Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1982-01-01 · No. 50 (1982-1983) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1982-1983
Issue
No. 50 (1982-1983)
Date
1982-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/7411685-7413297-7497320--1017-7413307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

10 entity mentions

BETH HAGALGALIM - EIN NEUES PROJEKT EUER BEHINDERTE KINDER IM RAHMEN DES ARBEITSPROGRAMMS VON „ALIN - MOSSAD ABRAHAMS TEL-AVIV” (ISRAELISCHE GESELLSCHAFT FUER INVALIDE KINDER] Von FRIEDEL SCHWARTZ Alin wurde vor ca. 40 Jahren von einigen freiwilligen Helferinnen unter Vorsitz von Frau Elga Cegla, der heutigen Ehrenpraesidentin, gegründet mit dem Ziel, Zeit und Kraft behinderten Kindern zu widmen. 1953 wurde auf einem von der Stadt Tel-Aviv zur Verfuegung gestelltem Grundstueck mit grosszuegiger finanzieller Hilfe von Herrn Abrahams s.A. (Johannesburg) das Institut, auf seinem Namen lautend, gebaut. Im Laufe der Jahre wurden mit Hilfe von ALIN, von Freunden im In- und Ausland, der grosse Garten, das Schwimmbecken, die Tekuma Schule und das Audiologische Institut hinzugefuegt. Heute ist Mossad Abrahams ein von der Stadt Tel-Aviv unterhaltenes Institut, das jedoch ohne die materielle und organisatorische Beteiligung von Alin nicht existieren koennte. Beth Hagalgalim ist das neue Projekt, ein in ländlicher Umgebung gemietetes Haus, in der Gruppen von Schulkindern Wochenende und Teile ihrer Ferien unter Aufsicht von Lehreren und Studenten verbringen. Dieses einzig dastehende Unternehmen ist die Idee und auch die Ausführung einer aussergewoehnlichen Frau mit Namen Miriam Schwarz. Sie war die letzten 8 Jahre Beraterin fuer behinderte Kinder in der Tekuma Schule, ein Werk Alins, wo 45 koerperlich behinderte Kinder aus dem Grossraum Tel-Aviv einen normalen Schulunterricht (8 Klassen) und gleichzeitig im anschliessenden Mossad Abrahams ihre medizinische Behandlung bekommen. Eines der groessten Probleme dieser Kinder, sagt uns Frau Miriam Schwarz, ist die Entwicklung ihrer Persoenlichkeit und auch die Stärkung des Selbstbewusstseins. Nachdem die Beraterin die Eltern der Kinder in regelmaessigen Abständen traf und gemeinsam mit ihnen versuchte die auftauchenden Probleme zu loesen, kam ihr die Idee, ein Wochenendheim zu schaffen: fuer die Eltern eine Erleichterung der schweren Buerde fuer ein krankes Kind Tag und Nacht zu sorgen. 90% dieser Kinder befinden sich in Rollstuehlen. Miriam begann Gruppen der Kinder in Kibbutzim und andere Plaetze fuer ein Wochenende zu bringen. Doch daraus kristallisierte sich, dass nur in der Form eines permanenten Hauses, in das man jedes Wochenende und auch in den Ferien zurückkehren konnte, die beste Lösung zu finden sei. Die Kinder haben meistens wenig Kon. takt mit der Welt ausserhalb der Schule, der Lehrer, Klassenkameraden und ihrer Familie. In der Form eines permanenten Hauses ausserhalb der ßtadt, wuerden sie in einer neuen Umgebung leben sowie auch Kontakt mit neuen Menschen haben. Dieses Projekt zu verwirklichen war nicht einfach. Wie auch bei den ersten Weekends, war Alin, die grosse Hilfe, ohne die Vieles nicht moeglich gewesen waere. Aber ein permanents Ferienheim? — Miriam Schwarz machte durch Zufall die Bekanntschaft einer Dame, Mutter eines koerperlich behinderten Kindes, die selbst eine Nazi-Verfolgte war. Diese stellte ihr Restitutionsgeld aus Deutschland fuer das oben beschriebene Projekt zur Verfuegung. Anfang 1982 fand sich in Herzlia - Pi. tuach ein Haus, in dem 10 Kinder und ihre Betreuer Platz hatten und dessen Eigentuemer das Haus nur fuer einen sozialen Zweck vermieten wollen. Nachbarn, die diesem Zweck wohlwollend gegenueber standen, halfen Miriam in kuerzester Zeit alles notwendige Mobilar, Betten, Stuehle, Tische zu beschaffen, sogar ein Frigidair und TW Apparat wurden gesammelt oder sehr billig besorgt. Anfang August 1982 konnte die erste Gruppe fuer 10 Tage Sommerferien einziehen. Die Kinder gaben den Namen: das „Haus auf Raedern”, da wie oben bemerkt der groesste Prozentsatz an Rollstuehle gebunden ist. Seitdem besuchen Grup. pen von nicht mehr als 10 Kindern ihr Haus in den Ferien und an Wochenenden. Es ergibt sich, dass jedes Kind der Tekuma Schule jedes 4. oder 5. Wochenende in Herzlia verbringt. Natuerlich gab es noch andere Schwierigkeiten zu ueberwinden, z.B. den Transport. Welche Taxichauffeure wollten sich verpflichten, jeden Freitag Mittag und Sonntag frueh die Kinder zu transportieren? Auch dieses Problem wurde durch einen Taxiservice in Nathanya geloest, so dass die Kinder und ihre Helfer jeden Freitag nach der Schule abgeholt und Sonntag frueh direkt zur Schule zurueckgebracht werden. Es ist