Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1962
- Issue
- No. 6-7 (1962)
- Date
- 1962-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3176)
- Language
- German
- Belongs to
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V «rbandsnachrl chten Seit dem Erscheinen unserer letzten Nummer haben wir leider wieder den Tod einer Anzahl Mitglieder zu beklagen. Der Senior unseres israelischen Kreises, das langjährige Mitglied des Vorstandes des Synagogen-Gemeinde Breslau, dem das Dezernat des Wohlfahrtsamtes unterstand LUDWIG MARCOVICZ hat uns für immer verlassen. Ferner riss der Tod eine unersetzliche Lükke in unsere Reihen durch den plötzlichen Heimgang von GEORG WEISSMANN In Tel Aviv verschied nach längeren Leiden im 81. Lebensjahr unser Freund SALO PERLE der mütterlicherseits von der bekannten, alten Breslauer Familie Falk abstammte, die wiederum ihren Stammbaum auf den unter dem Namen „Der Dyhernfurther Raw" bekannten Rabbiner zurückführte. Wir haben in unserer letzten Nummer anlässlich der Jahrzeitsstiftung der Frau Helene Mauthner — einer Enkelin des „Dyhernfurther Raw” von dieser besonderen Persönlichkeit berichtet, die auch Rabb. Dr. Brilling in seinem Beitrag zur Geschichte der Breslauer Synagogen erwähnt. Auch unser Freund Salo Perle lebte sein arbeitsreiches Leben ganz im Sinne dieses grossen Ahnen. In Tulsa (Oklahama) verschied eines unserer treuesten Mitglieder PAUL STERN ehemaliger Director der Schlesischen Mühlenwerke. Er entstammte der alten Oberschlesischen Familie Stern, deren Ahnherr schon in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Bäckerei betrieb. Sein Sohn Abraham war der Gründer der Mühlenindustrie in Sohrau O/S, dessen Sohn Josef gründete die A.G. „Kunstwalzenmühle Stern & Co." in Guben, während Paul Stern, Josefs Sohn, die bekannten Mühlen von Oscar Stern und Julius Rosenthal in den „Schlesischen Mühlenwerken” vereinigte. Paul Stern litt schwer unter den Nazis. In Buchenwald musste er einen Vertrag unterschreiben, in welchem ihm erpresserischerweise das ganze Mühlenunternehmen geraubt wurde. Die bis zu seinem Tod betriebenen Restitutionsversuche scheiterten an der Lage des Unternehmens im jetzigen Polen. Er wanderte mittellos zuerst nach England, später nach U.S.A. aus, litt unter den Folgen der Nazi-Erlebnisse und starb September 1962, 84 jährig, an einem Herzanfall. Er war ein besonders begabter, erfolgreicher Grosskaufmann, persönlich von liebenswürdigem Charm und steter Hilfsbereitschaft. Bis zu seiner Übersiedlung nach Berlin gehörte er dem Vorstand der Breslauer Synagogen-Gemeinde als überaus aktives Mitglied an. Der Familie Stern gehören nach dem Stand des Stammbaums von 1961 an: 30 Enkel, 38 Urenkel, 47 Urur-Enkel und 12 Ur-Ur-Ur-Enkel in toto 127 Nachkommen von Abraham Stern. Unter den ca 300 Namen der Stammtafel finden wir etwa 50 Akademiker, darunter 11 Universitätsprofessoren, Nobelpreisträger und andere bedeutende Persönlichkeiten. Der Stammbaum steht zu unserer Verfügung. In Nummer 3 unserer „Mitteilungen” veröffentlichten wir einen Nachruf auf Rabb. Dr. Wahrmann, Breslau-Oels, zuletzt in Haifa — Kiryat Motzkin sowie die Eintragung in das „Goldene Buch” des Verbandes, welche seine Witwe Frau PAULA WAHEMANN veranlasst hatte. Nun ist sie selbst nach längeren schweren Leiden ihrem Gatten gefolgt, kaum ein Jahr nach dessen Tode. Wir verlieren auch in ihr eine treue alte Breslauerin, die sich stets für unsere Arbeit lebhaft interessiert hat, eine Frau von besonderen Eigenschaften und seltener Energie, die ihrem Gatten eine treue Lebensgefährtin war und ihn in den Tagen seiner Krankheit mit Aufopferung gepflegt hat, während sie ihm in den langen Jahren seiner seelsorgerischen und schriftstellerischen Tätigkeit eine kluge Gehilfin war. Auch mit DAVID WOLLMANN ist ein lieber Weggenosse von uns gegangen, der von Jugend an es als seine Aufgabe betrachtete, die Tradition des Elternhauses zu bewahren und seinen Kindern weiter zu geben. Am Sonntag den 3. Februar 1963 versammelte sich eine grosse Trauergemeinde im „Beth Sefer Jeschurun” in Cholon, in dessen „Beth Haknesseth” der Verstorbene die letzten Jahre gebetet hat, um sein Andenken in würdiger Weise zu ehren. Die Rabbanim Wein und Jungreis verstanden es, die wesentlichen Charaktereigenschaften des Heimgegangenen hervorzuheben, während Dr. Freyhan als Vorsitzender des Irgun Joze Breslau auf die mutige Art von David Wollmann hinwies, der bei all seiner Friedensliebe immer zur Stelle war, wenn es galt das überlieferte Judentum zu verteidigen oder ihm den gebührenden Platz zu verschaffen. Er war zuverlässig und als angesehener Kaufmann geehrt. Erich Lewin erinnerte in seiner Rede, dass der Verstorbene immer jugendlich geblieben ist, von der Zeit an da er im „Badtschen