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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1962-01-01 · No. 6-7 (1962) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1962
Issue
No. 6-7 (1962)
Date
1962-01-01
Page
Seite 6 (sequence 3167)
Language
German
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kehrte kurz nach Pessach 5624 (1864) wieder hach Nicolai zurück. Zum Abschluss seiner Studien erhielt er von Rabbiner Hirsch ein Empfehlungschreiben in hebräischer Sprache, das hier reproduziert ist und das in freier Uebersetzung folgendermaassen lautet: „Der Bocher Elieser Pinczower aus Nikolai weilte bei uns zwei einhalb Jahre, um die Lehrvorträge zu hören. Wir erkannten, dass sein Streben mächtig ist, um aus dem Brunnen des lebendigen Wassers unseren heiligen Thora zu schöpfen. In der ganzen Zeit, die er bei uns war, fanden wir an ihm keinen Tadel. Seine Schritte wichen nicht ab von dem Kreislauf der Lehre und der Arbeit. Jetzt, da er von uns, geht, sollen diese Worte für ihn eine gute Empfehlung sein, um ihm in wahrer Liebe helfend zur Seite zu stehen. Mit diesen Worten zeichnet Frankfurt a M. den 24 Nissan 5624 (1864). Shamshon Raphael Hirsch. / - I 'S jO 9/ n _ Jrf,, A 0 ' , Jrt ,t pr 3 , AuHfä &P) Vy m . , /V ’i-. , r ■•ca i .< « \ __J! './»£» V*»rSW:J V In seine Heimadstadt Nicolai zurückgekehrt, fand er an der dortigen Schule, eine Anstellung als jüdischer Religionslehrer. Im Jahre 1869 heiratete er seine Cousine Rosalie, Tochter des Leib Jehuda Pinczower aus Sandowitz. Dieser Ehe entsprossen innerhalb von 9 Jahren 6 Kinder, 2 Knaben und 4 Mädchen. Im Jahre 1879 siedelte er mit seiner Familie nach Kempen (Provinz Posen) über, eine Stadt, die als die viertgrösste jüdische Gemeinde im Staate Preussen galt. Etwa 85% der Bewohner waren Juden. (Heppner, Juden in Posener Landen S. 523) Pinczower wurde in Kempen Hauptlehrer an der dortigen Jüdischen Religionsschule. Hauptlehrer war damals eine Stellung, die heute mit einem Schulleiter identisch ist. An seiner Religionsschule wurde damals noch ganztägig gelehrt. Am Vormittag erhielten die Kinder unter 6 Jahren Unterricht und am Nachmittag alle schulpflichtigen Kinder. Zu gewissen Zeiten gab es in Kempen 900 jüdische schulpflichtige Kinder, die aber nicht alle die Religionsschule besuchten. (Eliav, Das jüdische Erziehungswesen in Deutschland S. 331). über die damalige Tätigkeit von Elieser P., berichtete einer seiner Schüler Herr Jizchak Pagel bei der Gedenkfeier, mit welchem Respekt und mit welcher Ehrfurcht Kinder und Eltern ihm gegenüberstanden. Wenn er auf den Schulhof kam, waren die Kinder, die wie alle Jugendlichen in diesem Alter herumtobten, wie verwandelt, ruhig und gesittet. Dasselbe Bild war zu sehen, wenn Elieser P. ins Beth Hamidrasch ging, wo er zu beten pflegte. Wenn er hereinkam, so war alles plötzlich still. Es war, als ob die Sonne aufging. Sein Gesicht leuchtete 6 und mit Ruhe ging er an seinen Platz, um mit einer tiefen Inbrunst zu beten. Um das sich hier ergebende Bild richtig zu verstehen, muss man vergleichsweise die allgemeinen Verhältnisse im jüdischen Religionsschulwesen der damaligen Zeit heranziehen. So berichtet ein jüdischer Lehrer aus der gleichen Epoche folgendes: „Der Religionslehrer .besass nicht