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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2006-01-01 · No. 81 (2006) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2006
Issue
No. 81 (2006)
Date
2006-01-01
Page
Seite 12 (sequence 404)
Language
German
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(Fortseirung von Seite 11) Stolpersteine in Freiburg 14. August 1942 in das KZ Auschwitz deportiert worden und dort 51 Jahre alt, 50, 20 und 19 Jahre alt ermordet worden. Wir haben kein Foto, keine Zeugnisse, keine Ausbildungsunterlagen, alles über diese Familie ist vernichtet worden. Und das gibt es nun auf ganz Deutschland bezogen zehntausendfach und auf den Holocaust bezogen millionenfach. In Gurs, dem schrecklichen, schlammigen, kalten Lager, das für ehemalige Republikaner, die im Spanienkrieg 1936-1939 gegen Franco gekämpt hatten und von den Franzosen als Flüchtlinge aufgenommen worden waren, errichtet wurde, kamen nach mehr als zwei bis drei Tagen und Nächten Fahrt von Freiburg, Mannheim, Karlsruhe und anderen Städten 6500 jüdische Menschen aus dem Südwesten Deutschlands in der Zugstation Oloron nahe den Pyrenäen an. Über die Ankunft der Menschen aus Baden im Lager selbst schrieb Hanna Schramm, die schon länger in Gurs inhaftiert war: "Die Dienstbaracke stand voller Frauen, die stumm in entsetzlicher Müdigkeit, im dumpfen Gleichmut, in flackernder Angst, der Ohnmacht nahe uns anstarrten, als ob wir wilde Tiere wären. Und immer neue drängten durch die Tür, immer neue Lastwagen fuhren vor, eine leuchtende Kette von Scheinwerfern. Lastwagen hinter Lastwagen, ihre Reihe war nicht abzusehen... Es kamen Kranke, die man auf Bahren ins llot / in die Baracke transportierte, und immer wieder Alte (...) grabenstiegene Gestalten, hilflos und nicht mehr von dieser Welt. Sie ließen sich willenlos führen (...). Ein Mensch, der schreit, der sich wehrt, der gegen sein Schicksal angeht, selbst ein Mensch, der Angst hat, ist noch ein lebendes Wesen (...). Aber diese Alten kämpften nicht mehr. Ihre Hände waren noch warm, ihre Füße bewegten sich noch, aber eigentlich waren sie schon gestorben und das war grausamer als alle Verzweiflung." Es gab aber auch für Kinder und Jugendliche - allerdings nur bis 16 Jahre - die Möglichkeit, über Hilfsorganisationen wie die OSE, eine jüdische Untergrundorganisation, die Lager zu verlassen. So geschah es vielfach in Gurs und den Nebenlagern. Die Kinder und Jugendlichen wurden in Familien, bei Bauern, in Kinderheimen versteckt. Sie sollten dann eventuell über die Pyrenäen nach Spanien gebracht werden oder in die Schweiz, um sie später nach England oder in die USA zu retten. So haben wir in Freiburg bisher noch keinen Stolperstein für Kinder verlegen müssen. Kurt Judas ist so ein gerettetes Kind, heute ein Mann Mitte siebzig. Er lebt mit seiner Frau Adele Judas, auch eine Überlebende, in Florida. Er wohnte in Freiburg. Er sagt heute dazu: "In der Mitte des Jahres 1942 hatte meine Mutter wunderbarerweise die Voraussicht, mich der jüdischen Untergrundorganisation OSE zu überlassen. Diese Organisation sollte Kinder retten, sie schmuggelte annähernd 6000 Kinder - mich eingeschlossen - raus aus diesen Camps. Ich erbte den Titel des umherwandernden Juden." Kurt Judas wurde in Frankreich von Heim zu Heim gebracht, mit unterschiedlichen Identitäten, er litt Hunger, wurde sexuell missbraucht, geschlagen, erlebte die Bombardements der Allierten, litt unter der Ungewissheit, was mit seinen Eltern geschehen war, aber am Ende sagte er: "Ich bin ein Überlebender." Aber er wollte nie nach Deutschland kommen, bis ihn 15-jährige Schüler überzeugen konnten, sein "I shall never return" aufzugeben. Durch die Beschäftigung mit diesen unendlich vielen Schicksalen hat sich für mich eine Welt aufgetan, die ich mir so nicht habe vorstellen können. Einerseits tun sich bei der Arbeit immer neue tiefere Abgründe menschlichen Verhaltens auf, die aber bei mir nicht zu einer Abstumpfung, sondern zu einer besonderen Sensibilisierung führen. Angesichts der unvorstellbaren Grausamkeiten im Rahmen des NS- Regimes bin ich aber auch oft fassungslos. Beispielsweise als ich erfuhr, dass die Zwangsdeportierten die so genannte REICHSFLUCHTSTEUER selbst bezahlen mussten, oder deren Verwandten oder die jüdische Gemeinden. Auch die Fahrten mit den Zügen der Reichsbahn in die KZ's und die Gaskammern nach Auschwitz z.B., mussten aus beschlagnahmten jüdischen Vermögen bezahlt werden bzw. von den geschrumpften jüdischen Restgemeinden aufgebracht werden. Hier möchte ich ein Zitat von Paul Spiegel einfügen, der einmal sagte: "Was sind das für Menschen, die Kinder, Jüngere und Ältere und Alte in Viehwaggons treiben, tagelang durch das Land fahren, aus- und umsteigen lassen, um sie dann zu ermorden?" Doch das gezeichnete Bild bliebe unvollständig, würde ich nicht auch jene beglückenden Momente erwähnen, die meine Arbeit mit sich bringt. Hierzu gehört das Gefühl, das sich einstellt, wenn ein Schicksal endlich aufgeklärt ist, wenn Verwandte oder Nahestehende endlich wissen, was mit ihren Angehörigen damals passiert ist, wenn Opfer oder deren Nachfahren um deren Schicksal sich bisher niemand gekümmert hat, merken, dass dies anderen Menschen nahe geht. Zu (Fortsetzung auf Seite 13)

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