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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1962-01-01 · No. 4-5 (1962) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1962
Issue
No. 4-5 (1962)
Date
1962-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3149)
Language
German
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Dr. B. Brilling (Münster) Ehemals Archivar der Synag.-Gem. Breslau Zur Geschichte der Bevor in Breslau die beiden grossen Gemeindesynagogen erbaut wurden, beteten die Breslauer Juden in grösseren und kleineren Betstuben, die grösstenteils von den Organisationen der die Breslauer Messen und Märkte besuchenden Juden eingerichtet worden waren, und zum kleineren Teil ihre Existenz der Generosität einzelner privilegierter Juden (vor d. Emanzipation) verdankten. Die Synagogen der die Messen besuchenden Juden aus Polen, Böhmen und Mähren waren meistens in den grossen Ausspannungen am Karlsplatz untergebracht, in denen diese fremden Juden zu logieren pflegten; die Privatsynagogen dagegen wurden von den einzelnen Privilegierten in ihren Wohnungen eingerichtet. Die erste Synagoge, die für einen grösseren Besucherkreis bestimmt war, war "die Synagoge zum Tempel’’, die von der 1780 gegründeten “Gesellschaft der Brüder” errichtet war. Diese erhielt, nachdem sie vorher ihre Gottesdienste im Seilerhof (Reuschestrasse) verrichtet hatte, 1796 die Erlaubnis zur Errichtung einer Gemein- Landschul Synagoge in Breslau. Von den schlesischen Landjuden Ende des 17. Jahrhunderts im Pokoyhof errichtet. desynagoge in der Antonienstrasse. Sie hatte nämlich von dem Gemeindevorsteher Benjamin Jacob Dohm die Synagogenkonzession der ehemaligen Lazarus’schen Schul erworben, die im 17. Jahrhundert von dem ersten in Breslau wohnhaften Juden, dem kaiserlichen Miinzlieferanten Zacharias Lazarus, gegründet worden war. Im Jahre 1816 suchten d. Mitglieder d. „Gesellschaft der Brüder” andere Räumlichkeiten für den "Tempel” der für die wachsende Besucherzahl zu klein geworden war. Die Gesellschaft wollte das Grundstück, auf dem im Jahre 1829 dr „Storch” eingeweiht wurde, kaufen und stellte bei der Regierung den Antrag, ihr die Konzession für den Erwerb dieses Grundstückes zum Bau einer Synagoge zu geben. Bei dieser Gelegenheit liess die Breslauer Polizei ein Verzeichnis sämtlicher damals in Breslau existierenden Synagogen aufnehmen. Damals gab es in Breslau 2551 Juden, denen 1814 Synagogenplätze in 22 Betschulen zur Verfügung standen. Diese Betstuben mussten entweder gemietete Räume in Ausspannungen oder in Privatwohnungen benützen. Von den 22 Betschulen galten 12 als sogenannte öffentliche Synagogen und 10 als “Privatbetschulen”. Zu diesen Privatbetschulen gehörten auch die Haussynagogen der verstorßreslauer Synagogen benen Oberlandrabbiner Josef Jonas Pränkel (gestorben 1793) und Aron Karfunkel (gestorben 1816) sowie des amtierenden Oberlandrabbiners Abraham Tiktin (amtierte von 1816— 1828) und des Dajan (“Unterrabbiner”) Löbel Falk, des “Dyhernfurther Raw”. Nach dem im Jahre 1817 aufgestellten Verzeichnis galt damals als älteste Breslauer Synagoge, die sogenannte „Landschul”, die vor 1700 gegründet worden war. In die österreichische Zeit reichten ferner die Glogauner, Krotoschiner, Lissaer und Zülzer Schulen zurück. Die älteste dieser Synagogen war die des Bendix Rüben Gompertz aus Wesel, der von Friedrich dem Grossen 1744 zum “Landrabbiner” Alte Synagoge „Zum Storch” von Schlesien ernannt wurde. Sie war im