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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1962-01-01 · No. 6-7 (1962) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1962
Issue
No. 6-7 (1962)
Date
1962-01-01
Page
Seite 12 (sequence 3173)
Language
German
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Ein alter U/federstandskämpfer besucht Israel STAATSSEKRETÄR Dr. NAHM IN TEL-AVIV jener Duft des schlesischen Frühlings, des Herbstlauhes, jene spezielle Briese, die von der Oder herüberweht, von der Ohle oder von der Lohe, die ist hier in den Schilderungen mit eingefangen und zu spüren, und zwischen den Zeilen atmet man noch einmal Breslauer, Schlesische Luft, jenes so typische Fluidum, das sich nicht beschreiben lässt. Hans Hupka, der Herausgeber, hat hier eine bedeutsame und höchst wertvolle Arbeit geleistet. J. Sachs (Wir können die Anschaffung des Buches wärmstens — ohne jeden Vorbehalt — empfehlen. — Die Red.). Pädagogische Ecke Von Dr. Wilhelm Freyhan: Gedanken aus seinem „Der Weg zum Judentum”, das bei der „Europäischen Verlagsanstalt” in Frankfurt in deutscher, bei Lincolns-Prager, London, in englischer und bei Albin Michel-Paris in französischer Sprache erschienen ist. Von der G’ttlichkeit der Seele Die Menschenseele hat ihren absoluten Wert, der unabhängig ist von Raum und Zeit. Daher muss sie ewig existieren — also unsterblich sein. Mit der Vorstellung der Ewigkeit ist aber bei uns Menschen die Vorstellung eines gütlichen Wesens — G’ttes — verbunden: Also ist die Seele etwas Gütliches, vielleicht uns von G’tt geliehen oder ein Geschenk G’ttes, das unser Ureignes geworden, dessen Ausdruck sich in unserer Individualität manifestiert. Oder sie ist gar ein Teil jener G’ttlichkeit, ein Hauch G’ttes, den wir zuweilen verspüren, wenn ausserordentliche Gemütsbewegungen uns erfassen, für deren Vorgang wir keine bestimmten Erklärungen haben. Pythagoras von Samos sagt: „Sei überzeugt, nichts ist dein Eigen ausser deiner Seele”, und die jüdischen Weisen ergänzen diesen Ausspruch zum täglichen Morgen-Gebet, indem sie sagen: „Maude Ani Lefonecho, Melech Chaj Wekajam, Ich danke Dir, Allmächtiger, der Du mir meine Seele zurückgegeben. Sie ist rein. Du hast sie geschaffen, Du hast sie gebildet. Du hast sie mir als Leben eingehaucht. Mit solchen Gedanken beginnt der jüdische Mensch sein Tagewerk, und mit den Worten: „Dir vertraue ich Geist und Seele an, zur Zeit, da ich mich niederlege — ist G’tt bei mir, so fürchte ich nichts" schliesst er es. Von der jüdischen Ethik Es ist richtig, dass die jüdische Ethik ursprünglich eine theologische ist, wie Moritz Lazarus in seiner Ethik des Judentums sagt. Aber sie ist es nicht geblieben. Sonst würden heute nicht viele Millionen Menschen, die G’tt nicht kennen und nicht kennen wollen, sich ihr unterordnen, gedankenlos sie als selbstverständlich betätigen, ohne auch nur einen Augenblick durüber nachzudenken, dass der fundamentale Satz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”, odre die 10 Gebote vom G’tt Israels stammen, den sie so gern aus ihrem Bewusstsein ausschalten und als G’tt der Rache brandmarken wollen. Aber gerade darin liegt die gütliche Bestätigung der jüdischen Sittlichkeit, dass sie zum Universalgesetz der Kulturvölker geworden ist. Der echte Ring strahlt seine Kräfte auf den Besitzer aus und gibt ihm die Fähigkeit, sie zu nützen auch dann, wenn er seinen Ursprung nicht kennt. Insofern konnte die jüdisch-theologische Ethik, die uns am Sinai durch gütliche Offenbarung zuteil und im Talmud in ihren Einzelheiten erläutert wurde, zur Grundlage der sittlichen Kulturwelt werden. Staatssekretär Dr. Nahm hat unmittelbar nach seiner Rückkehr über seinen Aufenthalt in Israel einen Vortrag im „Südwestdeutschen Rundfunk” gehalten, dessen Manuscript er uns freundlicher Weise überlassen hat. Wir veröffentlichen es an anderer Stelle. .Staatssekretär Dr. Nahm hatte schon frühzeitig die Weltgefahr des Nationalsozialismus erkannt und ihn seit 1928 in Wort und Schrift mutig bekämpft. Als Hitler zur Macht kam, gehörte er zu den Ersten, die ihre aufrechte Gesinnung mit dem Verlust der Freiheit und Einsperrung ins Konzentrationslager büssen mussten. Von jeher bekundete Dr. Nahm als gläubiger Katholik grosses Interesse für das Land der Bibel und die Errichtung des Staates Israel. Mit dem Verband ehemaliger Breslauer stand er in brieflicher Verbindung und interessierte sich lebhaft für dessen soziale Arbeit. Letzten Winter benutzte er einen kurzen Urlaub zur Reise nach Israel. Er kam in nicht amtlicher Eigenschaft nach