Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2005
- Issue
- No. 79 (2005)
- Date
- 2005-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 353)
- Language
- German
- Belongs to
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3 (Fortsetzung von Seite 2) waren aufgeweicht und kein Mensch auf der Straße. Das Wetter eignete sich gut zum Besuche machen und so gingen wir nach Hotel Rosenstrauch in Mea Schearim, unsere Bekannten aufsuchen. In diesem Hotel waren eine Menge Chassidim abgestiegen und es war sehr interessant für uns, sie zu beobachten. Sie saßen gerade beim Mittagessen. Im großen Speisesaal aßen die Frauen mit den übrigen Gästen zusammen und die Männer hatten ein Extrazimmer und saßen für sich. Bei ihnen dehnte sich die Mahlzeit länger aus, die Frauen stellten sich schließlich an die Tür, um durch die Scheiben den Männern zuzusehen. Manchmal, wenn ihr Oberhaupt, der Bruder des Gerer Rebben und selber ein großer Gelehrter, ein Wort sagte, trat eine Totenstille ein, die ganze Gesellschaft neigte sich hin zu ihm, der wegen seiner Krankheit nur weng und leise sprach, um nur ja keine Silbe aus seinem heiligen Munde zu verfehlen. 11. Tag Dieser Tag, für uns noch Pessach, war hier schon Werktag. Die Büros waren geöffnet, die Betriebe bei der Arbeit. Wir hatten von einer Strickerei "Hasoreg" gehört und wollten gern mal sehen, auf welche Art und mit was für Erfolg sie betrieben wurde. Wir wunderten uns, wie wenig Leute auf dem Wege über ihre Lage Bescheid wußten. In Jerusalem interessiert eine Fabrik wahrscheinlich nicht so wie in Tel Aviv. Die Stadt bedeutet mehr geistiges Zentrum, und eine Synagoge oder eine Schule hätte man uns sicher sofort gezeigt. Wir irrten zuerst zu einem kleinen Stricker herein, einem polnischen Juden, der einige Handmaschinen betrieb und die fertigen Strümpfe nun direkt in Private verkaufte. Er kam mit uns mit und führte uns in die richtige Fabrik, die ein großes, schönes Gebäude, allerdings nur zur Hälfte, bewohnt . Das Büro war offen, obgleich die Arbeiter noch feierten und die beiden Besitzer, auch polnische Juden, führten uns durch die Arbeitsräume und erzählten von dem Geschäftsgang. Wir hörten hier nun zum ersten Male über einen Betrieb, zwei Jahre alt, der die ersten Schwierigkeiten überwunden und sich auf das Land eingestellt hatte. Man war sehr zufrieden, die Fabrik arbeitet mit 30 Arbeitern, stellt hauptsächlich Phantasieartikel aus Baumwolle und billiger Wolle her und hat sehr guten Absatz, bis nach Amerika sogar. Aufmachung und Einrichtung waren erstklassig und die Leute verstanden ihr Fach. Sie sagten, mit noch mehr Kapital wäre das Unternehmen sehr erweiterungsfähig, da es sich gut rentiere. Wir freuten uns über diese Auskunft, so, als ob es unsere Fabrik gewesen wäre, war es doch ein Beweis für die Lebensfähigkeit einer gut geleiteten Textilindustrie überhaupt. Unsere letzten Besuche galten dem Büro des Keren-Kajemeth und der Nationalbibliothek. Im Büro hate man wenig Zeit, in allen Zimmern wurde geschrieben, diktiert und konferiert. Es gibt dort bestimmte Abteilungen für Landkauf, für Verkehr mit den Ansiedlern, für Propaganda u.s.w. Endlich fand sich ein mitleidiger Beamter, der uns nach dem oberen Stockwerk führte, um uns die drei großen goldenen Bücher zu zeigen. Hier werden die besten Namen von Juden und Freunden des jüdischen Volkes zur Erinnerung für kommende Geschlelchter eingetragen. Jede Buchung kostet 20 Pf., Herzl's Name ist öfters von Freunden eingeschrieben, Weizmann, Balfour u.s.f. Mancher ehrt auch ein verstorbenes Familienmitglied auf diese Weise. Die Bücher sind ca. 60/100 cm groß und haben wundervolle, mit Gold und Edelsteinen beschlagene Deckel, die ein Kunstwerk für sich darstellen. Das dritte Buch ist schon im Land selbst in den Bezalelwerkstätten hergestellt worden. Wir ließen nicht nach, den Beamten auszufragen, der sich ca. eine Stunde mit uns aufhalten mußte. Er gab uns eingehend Auskunft über Methoden und Organisation des K.K.L. Im letzten Jahr hätten sie gar kein neues Land gekauft, sondern die alten Schulden abgezahlt. "Schade, sagte er, "Land ist jetzt billig; denn die vorige Ernte war schlecht und der Araber hatte Lust zum Verkaufen. Es wurden uns 200-300.000 Dunam angeboten, für die wir vielleicht nächstes Jahr das Doppelte zahlen müssen, aber es ist nicht genug Geld da." Uns interessierte besonders das Verhältnis des K.K.L. zu anderen, z.B. religiösen Organisationen. "Wir hindern niemand, fromm zu sein", sagte der Beamte, "jeder Jude, der sich unseren Prinzipien der Selbstarbeit und der Erbpacht fügt, kann angesiedelt werden, sobald er die nötigen Vorbereitungszeit hinter sich hat." Nach einem kurzen Besuch im palälstinensischen Museum der britischen Regierung, das nur aus zwei Sälen bestand, in denen hauptsächlich Ausgrabungen aus ägyptischer und hellenistischer Zeit, sowie Münzsammlungen sich befinden (außerdem ab es eine wunderschöne plastische Reliefkarte des Landes dort) gingen wir zu der Nationalbibliothek. Diese bildet den Stamm der zukünftigen Universitätsbibliothek und ist vorläufig in zwei Häusern der Stadt untergebracht, bis das neue Haus auf dem Skopus fertig sein wird. Hier kann man das rapide Wachstum zahlenmässig feststellen. Im vorigen Jahre besaß man 30.000 Bände, jetzt schon 120.000. Die Häuser können den Büchersegen kaum mehr fassen, der durch wertvolle Spenden aus aller Welt ständig vermehrt wird. Man will im neuen Gebäude Platz schaffen für 800.000 Bände und hofft damit für die nächsten zehn Jahre auszukommen, da jetzt die Zahl nicht so sprunghaft wachsen kann, nachdem die geläufigsten Bücher schon vertreten sind. Die Bücher der zukünftigen medizinischen Fakultät haben ein Haus für sich, sie sind der Stolz der Bibliothek. Nämlich hier sorgt ein guter Onkel aus Amerika, ein Arzt, der seine Lebensarbeit dieser Bibliothek widmet, sowohl für Zuwachs, als auch für das Binden der Bücher und für Bezahlung der Beamten. Außerdem abonniert er ca. 20 medizinische Zeitschriften, die hier gesammelt werden. In einem Zimmer dieses Haujses hängt das Bild eines Mannes, eines russischen Arztes, der zuerst die Idee einer jüdischen Nationalbibliothek propagierte, der sein Vermögen und seine Gesundheit für ihre (Fortsetzung auf Seite 4)