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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1962-01-01 · No. 6-7 (1962) · p. Seite 10

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1962
Issue
No. 6-7 (1962)
Date
1962-01-01
Page
Seite 10 (sequence 3171)
Language
German
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Ein Besuch in Breslau Schluss von Seite 1 Freund von dem Gemeindevorsitzenden Herrn Goetz Einzelheiten über die Gemeinde, die z.Zt. noch etwa 4000 Seelen zählt. Das Budget wird vom Jüdischen Kulturverband, einer staatlichen Organisation getragen. In der kleinen Storch-Wochentagssynagoge ist jeden früh und abends Gottesdienst, am Schabbath vormittag wird in der grossen Synagoge gebetet, jedoch ist die Beteiligung äusserst gering und selten mehr als zwei Minjanim. Es amtiert ein Rabbiner, der ein Nachkomme des Chatham Sofer ist. Die Frauenemporen sind geschlossen. Ein weiteres Minjan existiert in einem „Chassidim- Stübel” in der früheren Gneisenaustrasse, an der Matthiasstrasse, wo jetzt auch ein Wohnzentrum der jüdischen Bevölkerung ist. Am Freitag abend finden Veranstaltungen des jüdischen Kulturverbandes im Hause der früheren Hansenschen Weinstuben statt. Hier gibt es Theater- und Kinovorführungen, zu denen auch die Jugend erscheint, die jedoch jüdischreligiösen Inhalten völlig fern steht. Trotzdem fanden unsere Reisenden, soweit sie bei einem am Schabbath zu ihren Ehren veranstalteten Kiddusch mit einigen Betern ins Gespräch kamen, viel Interesse für Israel und seinen Lebensbedingungen. Vieles, was man in der dortigen Bevölkerung hierüber berichtet hatte, entspricht nicht den Tatsachen. Ihr Hauptinteresse galt, wie erwähnt, dem Friedhof in Cosel, jetzt Pilczyze. Zu ihm gelangt man wie früher mit der Strassenbahn No. 5. Er wird auch von der jetzigen Gemeinde benutzt und steht unter Ihrer Verwaltung. Leichenhalle und Verwaltungsgebäude sind ziemlich beschädigt, während Gräber und Grabsteine meistens erhalten sind. Ein polnischer Wärter bewacht den Friedhof. Die Mauer auf der Eingangsseite steht, ebenso das Ehrendenkmal. Eine Ehrentafel für sechs polnische Juden, die während des Krieges von den Nazis hingerichtet wurden, ist an einer Mauer angebracht. Der ältere Teil des Friedhofes ist allerdings sehr verwachsen, da aus Geldmangel keine Grabpflege ausgeführt wird. Die Grabsteine stehen fast alle, und Freunds fanden ohne Schwierigkeiten die Gräber ihrer Angehörigen, nachdem Frau Cohn ihnen einen Plan des Friedhofes mitgeben konnte. Wehmütige Erinnerungen stiegen beim Anblick der vielen bekannten Namen auf, auf die sie beim Durchwandern stiessen. Die Gemeinde wäre evtl, bereit, Grabpflege zu übernehmen, wenn man ihr die hierfür nötigen Mittel zur Verfügung stellen würde. (Ohne Gewähr.) Den Friedhof in der Lohestrasse fanden sie erst nach langem Suchen, als sie in der schönen Kastanienallee vor dem Eingang standen, weil die umliegenden Strassen nicht mehr erkenntlich waren. Er ist verschlossen, gehört nicht der Gemeinde, sondern steht unter Regierungsschutz. Der Schlüssel befindet sich in einem Regierungsbüro und ist nur schwer erhältlich. Die Regierung hat das Grab von Lassalle wiederherstellen lassen. Es sollen etwa ein fünftel der Gräber durch Bomben zerstört sein, jedoch war Genaueres darüber nicht festzustellen. Nach fünf sehr