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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 2005-01-01 · No. 78 (2005) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
2005
Issue
No. 78 (2005)
Date
2005-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 (Fortsetzung von w w W'tf * s Vordenker des Holocaust beziehungsweise Schädlings, Krankheits¬ und Seuchenmetaphern. Der Jude ist bei Hundt, wie bei den später auftretenden RadikaIantisemiten , Über- und Untermensch zugleich. Das "jüdische Ungeziefer" habe sich durch unvergleichliche Skrupellosigkeit, gewaltige Geldvermögen und verschwörerische internationale Verbindungen zu den "Herren der Welt" aufgeschwungen. Die Juden müssen, daran lässt er keinen Zweifel, vollständig eliminiert werden. Als Minimallösung der "Judenfrage" schlägt Hundt vor, sie als Sklaven an die Engländer zu verkaufen (sehr bald wird er entdecken, dass die Engländer selbst "weiße Juden" sind!) oder sie als Zwangsarbeiter in die Bergwerke zu schicken beziehungsweise alle männlichen Juden zu kastrieren und ihre Frauen und Töchter - zur Abschreckung der christlichen Kundschaft, versteht sich - in Bordelle zu stecken. "Am Besten wäre es jedoch, man reinigte das Land ganz von dem Ungeziefer." Die Juden sollten, das wäre ihm offenbar am liebsten, nach Abhaltung eines Tribunals ("ein peinliches Gericht") umgebracht werden. Oder aber, man verfrachte sie, vollständig enteignet, auf türkisches Gebiet, wo sie in unausweichlichen Kämpfen mit den Muslimen "vielleicht [...] ganz von der Erde vertilgt würden", ohne dass man sich selber die Finger schmutzig machen müsste. Nach Aufenthalten in Straßburg und Paris findet Hundt-Radowsky 1821 im schweizerischen Aargau, 1824 dann im Kanton Appenzell-Außerrhoden Unterschlupf. Durch die in Aarau entstandene Theorie vom "weißen Juden" wird das antisemitische Wahnsystem komplett. Mit 1160 Seiten ist das 1822/23 (in Aarau) publizierte dreibändige Werk 'Die Judenschule, oder gründliche Anleitung, in kurzer Zeit ein vollkommener schwarzer oder weißer Jude zu werden', eines der umfangreichsten antisemitischen Werke überhaupt. Gewidmet ist es ironisch dem Baron Rothschild in Paris, dem "Beschützer der Legitimität in Europa, dem Freunde aller illiberalen Künste". Der erste Band wird fast unverzüglich in Reutlingen nachgedruckt. Eine Neuausgabe aller drei Bücher erscheint 1830 unter dem Tital 'Die Juden wie sie waren, wie sie sind und wie sie seyn werden', wiederum in Reutlingen. "Der Jude" ist überall und steckt hinter allem Schlechten in der Welt In den ersten beiden Bänden macht sich Hundt über die "finstere Religion sowie die Sitten und Gebräuche der "schwarzen", also der wirklichen Juden her, zu denen er übrigens auch die Zigeuner zählt. Wie im 'Judenspiegel' stellt er hier einen zutiefst verderbten Charakter aller Juden als ewig und unwandelbar dar. So ist durch die Taufe kein Jude zu bessern: "Wer einen Juden tauft, der brennt der Sau nur ein anderes Zeichen auf den Hintern!" Für Hundt bleiben die jüdischen "Schädlinge" gleich, was auch passiert, "bis sie endlich durch ein furchtbares Erdbeben von unten auf erschüttert und verschlungen werden". Das dritte Buch der 'Judenschule' hingegen ist den "weißen" Juden Vorbehalten, denen Hundt gleichfalls die Vernichtung wünscht. Als "weiße" Juden bezeichnet er alle, die ihm (oder vielleicht auch