Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2006
- Issue
- No. 81 (2006)
- Date
- 2006-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 406)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Jüdische Rechtsautonomie im Mittelalter und ein Bethaus in Duisburg von Birgit E. Klein Werfen wir einen Blick in ein Kartenwerk zu den "Judenniederlassungen" im 12. Jahrhundert, so finden wir jüdisches Leben sicher nachgewiesen in "Deutschland" vor allem entlang des Rheins und des Mains in den Kathedralstädten. Hier lagen die alten Gemeinden Köln, bereits im 4. Jahrhundert dokumentiert, sowie am Mittelrhein die Gemeinden Speyer, Worms und Mainz, deren älteste vermutlich Mainz war; hierhin war im 10. Jh. die Familie Kalonymos aus Lucca in Italien übersiedelt und hatte die jüdische Gelehrsamkeit in Aschkenas begründet. Duisburg ist nur als hellgrauer Punkt markiert; den Bearbeitern galt die Ansiedlung von Juden in Duisburg als unsicher, und das H hinter Duisburg verweist darauf, dass sie nur von Juden mit dem Herkunftsnamen "Duisburg" wussten: Die Kölner Schreinsbücher kennen einen Samuel mit dem Herkunftsnamen von "Dusburg", der um 1175 ein Haus in Köln besaß. Dass dieser Samuel "von Duisburg" anscheinend einmal auch in Duisburg gelebt hatte, war bislang der früheste Hinweis auf die mögliche Ansiedlung von Juden in Duisburg. Der erste sichere Nachweis jedoch stammte aus einer Reichssteuerliste von 1241; damals zahlten die Duisburger Juden dem König 15 Mark Silber als Jahresabgabe - so viel wie die Juden in Aachen oder Oppenheim am Rhein, und fast ein Drittel des Betrags, den damals die Duisburger Stadtgemeinde entrichtete. Dabei ließen die in Duisburg herrschenden Bedingungen durchaus eine Ansiedlung von Juden bereits im 12. Jh. erwarten: in der Reichsstadt lag eine Königspfalz, die auch die Abhaltung großer Hoftage erlaubte; seit der Regentschaft von Friedrich Barbarossa 1152-1190 fanden in Duisburg zwei Messen jährlich von ein- bis zweiwöchiger Dauer statt; hier traf der Hellweg als wichtigste Ost-West- Handelsverbindung auf die Verkehrsader Rhein. Diese Faktoren förderten Warenhandel wie Geldwechsel und begünstigten damit die jüdische Ansiedlung in Duisburg bereits im 12. Jh. Schöffen Im Bethaus Und in der Tat findet sich eine, lange unbekannte, Quelle dafür. Die Mitarbeiter am Trierer Kartenwerk hatten zwar von einem jüdischen Bethaus gelesen, aber die Nachricht, zu Recht, nicht für vertrauenswürdig genug gehalten, um hierauf den Nachweis eines Duisburger Bethauses im 12. Jh. zu gründen. In ihrem Kommentar heißt es unter "Duisburg": "Gebetshaus in Bisburk ..., das von Aptowitzer zu Disburk emendiert wird; Interpretation fragwürdig (nicht als Siedlungsnachweis kartiert); ... Synagoge (nicht kartiert)". Die Nachricht von einem Duisburger Gebetshaus stammt also von Victor Aptowitzer (1871-1942), der 30 Jahre lang bis 1938 am Jüdischen Theol. Seminar in Wien bibl. Exegese, Talmud und Kodizes lehrte und dann fliehen musste. 1938 veröffentlichte er in Jerusalem den Einleitungsband zu seiner Edition des Sefer Rawjah, dem Buch des R. Elieser b. Joel ha-levi (ca. 1140 - ca. 1225). Als er 1942 starb, hatte er außer dem Einleitungsband in vier weiteren Bänden den größten Teil des Sefer Rawjah veröffentlicht, nicht aber das vollständige Werk. Die Edition wurde seit 1975 von dem Rabbiner David Dvelaitzki fortgesetzt. Der stellte fest, dass die älteste, einzig vollständige und von ihrer Textüberlieferung her beste Handschrift nicht herangezogen worden war: eine Handschrift, bis 1999 im Besitz des Bet Din London; dennoch legte er auch seiner Edition nicht die älteste, sondern die geläufiger zu lesende Oxforder Handschrift (Opp. 66) zu Grunde, die er nach den besseren Lesarten der Handschrift London (Beth Din 11) korrigierte, oft allerdings ohne Kennzeichnung, ein sehr bedenkliches Vorgehen. Erst 2000 veröffentlichte Dvelaitzki die Abschnitte 969 bis 1047 des Sefer Rawjah, hierunter auch ein Duisburger Rechtsstreit, aus dem die Existenz eines Bethauses unzweideutig hervorgeht. Denn Ende des 12. Jh. engagierte die Duisburger Witwe Bella den bekannten Bonner Rabbiner und Rechtsgelehrten Rabbi Joel ha-levi (gest. 1199/1200), Vater des Elieser b. Joel ha-levi), um gegen ihren Schwiegersohn Simon vor einem jüdischen Gericht zu klagen. Das Gericht protokollierte zunächst die Klage R. Joels: Simon habe einen Vertrag gebrochen, den er mit Bella geschlossen hatt: Der Streit drehte sich um ein Pfand in Höhe von 48 Mark (Fortsetzung auf Seite 15)