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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2006-01-01 · No. 81 (2006) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2006
Issue
No. 81 (2006)
Date
2006-01-01
Page
Seite 3 (sequence 395)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 2) Ö^ttiSSiS 3 Schlesien einen tiefen Einschnitt. Die Juden waren von Anfang an einem erheblichen Gewaltpotential ausgesetzt, für das neben dem Boykott im April 1933 zahlreiche andere Aktionen der Nazis standen, auf die die jüdische Gemeinschaft reagieren musste. Informationen über jüdische Betriebe und Unternehmen müssen in Schlesien bereits vorher gesammelt worden sein und wurden in den kommenden Monaten und Jahren weiter systematisiert. Beispielhaft hierfür können die vom Amt für Handwerk und Handel bei der Gauleitung Schlesien publizierten zwei Verzeichnisse 'Jüdische Geschäfte in Breslau' von 1936/37 gelten. Sie erfassen in einer branchenmäßigen Ordnung - wenngleich weder vollständig noch 'fehlerfrei' - ca. 1300 jüdische Handelsbetriebe, wobei die Grenze zu Produktionsbetrieben fließend ist. Ablesen lässt sich an diesen Listen auch, welch zentrale Rolle auch in den 1930er Jahren die Textil- und Konfektionsindustrie sowie der Bekleidungshandel in Niederschlesien noch immer spielte. In einem Verzeichnis der 33 'bekanntesten jüdischen Firmen in Breslau', darunter so bekannte Namen wie das Warenhaus Wertheim, die Weinhandlung Kempinski, die Gaststätten der Gebr. Wolff oder auch die Druckerei Schatzky, sind allein 19 der Textil- und Bekleidungsbranche zuzuordnen (u.a. Hecht und David, Louis Lewy, Wollwarenhaus Saxonia, Centawer und Caspari). Die Zahl der Selbständigen an der jüdischen Bevölkerung war entsprechend der allgemeinen Tendenz im Deutschen Reich auch in Breslau überproportional hoch. Die meisten von ihnen, 1925 knapp 2400 Personen, waren im Waren- und Produkthandel tätig, daneben weitere fast 400 Selbständige in der Schneiderei und Kleiderherstellung. Insgesamt lässt sich daher zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Machtergreifung allein für die Stadt Breslau eine Zahl von ca. 2500 jüdischen Unternehmen annehmen, wobei für die 1930er Jahre insgesamt von einem sukzessiven Wechsel von Selbständigkeit in die abhängige Arbeit angenommen werden kann. Man muss daher von Anfang an eine Zwangssituation annehmen, die jedoch im einzelnen spezifische Züge hatte und in der jüdische Unternehmer und Gewerbetreibende noch eine Zeitlang - was nicht mit Freiwilligkeit zu verwechseln ist - eine Handlungsinitiative besaßen. Die betroffenen jüdischen Handwerker, Kaufleute, Unternehmer bzw. Anteilseigner (z.B. Aktionäre) hatten mehrere Optionen bei ihrer Geschäftsstrategie: Sie konnten einerseits versuchen, ihren Betrieb zu 'tarnen', etwa indem sie die Geschäftsführung (Prokura etc.) einem Nichtjuden übertrugen und die Geschicke der Firma im Hintergunrd leiteten. Sie konnten andererseits den Weg eines offenen Bekenntnisses wählen und zugleich offensiv um eine jüdische Kundschaft werben. Hierbei konnte natürlich in dem Fall, dass die Tarnungsstrategie sich als gescheitert erwies (etwa durch Denunziation, Erwähnung in der NS-Presse u.ä.), jederzeit zur zweiten Strategie übergegangen werden. Wurde der politische Druck der Verfolgungsmaßnahmen früher oder später zu groß, blieb dem jüdischen Unternehmer nur noch die Wahl zwischen a) der Liquidation, d.h. der Auflösung seines Besitzes bzw. Verflüssigung des Kapitals, oder b) dem Verkauf des Geschäftes, des Unternehmens oder der Aktien. Welchen Weg der jüdische Unternehmer einschlug, hing ganz wesentlich von seiner persönlichen Situation ab, aber auch von der Geschäftssparte, in der er tätig war, von dem Standing, das er besaß und nicht zuletzt davon, wie er die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland nach 1933 einschätzte. Viele Unternehmer betrachteten die Nazis in den ersten Jahren als ein vorübergehendes Übel und setzten selbstverständlich alles daran, ihre oftmals traditionsreichen Betriebe auf alle Fälle zu erhalten. Neben die politische Zwangslage trat jedoch branchenspezifisch - etwa in der für Breslau besonders wichtigen Textilindustrie und dem Textilhandel - die anhaltende Stagnation, was für Juden die Möglichkeit zu wirtschaften nur weiter einengte. Wenngleich ä la longue also die eine oder andere Variante zwingend eintrat, so entwickelten jüdische Unternehmer mitunter eine Reihe yon Strategien, um die Liquidation oder den Verkauf zu verhindern oder doch in für sie mehr oder minder akzeptable Bahnen zu lenken. Je früher ein jüdischer Unternehmer sich zu einem Verkauf seines Betriebes entschloss, desto eher konnte er damit rechnen, erstens einen Käufer zu finden und zweitens einen Preis zu erzielen, der nach Maßgabe der Dinge akzeptabel war. Bei nur zwei beteiligten Parteien waren zudem die Möglichkeiten für ein 'Agreement' größer. Im Laufe des Prozesses schaltete sich jedoch eine Reihe von, Behörden und Dienststellen (NSDAP, Deutsche Arbeitsfront, Gauwirtschaftsberater, IHK) in das Verfahren ein, die die Spielräume nicht nur des jüdischen Verkäufers, sondern auch des sog. 'arischen' Käufers sukzessive einschränkten. In dem Maße, in dem die Ingerenzen von (Fortsetzung auf Seite 4)

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