hier und war an 2 Tagen Gast des Verbandes. Unter Führung von Dr. Freyhan, dem Vorsitzenden des Verbandes, besuchte er die interessantesten Punkte des Landes. Mit den Vorstandsmitgliedern des Verbandes traf sich Dr. Nahm zum geselligen Beisammensein und in zwangslosem Geplauder beantwortete er zahlreiche an ihn gestellte Fragen. Durch seine Herzlichkeit gewann er schnell die Zuneigung aller Anwesenden. Am folgenden Abend war Dr. Nahm der verehrte und gefeierte referierende Gast in einer Mitgliedsversammlung des Verbandes in den Gil-Sälen und wurde von Rabbiner Dr. Ansbacher und Dr. Freyhan begrüsst. Dr. Nahm dankte für die Ehrung und gab seiner Freude Ausdruck über die herzliche Aufnahme, die er bei allen Teilen der Bevölkerung besonders bei Arbeitern und Angestellten, aber auch bei der Regierung, gefunden hatte. Von dem Aufbauwerk, der Verwandlung von öd- und Wüstenland in Fruchtbarkeitsfelder, von dem Arbeitseifer und Enthusiasmus der alten Pioniere und Neusiedler, von der rapiden Entwicklung des Wirtschafts- und Kulturlebens sprach er mit grosser Bewunderung. Tiefbewegt gedach. te d. Redner der Millionen Juden, die unter dem Hitler-Regime ermordet wurden, und die niemals vergessen werden dürfen. Unvergessen Sollen aber auch die Tapferen sein, die trotz Todesgefahr den Hitlerismus bekämpften und in der Nacht des Nationalsozialismus das Licht der Menschlichkeit entzündeten. Ein grosses Interesse bei allen Anwesenden fand der Bericht von Dr. Nahm über die Einordnung von 15 Millionen Flüchtlingen in das deutsche Wirtschaftsleben. Die deutsche Bundesregierung nahm davon Abstand, diese Massen von Flüchtigen aus propagandistischen Gründen in Lagern unterzubringen. Sie ging von der Erkenntnis aus, dass das Lagerleben die Insassen demoralisiere und für den Kampf des Lebens untauglich mache. Bundesregierung und Länderregierungen scheuten daher keine Opfer, um die Flüchtlinge in das Wirtschaftsleben einzuordnen. Heute sind d. Flüchtlinge mit der übrigen Bevölkerung verschmolzen. Wir können nur hinzufügen, dass sich unsere arabischen Nachbarn ein Beispiel an der Bundesrepublik nehmen mögen, der es gelungen ist, 15 Millionen Flüchtlinge einzuordnen, während unsere Nachbarn noch nicht einmal eine Million einordnen wollen, obwohl sie von der UNO die Gelder dafür erhalten. Reicher Beifall dankte dem Redner besonders für seinen wirksamen Schlussappell an die Menschlichkeit. Am nächsten Tage flog Dr. Nahm nach Deutschland zurück, liess es sich aber nicht nehmen, noch 2 Stunden vor seiner Abreise das Altersheim des Women’s Social Service, in welchem der Verband ehemaliger Breslauer einen eigenen Trakt unterhält, zu besichtigen. Arthur Dombrowski Berichtigung Inbezug auf meine Cerini-Anekdoten (siehe den Aufsatz in No. 2 unserer Mitteilungen), schreibt mir ein alter Schulfreund aus New- York, er wisse es besser: Die Neue Synagoge in Breslau sei nicht von Reg. Baumeister Ehrlich gebaut worden, der nur den späteren West-Ausgang schuf, sondern von einem Dombaumeister, der etwa „Grote” hiess; den genauen Namen konnte ich nicht ermitteln. Bei der Einbürgerung Cerinis handelte es sich um den Abgesandten der Berliner Königl. Oper, nicht der Dresdner, dessen Assistent Graf Baudissin die Geschichte meinem Freunde persönlich erzählt habe. Der Druckfehlerteufel hat unter anderem auch den Namen von Cerinis Nachfolger verhunzt: er hiess Borin, nicht Barin. Dr. Walter Goldstein (Wir haben unserem Mitgliede gern das Wort zu seiner Berichtigung gegeben, müssen aber eine „Berichtigung der Berichtigung” hinzufügen. Die Neue Synagoge ist weder vom Regierungsbaumeister Ehrlich noch vom Dombaumeister Grote gebaut worden sondern nach den Plänen von den Baumeistern Gebrüder Oppler. — Die Redaktion). Nach Schluss der Redaktion erfahren wir soeben, dass unser Freund Michael Ludwig Lewy (Lulu) und seine liebe Frau Malli (Tel Aviv, K.K.L. 67) in diesen Tagen das Fegt der SILBERNEN HOCHZEIT gefeiert haben. Wir gratulieren herzlich und wünschen, dass dieser feinsinnige Musiker, der bei keiner unserer Veranstaltungen versäumt, uns mit seiner Kunst zu erfreuen, auch die goldene Hochzeit in der gleichen jugendlichen Frische feiern möge. * DRUCKFEHLER IN DIESER NUMMER Der Schluss von Seite 1 — Besuch in Breslau — befindet sich auf Seite 10 und nicht Seite 9. Ein fataler Druckfehler hat sich in unseren „Gratulationen” Seite 2 eingeschlichen. Julchen Gradenwitz ist zu gesund 85. Jahre alt geworden .währen Margarete Levy und Liese Weinhausen „schon” 80 Jahre — bis 120 — sind. 12

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