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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2006-01-01 · No. 80 (2006) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2006
Issue
No. 80 (2006)
Date
2006-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 6 j ersten Freiwilligen in die Luft jagten, um die Rettungsversuche zu verhindern. Dies traf ZAKA-Mitarbeiter deshalb besonders, da sie aufgrund ihrer Organisation meist noch vor den staatlichen Ambulanzen vor Ort sein können - die Mitglieder tragen Pieper und werden sofort alarmiert, so dass sie, wenn sie in der Nähe des Unfall- oder Attentatorts sind, schnell dort sein können. Die Freiwilligen von ZAKA sind mittlerweile eine international anerkannte Rettungstruppe, deren professionelle Arbeit vor Ort auch von den Behörden und den staatlichen Ambulanzen geschätzt wird. Dieser Besuch zeigte noch einmal sehr eindrucksvoll, dass Israel nicht nur ein Land ist, das eine Menge historische Attraktionen und Entspannung an wunderschönen Sandstränden zu bieten hat, sondern sich eben auch in einer angespannten politischen Lage befindet, auch wenn man im Alltag davon kaum betroffen ist. So gewöhnt man sich nicht nur sehr schnell an die konstanten Sicherheitschecks, sondern beginnt sie geradezu zu vermissen, wenn sie mal lässig gehandhabt werden, oder fragt sich sogar, ob man sich in einem Lokal, in dem der Rucksack eher nur nebenbei beäugt wurde, überhaupt länger aufhalten sollte. Man wird immer wieder an die fragile Situation des kleinen Landes erinnert, sei es, dass man, wenn man den Strand von Tel Aviv verlässt, von Schildern mit "Geh in Frieden" gegrüßt wird, sei es dass man beim Besuch der Klagemauer durch Sicherheitsmaß-nahmen wie am Flughafen geschützt wird. In Israel gewinnt das Wort "Frieden" einen viel eindrücklicheren Wunsch, als wir es uns in unserem seit Jahrzehnten friedlichen (Westeuropa vorstellen können. Israel ist ein anstrengendes Land, aber sehr lebendig und mit Sicherheit eine Reise wert. Besonderer Dank gilt der großartigen Organisation des interessanten Programms der Reise durch die stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Meggie Jahn und den Reiseleiter Bernhard Krane. Die Reise wurde teilweise von einem Team des Bayerischen Rundfunks begleitet, das im Auftrag des ARD eine Sendung anlässlich des 40. Jahrestages der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel produziert, die im Frühjahr 2005 gesendet wurde. "Die Mahnung", 1.1 ./1.2.2005 | Bronzetafel für Edelweißpiraten Sie waren Widerstandskämpfer Der Streit um sie entzweite Jahre lang Gegner und Befürworter. Die einen argumentierten, sie hätten geplündert, geraubt und getötet. Andere sagten, ohne solche Übergriffe hätten sie nicht überleben können. Am Ende wurden sechs junge Menschen dem Henker übergeben, der sie am 10. November 1944 öffentlich am Galgen zu Tode strangulierte. Die Eltern mussten zuschauen. Weil es nicht nur um historische Aufklärung, sondern auch um Wiedergutmachungsansprüche von Hinterbliebenen ging, wollte der langjährige verdienstvolle Innenminister von Nordrhein- Westfalen, Herbert Schnoor (SPD), es genau wissen. Er beauftragte den angesehenen Düsseldorfer Zeitgeschichtler Prof. Peter Hüttenberger mit einem ■ Gutachten, das im Januar der Öffentlichkeit : vorgestellt worden war. Verfasst hatte die : Expertise Bern Rusinek. Sein Ergebnis: Die \ Edelweißpiraten waren wegen zahlreicher ■ krimineller Delikte keine einwandfreien j Widerstandskämpfer, aber dennoch Opfer l der Justiz wegen der öffentlichen : Hinrichtung. j Schnoor fiel es schwer, sich dieser j Einordnung anzuschließen. Er