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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1962-01-01 · No. 4-5 (1962) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1962
Issue
No. 4-5 (1962)
Date
1962-01-01
Page
Seite 8 (sequence 3154)
Language
German
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Den Andenken neiner Mutter Luise Kauffnann geb. Helfft zum. 20. Todestage 1942 — 1962 Berlin — Breslau — Berlin Die Hände meiner Mutter, die geliebten schönen Hände Im Bilde festzuhalten, Des Stiftes eines Dürers hätte es bedurft, Des Pinsels eines Whistler, Eines Gainsborough und Reynolds, Die nur edle Frauen malten. „Die Hände unserer Mutter sind wie Blumenblätter” Ja, wie Blumenblätter, liebe Schwester, leicht und weich und rein; Und doch nicht nur wie Blumenblätter, In ihren Formen, Farben, Linien, Die Anmut, Güte und des Abschieds Leid hineingezeichnet. Nicht kalt, und doch die heissen Lider kühlend, Nicht heiss, und doch das warme Blut des Herzens bringend, Nicht haltend, und doch höchste Güter wahrend, Nicht führend, und doch rechte Wege weisend, Nicht zwingend, stark, und doch in der Vollendung ihres Seins Gesetz und Ausdruck ew’ger Schöpfungkraft. Das Antliz meiner Mutter, ihre weissen Haare, Die Gestalt, die stets in helles Grau gekleidet war, Sie scheinen nur wie hinter Schleiern. Jedoch die Hände sehe, fühle ich. Ich halte sie, die ohne Druck, Ich hebe sie, die ohne Schwere, Ich neige mich und küsse sie, Die schönen, die geliebten Hände meiner Mutter. Wenn ich die Verse meiner Mutter gäbe, Sie würde lächeln, staunend auf die Hände sehn. "Es ist ja süss von Dir, geliebte Ali, Jedoch-” Und neue Nähe würde nicht entstehn. Der Schwester möchte ich die Verse zeigen, Sie fragen: Hab ich recht gesehn? Sie würde gütig loben, weise raten. In tiefrer Einsicht, bessrer Kenntnis, In Liebe unsrer Mutter würden wir uns neu verstehn. Alice Kroner-Kauffnann Lynnewood Gardens 1907 B Matherway Philadelphia 17, PA. D. Gedicht ist einer Gedichtfolge entnommen, welche Alice Kroner-Kauffmann dem Andenken ihrer Mutter gewidmet hat. Mrs. Kroner ist gern bereit, soweit der kleine Vorrat des Bändchens reicht, es Freunden und Intressenten auf Anforderung zur Verfügung zu stellen. In tiefer Trauer teilen wir mit, dass unser lieber Vater Dr. Georg Goldschmidt (früher Breslau) im Alter von 78 Jahren nach langer Krankheit verschieden ist. Chava u. Tuvia Kary, Kv. Dovrath Doar Na, Hewel Megido, Israel. Jugend- Erinnerungen An der Feldstrasse war ein kleiner Balkon... Für uns Jungens, die wir in der Nachbarschaft des Hauses an der Ecke Feldstrasse und Paradiesstrasse aufwuchsen, hatte der Anblick des Balkons im zweiten Stockwerk etwas Fascinierendes. Nicht, dass er ausserordentlich gross nen Geländer, nein, er war sogar recht klein, dass kaum ein Tisch u. zwei Stühle darauf Platz hatten. Und ich glaube nicht einmal, dass die Bewohner oft auf ihm sich gesonnt haben. Die Aussicht war auch nicht überaus verlockend. Gegenüber war ein alter Friedhof, in der Auflösung begriffen, der uns als Fussballplatz willkommen war. Im Winter, wenn die hohen Bäume kahl waren, konnte man wohl über den zugefrorenen Stadtgraben hinweg zur Liebichshöhe sehen, im Sommer brachten die alten, belaubten Bäume willkommene Kühle. Unten auf der Feldstrasse rattelte die Gürtelbahn. In anderen Städten hätte man die Linie der „Elektrischen” vielleicht Ringbahn geheissen, weil sie im Kreis um die innere Stadt fuhr. Der Einheimische aber sagte zu dem Provinzler : Nimm die Gürtelbahn und steig an der Feldstrasse um! So ratterte die Gürtelbahn an dem Haus an der Feldstrasse vorbei. Und warum nun war der kleine Balkon so ehrfurchtheischend? Einmal im Jahr diente er einem besonderen Zweck. Da wurde von den Kindern des Wohnungsinhabers, dem Sohne Hermann und den beiden Töchtern Bertha und Lotte die Sukkah auf ihm errichtet. Wochenlang vorher waren die Kastanienketten geflochten, das Weinlaub gesammelt und Früchte präpariert, um der kleinen Sukkah ein würdiges und festliches Aussehen zu geben. Denn sie stand an den Schlussfeiertagen im Mittelpunkt des Minjans. Ja, das ist eigentlich die Hauptsache, die ich erzählen wollte. In der Wohnung, zu der der Balkon gehörte, versammelte sich allwöchentlich am Freitagabend und