die mindeste Autorität weder den Schülern noch deren Eltern gegenüber... Der Religionsschule fehlte, um Schule zu sein, sehr viel. Ihr fehlten nicht selten sogar die eigenen Zöglinge, die ohne jede genügende Entschuldigung einzelne Unterrichtsstunden versäumten...” (Strassburger, Geschichte d. Erziehung u. d. Unterrichts... S. 213 ff.) Das zeigt deutlich, welche Persönlichkeit Elieser P. war und welche Autorität er schon in jungen Jahren — er war damals 40 Jahre alt, — besass. Kempen einstmals eine Hochburg jüdischen Wissens und jüdischer Gelehrsamkeit, Geburtsstätte von Mosche Hadarschan und anderen 'Persönlichkeiten, Wirkungskreis des Malbim (Heppner a. a. O. S. 518 ff) hatte in den 70-iger Jahren viel von dem früheren Nimbus verloren. Mit dem Auftreten von Elieser P. in Kempen setzte eine Renaissance im jüdischen Leben der Stadt ein. Darüber berichtet die Wochenzeitung „Der Israelit” Jahrg. 23 No. 48: „Mt KEMPEN (Posen) 19. November 1882. Hier wurde vor vielen Jahren ein Verein gegründet, dessen Mitglieder jeden Sonnabend sich zusammenfanden, um einen Raschi Vortrag zu hören. Um einen Vortragenden hatte man zur Zeit der Gründung keine Sorge, denn an Lomdim fehlte es damals hier durchaus nicht. Doch mit der Zeit änderte sich dieses Verhältnis und die Raschi-Vorträge mussten aus Mangel an einer hierzu geeigneten Persönlichkeit aufhören. Jahrelang führte diese Raschi-Chevrah nur ein Scheinleben... Gegenwärtig herrscht aber in dem engen Lokal des Vereins reges Leben. Seit 3 Jahren hält nämlich Herr Pinczower aus Oberschlesien, ein wahrhaft frommer Jehudi, Lehrer an der hiesigen Religionsschule, Vorträge, die sich im. mer zunehmender Beliebtheit erfreuen. Denn der Vortragende versteht es in anziehender, gemütvoller Weise, die einzelnen Bibelverse und die Worte Raschis zu erklären und besitzt eine wirklich seltene Begabung schöne Midraschim und Agadastellen einzuflechten. Es drängen sich deshalb ausser den Mitgliedern zahlreiche Gäste zu den Vorträgen des Herrn P. und alle lauschen gespannt seinen Worten...” Doch in Kempen, wo er seine grössten Erfolge in seiner bisherigen Lehrtätigkeit hatte, traf ihn ein schwerer Schicksalschlag. Seine Frau starb und er blieb mit 6 Kindern von denen das jüngste 2 Jahre alt war, allein. Aber seine tiefe Frömmigkeit half ihm über diese schwere Zeit hinweg, und um seine Kinder nicht ohne die notwendige Erziehung zu lassen, heiratete er nach einiger Zeit Franziska Tochter des Rabbinats Assessors Choyinski aus Graudenz. 10 Jahre lang wirkte er in Kempen. Im Jahre 1889 wurde er nach Breslau berufen, auf Empfehlung von Aron Kober s.A. erhielt er eine Anstellung an einer Privatschule als Religionslehrer und gleichzeitig wurde er Hauslehrer der Familie Kober. Im Geschäftshause der Firma Joseph Kober stand ihm ein besonderes Zimmer zur Verfügung, in dem er selbst lernte und Mitgliedern der Familie K. Unterricht ertelite. Es waren Knaben und Mädchen zu denen später auch noch Schüler aus dem Bekanntenkreisen der Familie hinzukamen. Elieser P. wandte dabei seine modernen Unterrichtsmethoden an, wobei er sowohl den Knaben als auch den Mädchen neben dem laufenden Pensum die Grundzüge der hebräischen Grammatik beibrachte, was damals eine grosse Neuerung bedeutete. Im Laufe der Zeit gab