Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1967
- Issue
- No. 21 (April 1967)
- Date
- 1967-04-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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J Hai die „Society of Friends front Breslau" New York noch eine Daseinberechtigung? Von LOTTE WEISBART (geb. Rosenthal) ★ Vor kurzem fragte mich ein Mitglied der “nächsten Generation” welches Interesse ich noch an der Vereinigung Breslauer Freunde haette, es seien doch so viele Jahre verflossen und soviel neues Erleben hege dazwischen. Ich dachte darüber nach und kam zu dem Ergebnis, dass wir heute an demselben Platze stehen wie die Gruender dieser Vereinigung, zu denen mein sei. Vater gehoerte. Wir sind heute in demselben Alter, und um uns herum lichten sich die Reihen, wir ruecken enger zusammen und versuchen einer dem anderen die Einsamkeit zu erleichtern. Die Bänder sind erwachsen, sehr oft weit entfernt von ihren Eltern und auch im Ideenkreis haben sie sich entfremdet. Die Enkelkinder sprechen eine andere Sprache, viele von uns haben aufgehört zu arbeiten und wenn wir finanziell mehr sicher gestellt sind als die vorausgegangene Generation, innerlich verknuepfen uns soviele Bindungen mit der Vergangenheit, dass wir im Kreise alter Freunde eine innere Sicherheit fuehlen, die wir in dem Kreise neu erworbener Freundschaft nicht empfinden. War es doch dieses Gefuehl der Sicherheit, das die Gruender veranlasst hatte, sich zusammen zu finden. Wenn heute unsere Versammlungen stets gut besucht sind, — beim Purimfest waren ca. 150 Personen anwesend und fast immer fruehere Breslauer aus allen Laendem der Welt erscheinen, — so zeigt es, dass wir diesen Zusammenschluss brauchen und aufsuchen. Bei unserem 25 jaehrigen Bestehen rueckblickend zaehlte ich auf, was wir in den Jahren an Hilfe seelischer und finanzieller Art geleistet haben. So moechte ich heute auf die Aufgaben Dort wo die Neudorf Strasse einen Knick — ganz leicht nur — macht, vielleicht sich selbst zum Spasse Dort stand ich zoegernd einen Augenblick; Es war kurz vor der Ecke Gartenstrasse. Natuerlich ist es nur im Traum gesche’n, Sonst reimten sich die Dinge nicht zusammen! Vielleicht weil ich mir Bilder angeseh’n Die aus der alten Heimat Breslau stammen. Sonst denk’ ich an die Neudorfstrasse kaum — Sie war sehr farblos und durchaus nicht heiter... Recht seltsam geht es manchmal uns im Traum: Man steht an einem Knick und weiss nicht weiter. Ich stieg in Linie 8 der Guertelbahn; Die saust nicht, nein, die laesst Dich sanft entgleiten — Wie schoen, dass meine Augen wieder sah’n Noch einmal das “Hotel Vier Jahreszeiten” — Und “Liebich” dort — und das Konzerthaus, oh! In dem ich soviel Glueck und Dohm erlebte! Man hatte seine Sorgen und war froh — Man war so jung und lachte, wenn man bebte! Nun lacht man kaum, nicht mal aus Heiterkeit! Die Guertelbahn an den metalTnen Straengen hinweisen, die uns noch bevorstehen. Es ist natürlich, dass wir auf Nachwuchs nicht rechnen koennen. Wir sind heute finanziell stark genug, selbst unsere Ausgabe bestreiten zu koennen. Unterstuetzungen, die wir frueher aufbringen mussten, sind heute seltener geworden, da bleibt vor allem die seelische Hilfe übrig. Wer wie ich durch schwere Krankheit des Lebensgefaehrten hindurchgegangen ist, weiss, was es bedeutet, wenn Freunde einem beistehen. Und wievielen einsam Zurueckgebliebenen ist schon durch einen Telefonanruf geholfen. Wie geht es? Manche von uns koennen ihr Haus nicht mehr verlassen, ein Besuch, eine Stunde verplaudert, “erinnern Sie sich noch” und der Tag sieht so viel freundlicher aus. Jeder von uns sollte sich einen einsamen Menschen auswaehlen und ihm durch Anrufe und Besuche zeigen, dass alte Bindungen stark genug sind, Entfernungen zu überbrücken. Ich beobachtete s.Zt. wie wichtig dies für jeden von uns einmal sein kann. Es ist nicht immer Alter, das uns von anderen abhaengig macht. Niemand kann wissen, wann es selbst in die Lage kommt, und mit Stolz kann ich von unseren Breslauer Freunden in New York sagen, sie bewaehren sich hervorragend. Ab und zu findet jemand einen zusaetzlichen Verdienst durch Empfehlung aus dem Kreise, sicher aber innere Befriedigung. wenn er helfen kann und gebraucht wird. Ich bin überzeugt, dass die Verhältnisse überall im Grunde dieselben sind und deshalb wo immer eine Vereinigung Breslauer Freunde besteht, wird sie weiter ihre Bedeutung behalten, solange Breslauer am Leben sind. Schwebt weiter durch den Traum Vergangenheit. Ein Bild versucht das and’re zu verdraengen. V er gang’ nes und Verklung’nes faellt mir ein An jeder Kreuzung, jeder Strassenecke. Das war einst meine Welt! Ja, sie war klein — Und doch so gross, wie ich erst jetzt entdecke! Die Zimmerstrasse weiss von grösstem Glück Der Schulzeit Glueck mit tausend schoenen Stunden. In Dankbarkeit denkt sehnend man zurueck War wirklich man so froh, so ungebunden? Und dort, gewiss, das ist das Landgericht. Nach rechts, nach links die lieben Promenaden Der Koenigsplatz! Nein, nie vergess ich Dich! Ein Haus (3b) scheint noch mich einzuladen — Doch ploetzlich ging’s mir schreckhaft durch den Sinn: Das sind nur Strassen, doch die Menschen fehlen — Wo kamen all die vielen Menschen hin, Die dieses Stadtbild faerbten und beseelten? Erwachend weiss ich wieder: das Geschick Liess Unbegreifliches mit uns geschehen: Dort, wo die Neudorfstrasse einen Knick, Ganz leicht nur macht — werd’ niemals mehr ich stehen. DER TRAPPELGAST (Eine wahre Geschitc aus der Frühzeit der Direk tion Loewe) — Erzählt von ERICH FREUND — Als Direktor Loewe nach Berühmtheiten jagte, verpflichtete er für seine Oper den ausgezeichneten Bariton Marcell Soomer, der bis dahin Mitglied der Wiener Hofoper war. Kurz vor Beginn der neuen Spielzeit erhielt der Direktor ein Telegramm aus Wien. Darin war die Bitte ausgesprochen, am nächsten Tage bei Ankunft des Wiener D-Zuges, auf dem Bahnhof zu sein. Unterschrift: “Trappelgast”. Der Direktor zerbrach sich erst den Kopf, was dieser mysteriöse Name wohl zu bedeuten hätte. Dann fiel ihm ein, dass ja Soomer in Wien in der Trappelgasse wohne. Der würde es sicher sein! — Der erwartete Künstler entstieg tatsächlich dem Zug, aber ganz ohne Gepäck. Auf die Frage nach diesem erhielt Dr. Loewe eine seltsame Antwort: “Ja, wissen’s, Herr Direktor, does Gepäck hab’ in net aufgeben mögen, weil — die hätten mit net über die Grenz’ glassen. Na, in bin aber schlauer wie doe blöden Parrucken. Ausg’stiegen bin i aus dem vorigen Zug vor Oderberg, dann bin i z’Fuss 4 Stunden über die Grenze ’gangen und hinter Oderberg in den nächsten Zug wieder ein’stiegen. So bin i denen da in Wien auskumma, sonst hätten’s mi net weg-lassen!” — Herr Dr. Loewe meinte nach solchem etwas eigenartigen Bericht seines neuen Mitgliedes, dass bei diesem im “Oberstübchen” etwas nicht in Ordnung sei. Er wollte natürlich klar sehen und bestellte den Sänger für den nächsten Tag ins Theaterbüreau zu einer Besprechung über die Rollen etc. — Für die gleiche Zeit aber erbat er sich deen Besuch des bekannten Breslauer Psychiaters, seines Freundes, Geheimrat Wernicke, der die Breslauer Irrenanstalt leitete. Unauffällig wollte er diesem einmal seinen neuen Sänger vorführen, ehe er ihn auf das Publikum losliess. Man konnte ja nicht wissen! — Zur bestimmten Stunde also erschien Herr Soomer am nächsten Tage am Bühneneingang. Dort hielt eine hübsche Equipage, mit rassigen Pferden bespannt. Interessiert fragte Soomer, der für dergleichen viel übrig hatte, den Rosselenker: “Sagen’s, wem g’hört denn does saubere Zeugl”? Der livrierte Kutscher erwiderte in gutem Schlesisch: Nu, das is doch der Wagen von uensem Geheimrat Wernicke’! — — “Alsdann”, fragte der Sänger, “was is denn does für eine Sorte von Geheimrat, dieser Wernicke?” “Nu, halt der Direktor von uenser Irrenanstalt” meinte der biedere Kutscher. — “So, so”, erwiderte Soomer, und stieg die Treppe zum “Allerheiligsten”, vielmehr zur “Höhle des Loewen” empor. Dort harrten seiner der Direktor und ein anderer Herr, der den Sänger sofort scharf musterte. “Mein lieber Freund”, begann Loewe liebenswürdig, sich den Bart bedächtig streichelnd, “darf ich Ihnen meinen Freund vorstellen, der Sie gern kennen lernen möchte: Herr Baurat Wemi... “Da riss plötzlich Soomer aus der Hosentasche zwei Revolver hervor, richtete sie auf die beiden Herren und brüllte mit Wotanstimme: “In die Irrenanstalt kriagt’s Ihr mi noet. Wer mir nahkommt, den schias i nieder”. Im gleichen Moment aber stand Soomer allein im Theaterbureau, siegreich das Feld behauptend. Die beiden Direktoren, der von der Irrenanstalt und der vom Theater, hatten nämlich schleunigst das Weite gesucht. Die Sache hatte natürlich weiter keine nachteiligen Folgen, da Scherz und Missverständnis bald aufgeklärt waren. Nur erzählte man sich damals schmunzelnd in Breslau amüsante Geschichte. Ja, das war wohl das einzige Mal, dass ein Theatermitglied dem Direktor etwas hatte “vorschiessen” wollen, anstatt wie es sonst immer umgekehrt ist. (Nacherzählt v. J. Sachs) \ „DIE GÜRTELBAHN“ ,VWVVVVVVS/VVVVV^A von MARGOT MOSER, New York ,A/VVWA/WVWS/WW 14