Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1982-1983
- Issue
- No. 50 (1982-1983)
- Date
- 1982-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Saurer Wein in Spanien GROESSE UND UNTERGANG EINER JUEDISCHEN WELT Der jüdische Reisende, der nach Spanien kommt, betritt das Land im Zustand einer inneren Spaltung. Durch das Gedächtnis zieht die lange Geschichte der jüdischen Gemeinschaft, aber auch ihr grausames Ende, der heute als 'goldene Zeit’ gepriesenen Periode. Anders als in Ost- und Mitteleuropa, wo die letzte, die gründliche Austreibung vor 50 Jahren begann, treffen wir noch an verschiedenen Orten Zeichen, Häuser wie Strassennamen, die an eine Vergangenheit erinnern die vor 500 Jahren endgültig abgeschlossen wurde. — In den Hauptstädten der iberischen Halbinsel gibt es wenige Erinnerungen. Madrid ist — nach spanischen Begriffen — eine neue Stadt, die 1565, nach der Vereinigung, zur Hauptstadt erhoben ist, ein bis dahin unbekannter kleiner Ort, im trockenen Hochland gelegen, der aber den Vorteil hatte, geographisch in der Mitte des Landes zu liegen. Als Stadt überrascht Madrid, selbst die ältesten Teile nach scheinbar grosszügiger Pia. nung angelegt, die auch in den neuen Vierteln beibehalten wird, breite Durchgangsstrassen, zu denen die Wohn- und Geschäftsstrassen recht, winklig verlaufen. Lissabon, die Hauptstadt Portugals macht einen älteren Eindruck, Hauptstadt seit 1147 als es von den Mauren zurückerobert wurde, und durch ein Erdbeben 1755 stark zerstört wurde und restauriert. Im ehemaligen Judenviertel, der Juderia, finden sich noch viele alte Gassen, es heisst noch immer El Fama, ein Wort, das von El Chama kommt, und auf warme Quellen oder Bäder hinweist, ein anderer Stadtteil ist Belem, dem das hebräische Bet Lechem Pate gestanden hat. In Porto, der früheren Hauptstadt, die zusammen mit der Schwesterstadt Cale, heute als Stadtteil Gaia genannt, den Namen des Landes gegeben hat wird uns erzählt, dass ein 30 Km entferntes Fischerdorf Ophir heisst, und einige aus dem Ocean herausragende Felsen als versteinerte Pferde Salomos bezeichnet werden, die nach der Legende, an die manchmal auch Historiker glauben, mit der Flotte, die der König gemeinsam mit Hiram bereedert, an die Westküste der iberischen Halbinsel gekommen sind, und das hier das biblische Ophir liegt. — Die Behauptung, das die ersten Juden seit der Zeit Salomos dort siedeln, hört man viel. Es kann natürlich möglich sein, dass zusammen mit den Phöniziern, diesen semitischen Stämmen a: der Nordgrenze Israels, die ersten kamen. Sehr verbeitet ist der Hinweis auf die Zeit nach der Zerstörung des erstens wie auch des zweiten Tempels. Es gibt keine wirklichen Belege auf ein Bestehen jüdischer Gemeinschaften im ersten Jahrtausend vor der Zeitrechnung. — Wir begnügen uns, vier Städte in Spanien zu besuchen, die in der Geschichte immer wieder genannt werden, um ein Bild der Periode zu be. kommen. Hier sollen nicht die Orte mit ihren oft eindrucksvollen Toren, Mauern, Plätzen und Kathedralen beschrieben werden, um die der Reisende einfach nicht herumkommt. — Toledo, 70 Km südlich von Madrid, seit der reconquista, der Wiedereroberung durch die Christen, seit 1085 Hauptstadt Castliens, gehört nach der dort verbreiteten Legende zu den ältesten Jüdischen Siedlungen der Halbinsel. Nach der Zerstörung Judas sollen Angehörige der Stämme Juda und Benjamin dort siedeln. Die wirklichen Anfänge sind unbekannt. Zur Zeit der römischen Besetzung, die die Halbinsel 206 B.C.E., den Phöniziern abnehmen war Toledo ein kleiner Ort, ihnen folgen die Sweben und Vandalen, die um 416 von den Westgoten abgelöst werden, bis 711/12 die Mauren fast die ganze Halbinsel besetzen, ein schmales Gebiet im Norden, das sie nicht erobern, genügte später, als Basis für die Rückeroberung des Gebietes. Die Eroberer des Landes, die Westgoten, die nachdem sie christlich wurden, antijüdische Er. lasso proklamierten, wie den von 638, dass nur Katholiken dort leben dürfen, später die Mauren und einige Jahrhunderte danach die christlichen Herrscher wie die von Castilien und Aragon, haben die Juden bedrängt. Sie stellten die international dusgerichtete Bevölkerungssphicht dar, das bessere Bürgertum, das im Feudalsystem nicht aufkam. Sie beherrschten die Sprachen, arabisch, lateinisch, kastilianisch, und oft auch griechisch. Sie dienten als Unterhändler und Gesandte der Fürsten, sie haben die Werke der Philosophen und Mediziner der Griechen und Römer beherrscht, durch ihre oft persönlichen Verbindungen haben sie die wirtschaftlichen Kontakte zu Italien, Frankreich und Nordafrika ausgebaut, und zum Wohlstand ihrer Länder wie ihrer Fürsten beigetragen. In den Jahrhunderten der Wiedereroberung, der recon. quista benötigten die christlichen