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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1982-01-01 · No. 50 (1982-1983) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1982-1983
Issue
No. 50 (1982-1983)
Date
1982-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Von Landsberg O/S-auf Umwegen-nach Hamburg IM GEDENKEN AN PROF. DR. HERBERT WEICHMANN Allein die Titel seiner zahlreichen im Druck festgehaltenen öffentlichen Äusserungen, mögen es Aufsätze, Bücher oder Vorträge sein — sie gehen in die hunderte —, sind kennzeichnend für die weite und gründliche Sachkunde und die konstruktive politische Kritik mit der Herbert Weichmann über ihm am Herzen liegende Probleme nachdachte, sprach und schrieb. Nun ist dieser (auch internatiom geprägte) deutsche Politiker, der staatsmännisches Format erlangt hatte, von uns gegangen. In seinen Erwägungen und Schlussfolgerungen war und blieb er stets auch Jurist, auch Publizist und ein Vorbild für Vieles, was mit politischer Bildung und politischem Anstand zusammenhängt. In den Medien wirkte er ernst, doch nie zu ernst. Er versuchte, Zusammenhänge zu erklären, und hörte nie auf, zur Besinnung aufzurufen. Man las, beobachtete und hörte ihn gern. Seine repräsentable Erscheinung, seine geistvollen, präzisen und prägnanten Formulierungen, seine menschliche Haltung in der Beurteilung, seine sympathische Stimme, seine Schlagfertigkeit im Gespräch — alles das konnte man leicht als “typisch Weichmanns” identifizieren. Seine Bereitschaft, sich mit neuen Erscheinungsformen im politischen und gesellschaftlichen Leben auseinanderzusetzen, liessen rasch manches Konventionelle in seinem Auftreten vergessen. Kurz: hier be. gegnete man einer in der Darstellung und Analyse eines Zustandes unabhängigen Persönlichkeit, selbst wenn er sich beispielsweise mit der vielumstrittenen letzten Phase des Staates Preussen beschäftigte (zu deren historischer Aufhellung er Wertvolles beigetragen hat) oder wenn er, noch vor gut einem Jahr, im Bonner Bundeshaus die Gedenkrede zum “Tag der deutschen Einheit” hielt. I. Herbert Weichmann kam 1896 in Landsberg im vormaligen Ost-Oberschlesien als Sohn eines Jüdischen Landarztes zur Welt. Er studierte Jura, wurde Doktor der Rechte, war Landrichter in Breslau und stand von 1927 bis 1933 im höheren preussischen Staatsdienst. Zuletzt war er als Ministerialrat der persönliche Referent des Ministerpräsidenten Otto Braun. 1933 als Sozialdemokrat und Jude aus dem öffentlichen Dienst entfernt, verbrachte er zunächst sieben schwere Emigrationsjahre als freier Journalist in Frankreich — er hatte schon vorher im deutschen Pressewesen gute praktische Erfahrungen gesammelt. 1940 gelang ihm die Flucht nach Amerika. In New York, wo er gleichfalls ein wenig im Zeitungsbereich tätig sein konn. te, nahm er als 44jähriger das Studium der Betriebswirtschaftslehre auf, um als Wirtschaftsprüfer/Steuerberater arbeiten zu können. Das alles klingt weit einfacher, als es in Wirklichkeit war; jede Integrationsbemühung der Weichmannschen Flüchtlingsgeneration brachte Schwierigkeiten und Entsagungen mit sich. Andererseits mag die berufliche Neuorientierung mit dazu beigetragen haben, dass Dr. Weichmann nach Kriegsende den Vorschlag zur Rückkehr nach Deutschland ernstlich erwog. Es war Hamburgs erster Nachkriegsbürgermeister Max Brauer, der, schon vorher zurückgewandert, Weichmanns als mutig zu wertende Entscheidung wesentlich beeinflusst hat. VON DR. E.G. LOWENTHAL Um dessen weiteren Weg, knapp zusammengefasst, zu skizzieren, ein paar Daten: Von 1948 bis 1957 stand er, der erprobte Jurist und nunmehr auch Finanzexperte, an der Spitze des Hamburgischen Rechnungshofes. Es folgten acht Jahre in dem wichtigen Amt als Finanzsenator der im Wiederaufbau begriffenen Hansestadt, die er zuweilen auch im Bundesrat in Bonn zu vertreten hatte. Schliesslich 1965, als es hiess, den Posten des Ersten Bürgermeisters neuzubesetzen, fiel die Wahl auf Weichmann, den Senatssenior. Er behielt diese Position bis 1971, als er 75 Jahre alt wurde. Als Bundesratspräsident während der Periode 1968/69 fungierte er auch als Stellvertreter des Bundespräsidenten: damit war er zeitweise der zweite Mann in der Hierarchie der Bundesrepublik Deutschland. Dass er ab 1956, nebenberuflich, an der Hamburgischen Universität einen, später mit dem Professortitel versehenen Lehrauftrag für öffentliches Haushalts- und Rechnungswesen innehatte, dürfte seinen pädagogischen Neigungen entsprochen haben. Weichmann war ein bewuster Jude, wenn auch nicht im Sinne strenger Observanz. Zeit seines Lebens fühlte er sich dem Judentum als einer pluralistischen Schicksalsgemeinschaft zugehörig, Noch vor einiger Zeit besuchte er, wie man erfährt in Begleitung seines in Amerika lebenden Sohnes, des Physikprofessors Frank Weichmann, die Gräber seiner Ahnen im heutigen südwestlichen Polen. 