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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2007-01-01 · No. 82 (2007) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2007
Issue
No. 82 (2007)
Date
2007-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Erinnerungen an die fahre meiner Alliah Am 18. September 1933 kam die "Martha Washington" des 'Lloyd Triestino' in Haifa an. Der Hafenbau war noch nicht beendigt und alle Passagiere wurden am Kischon ausgebootet. Unter diesen war auch unsere kleine Familie - die Eltern, meine achtjährige Schwester und ich selbst, elf Jahre alt. Haifa war von der plötzlichen Einwandererwelle vollkommen überfüllt, außerdem war es zwei Tage vor Roschhaschana; so waren wir froh, dass eine alteingesessene Familie bereit war, uns zeitweilig ein Zimmer zu überlassen; dort verbrachten wir die Feiertage. Danach mussten wir uns für die Zukunft entscheiden. Wir Kinder hatten in Berlin in einer hebräischen Schule gelernt und sprachen sofort perfekt Iwrith. Meine Eltern hingegen, waren zwar jung und zu jeder Arbeit bereit, aber ihre Geldmittel waren beschränkt und ebenso ihre Iwrithkennenisse. Nach vielen Überlegungen schien es das Beste, ein einfaches Restaurant zu eröffnen, verbunden mit einer Makolet. Sie fanden ein passendes Lokal in der Hagidemstr. am Hadar HaKarmel und der Wirt baute für uns eine Einzimmerwohnung auf dem Dach. Die Arbeit war sehr schwer, von früh um 6 bis kurz vor Mitternacht, und wir Kinder mussten tüchtig mitarbeiten. Die Umstellung war nicht leicht: meine Eltern waren beide in Breslau geboren und aufgewachsen und haben seit ihrer Heirat in Berlin am Kurfürstendamm gewohnt. Mein Vater hatte in der Stadt eine Fabrik für Holzbeleuchtungskörper, die damals sehr modern waren. Haifa dagegen war 1933 eine kleine orientalische Hafenstadt mit wunderschöner Aussicht auf die Bucht, aber außerdem viel Schmutz, Fliegen, von Awiwa Schmelzinger Moskitos und unbekannte Krankheiten. Jedoch schwerer als alles war - besonders für meinen Vater - die Umstellung der Mentalität, der Prinzipien und Grundsätze, wie es die folgende Geschichte zeigt. Wer hat das Brot genommen? Die Straßenfront unseres Geschäftes in der Hagidemstraße war ein großes Glasfenster, das bei Nacht durch ein eisernes Gitter geschützt war. Am Morgen wurde dieses Gitter zur Seite geschoben und die Schiene entfernt. Jeden Tag, noch vor Sonnenaufgang, fuhr der Bäcker vorbei und steckte fünf Brote zwischen die Fensterscheibe und das Gitter, damit wir frisches Brot haben für Kunden, die sehr früh zur Arbeit fuhren und sich Proviant für den ganzen Tag mitnehmen wollten. Später, am Vormittag, kam der Bäcker nochmals mit seinem Eselwagen vorbei und lieferte das erforderliche Quantum für den Tagesbedarf. Eines Tages fand mein Vater am Morgen nur vier Brote, aber der Bäcker behauptete, er hätte die üblichen fünf Brote hereingesteckt und forderte Bezahlung. Erst glaubten wir, der Bäcker hätte sich geirrt, aber derselbe "Irrtum" wiederholte sich täglich. Wer kann das sein? Wer nimmt sich jeden Morgen eines von unseren Broten? Ein hungriger Bettler? Ein Hund? Einer der Araber, die in den armseligen Hütten am Karmelberg wohnten? Dann war auf einmal alles in Ordnung und wir sprachen nicht mehr davon, aber nach einer Pause von zwei Wochen fehlte wieder das "tägliche Brot". Um der Sache endlich auf den Grund zu gehen, beschloss mein Vater, im Hintergrund des Geschäftes zu übernachten und seinen Wecker auf 5 Uhr zu stellen. Im Schutz der Dunkelheit sah er deutlich, wie der Bäcker fünf Brote hineinsteckte und wie nach kurzer Zeit eines dieser Brote wieder herausgezogen wurde. Zu seinem größten Erstaunen erkannte er unseren Nachbarn aus der 3. Etage, ein Polizist der Haifaer Polizeistation, der von seiner Nachtschicht zurückkam und mit dem Brot unter dem Arm in seine Wohnung heraufging. Die Erschütterung meines Vaters war unbeschreiblich. Als meine Mutter mit uns Kindern ins Geschäft kam, fanden wir meinen Vater blass und aufgeregt. Kopfschüttelnd murmelte er vor sich hin: "Ein Polizist in Uniform, ein Polizist in Uniform!" Die Aufregung meines Vaters war uns vollkommen verständlich. Ein Polizist war für unsere Begriffe eine absolute Vertrauensperson, der Hüter von Gesetz und Ordnung. Daher unsere unerhörte Erschütterung: Ein Polizist in Uniform bestiehlt uns!!! Seit unserer Alija hatten wir schon gelernt, uns an viel Ungewohntes zu gewöhnen: der allgemeine Mangel an Hygiene, keinerlei Einhalten von Versprechen oder Abkommen, überall Protektion und Bestechung. Aber genau wie alle anderen waren wir stolz, dass man tags und nachts Türen und Fenster offen lassen konnte und es gab nie Diebstahl, Raub oder Mord. Und jetzt auf einmal "ein Polizist in Uniform!" Aber was nun? Was kann man jetzt tun? Der Verdienst am Brot war minimal und der tägliche Verlust eines Brotes war kein kleiner Schaden. Und überhaupt sollten wir die blöden (Fortsetzung auf Seite 13)

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