Jahre 1746 errichtet, wurde später von seinem Nachfolger, dem Landrabbiner Jonas Josef Fränkel (1754—1793) übernommen, und nach dessen Tode von Magnus Simon Pinkus fortgeführt. Aus der Zeit Friedrichs des Grossen stammten mehrere Synagogen, die sowohl von einzelnen privilegierten Juden, als auch von Judenschaften eingerichtet worden waren. So wurden 1767 die Lemberger Schul und 1777 die Litauer — bzw. Sklower Schul behördlich konzessioniert. Privilegien für Privatschulen erhielten im Jahre 1767 Joachim Nathan Friedländer, der Scham- >^5* - 1' •**-*w. „Neue Synagoge", 1872 erbaut nach den Plänen der Baumeister Gebr. Oppler (und nicht wie irrtümlich in einer der letzten „Mitteilungen” berichtet von Reg. Baumeister R. u. P. Ehrlich, die Red.) (am 9. November 1938 zerstört). mes Löbel Nathan Ginsburg, sowie Benjamin Jakob Dohm, der, die Schul der Münzjudenfamilie Lazarus fortesezte. Dann folgten die Marcus Raphael’sche Schul und 1777 die Schulen des Bonum Abraham Zuckermann und die des Michel Simon Mai. Die erste “Gesellschaft der Brüder” begann zwar ihre Gottesdienste im Jahre 1784, erhielt aber ihre Schulkonzession erst 1799, während die zweite Gesellschaft der Brüder diese 1797 erhielt. Kurz vor der Emanzipation (im Jahre 1808) trat dazu noch die von dem Dyhernfurther Buchdrucker Josef Michel Mai gegründete Schul. Zu Beginn der Emanzipation kamen noch einige Synagogen dazu, die meist ohne Konzession errichtet wurden, weil die Juden sich auf das Emanzipationsgesetz vom Jahre 1812 verliessen, das die Beschränkungen bezüglich der jüdischen Religion aufgehoben hatte. So wurden im Jahre 1812 die Synagoge der “Gesellschaft der Freunde” (3. Brüdergesellschaft), im Jahre 1815 die des Dajan Löbel Falk und 1816 die des Ober-Landrabbiners Abraham Tiktin neu eröffnet. Trotz des Gesetzes von 1812 erliess die Breslauer Polizei ein Verbot d. Errichtung neuer Synagogen bzw. befahl, die ohne Wissen und Genehmigung der Behörden gegründeten Betschulen zu schliessen. Aber trotz des Bestrebens der Behörden, die alten Schulen nach und nach eingehen zu lassen, blieben sie auch nach der Errichtung der grossen Gemeindesynagogen weiter bestehen. Wenn auch einige dieser für Breslau typischen Privatt +*v; mm mm MM *1 ■* Die Pinchas-Synagoge wurde in Breslau im Jahre 1876 von Rabb. Dr. Pinkus Neustadt, der damals eine Religionsunterrichtsanstalt in Brelau eröffnete, als erste Breslauer Jugend-Synagoge gegründet. Später wechselte sie mehrmals ihr Heim, bis sie im Jahre 1926 endgiltig nach dem Grundstück Höjchenstr. 84 verlegt wurde, wo mehr als 150 Männer- und Frauenplätze geschaffen wurden, die sofort nach der Uebersiedlung belegt waren. Am 9. November 1938 wurde sie von Nazi-Vandalen zerstört. Der letzte Rabbiner der Synagoge Dr. Binetter, ein Nachkomme der bekannten Rabbinerfamilie Bineth, war vorher nach Erez Israel ausgewandert. (Auszug aus den Akten der „Wiener Library” (London) schulen eingingen, enstanden neue an ihrer Stelle, die gleichfalls alle ihren ständigen Besucherkreis hatten. In den Institutionen der Gemeinde (Altersheim, Krankenhaus), im Jüdisch Theologischen Seminar und an anderen Orten (Rhediger-Schul, Pinchas-Synagoge, Badtsches Minjan usw.) entstanden grössere und kleinere Betschulen, die bis zum Untergang der Synagogen in der Kristallnacht neben und mit den grossen Gemeindesynagogen im religiösen Leben der Breslauer Jüdischen Gemeinde eine wichtige Rolle spielten. 3

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