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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1967-04-01 · No. 21 (April 1967) · p. Seite 10

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1967
Issue
No. 21 (April 1967)
Date
1967-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Prof. Dr. med. Martin Silberberg s.A. Am letzten Pessachtage vorigen Jahres (12. April) starb nach kurzer Krankheit Dr. Martin Silberberg, Professor für pathologische Anatomie an der Washington University Medical School und Pathologe am Stadt. Hospital in St. Louis, Misssouri. Mit ihm verlor die medizinische Wissenschaft einen vielseitigen Forscher; seine Schüler betrauern in ihm einen wissensreichen gütigen Lehrer, der es verstand seinen Studenten nicht nur blosse medizinische Kenntnisse zu vermitteln, sondern in seinen Hörem Liebe zu seinem Spezialfach und zum Forschen zu erwecken. Geboren am 11. Oktober 1866 (Simchat Thora) in Rybnik O.S. als Sohn des praktischen Arztes Dr. Nathan Silberberg, studierte er von 1913 in Breslau Medizin, wurde während des ersten Weltkrieges an die Front geschickt und trat nach seinem Staatsexamen und kurzer Assistentenzeit am Bakteriologischen Institut als Assistent in das Pathologische Institut der Universität Breslau ein. Bis zum Jahre 1933, als die Naziregierung ihm die Arbeit an der ihm lieb gewordenen Stätte unmöglich machte, und darüber hinaus blieb er seinem Lehrer, dem berühmten Tumorpathologen Henke eng verbunden. Die Assistentenjahre waren für ihn eine Zeit fruchtbarster Arbeit und wissenschaftlicher Erfolge. Seine Arbeiten auf den Gebieten der Entzündungslehre, der Blutembrylogie und der Wachstumsfragen brachten ihm ausser der Habilitation als Privatdozent (1927) ein auf zwei Jahre bestimmtes Reisestipendium der Rockefellerstiftung, mit deren Hilfe er erst in Chicago, dann in St. Louis wissenschaftlich arbeitete. In St. Louis trat er in nahe Verbindung mit dem grossen Biologen und Pathologen Leo Loeb, eine Beziehung, die für Silberberg nach Verlust seiner Stellung in Breslau von grösster Bedeutung war. Im Jahre 1930 besuchte er auf einer Weltreise japanische und indische Forscher, die an der Lösung der ihn interessierenden Probleme arbeiteten. Die Erkenntnis in Deutschland für geraume Zeit seine Arbeit nicht fortsetzen zu können, drängte ihn zur Auswanderung. Nach kurzer Lehrtätigkeit an der Universität in Halifax (Canada) und in Panama folgte er einer Einladung von Leo Loeb nach St. Louis. In Loeb’s Laboratorium konnte er sich der Erforschung der Fragen des Wachstums und des Alterns des Skeletts widmen. Diese Arbeiten, die ihn bis zu seinem Ende beschäftigten, deren Ergebnisse in einer grossen Zahl von Publikationen festgelegt wurden, galten letzten Endes der Lösung des Problems der Osteoarthrose. Diese eingehenden Untersuchungen — zum grossen Teil mit Hilfe des Elektronenmikroskops durchgeführt — haben seinen Ruf als Autorität auf diesem Forschungsgebiet begründet. 1942 wurde er an das pathologische Institut der New York University, 1944 an die Washington University Medical School in St. Louis berufen. Hier lehrte er bis zu seinem Lebensende. Pathologen — und Biologenkongresse in USA wie in Südamerika und den britischen Besitzungen auf der westlichen Hemisphäre ehrten ihn mit Aufträgen, Hauptreferate über sein Sondergebiet zu halten. Im Frühjahr dieses Jahres sollte er ein solches Referat in Paris halten, er starb, bevor er diesem ehrenvollen Rufe Folge leisten konnte. An allen diesen Arbeiten nahm seine Frau, Dr. Ruth Silberberg, selbst Pathologin und ehemalige Assistentin am Breslauer Institut, massgebenden Anteil. Besondere Förderungerfuhr die gemeinsame Tätigkeit des Ehepaares Silberberg seit Jahren durch die Universität Zürich, deren Elektronenmikroskop ihnen alljährlich während der akademischen Ferien in den Monaten Juli bis September zur Verfügung stand. Frau Dr. Silberberg hat auch in diesem Jahre die Arbeit in Zürich fortgesetzt. Wenn wir das Werk Martin Silberbergs überschauen, so müssen wir die grosse Leistung eines der Wissenschaft