Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2005
- Issue
- No. 79 (2005)
- Date
- 2005-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 360)
- Language
- German
- Belongs to
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Unausrottbar? Der Judenhass in Europa nimmt zu Als vor 60 Jahren - am 27. Januar 1945 - sowjetische Soldaten Auschwitz befreiten, wusste die Welt noch nicht, was das war:: "Endlösung der Judenfrage". Ende 1945, mit dem Beginn des ersten internationalen Strafverfahrens gegen Spitzennazis, stand zwar nicht der Völkermord im Mittelpunkt der Anklage, aber ein entscheidendes Dokument konnte der stellvertretende US-Ankläger Robert M. W. Kempner dem Tribunal schon damals präsentieren. Es war das Protokoll der Wannseekonferenz vom 20. Januar 1942, auf der Umfang und Organisation der "Endlösung" besprochen und beschlossen worden waren. Damals und zunehmend in den folgenden Jahren festigte sich die Überzeugung, die "Endlösung" markiere das Ende des Antisemitismus. 60 Jahre danach erweist sich genau das Gegenteil als realistisch. Wenige Tage vor dem Jahrestag trafen sich in Brüssel die Mitglieder des Jüdischen Weltkongresses WJC zu ihrer Jahresvollversammlung und kamen übereinstimmend zu der Erkenntnis: Der Antisemitismus besonders in Europa hat wachsenden Zulauf, die 500 Delegierten des 1936 in Genf als Rettungsorganisation gegründeten WJC applaudierten ihrem Generalsekretär Israel Singer (61), als der von den Staaten Europas mehr Engagement gegen den Antisemitismus forderte. Der komme von den alten und jungen Rechten sowie von Muslimen, die nach Europa eingewandert seien. Das gelte vor allem für Frankreich, wo sich Juden oft kaum noch trauten, ihre religiöse Identität offen zu zeigen. Einen Staat lobte Singer ausdrücklich: Deutschland und hier von Heiner Lichtenstein Außenminister Joschka Fischer. Die deutschen Gesetze gegen Judenhasser und rechte Gewaltprediger seien vorbildlich und Fischer sei "vielleicht das stärkste Mittel gegen Antisemitismus". Charlotte Knobloch aus München, die Vizepräsidentin des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC), verwies auf den Antisemitismus - Bericht des US-Außenministeriums, der kürzlich in Washington vorgestellt worden ist. Der US-Sonderbeauftragte für Holocaust-AngeIegenheiten, Edward O'Donnell, kommentierte den Bericht seiner vor kurzem gegründeten Behörde so: "Der Bericht konzentriert sich auf Europa, weil dort viele antisemitische Vorfälle Vorkommen." Diese Entwicklung werde an Dynamik mit dem Zuzug von Muslimen zunehmen, warnte D'Donnell. In Wien verfolgt derweil die 1997 gegründete "Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit"(EUMC) die Entwicklung aufmerksam weiter. Ihre Leiterin Beate Winkler antwortete im Gespräch mit der "Jüdischen Allgemeinen" auf die Frage, ob es Parallelen mit den 30er Jahren gebe, konkret und überzeugend: "Wir haben jetzt die EU und stabile Demokratien." Allerdings müsse man die Ängste der Juden in Europa sehr ernst nehmen, denn der Antisemitismus sei Europas Trauma. "Und die EU ist auf dem Prinzip 'Nie wieder!' aufgebaut." Zu den Ende 2003 erhobenen Vorwürfen, die EUMC halte eine Studie über Judenfeindlichkeit in Europa zurück, weil diese zu dem Ergebnis gekommen sei, viele judenfeindliche Straftaten gingen auf das Konto junger Leute aus Nordafrika, sagte Winkler, ihr Institut hätte wohl früher einen vorläufigen Bericht veröffentlichen sollen. "Verdecken wollten wir auf keinen Fall." Und sie ergänzte: "Wir haben diese sehr schwierige Situation sofort als Chance benutzt, um eine Öffentliche Diskussion zum Thema Antisemitismus in der EU zu führen. Darum ging es uns." Die Aufregung von 2003 hat sich längst gelegt und die EUMC ist unverändert eine wichtige und zuverlässige, kritische Beobachterin, von der es heißt, sie solle zur Menschenrechtsagentur der EU ausgebaut werden. Um Studierenden aus der ganzen Welt die Möglichkeit zu bieten, sich mit dem Völkermord zu beschäftigen, wird die amerikanisch-jüdische Privatuniversität "Touro College Berlin" in Kürze das Studienfach "Holocaust" für alle Studierenden des dritten Semesters zum Pflichtfach machen - allerdings nur in Berlin. "Eine Jüdische Lehreinrichtung in dieser Stadt kann an der Schoa nicht Vorbeigehen", sagt die Direktorin Sara Nachama. "Wir haben Studierende aus aller Welt, aus Sri Lanka etwa oder aus China, die gar nicht wissen, was die Schoa überhaupt ist." Die "Touro College Berlin" steht selbstverständlich auch nichtjüdischen Stuiderenden offen. Das College solle, so Nachama, einen Beitrag zur Wiederbelebung jüdischer Hochschultradition leisten, "die durch den Holocaust gebrochen wurde." ("Die Mahnung", 1.4.2005)