Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1982-1983
- Issue
- No. 50 (1982-1983)
- Date
- 1982-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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durch die wirtschaftliche und kulturelle Sättigung den Kampfgeist aufgebend, werden einzeln erobert. Granada wird zum Schicksal der drei Re. ligionen, es ist die letzte Feste, die genommen wird, ln die Ferdinand und Isabella am 2. Jan. 1492 einziehen. Hier wird das Edikt der endgültigen Ausweisung am 31. März des gleichen Jahres unterzeichnet, im Palast des Kalifen, und der Befehl gegeben, das Judenviertel zu zerstören, während das der Zigeuner die als Hilfstruppen die christlichen Heere begleiteten, noch immer steht. Die Juden, die von allen Herrschern gerne verwendet wurden, waren insofern persönlich ungefährlich, sie stellten nie Ansprüche auf den Thron. Ein Samuel Hanagid, Ismael ibn Nagrella, 993 — 1055, brachte es zum Wesir, in Cordoba geboren, kam er 1013 nach Granada, zum militärischen Kommandanten, der als Poet und Wissenschaftler bekannt ist, und Führer der Gemeinde. Seinem Sohn Josef, der ihm im Amt folgte, fehlte das diplomatische Taktgefühl, er wird 1066 Opfer antisemitischer Ausschreitungen, die grosse Teile der Gemeinde zerstören. Eine tragische Wende setzt 1148 ein, als fanatische Berberstämme, die Almohiden, die bis 1212 herrschen, das Land überrennen, die Juden unterdrücken und zur Abwan. derung zwingen. In der Zeit der Nasrid Dyastie, 1232 — 1492 können Juden zurückkehren und viele der Marannen aus den übrigen Teilen Spaniens finden in Granada Unterschlupf und bekennen sich zum Judentum. — *-¥■•¥■ Der Name einer Stadt, die in der jüdischen Geschichte einen besonderen Klang hat, ist Cordoba. Die Bezeichnung ist iberischen Ursprungs. Für die jüdische Welt ist sie die Stadt eines Chasdai Ibn Schaprut, einem Arzt der als Diplomat im Dienst Abd Al Rachman III., 912 — 961, steht. Er benutzt seine Stelle als das, was wir heute Aussenminister nennen, um durch diplomatische Kanäle, über den König von Bulgarien, seinen ‘Sendbrief an die Chasaren* zu schicken, von deren jüdischem Gemeinwesen die Kunde zu ihm gedrungen war. Sie ist die Stadt eines Jehuda Halevi, 1080 — 1145, der dort seine Zionslieder dichtet, und die des Maimonides, des Rabbi Moses ben Maimon, Rambam, der Später zum Sammler und Ordner des Gesetzes und Brauchtums wurde. Er wurde 1135 als Sohn eines Rabbiners und Dajan, Richters in Cordoba geboren. Als 1148 die Almohaden die Stadt besetzen, wandert die Familie aus. Nach Jahren ruhelosen Wanderns, von denen alle Spur fehlt, erscheint sie 1160 in Fez, Marokko, wo sie 1165 vertrieben wer. den, Uber Akko lassen sie sich in Fostat, der Altstadt Cairos, nieder, wo sich Maimonides zu der Persönlichkeit entwickelt, als die er in die Geschichte eingegangen ist, Leibarzt Al Fadis, dem Wesir Saladins, der die Kreuzfahrer 1187 besiegt, als Compiler der religiösen Gesetze, Vorschriften und Gebräuche. In seinen arabisch verfassten medizinischen Schriften, zwischen 1190 und 1204 geschrieben, stellt er drei Prinzipien auf: Präventive Medizin, die Heilung des Kranken, und die Sorge für den Genesenden. Ihm wird der Ausspruch zugeschrieben, dass zu einem gesunden Geist ein gesunder Körper gehört. Heute gibt es ein Hotel Maimonides in Cordoba, eine Plaza