Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2006
- Issue
- No. 81 (2006)
- Date
- 2006-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 394)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Unternehmer in Breslau und Schlesien nach 1933 (Einige Überlegungen zu einem offenen Forschungsfeld) von Dr. Ingo Loose, Humboldt Universität zu Berlin Die Stadt Breslau zählte nach der Volkszählung von 1933 knapp über 20.000 Juden (3,2 Prozent der Stadtbevölkerung) und besaß damit nach Berlin und Frankfurt/M. die drittgrößte Jüdische Gemeinde im Deutschen Reich. 1937 lebten noch immer 16.665 Mitglieder der Synagogengemeinde in der Stadt. In kulturell-religiöser Hinsicht war Breslau seit der Mitte des 19. Jahrhunderts - v.a. mit der Gründung des Jüdisch- Theologischen Seminars 1854 sowie dem Wirken von berühmten Rabbinern, sowie des berühmten Historikers Heinrich Graetz - eines der wichtigsten Zentren der deutschen Judenheit und blieb untrennbar mit dem Aufkommen der Wissenschaft des Judentums im deutschsprachigen Raum verbunden. Daneben besaß Breslau als Handels¬ und Messestadt seit dem Mittelalter eine zentrale Brückenfunktion nach Ostmittel¬ und Osteuropa und war schon von daher auf jüdische Kaufleute angewiesen, die in größerer Zahl recht frühzeitig das Aufenthaltsrecht in der Stadt erlangten. Die Lage der Stadt sorgte in der Gründerzeit dafür, dass viele Berliner Unternehmer, aber auch solche aus dem österreichischen und russischen Teilungsgebiet Polens in Breslau eine Niederlassung eröffneten. Umgekehrt war der Osten des Kaiserreiches (Provinz Posen und Schlesien) ein wichtiger Startpunkt vieler jüdischer Unternehmer, die ihre Tätigkeit später auf Berlin ausdehnten oder sie dorthin verlagerten (z.B. M. Kempinski & Co.). Spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte in Breslau, aber auch in zahlreichen kleineren Städten Niederschlesiens mit zum Teil bedeutenden jüdischen Gemeinden, die Textil- und Kleiderfabrikation eine herausragende Bedeutung - eine Branchenspezifik, wie sie auch zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 noch immer vorherrschend war. Die territoriale Neugliederung der Provinz Schlesien nach dem Ersten Weltkrieg bedeutete eine schwere ökonomische Zäsur für die ganze Region. Die genannte Brückenfunktion, die Schlesien nach Polen, Russland und Ostmitteleuropa besessen hatte, konnte die Stadt nach 1918 nicht mehr in dem zuvor innegehabten Maße wiedergewinnen. Die strukturellen Voraussetzungen für jüdische Unternehmer v.a. im Handelsbereich verschlechterten sich durch die neuen Grenzen, den Wegfall der Provinz Posen sowie durch den in Schlesien rasch sich intensivierenden Antisemitismus. Spätestens seit der Mitte der 1920er Jahre stieg die Zahl der Unternehmensliquidationen v.a. im Mittelstand; viele schlesische Juden befanden sich dementsprechend bereits lange vor dem 30. Januar 1933 in einer problematischen wirtschaftlichen Lage. Markante Beispiele hierfür sind die Diskussionen über die berufliche 'Umschichtung' auf den Seiten des Breslauer Jüdischen Gemeindeblattes sowie die im Falle jüdischer Arbeitnehmer überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit, die von den Betroffenen auch auf den Einfluss von Antisemitismus bei der Arbeitsplatzvergabe zurückgeführt wurde. Allgemein war der Aufruf an jüdische Arbeitgeber, Juden einzustellen, seit Mitte der 1920er Jahre deutlich zu vernehmen. Seit 1926 führte die Breslauer Synagogengemeinde einen zentralen Arbeitsnachweis für ihre Mitglieder, mit dem der weit über Reichsdurchschnitt liegenden Arbeitslosigkeit begegnet werden sollte. Insofern lässt sich vermuten, dass es bereits in jener Zeit zu einer Entflechtung jüdischer und nichtjüdischer Gewerbetätigkeit kam. Angesichts der Bedeutung Breslaus für die Geschichte der deutschen Juden und umgekehrt angesjchts der Bedeutung jüdischer Unternehmer für den wirtschaftlichen Rang der Provinz Schlesien muss die Forschungslücke überraschen, die in bezug auf das Schicksal jüdischer Unternehmer nach 1933 nach wie vor besteht. Was ist tatsächlich bekannt von den 'Arisierungen' in Schlesien, d.h. von der Vernichtung jüdischer Gewerbetätigkeit und der vielen Unternehmen im Eigentum deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens? Und wie reagierten jüdische Kaufleute, Händler und Unternehmer auf die wachsenden Repressalien und Diskriminierungen der Nationalsozialisten? Die Machtergreifung der Nationalsozialisten bedeutete auch in (Fortsetzung auf Seite 3)