Schabbathmorgen ein Minjan. Es mag viele derartige Minjanim in deutschen Grossstädten gegeben haben, aber ich wage zu behaupten, dieses Badt’sche Minjan war etwas Besonderes. Es bestand aus 3 Generationen : Den Patriarchen, den Studenten und den Lausbuben. Keiner wird wohl annehmen, dass der Schreiber dieser Erinnerungen zu den Patriarchen gehört hat. Ja, nicht einmal zu den Studenten... Das Minjan führte seine Entstehung auf das Bedürfnis zurück, den religiösen Schülern des Johannes-Gymnasiums, an dem Prof. Badt lehrte, die Möglichkeit eines Schabbathgottesdienstes zu geben. Bald aber sammelte es um sich einen Kreis älterer und jüngerer Bewohner der Nachbarschaft, denen der Weg zur Synagoge zu weit war. Oft war das Studienzimmer des Professors zu klein, um alle Besucher zu fassen. Dann wurde wohl die Tür zum Speisezimmer geöffnet, in dem Gattin und Töchter dem Gottesdienste folgten. In der Mitte des Patriarchenkreises stand natürlich die Person unseres Professors und Lateinlehrers Prof. Badt. Daneben einige in der Lehre des Judentums sehr bewanderte Herren, deren Weisheit oft im Dozieren zum Ausdruck kam. Unter den Studenten war der Sohn des Hausherrn, der grade seinen Referendar gemacht hatte und nun sein „Einjähriges” bei den 6-em abdiente. Wer konnte damals ahnen, dass dieser erste Dienst am preussischen Staat ihn noch zu so hoher Beamtenstellung führen würde? Dann war da der spätere (leider so jung verstorbene) Literaturkritiker der „Breslauer Zeitung”, Dr. Eduard Metis, ferner der in Breslauer Gemeindekreisen bekannt gewordene Arzt Dr. William Boss und der nachmalige Direktor der jüd. Mädchenschule in Hamburg, Dr. Alberto Jonas. Die vier teilten sich in die wöchentlichen Vorlesungen aus der Thora. Ueber den dritten Teil des Minjans, die jüngere Generation, müsste ich eigentlich schweigen. Aber es ist inzwischen soviel Wasser die Oder hinabgeflossen, dass mir selbst die Wenigen noch Ueberlebenden die Indiskretion verzeihen werden. Wir Tertianer und Secundaner waren uns natürlich der Würde bewusst im Hause unseres Lehrers Minj anmänner sein zu dürfen. Und unser Professor war stolz darauf, so eine stattliche Anzahl Knaben zu sehen, die das Bedürfnis empfanden, besonders am Schabbathmorgen vor Schulbeginn, die Thoravorlesung zu hören. Kamen doch nicht nur Sprösslinge aus konservativen Kreisen, sondern auch Söhne aus ganz liberalen Familien brachten das Opfer am Sonnabend um 6 Uhr oder früher den Weg zum Minjan anzutreten. Und sie taten es auch nicht wegen des nach Beendigung des Gottesdienstes und vor dem Läuten der Schulglocke von der Hausfrau und den Töchtern servierten reichlichen und guten Frühstücks. Nein — da war ein ganz anderes Geheimnis dahinter. Am Donnerstag schrieb man gewöhnlich das wöchentliche lateinische Extemporale. Der Herr Professor pflegte noch vor Schabbateingang die Hefte zu korrigieren, und sie in einer Buchetagöre am Schreibtisch bis zur kommenden Lateinstunde am Montag aufzuheben. Die allzu Neugierigen wollten schnell einmal in die Hefte gucken, um zu sehen, wie die Arbeit ausgefallen war. Und die beste Gelegenheit dazu war am Schabbathmorgen während der Thoravorlesung. Da bildete sich ein Wall von jungen Körpern vor dem Schreibtisch und dahinter wurden schnell die Hefte durchgeblättert. Und das war das Geheimnis, warum sich auch so viele Söhne aus dem Süden, dem meist von liberalen Kreisen bewohnten Stadtteil, dazu drängten, am Schabbathmorgen Minjanmänncr zu sein. Siegfried Jonas (Zur Ehre der Tertianer und Lausebengels sei gesagt, dass diese auch das Morgengebet würdig und ruhig verrichteten, was wir noch aus eigener Erinnerung hinzufügen können. Anm. d. Red.) (Fortsetzung folgt) KadoscA Kadosch, kadosch, kadosch Preist der Jude seines ewigen Gottes Namen, Der ihm unaussprechlich heilig ist. Liebe, tausendfach geschändet, Keusches Schweigen soll Dich weihn. Heilig, wie der Name Gottes, Unaussprechlich heilig sollst Du sein. Wer nur durch Sinnenlust getrieben Stillet seine wilden Lueste, Gierig bis zum Ekel wuerget. Doch er laestre nicht die Liebe! Liebe, tausendfach geschaendet, Keusches Schweigen soll Dich weihn. Heilig wie der Name Gottes Sollst Du allen Menschen sein. ' Arthur Dombrowski. 8

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