erlebnisreichen Tagen, die den Höhepunkt ihrer Reise bildeten, verliessen Freunds Breslau—Wroclaw, um über Warschau und Ost-Berlin nach Berlin-West zu gelangen, und damit schloss der Bericht, der die Zuhörer während mehr als zwei Stunden in angespannter Aufmerksamkeit hielt. Im Namen der Anwesenden dankte Dr. Daniel Fraenkel Herrn und Frau Dr. Freund für den interessanten Abend und beschloss diesen mit einem Nachruf auf unseren vor wenigen Tagen heimgegangenen Ludwig Markowicz, dessen Lebensbild und Wirken er den ehemaligen Breslauern noch einmal vor Augen führte. D.F. Siegfried Jonas hat mit seinen Erinnerungen an das Badt’sche Heim in der Paradiesstrasse Nr. 1, Ecke Feldstrasse, auch mir diese längst vergangene Zeit wieder lebendig gemacht. Sein Bericht führt in das Jahr 1908, und in diesem Jahre diente ich gemeinsam mit Hermann Badt ,dem Sohne des Hauses, mein „Einjähriges” bei den 6ern ab. Ebenso wie er hatte ich gerade mein Referendarexamen bestanden und bewohnte gemeinsam mit ihm eine Zweizimmerwohnung An den Kasernen 6b bei Frau Zeidler, die über alle Einzelheiten der artilleristischen Ausbildung und über unsere Vorgesetzten viel besser Bescheid wusste als jeder Einjährige. Hermann lebte natürlich auch während seiner Militärzeit streng religiös; jeden Tag und auch zwei mal am Tage machte seine Mutter den weiten Weg nach dem Bürgerwerder und stieg die steilen Treppen in die zweite Etage hinauf, um ihm persönlich die Menage mit dem Essen zu bringen. Der anstrengende Dienst machte ihm überhaupt nichts aus. Im Winter, als wir noch Stalldienst hatten, der um 4 Uhr morgens begann, erschien er abends beim Schlittschuhlaufen auf dem Stadtgraben und freute sich der Bewunderung, mit der die Breslauer Mädchen ihm nachblickten; aber nicht nur sie wurden von seiner guten Erscheinung in der anliegenden Extrauniform und seinen kunstvollen Eislauffiguren gefesselt. Nachher ging er dann häufig noch zu einer der vielen „Gesellschaften”, in denen man oft eine wirklich gepflegte Geselligkeit vorfand und meist bis in den Morgen hinein tanzte. Wo Hermann war, da sorgte er schon dafür, dass getanzt wurde; mitunter kam er gerade noch rechtzeitig nach Hause, um sich in den Drillichanzug zu werfen und seine „12 Striche” auf die Stallgasse hinzulegen. Am Sonnabend Abend fuhren wir dann natürlich zum Skilaufen ins Riesengebirge. Der Zug kam um 8.28 Uhr in Hermsdorf an, und gegen Mitternacht erreichten wir auf verschneiten Waldwegen die vertraute Daftebaude auf der böhmischen Seite, etwas unterhalb der Peterbaude. Manchmal waren es dort 20—25 Grad unter Null, und die Schlafzimmer waren natürlich nicht geheizt, aber das alles machte uns mit unseren 21 Jahren nichts aus. Der Sonntag Morgen fand uns auf den Skifeldern, auf dem Wege zur 'Schneegrubenbaude oder zur Wiesenbaude. Hermann hatte oft ausser seinem Proviant noch gegen 10 kg koschere Konserven im Rucksack, die er niemals anrührte; sie wurden nur zu „Trainingszwecken” mitgenommen. Er war ein guter Skiläufer und Meister im Telemarkschwung, den damals nur wenige Läufer beherrschten, und der heute leider ganz vergessen ist. Mitunter blieben dann andere Wintersportler bewundernd stehen und sparten nicht mit Lobeserhebungen. Hermanns Reaktion kannte ich schon im Voraus. „Ja”, pflegte er zu sagen, „als Juden sind wir verpflichtet zu