betonte j damals vor der Presse, mit dem Ergebnis : von Rusinek dürfe den Ermordeten : keinesfalls aktiver Widerstand : abgesprochen werden. Seit wenigen Tagen : erinnert nun im Gebäude der Kölner : Bezirksregierung eine Bronzetafel an diese i Opfer der NS-"Justiz": die Kölner : Edelweißpiraten. Veranlasst hat das der I Kölner Regierungspräsident Jürgen Roters, : der während des Streits um das Für und; Wider der Edelweißpiraten der persönliche : Referent von Innenminister Schnoor war. : Ihn hat das Thema immer wieder i umgetrieben, bis er jetzt entschied, es habe i sich bei den Kölner Jugendlichen durchaus j um eine Widerstandsgruppe gehndelt. : Heute fasse man zu Recht den Begriff; Widerstand weiter als in den 70er und 80er : Jahren. : "Edelweißpiraten" nannten sich die jungen : Leute, weil das Edelweiß ihr Zeichen war. : Ihre Gegenerschaft zum Regime zeigten; die Jungen gern durch lange Haare, die i Mädchen durch bunte Blusen statt der : Einheitsuniformen der "Jungmädel". Alle; kamen aus dem Arbeitermilieu. Sie hatten i kein politisches Programm, aber sie : versteckten Juden, Deserteure und i Zwangsarbeiter, sie töteten einen ranghohen i Gestapoführer, streuten antinazistische Flugblätter und kippten Zucker in Autos von ] NS-Funktionären. Es war eine Mischung aus Widerstand, Abenteuer und Unangepasstheit - damals durchaus eine Ausnahme im gleichgeschalteten Reich. Dass sie Lebensmittel, Zigaretten und anderes stahlen, steht außer Frage. Doch sie mussten das tun, um die Versteckten und sich selbst zu ernähren. Hier liegt der wesentliche Unterschied zwischen der Wertung von damals und heute. Roters hat den gordischen Knoten durchschlagen und für Klarheit gesorgt. Bei der Ehrung der heute 81 Jahre alten Edelweißpiratin Gertrud Koch sagte Roters, es habe sich um mutige junge Leute gehandelt - "ein Vorbild im Kampf gegen Unrecht und Unterdrückung." Auf der Bronzetafel wird nun an die ermordeten Jugendlichen Gustav Bermel, Franz Rheinberger, Bartholomäus Schink und Günter Schwarz erinnert, die mit weiteren Edelweißpiraten am 10. November 1944 im Kölner Stadtteil Ehrenfeld ermordet worden sind. Nach ihrer Verhaftung im Jahr 1943 waren sie gequält, gefoltert und lange in ein Betonloch gepfercht worden. Zwei der Gefangenen waren 16 Jahre jung. Selbst das bewahrte sie nicht vor dem Strang. Als ihnen mit dem Gutachten von Rusinek der politische Widerstand abgesprochen wurde, hatte ein Edelweißpirat längst einen festen Platz in der "Allee der Gerechten" im israelischen Gedenk- und Forschungszentrum "Yad Vashem" in Jerusalem. Es ist Jean Jülich. Einige Zeit später erwies sich die Ehrung eines anderen Kölners, der ebenfalls in Yad Vashem geehrt wurde, als Irrtum. Man war einer Zeugin aufgesessen, die nicht die Wahrheit über den angeblichen Judenretter bekundet hatte. Die Experten in Jerusalem wollten aber jedes Aufsehen vermeiden und beließen es bei der Auszeichnung. Anders wäre es das erste Mal gewesen, dass ein nichtjüdischer Helfer der Juden gerettet hat, aus der "Allee der Gerechten" verbannt worden wäre. Mit der Entscheidung des Kölner Regierungspräsidenten Jürgen Roters dürfte der Streit um die Kölner Edelweißpiraten beendet sein. Heute geht es nicht mehr um eine mögliche finanzielle Wiedergutmachung, die es ohnehin nicht geben kann. Für die wenigen noch lebenden Kämpfer gegen die brauen Diktatur ist es viel wichtiger, moralische Anerkennung für ihren mutigen Kampf zu finden. Hier hat Jürgen Roters nun ein bleibendes Zeichen gesetzt - über die Parteigrenzen hinweg. Heiner Lichtenstein (”Die Mahnung”, 1.2.2005)

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