Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2007
- Issue
- No. 82 (2007)
- Date
- 2007-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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5 nuar?de6?vl66e aff 6 ff( ra ft e/a 6en von Frederic Meyer . . . Ich werde mich bemühen, so kurz wie möglich Ihnen einige Details meiner langen Geschichte (ich bin schon 92!) zu erzählen. Bin schon über 20 Jahre bei Ihnen eingeschrieben. Ich tat es damals bei Herrn Erich Lewin s.A., der sich noch an meine Eltern erinnerte. Mein Bruder, Dr. Franz Meyer (geb. Ende 1897) spielte eine große Rolle in der zionistischen Ortsgruppe Breslau. Ich war dabei, als in den dreißiger Jahren Chaim Weizmann am Hauptbahnhof empfangen wurde und wurde durch die dort gesungene "Hatikwa" sehr beeindruckt. Mein Bruder arbeitete im Spirituosengeschäft meines Vaters (Carl Meyer, geboren in Waldenburg). In den dreißiger Jahren zog er nach Berlin, wo er eine führende Stelle beim Palästinaamt Meinecke Strasse, bis zu seiner Auswanderung (1939) innehatte. Durch seine Arbeit hatte er auch Kontakt mit den Nazis und sagte als Zeuge beim Eichmannprozess in Jerusalem aus. Nach einem schwierigen Anfang in Israel fand er eine passende Stellung und wurde zum Kontrolleur für die israelische Alkoholproduktion - Wein und Bier - ernannt. Er war auch verantwortlich für den Import-Export in dieser Sparte. Mein Vater starb Anfang des Krieges (1940 oder 1941) an einem Herzschlag in Breslau. Meine Mutter, zusammen mit ihrer ältesten Schwester wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie bald nach ihrer Ankunft hinschied. Mein zweiter Bruder Hans wanderte 1934 nach Columbien aus. Nach einem sehr mühsamenAnfang arbeitete er sich schließlich hoch und befasste sich auch viel mit jüdischen Hilfsorganisationen in Bogota. Er beendete sein Leben in Amsterdam. Während meine beiden Brüder aufs Johanneum gingen, schickte mich mein Vater auf die Gerhart- Hauptmann-Oberrealschule, wo ich 1933 das Abitur bestand. Mein Vater bestand auf meiner Auswanderung und schickte mich nach Frankreich. Erst studierte ich an der Universität Grenoble (Französischkurse für ausländische Studenten). Nach bestandenem Examen fuhr ich nach Bordeaux, um dort auf Wunsch meines Vaters bei einer Weinfirma einen Posten als Volontär zu finden. Aber niemand wollte mich nehmen, auch die jüdischen Firmen nicht. So trippelte ich mit einem Bekannten von Bordeaux quer durch Frankreich in fünf Tagen nach Marseille, wo mein Bekannter auf ein Schiff ging, um nach Erez Israel zu gelangen, und ich nach Nizza. 1935 begann eine durch den Krieg unterbrochene Hotelkarriere (40) Jahre, erst Nizza und nach dem Krieg Paris. Wurde Anfang des Krieges naturalisiert. Ich lernte zufällig im Hotel in Paris einen "Ehemaligen" der G.H.O.R (Gerhart-Hauptmann- Oberrealschule) kennen, der mir von der Vereinigung der ehemaligen G.H.O.R.-Schüler erzählte und mich sofort einschreiben ließ. Ich war zuerst sehr mißtrauisch, da ich nicht wußte, wie sie sich in der Nazizeit verhalten hatten, akzeptierte aber schließlich, zusammen mit meiner Frau, einer hundetprozentigen Schweizerin, an einer damals jährlich stattfindenden Breslaureise teilzunehmen. Das war 1981. Ich wurde von den G.H.O.R.- Angehörigen derart empfangen, dass ich einfach nicht "Nein" sagen konnte. Damals lernte ich auch Dr. Zappel kennen, einen ausgesprochenen Philosemiten. Mit Hilfe einer polnischen Fremdenführerin wollten meine Frau und ich auf dem alten jüdischen Friedhof Lohestrasse das Grab meines Vaters suchen. Aber damals, wie Sie wohl wissen, war der Friedhof in einem fürchterlichen Zustand. Fast alle Grabsteine umgeworfen, Särge aufgebrochen u.a.m. Später wurde dann, dank der Regierung Willy Brandts mit der Restaurierung begonnen. In den neunziger Jahren forderten mich G.H.O.R.-Freunde auf, nach Mainz zu kommen, wo dort im Rathaus eine von Magister Lagiewski organisierte Ausstellung "Die Geschichte der Breslauer Juden von 1850 bis zum Ende" eröffnet werden sollte. Ich nahm am Vorabend an einer von Lagiewski nach dessen Vortrag organiserten Debatte teil und sprach auch ein paar Worte als einziger Anwesender der ehemaligen Breslauer Juden... Dabei lernte ich auch Mag. Lagiewski kennen, zeigte ihm ein Foto des Grabsteins meines Vaters und bat ihn um Findung und Restaurierung. Zu meiner freudigen Überraschung erhielt ich einige Zeit später das Foto des wieder restaurierten Grabsteins, an dessen Seite Lagiewski steht. Dank einem Artikel in den "Mitteilungen" über einen Lehrer aus Berlin, E. Riecke, der jedes Jahr mit freiwilligen Schülern nach Breslau fuhr, um den jüdischen Friedhof instand zu halten, machte ich dessen schriftliche Bekanntschaft. Nach Abschluss eines G.H.O.R.-Treffens in Brandenburg traf ich Herrn Riecke in Berlin. Ja, ich hatte mehr Glück als Verstand, die Nazibesetzung überstanden zu haben. Zweimal hätten sie mich beinahe geschnappt. Das erste Mal beim Einmarsch der deutschen Truppen in Nizza (mit Gestapo hinterher), 1934. Das zweite Mal in der Provence, 1944, wo ich untergetaucht war. Mein Lebenslauf (verkürzt) wie auch der von Schlomo Markowitz aus Haifa wurden in der Schulchronik der G.H.O.R. im Kapitel "Jüdische Mitschüler und ihre Schicksale" veröffentlicht.