Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1982-1983
- Issue
- No. 50 (1982-1983)
- Date
- 1982-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/7411685-7413297-7497320--1018-7413308- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
EIN BRIEF VON DR. WILHELM FREYHAN s.A. AN DIE ANGEHOERIGEN VON JAAKOW ROSENHEIM s.A. Aus dem Nachlass von Dr. Wilhelm Freyhan s.A. bringen wir einen Brief an die Angehoerigen von Jaakow Rosenheim s.A., des Leiters des Weltverbandes der Agudath Israel, welcher ein interessantes historisches Dokument ist. Dieses Dokument ist uns freundlicher Weise von Herrn Morrechai Noy Ramat Chen, zur Verfügung gestellt worden. -•— An die Hinterbliebenen des Raw Jacob Rosenheim Jerusalem. Meine sehr Beehrten! Wenn wir wohl auch alle wussten, dass er diese Welt in Kürze verlassen würde und wenn auch sein Aufstieg in jene Höhen, deren Bedeutung uns ewig verschlossen bleiben wird, sicherlich eine Erlösung für ihn bedeutete — so ist doch die Trauer, dass eine Persönlichkeit wie Jacob Rosenheim s.A. nicht mehr unter uns weilt nicht geringer. Aber andrerseits dürfen wir mit G’ttes Ratschluss nicht hadern, denn nicht viele Generationen hatten — wie die unsrige — das Glück ihn den seinen zu nennen, einen einmaligen Menschen in des Wortes eminentester Bedeutung zu erleben. Wenn ich Jacob Rosenheim y/j denke und sage, dann steigen die schönsten Jugenderinnerungen in mir auf, die trotz des 9. Jahrzent, das mir n''3pn geschenkt, nicht verblasst sind. Das war wohl im ersten Jahrzent dieses Jahrhunderts, da er daran ging, den „Israelit” zu reorganisieren und aus dem bisherigen “Provinzblättchen” ein Organ für die Weltorthodoxie zu schaffen, das seitdem in seiner Art nicht mehr erreicht wurde. Zu jener Zeit hatte ich das Glück als kaum 20 jähriger ihm näher treten zu dürfen. Er bat mich um Berichte über das Breslauer jüdische Leben für den „Israelit” und von diesem Briefwechsel angeregt entwickelte sich erst mein jüdisches Denken das zu Artikelserien und Aufsätzen aus meiner Feder führte, die er dann regelmässig im “Israelit” veröffentlichte und mich so zu seinem bescheidenen Mitarbeiter machte, was mich mit grossem Stolz erfüllte. Wohl der Höhepunkt meines jüdischen Lebens war dann die Veröffentlichung meines Schreibens an den “Israelit” aufgrund des bekannten Aufrufs von Arthur Cohn-Basel, die zur endgiltigen Vorbereitung des “Provisorischen Comites” und der constituierenden Sitzung bei Adolf Stern führten, deren hervorragende Organisation wohl ausschliesslich Jacob Rosenheim zu danken war. Schon vorher war es mir vergönnt, einen Schab- Dr. HURWITI LTD. TRAVEL & TOURS AGENCY Tel Aviv, Allenby Sfr. 113 (Passage) 6 1 4 0 2 5 6 2 1 3 5 1 Individuelle Beratung für Ihre Reise ins Ausland bath im Kreise seiner Familie zuzubringen, wo er und seine unvergessliche Frau Trudchen nur Vater und Mutter waren und vergnügt im Kreise mit den 6 oder 7 Kindern um den Sabbathtisch tantzten. Freude und Heiterkeit und einen stillen Abglanz der Neschamah Jeterah verbreiteten. Und dann gelang es seinem Höhenflug den Osten und den Westen in Kattowitz zu vereinigen. Ich sass als einer der Schriftführer unmittelbar hinter ihm, als er seine Eröffnungsrede hielt. Kein andrer Redner der 3 tägigen Tagung konnte sich auch nur annährend mit dem Applaus messen, den die Tausende, welche seinem Rufe gefolgt waren, ihm zollten. Und dann fuhren wir zusammen nach Krakau, wo eine Sonderveranstaltung für Galizien stattfinden sollte. Auch hier jubelten ihm Tausende zu und waren trotz stömenden Regens herbeigeeilt, um Jacob Rosenheim zu sehen und zu hören. Aber woher sollte man in Krakau einen Saal nehmen der die Tausende fassen konnte, die gekommen waren. Da gab es bereits Revolten an den Saaleingängen und in den Treppenhäusern, weil keiner verzichten wollte. So schlug ich mich schnell entschlossen bis zu den Aussenbalkons vor, liess deren Türen öffnen und arrangierte von den Balkons aus eine Parallelversammlung, um die Rosenheimsche zur Ruhe zu bringen. Das Treppenhaus entleerte sich und die Saaltüren konnten geschlossen werden, so dass Jacob Rosenheim in Ruhe im Saale sprechen konnte und der Abend war für alle Teilnehmer gerettet. Dann fuhren