Juda Halevi, eine Plazuela de Maimonides. Die recht gut erhaltene Synagoge, auch im maurischen Stil erbaut, diente zwischen 1315 bis 1492 als Gebetshalle, sie wurde dann die Kirche der Schusterinnung und wird seit 1885 als nationales Monument gepflegt. Auch hier die Wandverzierung mit Psalmensprüchen. Diese Gemeinde hat bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht. Das Schicksalsjahr 1391 stellt den Anfang vom Ende dar, Gemetzel, Massentaufen, Auswanderung, 1483 müssen die letzten Juden Andalusien verlassen. — Irgendwie fühlt sich die Stadt und auch das Land ihrer geschichtlichen Vergangenheit bewusst und schuldig. Im Jahre 1935 wird in Cordoba eine 800 Jahrfeier zu Ehren Maimonides abgehalten, ihrem Sohn, der ja nur die Knabenjahre in ihr verbracht hat, und 1964 wird auf einem Platz im ehemaligen Judenviertel ein Maimonides Denk, mal errichtet. Um den nach ihm genannten Platz nicht umzunennen, wurde der Platzz zum Plaza Tiberia, um so eine Verbindung zwischen dem Geburtsort und dem seiner Bestattung herzustellen. (Er stirbt 1204 in Fostat, wird aber in Tiberias begraben.) — * * * In Cordoba konnten wir noch eine Synagoge des 14. Jahrhunderts betreten, in Sevilla der grösseren Stadt in Andalusien, besteht kein Gebäude mehr, das an das Gemeindeleben erinnert. Auch dort wird heute voller Stolz darauf hingewiesen, dass es seit Jahrtausenden eine jüdische Bevölkerung kennt, dass es das Tarschich der Bibel sei. Man weiss von Juden erst von der Zeit der Westgoten, die Mauren stellen eine Verteidigungsgruppe der Juden auf. Nach den Berbereinfällen von 1013 werden Flüchtlinge aus Cordoba aufgenommen, wie nach den Ausschreitungen in Granada. Der Fluss, der Sevilla zu einer Hafenstadt macht, ist der Rio Guadalquivier, der Wadi el Kabir, der grosse Fluss. Als im Jahre 1248 Fer. dinand III. die Stadt erobert, überreichen ihm die Juden einen Schlüssel mit hebräischer Inschrift, der in der Schatzkammer der Kathedrale aufbewahrt wir. Die christlichen Herrscher sind auf ihre Dienste angewiesen, sie stellen Ärzte, Wissenschaftler, Finanziers, Kaufleute, Einwanderer kommen aus Nordafrika in die Hafenstadt. Ihr Wohnviertel, heute Santa Cruz, das Heilige Kreuz, lag im westlichen Teil der Stadt. Im 14. Jahrh. soll es 23 Synagogen gegeben haben, eine davon umgebaut, dass die alte Bestimmung nicht zu erkennen ist, die Kirche Santa Maria La Blancos. Die Unruhen von 1391, die später auf Castilien und Aragon übergreifen beginnen am 4. Juni in Sevilla. Die Gemeinde wird praktisch zerstört. Hier beginnen auch die Massentaufen, 20. Juni 1391, die conversos, die Marannen. Der geistige Widerstand der Juden in Spanien hört auf, zu bestehen. Es ist praktisch das Ende der jüdischen Geschichte in Spanien. Die Juden hatten wie auch die Mauren, einen solchen Hochstand an wirtschaftlichem und geistigem Niveau erreicht, dass es beiden Gruppen einfach unmöglich war, ihre nationalen und religiösen Interessen zu verteirü gen. Aber es waren die Marannen, von denen, so schätzt man heute, 25% der Bevölkerung abstammen, die den Hass des Klerus auslösten. Die Inquisition hatte lange in Sevilla das Hauptquartier, das erste Autodafe, der Glaubensakt, fand hier am 6. Februar 1481 statt, bei dem sechs Ma. rannen vebrannt wurden. Die restlichen Juden werden 1483 aus Andalusien ausgewiesen. In dem Dekret von