zeigen, dass wir es im Sport mit jedem anderen Volke aufnehmen können!” Die Leute sahen uns dann noch eine Weile in völliger Verblüffung nach. Mit dem letzten Zuge fuhren wir nach Breslau zurück, und wenn Denselben Vortrag hielten Herr und Frau Dr. Freund am 4.2.63 in der Ortsgruppe Haifa, während in Tel-Aviv der Vortrag im Rahmen der letzten Zusammenkunft der Mitglieder am 20.3.63 gehalten wurde. (Die Red.) wir nach Mitternacht ankamen, blieben uns doch noch ein paar Stunden Schlaf bis zum Dienstbeginn am nächsten Morgen. Nach Ablauf unserer Militärzeit war der Dritte im Bunde bei diesen Fahrten unser unvergesslicher Freund, der hochbegabte Alfons Lasker, immer von Geist und Begeisterung sprühend; bei seinem steten Blick nach oben stolperte er manchmal über die kleinen und grossen Hindernisse auf dem Erdboden. Und — last not least — begleitete uns „Cedel” (Mercedes) Fischer, deren geistige Anmut ihrer körperlichen Anmut die Waage hielt. Sie beherrschte den Skilauf am besten von uns allen; es war ein reines Vergnügen, ihren schönen Schwüngen und Abfahrten zuzusehen und abends in der Baude ihr frohes Lachen zu hören. Einige Jahre später wurde sie Hermanns Lebensgefährtin. Berta und Lotte Badt, Hermanns Schwestern, traf ich in der Paradiesstrasse; mit Berta, deren Ruf als Schriftstellerin schon damals fest gegründet war, besuchte ich die Philosophischen Seminare von Hönigswald und Kühnemann. Hermann und Alfons Lasker waren natürlich auch dabei. Zum Skilauf traf ich mich mit Hermann das letzte mal im Spätwinter 1933; es war auf der böhmischen Grenzbaude. Aus seinem Amte als Ministerialdirektor im Ministerium des Inneren war er bereits im Februar entfernt worden und hatte eben seinen Vorgesetzten, den Ministerpräsidenten Otto Braun, der übrigens auch nicht mehr gefährdet war als Hermann selber, in Sicherheit gebracht. Bei seinen Erfahrungen im Gebirgswandem hatte er ihm ohne besondere Schwierigkeiten mitten durch die kontrollierenden S.A. Leute nach Österreich geleiten können und war dann noch einmal nach Berlin zurückgekehrt, als ob gamichts geschehen wäre. Unvergessliche Zeiten! Unvergesslichen Menschen! Wenn ich mit den Resten meiner Skikünste mühsam einen der chilenischen Vulkane herunterfuhr, glaubte ich manchmal, tief unter mir meinen Freund Hermann Badt zu sehen, wie er mit ein wenig Ironie, ein wenig Geduld und viel Wohlwollen auf mich wartete, im Begriffe, mir zu zeigen, wie ich es besser machen könnte. Dr. Erich Bry (Italy). Aus Briefen am unsere Redaktion Wir erhielten auch von anderer Seite Mitteilungen in Sachen „Wroclaw”: Herr O.B., R., schreibt uns: ... Auf Veranlassung einiger Juden, die zuletzt in Breslau wohnten, als polnische Bürger sandte ich einen Brief an (folgt Adresse) und erhielt Antwort, in der bemerkt wird, dass nur bis 1942 Bücher und Registratur vorhanden ist... ” Herr Eric B. Weissenberg in Bern (Schweiz) schreibt uns: den 3. Okt. 1962. „... Ich weiss nicht, woher Ihre Informationen stammen. Vor mir liegt ein Schreiben einer Dame, die sich mit der Grabpflege beschäftigt, sie schreibt mir: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass der Friedhof Lohestr. schon eingeebnet wird und untersteht der Stadtverwaltung...” Jugend-Erinnerungen Zu dem Beitrag von Siegfried Jonas in Nr. 4/5 10

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