nur seinen Lesern) unangenehm aufgefallen, aber keine Juden sind, beispielsweise die Engländer. Sie werden kurzerhand zu echten Juden erklärt. Ihre führenden Vertreter stammen nach Hundt direkt von Abraham und dessen zweiter Frau Ketura ab. Die "kleineren weißen" Juden hingegen seien unmittelbar Abkömmlinge Abrahams und dessen Mätressen. "Gleich seinen schwarzen Brüdern und dem Unkraut im Evangelium ist Abrahams weisser Saame in der ganzen Welt zerstreuet. In den Palästen der Fürsten und Großen und in den Hütten der Bauern; in den Sälen der Richter und in den Studierstuben der Gelehrten; in den Häusern und Buden der Kaufleute und Krämer und in den Werkstätten der Künstler und Handwerker; auf den Schaubühnen und - auf den Kanzeln, kurz unter allen Klassen und Ständen findet man ihn. [...] Das weisse Judenthum ist an keine kirchliche Formen und an keine Dogmatik gebunden. Es hat seine Bekenner unter allen Christen, Ketzern, Heiden und Götzendienern; ja sogar unter Magnaten, Aristokraten, Diplomaten, Patriarchen, Scholarchen, und anderen Aren und Archen soll es weiße Juden geben, und diese sollen gerade die schlimmsten sein." Das monomanische Welt- und Wahnbild des Joachim Hartwig Hundt-Radowsky ist jetzt wasserdicht. Alles Schlechte in der Welt wird von den Juden verschuldet. Grundsätzlich kann damit jeder gemeint sein, unabhängig von seiner tatsächlichen Herkunft. Die Ausrottungspraxis, einmal in Gang gesetzt, brauchte mit der Tötung der wirklichen Juden längst nicht ihr Ende zu finden. Der Fanatismus der Germanomanen, hatte Saul Ascher bereits im Jahre 1815 hellsichtig formuliert, bleibe nicht dabei stehen, "die Juden seine Geißel fühlen zu lassen". Er kenne keine Grenzen. Von seinen wüstesten Hetzwerken, dem 'Judenspiegel' und der 'Judenschule' hat sich Hundt-Radowsky nie distanziert. Im Gegenteil: Mit der Wiederauflage Letzterer wollte er 1 830, nach der Pariser Julirevolution, die Bevölkerung erneut zum Pogrom aufstacheln. Offen blutgierige Attacken gegen die Juden hat er danach zwar nicht mehr wiederholt, ein Fanatiker ist Hundt aber geblieben. Noch sein letztes Werk, eine autobiografisch gefärbte Jugendgeschichte ('Wiechart, oder Bruchstücke aus dem Leben eines alten Demagogen, Liestal" 1835), enthält antisemitische Schmähungen. In dem 1828 publizierten 'Neuen Judenspiegel' mildert er, sich opportunistisch der liberalen Oppostion empfehlend, seine Eliminierungsforderungen ab: Hundts Bestreben richtet sich hier, ganz christlichantijudaisch, "nur mehr" auf die Auslöschung der jüdischen Religion, die "Erziehbarkeit" mancher Juden soll anerkannt sein. Als Voraussetzung verlangt er von ihnen, wie schon Arndt, die Aufgabe ihrer Religion und Kultur. Doch bereits 1830 erscheint in Stuttgart der dreibändige 'Christenspiegel', an dem Hundt seit Mitte der zwanziger Jahre gearbeitet hat. Darin attackiert er das Christentum und seine "orthodoxen" Vertreter als verjudet und deshalb die Welt verderbend. Erfordert, die christlichen Konfessionen müssten sich "von dem faulichten Urstamm" ihrer Religion, dem Alten Testament, lösen. Auch was die von späteren Antisemiten oft beschworene "Entjudung des Christentums" angeht, ist Hundt Avantgarde. Das Exil führt ihn in den zwanziger Jahren ins appenzellische Bühler, dann in die Gemeinde Speicher, wo er von 1825 an

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