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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1962-01-01 · No. 6-7 (1962) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1962
Issue
No. 6-7 (1962)
Date
1962-01-01
Page
Seite 9 (sequence 3170)
Language
German
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Ludwig Marcowicz Schluss liehen Wohlfahrtamtes. Die Zahl seiner Schützlinge war gross. Die Mittel für diese Arbeit brachte er unter seinen zahlreichen Freunden und Bekannten auf, mit denen er in emsigem Briefwechsel und in oft strapaziösen Reisen ständige Fühlung hielt. Nur Einem gönnte er wenig: sich selbst. Seine Freunde haben die Freundschaft auf seine Söhne Dr. Ernst Markowicz und Sigbert Markowicz übertragen und trauern mit beiden um einen Mann, der lange Jahre einem einzigen Ziele diente: anderen Gutes zu tun. Frau Dr. Rabin betonte in ihrer Gedenk- Rede, Markowicz sei ein tätiger und tatenreicher Zionist gewesen, ein Zionist mit materiellen Mitteln, aber vor allem auch ein Zionist der Seele und mit Seele, er hat, führte die Rednerin aus, das jüdische Volk geliebt wie er auch das Land Israel geliebt hat. Er war ein echter Jude, er war ein Schweiger, der nie über das sprach, was er getan hatte und tat, er war ein Bescheidener. Seine Fürsorge galt nicht nur der jüdischen Schule sondern in weitem Umfange auch dem Jüdisch- Theologischen Seminar, dem er u.a. über die Schwierigkeiten der Inflations-Zeit hinweghalf. Und Markowicz war ein Selbstloser. Dr. Nathan Hoffmann, Sohn des Breslauer Gemeinde-Rabbiners Dr. Hoffmann, schilderte Markowicz als kraftvollen Charakter. Er war Immer zur Stelle, wo es galt jüdische Not zu lindern und der jüdischen Sache zu dienen. Er war ein Gerechter, wie es Dr. Nathan Hoffmann ausdrückte „meschuggah le-zedakah’’, was wir wohl am besten „erfüllt mit höchster Begeisterung für Zedakah” übersetzen. Dr. N. Hoffmann verwies darauf, in wie weitem Ausmass sein Interesse der religiösen Jugend gegolten habe. Markowicz war, ein Mann von starker Geistigkeit, ein gerechter von kraft, vollem Charakter. Ein el mole rachamim, vorgetragen von Herrn Dr. Fraenkel, schloss die Veranstaltung ab. Die O.-G. Haifa hat im Anschluss an die Askarah eine Stiftung auf den Namen von Ludwig Markowicz errichtet und ihre Eintragung in das „Goldene Buch” des Verbandes veranlasst. Manfred Rosenfeld (Maro) Dr. Georg Weissmann Am 24.1.1963 wurde Dr. Georg Weissmann, begleitet von einer grossen Anzahl Freunden, Bekannten und Kollegen zur letzten Ruhe gebracht. In Georg Weissmann verliert der Jischuv und insbesondere sein deutscher Kreis eine hervorragende Persönlichkeit, einen Mann von besonderer Güte und Hilfsbereitschaft; wo immer er helfen konnte und um Hilfe angegangen wurde, hat er sich bereitwillig zur Verfügung gestellt. In Beuthen/OS, bis zu seiner Verdrängung durch die Nazis, Rechtsanwalt und Notar, war er sehr angesehen und weit über die Grenzen Seiner Berufsstätte hinaus bekannt und geschätzt. In der Erinnerung vieler Oberschlesier wird noch sein mutiges Kämpfen für die Minderheitsrechte der Juden im oberschlesischen Abstimmungsgebiet in Erinnerung sein; insbesondere der Prozess Bernheim, der Gegenstand einer Verhandlung vor dem Völkerbund war. Als Sekretär des Aktionsausschusses der Juden Oberschlesiens leistete er die gesamte Arbeit, die Grundlagen für diesen test case zu schaffen — für einen Prozess, der für viele Juden Oberschlesiens von Bedeutung sein musste. Es gelang auch bis zum Somer 1937 — mehr oder weniger — die Minderheitsrechte der Juden zu schützen. Nach seiner Verdrängung als Rechtsanwalt und Notar war er eine Zeitlang beim Palästina- Amt in Berlin tätig und wanderte kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges nach Palästina/Israel aus. Hier war er eine zeitlang im Tel-Aviver Vorstand des Irgun Oie Merkas Europa (IOME), und auch vorübergehend im Vorstand der Synagogengemeinde ICHUT SCHIVATH ZION. In seiner Anfangszeit in Palästina war er, wie so manch anderer, nicht auf Rosen gebettet, aber noch im fortgeschrittenen Alter scheute er nicht die Mühe, sich für den Anwaltsberuf in Palästina vorzubereiten und legte auch sein Examen erfolgreich ab. Vor etwa 9 Jahren trat er als Anwalt in die „URO” ein und nahm im Kreise der dortigen Anwälte eine hochangesehene Stellung ein. Er hat immer mit grosser Hingabe die Interessen seiner Mandanten wahrgenommen, keine Arbeit war ihm hierfür zu viel, und es war ihm eine grosse Freude, wenn er für die Verfolgten Erfolge erzielen konnte. Sein reiches juristisches Wissen und sein Mitfühlen um die Nöte der Verfolgten, spornten ihn an, die letzten Möglichkeiten auszuschöpfen. Seine Mandanten liebten ihn, vertrauten ihm vollkommen; sein Heimgang hinterlässt für sie eine grosse Lücke. Er war ein guter Jude und ein langjähriger