Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2005
- Issue
- No. 79 (2005)
- Date
- 2005-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 366)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankfurt a/M - Breslau * Erez-Israel Zum Andenken an Max Feuehtwanger s.A. Erew Pessach d.J. wurde Max (Aharon Meir) Feuehtwanger s.A. im gesegneten Alter von über hundert Jahren in die Ewigkeit abberufen. Max Feuehtwanger wurde als Sohn eines Arztes in Frankfurt a/M geboren. Die Familie gehörte zu der in Frankfurt bestehenden von Rabbiner Samson Raphael Hirsch gegründeten, orthodoxen “Austrittsgemeinde”. Er lernte in der “Samson-Raphael-Hirsch-Schule” und nach Absolvierung des Gymnasiums ging er für einige Zeit auf die Jeschiwa, um sein jüdisches Wissen zu vertiefen. Eine bestimmte Zeit besuchte er die Berliner Universität. Zugleich lernte er am dortigen Hildesheimer Rabbinerseminar. Nach Absolvierung seiner Universitätsstudien wurde er 1932 als Leiter des jüdischen Gymnasiums, welches um diese Zeit gerade im Aufbau begriffen war, nach Breslau berufen. Der aus der Frankfurter Austrittsgemeinde stammende wurde hier mit dem Typ der “Einheitsgemeinde” konfrontiert, in welcher orthodoxe und liberale Juden gemeinsam zum Wohl der Gemeinde in sozialen und gemeinnützigen Angelegenheiten arbeiteten. Nur die Synagogen und G”ttesdienste waren getrennt. Hier traf Feuehtwanger mit einem der Verfechter des Gedankens der Einheitsgemeinde von orthodoxer Seite zusammen. Es war unser unvergesslicher Rabbiner Dr. Simonsohn s.A., der zugleich die treibende Kraft bei der Errichtung der jüdischen Schule war. Das war besonders wichtig am Anfang der dreissiger Jahre, als die Nazis zur Macht kamen und die jüdischen Schüler die Gymnasien verlassen mussten und in die neu errichtete jüdische Schule eingeschult wurden. Viele dieser Schüler kamen aus assimilierten Häusern und trafen das erste Mal in der Schule mit dem Judentum zusammen. Bevor Feuehtwanger nach Breslau übersiedelte, heiratete er eine langjährige Freundin, welche wie er in der “Samson-Raphael- Hirsch-Schule” lernte und auch im “Esra” tätig war, Julia Bamberger. Sie war die Tochter eines Augenarztes in Frankfurt, welcher mit Feuchtwangers Vater, der auch Arzt war, zusammen studierte. Beide Familien, Feuehtwanger und Bamberger, waren durch freundliche Beziehungen eng verbunden. Julia wurde als Leiterin von Kindergärten ausgebildet. Als im Jahr 1933 die Nazis an die Macht gelangten und jüdische Schüler die allgemeinen Schulen verlassen mussten, entstand ein neues Problem. Die jüdische Schule stand auf streng gesetzestreuer Basis. Aber ein Teil der aus den allgemeinen Schulen Kommenden kam aus assimilierten Häusern. Rabbiner Simonsohn und Feuehtwanger fanden den Weg, auch ohne dem streng religiösen Charakter der Schule das mindeste zu vergeben, diese neuen Schüler zu integrieren und sie dem Judentum nahe zu bringen. Dasselbe galt auch für die Lehrer, welche aus den allgemeinen Schulen entlassen wurden und am jüdischen Gymnasium am Rhedigerplatz eine neue Existenz fanden. Anfang 1936 gelangte die Familie Feuehtwanger nach Erez-Israel. Feuehtwanger wurde zum Direktor des damals neu gegründeten “Moria”- Gymnasiums berufen. Diese Schule war auf der Basis der thoratreuen Schule in Europa aufgebaut (Thora im Derech Erez) und viele der Lehrer kamen aus dem "Esra11 in Deutschland. 1946 eröffnete die Stadt Tel-Aviv ein städtisches religiöses Gymnasium mit dessen Leitung Feuehtwanger betraut wurde. Zu einer bestimmten Zeit verliess Feuehtwanger die Leitung der Schule, wirkte aber weiter als Lehrer dort. Gleichzeitig übernahm er die Leitung der Gymnasialfächer in der "Yeschiwat Hayischuw Hechadasch". Mit dem Rosch Ha'Yeschiwa, Raw Kolodezki, verband ihn eine langjährige Freundschaft. Als Anfang der fünfziger Jahre die Universität in Tel-Aviv eröffnet wurde, wurde Feuehtwanger als Instruktor für Physik berufen. Er avancierte zum Dozenten und beschäftigte sich besonders mit den Methoden des Physikunterrichts. In diesem Rahmen wurde er auch vom Erziehungsministerium ersucht, Lehrpläne für dieses Fach vorzubereiten. Nach seiner Pensionierung übersiedelte er nach Jeruschalajim, um in der Nähe seiner großen Familie zu sein. Bis in sein hohes Alter leitete er Fortbildungskurse für Lehrer der Physik und im Alter von über Neunzig veröffentlichte er noch ein Buch über "Versuche in der Physik": Feuehtwanger war ein orthodoxer, gesetzestreuer Jude und nahm an vielen Kongressen und Konferenzen über das Verhältnis von Religion und Wissenschaft teil. Er widmete auch viel Zeit, um Thora zu lernen und ging auch zu Kranken und körperlich Behinderten, welche nicht außerhalb ihres Hauses "lernen" konnten, um ihnen einen “Schiur” zu geben. Wir alle werden sein Andenken immer in Ehren halten. M. E. Hauschner