1960, bei einem Empfang nach der Einweihung der neuen Synagoge in Hamburg, sprach er, der Jude, als Vertreter des Senats von Hamburg über den „Weg der jüdischen Gemeinschaft”. Dass sein Interesse auch Israel galt, zeigten seine schon 1957 von d. Israel-Mission (Köln) veröffentlichten Eindrücke von einer Besuchsreise: “Das Werden eines neuen Staats”. Zu den besten Erinnerungen jedenfalls an deD jüngeren Herbert Weichmann gehört der (erst kürzlich erschienen) “unsentimentale Bericht” seiner F¥au, Dr. Elsbeth Weichmann, betitelt „Zuflucht — Jahre des Exils” (Hamburg 1983). Die Hamburger Öffentlichkeit trauerte um ihrem heimgegangenen Altbürgermeister, der sich besonderer Beliebtheit erfreute, in Dankbarkeit u Ehrfurcht. Er war ein populärer “Eider States. man”, hatte er doch ein so verantwortungsvolles Amt übernommen, als er selbst die Altersgrenze längst überschritten hatte. In der Person dieses Mannes fanden sich, wie selten im öffentlichen Leben unserer Zeit, Verpflichtung, Bereitschaft und Leistungsfähigkeit harmonisch zusammen. n. Es mögen mehr als 20.000 Hamburger Bürger gewesen sein, die am 15. Oktober 1983 an seinem im Rathaus aufgebahrten Sarg vorbeizogen. Bei der offiziellen Trauerfeier, die an gleicher Stelle am darauffolgenden Tag stattfand, sprachen u. a. Bundespräsident Karl Carstens, der Herbert Weichmann als Staatsmann würdigte, und der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt, der den von ihm so verehrten Verstorbenen den geistig bedeutendsten Hamburger Bürgermeister unseres Jahrhunderts nannte. An dieser stelle sei auch daran erinnert, dass Israels erster State Comptroller, Dr. Siegfried Moses (1837 — 1974), Präsident des “Council of Jews from Germany” (London/Jerusalem), jahrelang in freundschaftlicher Beziehung zu Professor Weichmann gestanden hatte. in. Das Wirken Herbert Weichmanns in Hamburg sei Höhepunkt seines politischen Lebens gewesen, die Ernte von vielen Feldern. Dies verkündete Hamburgs Bürgerschaftspräsident, der Vorsitzende des Stadtparlaments, Peter Schultz als er am 16. Oktober im Rathaus an der Bahre des kurz vorher heimgegangenen, vielverehrten Bürgermeisters sprach. Und er fügte wörtlich hinzu: “Der Sozialdemokrat, der preussische Jude und deutsche Patriot, der Emigrant in Frankreich und Amerika, der glänzende Journalist, der Wissenschaftler, der Denker, der Verwaltungsfachmann und der grosse Parlamentarier fanden im Bürgermeister ihre Synthete”. Auch dieses Zitat ist in dem (im Albrecht Knaus Verlag, Hamburg 1983) erschienenen schmalen, eindrucksvollen Bändchen “Herbert Weichmann zum Gedächtnis” enthalten, das dessen langjähriger enger Mitarbeiter Staatsrat a.D. Dr. Hans Fahning liebevoll gestaltet hat. In vollem Wortlaut sind hier auch die anderen Reden und Ansprachen wiedergegeben, die bei der offiziellen Trauerfeier für Weichmann gehalten wurden (von Bundespräsident Karl Carstens, von Bürgermeister Dr. Klaus von Dohnanyi. Rabbiner Dr. N. Peter Levinson, dem früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem Bremer Bürgermeister Hans Koschnik). Im Anschluss daran findet man in der Gedenkschrift Auszüge aus etwa 60 ausgewählten Kondolenzschreiben, die an die Witwe des Verstorbenen, Dr. Elsbeth Weichmann, und an das Oberhaupt des Stadtstaates gelangten. —^—i— STEMPELBOGEN ACHT G. GROSCHEN Nachdem der Inhaber dieses, der Moses Fische] Lieberecht zu Gros-Strehlitz vor der -Polizei- Obrigkeit seines Wohnortes erklärt hat, dass er den Namen Moses Fischei Lieberecht als Familien-Namen ferner beibehalten will, so wird in Gemässsheit des §. 4. der Verordnung vom 11 März v. J. hiermit bezeugt, dass derselbe und seine Nachkommen als Königl. Preussl. Einländer und Staatsbürger angenommen werden, und überall als solche zu achten sind. Signatum Breslau den 21. März 1814. (L. S.) “Kön: Pr: Schlesische Regierung zu Breslau. 1809.” Königl. Preussl. Breslau’sche Regierung von Schlesien, zwei Unterschriften. Attest für den Moses Fischei Lieberecht zu Gross-Strehlitz wegen Annahme zum Königl. Preussl. Staats-Bürger. P. VH. 1481.) Febr: S (EINGESANDT VON HEINZ LIEBRECHT HERZUA) 12

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