren durchweg leitende Persönlichkeiten im jüdischen Leben in Deutschland. Mordechal Noy, (Ramat Chen.) striert, die fein ziselierten Purim und Pessach Zinnteller, die dem sueddeutschen Judentum ureigene Kupferne Schabbatlampe (Kerzen in Schabbatleuchtern waren dort eine Neuerung der letzten 150 Jahre) geben uns ein lebendiges Bild vom absolut jüdisch-geprägten Jahres und Lebenslauf des Juden bis zur Emanzipation. In einer Ecke blickt Moses Mendelsohn, mit dem ein neuer Abschnitt in der Geschichte des deutschen Judentums beginnt, auf uns herab. Nach ihm begegnen wir einer Fuelle bekannter Gesichter und Persoenlichkeiten — von Boerne und Heine bis zu Gabriel Riesser, Marx und Lassalle, wie noch vielen anderen geistigen und politischen Gestalten, die den Uebergang von der alten Ueberlieferung zum moderen, post emanzipatorischen Judentum mitgestalteten. Der Hauptakzent der Ausstellung liegt auf der Schilderung des Lebens und Wirkens der deutschen Juden im 19. und 20. Jahrhundert. Ihr Beitrag zur Musik und Kunst, dem Theater, der Literatur, der Presse, des Handels, der Wissenschaft, und der Politik, des internationalen Handels und Industrieaufbau in Deutschland ist wohlbekannt. Das wird hier dem Beschauer zwar nur kondensiert, aber doch hoechst belehrend vor Augen gefuehrt. Der zur Kaiserzeit aufkommende Rassismus (Stoecker etc.) wurde damals als voruebergehende Randerscheinung abgetan, das Trugbild von der „deutsch-juedischen Symbiose” wurde erst all zu spaet entlarvt. Assimilation, der Kampf gegen den Antisemitismus, der Centralverein und RJF, und andererseits die zionistische Bewegung, die chaluzischen Bewegungen, die NEO-Orthodoxie, die von Buber und Rosenzweig befruchtete Kulturrenaissance und vieles mehr, was so mancher Besucher miterlebte, wird in Erinnerung gerufen. Der eine erkennt das Innere einer, ihm aus der Kindheit erinnerlichen Synagoge in Berlin, oder in Wallerstein in Schwaben, eine weisshaarige Dame ruft stolz: Siehe da — Eduard von Simson — das war mein Grossonkel: Erinnerungen werden wachgerufen, Trauer ueber unwiederbringlich Verlorenes schleicht sich ins Herz — gemischt; mit Genugtuung das, was wir von unseren Vaetern — den Juden Deutschlands — ererbt, neu erworben, letzlich zu einem Bestandteil des juedischen Geistes und Kulturbesitzes der Weltjudenheit und unseres Staates geworden ist. ABRAHAM FRANK, Tel Aviv — Ramat Chen. * ¥ ANM. D. RED. — Anlässlich der Ausstellung wurde vom “Diaspora-Museum”, Tel Aviv, ein hochinteressanter, vorzüglich ausgestatteter dreisprachiger Katalog herausgegeben. (Deutsch, Englisch, Hebräisch). Der Katalog enthält etwa 100 der bei der Ausstellung gezeigten Bilder, sowie 3 Abhandlungen: 1.) Zum geistigen Erbe des aschkenasischen Judentums von Prof. Uriel Tal. 2.) Der deutsche Weg der Judenemanzipation von Prof. Walter Grab 3. Juden in Deutschland von Dr. N. T. Gidal. Auch denen, die die Ausstellung nicht gesehen haben sei geraten diesen lehrreichen Katalog zu erwerben. RABBI ARYEH LOEB WORMSER - DER BAALSCHEM VON MICHELSTADT 14

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