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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2005-01-01 · No. 79 (2005) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2005
Issue
No. 79 (2005)
Date
2005-01-01
Page
Seite 4 (sequence 354)
Language
German
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4 (Fortsetzung von Seite 3) Palästinareise März~April 1926 Verwirklichung opferte und schließlich vor der Gründung starb, ohne das Ideal seines Lebens erfüllt zu sehen. Seine Sammlungen haben mit den Grundstock gebildet. In dem anderen Haus der Bibliothek, das den größten Teil der Bücher birgt, ist im ersten Stock eine Lesehalle, zu der man noch vor einem Jahr in Ermangelung einer Treppe, auf der Leiter hinaufsteigen mußte. Da erbarmte sich ein wohlhabender Mann namens Salomon und stiftete dem Hause eine Treppe. Zum Dank dafür hängt jetzt am Aufgang eine Tafel mit einem "Stufenlied" Salomons. In den Lesesaal hereinzusehen, war hochinteressant: Da saßen Männer und Frauen in allen Lebensaltern, ganz alte und ganz junge, besonders viele Talmudjünger darunter, und es war so voll, dabei so still, daß man eine Stecknadel zur Erde fallen hören könnte, wenn sie nur zum Fallen Platz gehabt hätte. "Das Publikum wechselt mit den Tageszeiten" - sagte unsere Führerin, "augenblicklich sind Leute da, die nichts anderes zu tun haben; gegen Abend kommen dann die Arbeiter, deren schönste Erholung das Lesen bei uns ist, und um diese Zeit ist die Fülle hier oben beängstigend." Mit dem Besuch der Nationalbibliothek, die so recht ein Kind des Aufbaus war, und seinen mächtigen Impuls lebendig widerspiegelte, beschlossen wir, unseren Aufenthalt in Jerusalem und beinahe auch die Reise überhaupt. Der nächste Tag in Tel Aviv war nur noch ein letzter Pinselstrich an einem Bilde, auf dem kaum noch etwas Platz hatte. Unsere Aufnahmefähigkeit war fast erschöpft. Nochmals Tel Aviv Am nächsten Morgen war der Himmel trübe, ein dünner Sprühregen fiel und die Stadt lag bei unserem Abschied in Dunst und Farblosigkeit. Das Auto, das uns nach Tel Aviv bringen sollte, war etwas altersschwach. Der Wind pfiff durch die zerbrochenen Fensterscheiben und wir wurden tüchtig nass. Auf dem Wege regnete es sich richtig ein, ein wahrer Wolkenbruch kam herunter und machte im Nu die Landstraße zu einem Tümpel, in dem das Auto bis zu den Räderachsen eintauchte. Unsere Koffer, die man ohne Decke hinten aufgeschnallt hae, weichten vollständig durch; man konnte ihnen noch nach unserer Ankunft in Breslau ansehen, dass sie einen palästinensischen Regen mitgemacht hatten. Auch Tel Aviv sah anders aus als beim vorigen Male und es kostete uns ziemliche Überwindung, trotz der Nässe von oben und unten zum Massegelände herauszugehen. Aber gerade wegen der Messe waren wir ja nochmal hier hergekommen! Vorher machten wir noch einen Abstecher bei der Strumpffabrik "Lodzia", wo wir sehr überrascht waren, einen ganz großen modernen Fabrikbetrieb zu sehen. Es ist das Bestreben der Firma, alles von der Rohbaumwolle an im eigenen Werk herzustellen. Sie hat deshalb eine schöne Spinnerei (allerdings wieder nur für gröbere Garne), eine Färberei, einen großen Saal voll Strickmaschinen, Formöfen, u.s.w. Die Einrichtung war erstklassig, aber unsere Führerin, die Leiterin der Versandabteilung, machte kein frohes Gesicht. "Wir haben schwere Zeiten jetzt" - sagte sie- "vor zwei Jahren ist mein Chef, der in Lodz eine zehnmal so große Fabrik besaß und ein schwerreicher Mann war, hier hergekommen. Er war ein glühender Zionist; ihm schwebte es als Schönstes vor, seine Maschinenräder in Erez-Israel sich drehen zu sehen. So verkaufte er also seine Besitzungen billig, nahm die besten Maschinen und die besten Arbeiter mit und siedelte nach Tel Aviv über, wo das Geld gerade dazu reichte, die Häuser zu bauen und einzurichten und den Betrieb ein paar Monate zu halten. Dann mußte er verkaufen und hat heute eine ganz kleine Fabrik, die er selbst mit zwei oder drei Leuten betreibt. Der zweite Besitzer konnte sich auch nicht halten, und der dritte sieht jetzt bescheidene Erfolge. Man kannte den Markt nicht genügend, brachte nicht die richtigen Sachen und wollte gleich im Anfang zu groß fabrizieren." Martin interessierte sich noch besonders für die Preise und die Löhne, diese waren höher als bei uns, die Preise aber durchaus konkurrenzfähig, auch auf fremden Märkten. Wir waren überzeugt davon, daß die Fabrik durchaus gesund und lebensfähig war und gute Erfolge haben würde. Dieser Besuch war eine sehr gute Einleitung für den nun folgenden Gang durch die Messe, die uns auf kleinem Raume und in gedrängter Auswahl ein Bild des industriellen Palästinas überhaupt gab. Obgleich ihr Umfang im Vergleich zu deutschen großstädtischen Messen klein ist, gewinnt sie durch die Art ihrer Aufmachung und Einrichtung. Man hat sie in einem alten Orangenhain angelegt, der teilweise ausgeholzt wurde, sodaß zwischen duftenden, blütenübersäten Baumgruppen immer Rasenstücke, Blumenbeete mit Springbrunnen und breite Kieswegen liegen. Es gibt zwei große Ausstellungshallen für Industrie und Landwirtschaft, eine Kunstausstellung, ein Freilichtkino, einen Musikpavillon, Zeitungs¬ und Bücherhallen, Zigarrenhäuschen und sogar einige Tierkäfige mit Affen, Papageien und einem palästinensischen Strauß. Man hat die beiden Häuser der Arbeit geschickt verbrämt mit Gefälligkeit, Schönheit und Vergnügen. Die Aufmachung der einzelnen Verkaufsstände drinnen war äusserst geschmackvoll und wir waren überrascht von der Fülle und der guten Qualität des Ausgestellten. Es gab Fabriken darunter, die kaum zwei Wochen alt waren, neben "alteingesessenen" von vielleicht zwei bis drei Jahren und man bekam doch einen Eindruck von dem Unternehmungsgeist (Fortsetzung auf Seite 5)

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