Zionist, bescheiden und jedem öffentlichen Hervortreten abhold. Auf die öffentliche Anerkennung kam es ihm nicht an; er diente ausschliesslich der Sache und sein Wirken wird unvergessen bleiben. Mitten aus der ihm lieb gewordenen Tätigkeit bei der URO — TEl-Aviv hat ihn der Tod ereilt. Dr. Kahn. Frieda Weissmann (Erinnerungen) Schluss Halbes, nichts Gewolltes, nichts Verborgenes — wie der Quell in weiss schäumendem Sturz durch die Felsen sich zwängt über jedes Hindernis hinweg — naturgewollt und deshalb unaufhaltsam — so ist sie als eine naturgewollte Kraft unbeirrbar in sich beschlossen. Sie erlebt den Tag — Abbild des Lebens. Und erzählt vom Menschenleben — kleinem, alltäglichem Menschenleben —, will sagen: breitet Schicksal vor uns hin. Nirgendwo in ihrem Werk ist bewusstes Pathos zu spüren. Ihre Worte — unmittelbar, einfach, ganz wesentlich — sind in seltener Demut dem Stoff ergeben. Und doch: wenn es auch der üblichen Betrachtungsweise entgegen steht, unter dem Eindruck einer so durchsichtigen Seelenhaltung, wie sie aus dem Schaffen der Grogger strahlt, von Pathos überhaupt zu reden — ungewollt und unbewusst lebt es tatsächlich in ihrem Wissen von der unlöslichen Gebundenheit alles Geschaffenen, in der Ehrfurcht vor der Grösse im Kleinen und in der Kraft, die voll gläubigen Vertrauens in einem ewigen WUlen alles ruhevoll geborgen weiss. Nach der Drucklegung des Heftes, in dem diese Besprechung erschien, teilte mir Dr. Moering mit, dass ich die Redaktion der „Monatsblätter” zu übernehmen hätte. Noch viele Vorgänge aus meiner Dienstzeit könnten angeführt werden, die immer wieder die gleiche Stellungnahme des Direktors charakterisieren würden, wie die bisher angeführten. (Also können sie unterbleiben). Auch die Haltung des Kollegiums war sehr anerkennenswert. Unser Kollegium umfasste zwanzig Mitglieder, fünf davon waren jüdisch. Es war nicht zu übersehen, dass der Direktor mir eine Ausnahmestellung eingeräumt hatte und trotzdem habe ich niemals, nicht einmal von dem Kollegen, der an mich die Redaktion der „Monatsblätter” hatte abgeben müssen, irgend eine Regung von übelwollen erfahren. Diese echt kollegiale Haltung ist durch mich sehr gegen meinen Willen noch auf eine schwere Probe gestellt worden und hat sich auch bewährt. Eine sehr hartnäckige Bronchial-Erkrankung zwang mich wiederholt zur Unterbrechung meiner Arbeit. Der Dienst, vor allem die Ausleihe darf aber nicht ins Stocken geraten, und so mussten die Kollegen meine Arbeit noch neben ihrer eigenen tun. Eine Vertretungskasse hatten wir noch nicht; diese Mehrarbeit blieb also unbezahlt. Dr. M., der mich gut genug kannte, um zu wissen, was die Mehrbelastung der Kollegen durch mich mir bedeutete, bat immer wieder: „Kollegin, nehmen Sie Urlaub, so oft und so lange es nötig ist, aber reichen Sie kein Abschiedsgesuch ein.” Ich habe es doch getan, und nach einer Untersuchung durch den Stadtarzt wurde der Abschied mir bewüligt. So bin ich weggegangen von dieser schönen Arbeit — schwer, aber ruhig in dem Gedanken, dass es mir auf diese Weise erspart blieb, unter dem Nazi-Regime als Jüdin die zwangsweise Entlassung erleben zu müssen; statt dessen frei zu werden für die Erfüllung meines Lebens Wunsches: Heimkehr in das Land unserer Väter. Bei Bewilligung des Abschiedsgesuches war ich wieder in Krankheits-Urlaub und habe mich schriftlich verabschiedet. Mit dem Wortlaut dieses Abschiedes schliese ich meinen Bericht: „Hochverehrter Herr Direktor, liebes Kollegium, In dieser Kollegialsitzung, der letzten, die in meine Dienstzeit fällt, erlauben Sie mir, dass ich noch einmal zum Wort mich melde. So immittelbar vor Dienstschluss redet man nicht viel. Nur dies möchte ich sagen: im Rückschauen zeigt sich mir der Weg, den ich so gern gegangen bin, dieser Dienst am Menschen und am Wort, den ich so gern geleitet habe, und es wird mir klar, welch freundliches Geschick mir gegönnt war, da ich meine Arbeit unter grossherziger Leitung im Kreis von lieben Gefährten tun durfte. Übereinstimmung und Gegensätze haben wir miteinander als schöpferische Kräfte gewertet, und schön war es mitzuerleben, wenn im Bemühen um das Werk die Menschen sich offenbarten. Die Gewissheit, dass jeder bereit war, den anderen gelten zu lassen, hat bei uns immer eine Atmosphäre der Geborgenheit geschaffen, in der umstürmtes Leben zuversichtlich sich behaupten konnte. Möchte es immer so bleiben. Der Verbundenheit trotz allem gewiss, nehme ich Abschied. Und wenn nun mein Boot allein weiter treibt, führe ich mit mir als köstliche Ladung die dankbare Erinnerung an den Leiter und die Gefährten unserer herrlichen Arbeit. Frieda Weissmann.” März 1933. Soioeit Exemplare vorhanden, können die ersten Teile der Erinnerungen nachgeliefert werden. (Die Red.) 9

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