er auch in seinem eigenen Hause Privatunterricht. Er arbeitete von früh bis spät. Er gönnte sich keine Mittagsruhe. Um die Mittagszeit hatte er einen Kreis von 6 Jugendlichen im Alter von 10—15 Jahren um sich und so ging es bei ihm den ganzen Tag. Keine Morgenstunde war ihm zu früh und keine Abendstunde zu spät, wenn es sich darum handelte, einen Schiur zu geben. Er war ein geistiger Schwerarbeiter im wahren Sinne des Wortes. Die Gehälter jüdischer Lehrer waren in der damaligen Zeit so niedrig — (ca. 250 Thaler im Jahr (etwa $ 185.—) Eliav a. a. O. S. 305 ff) — dass die meisten Lehrer sich gezwungen sahen, durch Privatstunden zusätzliche Einkünfte zu haben. Eine andere in jüdischen Lehrerkreisen übliche Zusatzbeschäftigung bestand auch im Halten von Pensionären. Eltern, die an kleineren Orten lebten, schickten ihre Kinder in die Grosstadt, um sie dort höhere Schulen besuchen zu lassen. Sie gaben sie dann bei einem jüdischen Lehrer in Pension, wo sie die Gewissheit hatten, dass sie eine religiöse Erziehung erhielten. Die Verhältnisse zwangen auch Elieser P. dazu, von diesen Einkunftmöglichkeiten Gebrauch zu machen. Unter solchen Pensionären waren auch häufig schwer erziehbare Kinder. Es war ein schweres Brot und oft musste Elieser P. bei diesen Kindern, was er mit Liebe nicht erreichen konnte, mit eiserner Strenge durchsetzen. Hier wurde er von seiner Frau, einer „Eschet Chajü” (Vm DWX) im wahren Sinne des Wortes unterstützt, die ihm diese schwere Bürde wesentlich erleichtern konnte. Elieser P. war nicht nur ein Lehrer der Jugend, auch die ältere Generation hatte Gelegenheit seinen Lehrvorträgen zu lauschen. Da war in erster Reihe der „Machsike Thora” Verein, an dem Elieser P. jeden rnü Vorträge hielt, die sich stets guten Besuches erfreuten und im Laufe der Zeit zu einem Sammelpunkt der religiösen Kreise Breslaus wurden. Seine tiefe Frömmigkeit, über die noch an anderer Stelle berichtet wird, bekundete er auch darin, dass er kaum eine Minute vergehen liess, ohne eine Mizwah zu erfüllen. Auf der elektrischen Strassenbahn stand er meist auf der hinteren Plattform, sein kleines Tehillim-Buch in der Hand, um einige Kapitel Psalmen zu lesen. Er liess sich darin nicht gern unterbrechen. Ja, die Schaffner in der grossen Stadt Breslau kannten ihn schon und warteten ab, bis er geendigt hatte, um dann das Fahrgeld von ihm einzukassieren. ELIESER PINCZOWER UND ERETZ ISRAEL Zu erwähnen wäre auch noch sein grosses Interesse für Erez Israel. Sein Cousin Josef P. weilte bereits seit 1882 in Jerusalem und ist auch dort begraben. Seine Nichte Vera P. ging 1909 als Lehrerin nach Jerusalem. Als im Jahre 1909 die ersten Schlichim der neu gegründeten „Palestine Land Development Comp.” (Chevra le Hachscharat Ha-Jischuw) (nupn niBOn1? man) die sich mit Bodenankauf für Besiedelungszwecke befasste, nach Europa und auch nach Breslau kamen, um ihre Shares zu verkaufen, da war Elieser P. unter den ersten, der einen Share erwarb. Die Abbildung auf Seite 8 zeigt die niedrige Nummer 358. Ohne ein Mitglied einer Zionist. Organisation zu sein, war er doch ein echter „Chovev Zion” min) )- Für ihn war die Möglichkeit, durch den Kauf dieses Share gewissermassen an einem Stück Boden

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