März 1492, das die Ausweisung aller Juden aus dem nun christlichen Spanien befiehlt, wird Sevilla als Hafenplatz für den Weg nach Nordafrika genannt. — Heute versucht man, das Judenviertel, Santa Cruz, stilecht zu erhalten, mit den oft sehr engen Gassen, den kleinen Plätzen und niedrigen Häusern. Bei Reparaturen und Neubauten wird nichts geändert. An einem Türsturz einer dieser Häuser hat eine kurze hebräische Inschrift, au* 3-Mos. 3/15, als Amulett angebracht, überdauert. Aus Sevilla stammt die Familie Abravanell, die die Zwangstaufe annimmt, später in Portugal zum Judentum zurückkehrt, zu hohen Ehren kommt, dann nach Konstantinopel wandert, wo sie im Osmanischcn Reich erfolgreich wird. ¥■*■¥■ Der jüdische Besucher in Spanien bekommt die Vergangenheit vorgesetzt. Irgendwie verliert er die Zusammenhänge mit den Ereignissen, von denen die kalten Mauern erzählen, die aus dem 10., aus dem 14. Jahrhundert, 40 oder 30 Generationen vor uns, d. wie wir so viel Geschichte erlebt haben. Es ist ein saurer Wein, den man in Spanien zu kosten bekommt so als ob der Saft der Reben gesäuert ist: hier spielte sich das ‘goldene Zeitalter’ jüdischer Geschichte ab, mindestens von 711 bis 1391, als der geistige Widerstand zusammenbrach. In den letzten hundert Jahren der Jüdischen Geschichte in Spanien gab es nur den schnellen Niedergang, die conversos und die ‘Ausnahmejuden’ die weiter an den Höfen geduldet, weil gebraucht wurden, Finanziers, Ärzte, Wissenschaftler der christlichen Könige. Die jüdische Geschichte in Spanien endet nicht 1492, wie man es in Europa gelernt hat. Es gehört nicht zu unserem Thema, hinzuwei. sen, dass Spanien den Anschluss an die Entwicklung im industriellen und wirtschaftlichen Bereich versäumt hat. Die Inquisition hat die wirtschaftliche Mittelschicht, das Bürgertum, das überall zum Träger des Handels wurde, ausgeschaltet! Wir haben erwähnt dass drei Synagogengebäude, zwei in Toledo, Castilien, eines in Cordoba, Andalusien, seit hundert Jahren Nationale Monumente darstellen, und nicht mehr als Kirchen benutzt werden. Damit versucht das Land etwas von den Verbrechen ihrer Vorväter gut zu machen. Das Maimonides Denkmal in Cordoba ist ein weiteres Zeichen, dass man sich auf die Vergangenheit besinnt. Nicht veregssen wollen wir, dass während der Krieges es das Franco Spanien war, das keinen zurückschickte, der die Pyrenäengrenze überschritt. Heute leben ungefähr 12.000 Juden wieder in Spanien, insbesonders in Madrid und Barcelona, nur Aschkenasim, denen die Welterwanderung während der Krieges nicht gelang. Tn den letzten Jahren sind auch viele sphardische Juden aus Marocco in Spanien sesshaft. An fast allen spanisches Universitäten bestehen Lehrstühle, die sich mit der Jüdischen Vergan. genheit beschäftigen, um den Anteil zu erforschen, den sie in der langen Entwicklung hatten, von den Zeiten der Phönizier und Karthager, den Römern, Westgoten, Mauren, bis zur Eroberung Granadas 1492. Die wenigen Tatsachen sind es, die den sauren Wein geniessharer machen.... H. W. Goldstein NACHBARHILFE Frau Ruth Ruebner, Ramat Gan, Alumimstr. 21, Telefon 747132, steht weiterhin Allen zur Verfügung, die Besuche oder Hilfe brauchen. Sie wird sich bemühen, soweit wie möglich, zur Stelle zu sein oder ihren Rat zu geben. Freiwillige Mitarbeiter melden sich bitte bei Frau Ruth Ruebner. 0