Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2005
- Issue
- No. 79 (2005)
- Date
- 2005-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 355)
- Language
- German
- Belongs to
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(Fortsetzung von Seite 4) und der Lebendigkeit der neuen Industrie in Palästina. Seife, Lichte, Streichhölzer, Öle, Marmeladen, Kekse, Chokolade, Pflanzenbutter, Möbel, Klaviere, Badeöfen, Steinfliesen Teppiche in buntem Nebeneinander konnte man sehen, alles Tozeret Haaetz, Erzeugnis des Landes, und das gab dieser Messe, die sicher noch große Bedeutung für die ganze Wirtschaft des nahen Orients hat, ihren ganz besonderen Wert. Wir waren wegen des Regens fast die einzigen Besucher, wurden deshalb mit großer Zuvorkommenheit von einem der Aussteller herumgeführt. Der Leiter der Messe, Herr Gordon, war erst am Abend dort zu sprechen; daher gingen wir noch in unsere Pension zurück, an einem kleinen Zeitungsladen vorbei, unter dessen Auslagen uns "Die jüdisch-liberale Zeitung", ein Berliner Blatt, auffiel. Was hatte diese deutsche antizionistische Zeitung hier in Tel Aviv zu suchen? Wir wunderten uns so, dass wir hineingingen, eine Nummer verlangten und fragten, ob sie viel gekauft würde. Da hatten wir aber einen Sturm entfesselt! Die Verkäuferin, eine junge Frau von 20 Jahren, schimpfte wie ein Rohrspatz auf das Land, auf Tel Aviv und das Geschäft, das zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel einbrachte. "Lesen Sie nur den einen Artikel über Tel Aviv in dieser Zeitung, von einem Herrn Fischer geschrieben, der hat endlich den Mut zur Wahrheit, so denken hier viele, viele! Mein Mann und ich sind aus Wien und voller Liebe zum Lande hergekommen. Jetzt wohnen wir in einem kleinen Loch neben dem Laden, sind arm geworden und kämpfen schwer gegen die Konkurrenz, die von der Post früher beliefert wird als wir und uns deshalb die Kunden wegnimmt. Alles ist ungerecht in diesem Lande, die Liebe ist uns gründlich vergangen, und die Zukunft ist finster." - Am Anfang unseres Aufenthaltes im Lande hätten uns solche Worte wahrscheinlich bestürzt, jetzt verstanden wir sie schon besser einzuschätzen. Die ganzen kleinen Geschäftsleute von Tel Aviv singen sicherlich dasselbe Lied, sie sind eben, so bitter es für den Einzelnen sein mag, zuviele. Nach dem Abendbrot gingen wir bei schönstem, klaren Wetter mit Mr. Light, den wir in der Pension getroffen hatten, nochmal nach der Messe, wo Martin bald in längere Unterhaltung mit Herrn Gordon geriet, während ich Einkäufe machte. Die Säle waren prächtig erleuchtet, die Kapelle spielte Jazz und alles sah nach festlicher Freude, nach Betriebsamkeit und Leben aus, garnicht als ob es im Hintergrund Bitterkeit und Sorgen gäbe. Zum Schluß sahen wir noch einem Akte des Palästinafilms zu, der draußen über die Leinwand zog. Alle die prächtigen Gestalten aus den Kolonien erschienen auf den Bildern vor uns und feierten Wiedersehen und Abschied. Wir wußten, wir würden nochmal nach Jahren wiederkommen, wenn Blüte sein würde, was heute Samenkorn und Frucht, das, was jetzt im Reifen war. Seid uns gegrüßt, ihr Brüder an der Arbeit! Euer Werk sei zum Segen! Ausreise aus Haifa Am nächsten Morgen machten wir die letzte Bahnfahrt im Lande, das einzige Stück, das wir zum zweiten Male kennen lernten, nämlich die Strecke Jaffa-Haifa. Es war gleich der Anfang der Rückreise; denn von nun an fuhren wir sechs Tage ununterbrochen bis nach Breslau. Die Sonne leuchtete herrlich, sie machte die Landschaft zum Abschied doppelt schön und unser Herz doppelt schwer. Im Eisenbahnwagen saßen lauter Leute, die wie wir in Haifa das Schiff erreichen wollten, teils Touristen, teils geschäftlich nach Europa Reisende und teils vom Lande Enttäuschte, die wieder auswanderten. In Haifa war es interessant, das Leben und Treiben im Hafen zu beobachten. Während Martin zur Bank ging, setzte ich mich in den Gepäckabfertigungsraum, um zu warten. Im Gedränge kamen mir auf einmal ein paar Gesichter sehr bekannt vor, ich erinnerte mich, es waren die chassidischen Leute aus Nachlath Jakob, bei denen wir damals im Hause waren, die junge Frau und auch der alte Vater. Ich ging sie sofort begrüßen und hörte, daß sie Verwandte zum Schiff begleiteten, ihr Sohn und Bruder wollte mit seiner Familie zurückwandern. Sein Schwiegervater in Polen hatte noch nichts verkauft und schrieb dringliche Briefe, die Tochter solle nachhause kommen, sie hätte es in Palästina zu schwer, in Polen brauche sie nicht so zu arbeiten und alle Annehmlichkeiten zu entbehren. Der Alte hatte Tränen in den Augen, "ich weiß genau," sagte er, "mein Sohn wird zurückkommen, es wird ihm in Polen nicht mehr gefallen. Soll die Frau vorläufig dort bei den Eltern bleiben, wenn in 2-3 Jahren bei uns alles schöner und bequemer sein wird, wird sie auch wieder kommen." Der Abschied war herzzerreissend. Vater und Sohn umarmten sich und weinten, und der Jüngere drückte die Hand des Alten, als ob er schwören, beteuern wollte: "Glaub mir, ich komme wieder!" Inzwischen wurde der Kai immer leerer, fast alle waren schon drüben auf dem Schiff, und meine Ungeduld stieg allmählich zur Aufregung. Endlich kam Martin abgehetzt und ärgerlich aus der Stadt, wo man ihn mit unnützen Formalitäten aufgehalten hatte, und mit dem letzten abgehenden Boote gelangten wir glücklich an Bord. Die Schiffstreppe wurde eingezogen, die Anker rasselten empor, und mit einem leichten Ruck setzte sich das Schiff in Bewegung. Fast alle Passagiere waren an Deck und schauten zum Lande herüber, das immer kleiner werdend sich schließlich mit dem Schleier der Ferne verhüllte. Jener junge Chassid aus Nachlath Jakob stand neben uns, sein Kind auf dem Arm, und Tränen strömten über sein Gesicht. Er wies mit der Hand hinüber: Sieh noch amal dem schönen Land!" Und nun fuhren wir ins offene Meer hinaus, Erez-Israel versank. Wir waren gekommen aus Liebe zu seiner und unserer Vergangenheit und schieden in Liebe zu der gemeinsamen Zukunft; denn aus Befürchtung und Hoffnung war uns Gewißheit geworden!