fuer die Eltern eine Chance 3 Tage in Ruhe zu verbringen oder auch mal, wenn noch andere Kinder in der Familie sind, etwas mit diesen zu unternehmen, was sonst nicht moeglich waere. Miriam mit Freunden und Studenten uebernahmen die Arbeit mit und fuer die Kinder. — Ob es kochen, Geschirr waschen, Betten machen oder sich mit den Kindern selbst zu beschaeftigen sei. Die Helfer kommen aus allen Teilen des Landes mit den verschiedensten Berufen, aber von Idea. lismus und Liebe fuer diese Kinder beseelt. Etwas in der Atmosphaere dieses Hauses zieht diese jungen Helfer an und gibt ihnen gleichzeitig Befriedigung. Einige Studenten, ob der Psychologie ode- Physiotherapie nehmen vom „Haus auf Raedern” Erfahrungen mit sich, die sie in keiner anderen Institution im praktischen Dienst spaeter finden werden, naemlich, dass Liebe, Froehlichkeit und Vertrauen, die Grundlagen fuer die Arbeit von Mensch zu Mensch sind. Die Nachbaren des Hauses sind Freunde der Kinder geworden, sowie auch die „Scouts” ob Maedels oder Jungens. Sie besuchen sie, laden sie in ihre Haueser ein und oeffnen damit den Alinkindern eine neue Welt. Sie nehmen sie mit zum Strand oder zum Flugplatz in dem nahe gelegenen Kfar Schmarjahu — alles ist neu, anregend, um nicht das Wort aufregend zu gebrauchen. Dieses ganze Unternehmen waere nicht moeglich gewesen, wenn die Organisation ALIN nicht die routinemaessigen Ausgaben uebemommen haette. Die Beisteuerung der Eltern ist in diesem Falle minimal, da ein solch krankes Kind eine Familie finanziell sehr belastet und ohne ihr Zutun oft zum sozialen Fall macht. VIELFAELTIGE HERZLICHE GRATULATION DEM DICHTER MAX ZWEIG JERUSALEM Wer mehr als der seit einigen Jahren still und zurückgezogen in Jerusalem lebende — nach Jahrzehnten seines Schaffens in der Metropole Tel- Aviv — hätte als nichthebräischer Autor diese endliche Verleihung des Dulzin-Preises verdient, diese Ruhmes-Lorbeeren als Ausdruck der Anerkennung des bedeutenden literarischen Werkes von “unserem” MAX ZWEIG, dem 1892 in der Tschechei geborenen Vetter von Stefan Zweig. — Nach seinem Studium in Prag und Wien, kernte und lebte er — wie so viele der damals geistig suchenden jungen Menschen — in Berlin, kam dann nochmals in sein Geburtsland zurück, um 1938 in Palästina einzuwandern. Von den insgesamt 22 (!) Zweig'schen Bühnenstücken wurden vor allem “Die Marranen”, ins Hebräische übersetzt an die hundertmal in Israels Nationaltheater, der HABIMA, auf geführt; desgleichen auch das Drama “Saul”. Später brachten eurapäische Bühnen, vor allem das Wiener Burgtheater, Dramen von Max Zweig; sein Franziskus- Drama gelangte anlässlich der Wiener Achthunderjahr-Feiern dort zur Aufführung (1982). Nach seinem Freund und Vertrauten MAX BROD s.A.„ der 1948 den Bialik-Preis der Stadt Tel-Aviv für seinen Roman “Galilei in Gefangenschaft” erhielt, ist nun Max Zweig der erste deutsch schreibende Dramatiker, der den Dulzin- Preis erhält; Max Brod hatte durch sein bekanntes Werk “Der Prager Kreis” auch den Dichter Max Zweig neben allen anderen, damals zeitgemössischen Autoren bekannt und berühmt gemacht! Das wurde er auch in seiner Wahlheimat Tel- Aviv während seines im Sommer 1976 dort (Iria, Reinesstrasse) unvergesslichen Leseabends, den die hier Unterzeichnete damals die Ehre und Freude hatte, zu leiten. Hier bot Max Zweig einen Ausschnitt seines Werkes, das bis heute unverändert aktuell ist und es auch bleiben wird: Selbst getaufte Juden unterlagen und unterliegen dem gleichen tragischen Geschick wie ihre traditionstreuen Glaubensbrüder — einst wie jetzt, ebenso zur Zeit der Marranen wie zu jener der unseligen Nazikatastrophe. Faszinierend bei Zweig ist und bleibt immer die mächtige Sprache als Ausdruck legitimer Wahrheit, dramatisches Geschehen in sprachlich zeitnaher Gestaltung! Leider ist es räumlich unmöglich, auf das umfangreiche Zweig-Werk detailliert einzugehen, doch sei vor allem lobend und dankend erwähnt der Name des renommierten und engagierten jungen hebräischen Autors Elazar Benyoetz, der durch stetige treue Mitarbeit und auch als Herausgeber einiger Definitionen der Schöpfung von Max Zweig ihm eine treue Hilfe war und ist, vieles zur Geltung brachte, das bei Zweig's sprichwörtlicher Bescheidenheit eben “von aussen” betont zu werden verlangte-Es ist kein Zufall, dass sich in Zweig’s Oeuvre kein Lustspiel oder keine Komödie befindet — hier ist das ernsteste Schaffen eines grossen Humanisten, zeitlebens auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit, ein Kämpfer im allerbesten Sinne!! Ihm gelten unsere innigen Glückwünsche, Wünsche für alles Gute in kommender Zeit... Frieda Hebel 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.