wir 2 Uhr nachts zurück nach Kattowitz... Alte Jugenderinnerungen. Nun bin ich wohl noch der letzte der Kattowitzer Teilnehmer, der noch am Leben ist. Vor einigen Jahren hörte ich noch, dass Dr. Simon (früher in Heidelberg) in USA leben soll. Er war mein Nachbar in Kattowitz. Wenn ich mich nicht schonen müsste, wäre ich persönlich nach Jerusalem gekommen. So muss ich mich begnügen, Ihnen auf diesem Wege meiner tiefen Bewegtheit Ausdruck zu geben, dass uns nun einer der Besten unserer Zeit verlassen und Ihnen von der Ferne aus zurufen: nxt? y\ro asnx anr aipan In alter Verbundenheit Ihr Wilhelm Freyhan 4.11.1965 ZU DEM ARTIKEL UEBER LEO BAECK In seinem warm empfundenen Nachruf zum 25. Todestag von Rabbiner Dr. Leo Baeck ist dem Verfasser ein bedauerlicher Irrtum unterlaufen. Baeck war nicht der Erste, der das Wort „Kamocha“ in Leviticus 19, 18 mit „er ist wie Du“ übersetzte. Vor etwa 200 Jahren lehnte Naphtali Herz Wessely (Weisel) in dem von ihm, im Rahmen des „Biur" verfassten Kommentar zu „Wajikra“ die auch von Mendelssohn angewandte Übersetzung „wie Dich selbst" ab. In seinem breit angelegten, mit zahlreichen Bibelstellen belegten Kommentar zu obigem Vers weist Wessely die Unhaltharkeit der üblichen Deutung nach und schlägt anstelle des „wie Dich selbst" vor: „Liebe Deinen Nächsten der Dir gleich ist“, also sinngemäss „Er ist wie Du“. Joseph Walk SEELSORGE FUER JUEDISCHE KRIEGSGEFANGENE. SIBIRIEN / TURKESTAN 191411920 ln Russland konnte man von einer Seelsorge bei den vielen Deutschen, Österreichern und Ungarn jüdischen Glaubens kaum sprechen, well die russischen Gesetze gegen Juden während des Krieges brutal angewendet wurden und somit auch für Zivilisten fast kein Gottesdienst statt fand. Obwohl es in der österr-ungarischen Monarchie 10.5% jüdische Bürger gab, waren die Juden in den Kriegsgefangenlagern in absoluter Minderheit, dennoch befanden sich unter den Gefangenen genug strenggläubige ReligionsgenoBsen, die schwer unter der Behinderung ihrer Religionsausübung litten. In den Lagern weilten nur einige Rabbinatskandidaten, Rabbiner gab es nur in einer geringe Zahl bei den Zivilinternierten. Merkwürdigerweise waren die österreichischen Mohamedaner (Bosniaken) und die gefangenen Türken trotz ihrer für den Mitteleuropäer reli. giösen Exotik fast ganz unbeachtet, aber auch nicht verlacht oder verspottet, während die wenigen Juden, die ihr Rituell offen ausübten, nicht selten rohen Scherzen ausgesetzt waren. Besser hatten es in dieser Beziehung die Zivilgefangenen obwohl sich die wenigen Rabbiner unter diesen, mehr verbergen mussten als 6ie hervortreten durften. Besser wurde es jedoch nach der russischen Revolution obwohl trotz der erleichterten Lage eine Seelsorge auch nicht zustande kommen konnte. Die einzige grosszügige Unterstützung der gefangenen Soldaten und Offiziere jüdischen Glaubens kam von den verschleppten russischen Juden aus den Ostseeprovinzen, Galizien und Bukowina. In Turkestan gab der Kommandant des schrecklichen Trotzky-Lagers 1915 die Erlaubnis dass die Kriegsgefangenen jüdischen Glaubens anstatt des täglichen Brotes, für alle acht Tage des Pessachfestes bloss Mehl zugewiesen erhielten, aus dem dann im Lager Mazzos gebacken werden durfte. Diese Erlaubnis erwirkte die jüdische Gemeinde der Stadt Taschkent für viel Geld als Bestechung. Nach mehrstündiger Arbeit begannen die Bäcker, nachdem der Ofen „gekaschert” worden war, das Mazzosbacken. Das Mehl war tiefschwarz, schlecht und mit Streu und Sandkörnern vermsicht. Es war ein wirkliches „Brot des Elends”. Aus alten Brettern wurde der Sedertisch vorbereitet, pro Mann schickte die jüdische Gemein, de Taschkent einen Schluck Wein und so kam es dann zum „Seder” im Kriegsgefangenenlager. Begreiflicherweise war es kein freundiger Akt. Jeder war im Gedanken in der Heimat, bei den Eltern und bei der Familie. Und so murmelten einige Soldaten die Erzählungen bis „Goal Jisroel”, alle vorgeschriebenen ^Ordnungen” des Seder wurden eingehalten und es kam zum letzten Punkt „Nirzoh” dem Schlussgesang. Die gefangenen Soldaten schämten sich der Tränen nicht bei diesem Sederabend in russischer Kriegsgefangenschaft. (Nach Berichten von D. Ch. RÜBEN und LEO STEINER (Brünn.) 11