Minjan”, als Vorbeter und Gabbai fungierte und später im Paula Ollendorf Heim am Schweidnitzer Stadtgraben das Jugendminjan leitete, dem er einen schönen Aron Hakodesch spendete bis ins hohe Lebensalter. Eine Abordnung des Beth Haknesseth „Moschaw Sekenim” Tel Aviv, war anwesend, da David Wollmann auch dort jahrelang Gabbai gewesen ist. Mit dem K — El Male Rachamim vorgetragen vom Chasan des Beth Haknesseth schloss die würdige Trauerfeier, die jedem noch einmal diesen treuen Jehudi ins Gedächtnis rief, der gern für den Zibbur gearbeitet hat. Allen Angehörigen haben wir unsere Teilnahme ausgesprochen und werden den ehemaligen Mitgliedern unseres Verbandes ein treues Gedenken in unserem Kreise bewahren! Kurz vor Redaktionsschluss ereilt uns die Trauerkunde, dass unser Freund WILLI GLUSKINOS (Tel-Aviv, Ruppinstr. 6) heimgegangen ist. Auch er war mütterlicherseits ein Nachkomme des Dyhernfurther Raw. So war sein Leben, wie das seiner Eltern und Grosseitem von der jüdischen Tradition und dem Emst der jüdischen Verpflichtung — man möchte sagen — bis zu seinem letzten Atembuge erfüllt. Von Jugend an zum Kaufmann im väterlichen Geschäft bestimmt, war ihm doch das talmudische Studium nicht nur Pflicht sondern Herzensbedürfnis, dem er jede freie Minute widmete. In der Breslauer Synagogen- Gemeinde gehörte er viele Jahre der Ritualkommission an sowie der Brüderschaft der 18 Männer (D’üJX ’H) welche seit Jahrhunderten die Liebespflicht der Krankenpflege und Totenbestattung als Ehrenpflicht sich Zur Aufgabe macht. Als 1938 die Gemeinde infolge der Judenverfolgung zusammenzubrechen drohte, trat er uitä zu seiner, ein halbes Jahr später erfolgten eigenen Auswanderung in die Bresche, um noch allen denen zu helfen, denen es noch nicht geglückt war, ein Einwanderungsvisum in ein anderes Land oder ein Certifikat zu erlangen. Auch hier in Israel trat er kurz nach seiner Einwanderung wieder in die WHp man ein und übte die Liebespflicht der Totenbestattung mit besonderer Hingabe und Selbstlosigkeit bis in die letzte Zeit aus, da ihn selbst ein schweres Herzleiden zwang, sich zu schonen. An unseren Bestrebungen nahm er lebhaften Anteil. Die „Mitteilungen” las er mit dem grössten Interesse, wie aus seiner Zuschrift ersichtlich, die er uns noch in letzter Zeit zugehen liess und die wir an anderer Stelle veröffentlichen. Sein Heimgang bedeutet einen unersetzlichen Verlust für die religiösen Kreise Israels. : n.a.iu.n Ludwig Markowicz Am Ende der Schloschim, dem 30. Tage nach seinem im Alter von 91 Jahren erfolgten Tode veranstaltete der Verband ehemaliger Breslauer in Haifa, wo Ludwig Markowicz hier im Lande gelebt hatte, wo er verschied und wo er begraben ist, eine Askarah für den sehr verdienten jüdischen Menschen, den idealen Zionisten und grossen Philanthropen. Eine stattliche Trauergemeinde hatte sich eingefunden, aus allen Teilen des Landes waren Teilnehmer erschienen. Der Vorsitzende des Verbandes ehemaliger Breslauer, Dr. Freyhan, Tel Aviv, leitete die Veranstaltung mit einer Ansprache ein, wobei er einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der jüd. Verhältnisse in Deutschland und insbesondere Breslau warf, wie sie sich am Ende des ersten Weltkrieges gestaltet hatten. Er verwies auf die führende Rolle, welche Markowicz überall übernahm, wo es galt, jüdisches Elend zu mildern, sowie jüdische Bildung zu fördern. Insbesondere hob der Redner die weitgehende Mitwirkung des Verewigten bei der Gründung der jüdischen Schule in Breslau hervor, die — nicht ohne Widerstände bei einem Teile der Gemeinde- Mitglieder — mit 10 Schülern eröffnet wurde und sich zu einem imposanten Schulwerk mit 1500 Schülern und dem Recht, ihren Unterricht mit dem Abiturienten-Examen abzuschliessen, entwickelte, das dann in der Nazi- Zeit, als der jüdischen Jugend die allgemeinen höheren und dann auch Volksschulen verschlossen winden, zu einem lebenswichtigen Büdungsfaktor der Judenschaft in Breslau und darüber hinaus geworden ist. Dr. Jacobsohn, Pardess Chanah, schilderte dann den Lebensgang und die Bedeutung von Ludwig Markowicz. Er stellte den von Idealen getragenen Zionismus dar, welcher den Verewigten beseelte. Markowicz habe rechtzeitig die Schwäche und Unsicherheit der Stellung der Weltjudenschaft erkannt und aus diesem Gesichtspunkte heraus die Errichtung eines jüdischen Nationalheims nicht nur gefordert sondern auch tätig betrieben. Dr. Jacobsohn würdigte weiter die Bedeutung von Markowicz für die jüdische Schule in Breslau und damit für die Gesamtjudenheit Breslaus und Deutschlands wie auch seine uneigennützige Freigebigkeit, wenn es sich um jüdische 'Belange handelte. Sein einziger Beruf — war die Sorge für andere. Er betrieb, geradezu hauptberuflich, eine Art privaten und persön- (Fortsetzung auf Seite 9) 15