Herrscher die jüdischen Finanziers und Berater. Das endet, nach vielen oft traurigen Zwischenstadien am 2. Januar 1492, als das Königspaar Ferdinand von Aragon und Isabella von Castilien die letzte der Maurischen Festungen, Granada, erobern konnte. — In Toledo sind es zwei Bauwerke, ehemalige Synagogen, die lange als Kirchen benutzt wurden, aber schon vor hundert Jahren, 1885, als Nationale Monumente erklärt wurden, und heute als Museumstücke gezeigt werden. Im Jahre 1203, Toledo ist seit 1085 die Hauptstadt Castiliens, errichtet Josef Abu Omar Ibn Schoschan eine auch für unsere Augen wirkliche Prunksynagoge. Die fünfschiffige Halle, in Basilikaform, ist im klassischen maurischen Stil erbaut, dünnen Säulen und holzgedecktem Dach. Im Jahre 1411 wurde sie zur Kirche Santa Maria la Bianca umfunktioniert, heute museales Monument. In dem festungsartig ummauerten Viertel, der Juderia, hat sich Samuel la Levi Abulafia, der Finanzberater oder Minister Pedros I. von Castilien, der für ihn diplomatische Verhandlungen mit Portugal führte, sein Wohnhaus im klassischen Patio Stil, mit offenen Garten von dem die Zimmer abgehen, errichten lassen, wenige Schritte entfernt seine Synagoge, (1357), die auf einem lokalen Prospekt als die aristokratische bezeichnet wird, sie wurde 1494 die Kirche El Transito. Das Gebäude ist restauriert, und dient seit 1964 als Museum für die Geschichte der Juden in Spanien. Die Synagogen kennen keinen Bildschmuck, die Wände zieren in künstlerisch grossartiger Kalligraphie geschrieben, Verse aus den Psalmen. Das Wohnhaus wird 1575 dem aus Creta über Venedig und Rom nach Toledo kommenden Künstler El Grecco übergeben, der, so berichtet die Legende, sich des Erbauers bewusst war, und keine baulichen Veränderungen vornahm. Wer nach seinem Tode 1614 dort wohnte, weiss man nicht, Heute ist ßs ein Museum, welches viele Werke El Grecco zeiglE. Die jüdische Bevölkerung Toledos soll noch im 14. Jahrhundert ein Drittel der Einwohner ausgemacht haben, und 10 Synagogen und 5 Lehrhäuser unterhalten haben. Einige Strassennamen wie Samuel Halevi und Travesia De la Juderia erinnern an die Vergangenheit. In den Dörfern in,der Umgebung sollen jüdische Bauern gelebt haben. Die Politik der Herrscher ist wankelmütig. Nach der Eroberung der Stadt 1085, ändert sich nichts im Verhältnis zu der jüdischen und moslemischen Bevölkerung, aber 1109 kommt es zu Ausschreitungen, und 1118 erinnert man sich an das Gesetz der Westgoten von 638, das Menschen jüdischer Abstammung von öffentlichen Ämtern und Diensten ausschliesst, das aber, wie die Praxis zeigt, doch nicht ange. wendet wurde. Samuel ha Levi wird 1361 verhaftet und nach Sevilla gebracht, wo er im Kerker stirbt. Die Pogrome, die 1391 in Spanien ausbrechen, bringen den Umbruch in der jüdischer Geschichte Spaniens. Der geistige Widerstand der spanischen Juden bricht zusammen. Ein Vorgang, den man noch niemals vorher in der jüdischen Geschichte kannte. Es beginnen die massenweisen Übertritte, die Conversos, die hundert Jahre später die Inquisition auf den Plan rufen. Vielleicht war es der Glaube dass die Wiedereroberung der Gebiete durch die Mauren bevorsteht, vielleicht die Hoffnung auf Abwanderung und Glaubenswechsel, die vielen gelungen Ist, vielleicht auch die kulturelle und wirtschaftliche Sättigung, die das Volk schwach werden liess. Hier in Toledo beschliessen 1480 Ferdinand und Isabella, die 1449 heirateten und seit 1474 regierten, die antijüdischen Gesetze, die nach der Eroberung von Granada durchgeführt wurden. Im gleichen Jahr erteilt der Papst die ‘Erlaubnis’ die Inquisition einzuführen, die sich gegen die Neuchristen, die conversos, richtete, die die Spanier Marannen, Schweine, nennen und die bis dahin in Toledo innerhalb des jüdischen Viertels gelebt haben. Die Inquisition wird in Spanien erst 1834 aufgehoben, nachdem sie Napoleon 1808 auflöst, aber vom Papst 1818 wieder eingeführt wurde. — * * * Die Stadt, die dem Touristen am meisten bietet ist Granada, mit ihren gut erhaltenen Anlagen der Alhambra, der Kalat al Chamra, der roten Festung, mit ihren im klassischen maurischen Stil errichteten Wohnanlagen, Gärten und Brunnen, zu denen das Wasser über einen Aquädukt von den nahen Sierra Nevada geleitet wurde. Den jüdischen Reisenden wird an den Hängen, die zur heutigen Altstadt herunterführen, der Platz gezeigt, wo sich einmal das Judenviertel befand. Die Mauren nahmen an, dass der Ort eine jüdische Gründung darstelle, Granatat Al Jahud. Im Jahre 711 gehörten Juden zu der Garnison der Stadt zusammen mit den Mauren. Während der Omajadenherrschaft, bis zum 11. Jahrh. ist es die bedeutenste Stadt der Halbinsel. Mit der Teilung ihres Reiches legen die Mauren den Grundstein zu ihrem Untergang. Die einzelnen Emirate, 8