Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 2005
- Issue
- No. 78 (2005)
- Date
- 2005-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/7506414-7413192-7497286--582-7413196- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 (Fortsetzung von Seite 3) Palästinareise März*April 1926 7. Tag Schon um 7 Uhr morgens fuhren wir von Jerusalem weg, durch das christliche Dorf Bethanien die Berge hinunter, macht doch der Weg, in der Luftlinie nicht weit, eine Senkung von 1200m, da das Tote Meer 400 m unter Seehöhe liegt. In vielen Serpentinen lief die gut gepflegte Landstraße, und je weiter wir uns von Jerusalem entfernten, desto mehr veränderte sich das Landschaftsbild. Die Berge, die noch bei Bethanien terassiert und gartenähnlich bebaut waren, hatten bald nur noch spärlich Weiden für Ziegenherden, und einige Minuten weiter ging das Grün des Grases in Grau über. Es wuchsen nur noch Disteln und Riedgräser, die Kuppen wurden kahl und die Gegend bekam ein trostlos ödes Gesicht. Wir waren in der Wüste Juda, die bis zum Toten Meer reicht. Frappierend ist dieser rascher Übergang von Fruchtland zu Wüste, er wirkt noch stärker als in Ägypten, weil man dort immer den Nil vor Augen sieht, der aus der Wüste den Acker macht, hier aber sieht die Veränderung ganz willkürlich, unmotiviert aus. Kilometerweit fuhren wir durch diese zerfressenen Berge, grauenvoll, glles Leben verneinend lag diese kahle Erde, bald gelb, bald rot, meistens fahlgrau. Es wurde immer heißer, wir dachten an die armen Arbeiter, die die Straße hier gebaut hatten und sich die Tages- und Jahreszeit nicht so aussuchen konnten wie wir. Weit und breit lag keine menschliche Wohnung mehr, ein paar Beduinenzelte am Wege, weiter nichts! Es ist sehr eigenartig, was sich in dem kleinen Land Palästina für Gegensätze eng beieinander finden; Fruchtland und Wüste, 400 m tiefe Depression und hohes Gebirge,Temperaturen von 0 Grad und 50 Grad gleichzeitig. Endlich gegen halb neun Uhr waren wir am Toten Meer. Es herrschten schon 40 Grad Hitze. Aber von diesem Wasser ging keine Kühlung aus. Schwer und träge lag sein Spiegel, ganz kleine, langgezogene Wellen leckten den Strand, an dem fettige schwarze Steine lagen. Hin und wieder sah man tote Fische und Pflanzen am Rande angespült, die der Jordan hineingebracht hatte und die in der Salzflut sofort sterben. Wie eine Stätte der Verwünschung sah es hier aus, man dachte an Sodom und Gomorrha, die in diesem Meer ertrunken sein sollen! An allen Ufern Wüstenberge, wo wir standen eine wüste Ebene, das Wasser selbst alles Leben tötend. Grauen stieg in uns auf! Am Ufer stand als einziges Zeichen menschlicher Nähe ein Zelt, mit Leinwand verkleidet, wo ein Beduine für die herkommenden Fremden eine kleine primitive Gastwirtschaft eingerichtet hat; hier kann man Bananen und Limonade bekommen und im Schatten sitzen. Die Herren hatten Lust, ein Bad zu probieren und erhielten auch wirklich ein paar zerrissene Badeanzüge und eine Kanne Süßwasser zum Abspülen. Wir standen am Ufer und sahen zu, wie die Badenden Kunststücke machten. Sie ließen sich ohne Schwimmbewegung vom Wasser tragen und stießen sich gegenseitig ab, als ob sie Bretter wären. Das Wasser trägt nämlich wegen seiner eignen Schwere die Menschen, die nicht untergehen können und sich vorsehen müssen, mit Augen oder Mund einzutauchen, denn das Wasser hat einen ekelhaften Geschmack und beißt heftig. Die Frauen und Kinder des Beduinen, alle dunkelbraun mit blauer Tätowierung, brachten uns Steine, wie sie hier überall herumlagen, zum Kauf oder sagten auch gleich: "Backschisch". Der Mann fürchtete offenbar für seinen guten Ruf, denn er kam mit der Peitsche und trieb sie fort. Ich wollte der einen Frau wenigstens aus unserem Proviant ein Stückchen Mazze geben, aber sie schüttelte den Kopf und sagte "Ramadan". Das Kind auf ihrem Arm nahm es ihr ab und aß es mit gutem Appetit. (Während eines ganzen Monats, den sie "Ramadan" Fastenmonat nennen, essen die gläubigen Mohammedaner nichts, nur nach Sonnenuntergang nehmen sie ein wenig Brot und Suppe zu sich.) Nachdem unsere Herren sich wieder angezogen hatten, räumten wir vor den vielen, neu ankommenden Besuchern das Feld und fuhren unter Umgehung der sumpfigen Jordanmündung zur Jordanfurt. Hier war die Stelle, wo die Kinder Israel den Jordan überschritten hatten, gegenüber der Stadt Jericho, die einzige Furt in der ganzen Gegend. Jetzt nahm das Auto den Weg nach Jericho, das etwas landeinwärts im Jordantal mitten zwischen Steppe und Wüste als fruchtbare Oase liegt. Hier kommt die starke Elischaquelle aus dem Boden und macht das Land zu einer der üppigsten Gegenden Palästinas. Es wächst dort alles wie in einem Treibhaus. Auf dem Weg, noch richtig in der Einöde, lag ein großes griechisches Kloster, ein guter Ort, wenn man keinen Menschen sehen will. Und während unsere Blicke umherschweiften, nach Punkten in der Wüste suchend, wo sie sich anklammern könnten, bemerkten wir fern am Horizont, genau über dem Jordangraben stehend, den Hermon mit seinem schneebedeckten Gipfel. Er war so klar, so plastisch abgehoben gegen den tiefblauen Himmel, daß man nicht glauben konnte, die ganze Länge des Landes läge dazwischen. Das Bild des Schneeberges, hier von der brennenden Sandfläche aus gesehen, war wieder eines jener Wunder, an denen das alte Land so reich ist. Die Stadt Jericho ist ein großer Garten mit ein paar elenden arabischen Häusern darin, man kann sich nicht vorstellen, daß hier früher die Winterresidenz von Königen gestanden hat. Es wucherte überall von Bananen, Palmen, Reben und Balsamsträuchern, und wir fuhren direkt, uns die kostbare Quelle ansehen, die all dieses hervorgezaubert hatte. In breitem starkem Strahl läuft sie in ein gemauertes Bassin und teilt sich von hier aus in viele Arme, die mit weißen Schaumperlen abfließen, lebenspendend, ihrer Schöpferkraft sich bewußt! Hinter der Quelle steigt man auf ein kleines Felsplateau und sieht von dort aus einen gewaltigen* öden Schutthaufen, die Ruinen des alten Jericho. Von Jericho aus fuhren wir nun zurück, in die Berge hinauf, bald in Meereshöhe, wo die Tafel mit der Aufschrift "sea level" stand und bald wieder in belebte Regionen, die uns doppelt lieblich und angenehm erschienen. Die Türme des Ölbergs, dann die von Jerusalem tauchten auf und wir waren noch so voller Unternehmungslust, daß wir die gute Gelegenheit des Autos benutzen wollten, um uns zwei etwas entferntere Plätze anzusehen: die Königsgräber im Norden der Stadt und das Krankenhaus Schaare Zedek draußen am Ende der Jaffastraße.