geweihten Lebens bewundern. Fast 200 Publikationen, darunter eine Anzahl von Monographien, zeugen von der Arbeitskraft Silberbergs. Diese Leistung wird verständlich, wenn wir uns die Gesamtpersönlichkeit Silberbergs vergegenwärtigen. Hier paarte sich Fleiss, Energie und Ideenreichtum in seltener Einheit. Erholung fand dieser intensiv arbeitende Mann in der Musik. Ein mehr als guter Cellist hatte er das Glück Professor Dr. med. Hans Biberstein s.A. Am 21. November 1965 starb in New York Profmed. Hans Biberstein. Geboren in Laurahütte O. S. am 4. Dezember 1889 als Sohn des Hauptlehrers der jüdischen Volksschule, erhielt er seine medizinische Vorbildung an den Universitäten Breslau und Freiburg. Während des ersten Weltkrieges wurde er bereits im Jahre 1914 Assistenarzt an die Westfront geschickt. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet kehrte er erst nach Kriegsende nach Breslau zurück. Um sich zum Dermatologen auszubilden trat er in die Universitätshautklinik ein. 1925 habilitierte er sich als Privatdozent an der Universität Breslau, blieb aber weiterhin in seiner Assistenten — bezw. Oberarztstelle der Klinik. Nachdem er 1930 zum ausserordentlichen Professor ernannt worden war, musste er ein Jahr darauf unter dem Zwange der Nazigesetzgebung seine Lehrtätigkeit aufgeben. Er übernahm die Leitung der dermatologischen Poliklinik des jüdischen Krankenhauses, wanderte aber schon im August 1935 nach UJS.A. aus. Seine bisherige ausgedehnte wissenschaftliche Tätigkeit wie seine grossen Erfahrungen auf den Gebieten der Haut- und Geschlechtskrankheiten, der Lehre von den Viruserkrankungen, der Allergie und der Strahlenbehandlung bösartiger Geschwülste, sowie seine Mitarbeit am Jadassohn’- schen Handbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten hatten seinen Namen, lange bevor er in New York ankam, in weiten Spezialistenkreisen bekannt gemacht. Eine ihm angebotene Stellung als Instructor an der Columbia-Universität war der erste Schritt zu seinem Aufstieg als Assistent Professor an der Now York Universität, dem im Jahre 1954 seine Berufung als Associate Professor an derselben Fakultät folgte. Diese Stelle behielt er bis zu seinem Lebensende. 1957 ernannte ihn die deutsche Bundesrepublik zum ordentlichen Professor. Eine zeitlang war er Präsident der Virchowgesellschaft in New York. Neben seiner wissenschaftlichen und Lehrtätigkeit nahm er massgebenden Einfluss auf die deutsch-liberale jüdische Gemeinde Habonim in New York. Das sind in dürren Worten die reinen Fakten eines Daseins, das als gelebtes Kunstwerk bezeichnet zu werden verdient. Der Mann, der in seinem Berufe nach höchster Leistung strebte und dieses Ziel auch erreichte, war in der Führung und Auffassung des Lebens ein Künstler. Vielseitig gebildet, ein ausgezeichneter witziger Redner, ein immer anregender Plauderer, dem reinen Lebensgenuss zugetan, war er in Gesellschaft stets der Mittelpunkt, ohne dabei die dem deutschen Professor eigene Überheblichkeit zu zeigen. Wer ihn kannte, wie seine Freunde, wird sein Hinscheiden als unersetzlichen Verlust empfinden, wird fühlen, dass unser leben ärmer geworden, da er nicht mehr ist. gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Brüdern ebenso wie mit Freunden Kammermusik pflegen zu können. Im Grunde war er in seiner ganze Lebensführung eine Künstlernatur, dabei sets bereit zur Verteidigung seiner Lebensanschauung, rücksichtslos anzugreifen, was ihm falsch erschien, und weitgehend zu unterstützen, was seinen Ideen entsprach. Er wird von allen, die ihm nahestanden, nicht vergessen werden. Seine Kollegen und Schüler haben in vollem Verständnis für den künstlerischen Charakterzug, der ihn auszeichnete, einen “Martin Silberberg Memorial Fund for Art in Medicine” begründet, sein Andenken in einer Form ehrend, die der Besonderheit seiner Persönlichkeit in seltener Weise entspricht. Erinnerung an Dr. Israel Rabin i"i Als besondere Ehrung für einen verdienten Dozenten haben es alle empfunden, die sich mit dem früheren Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau verbunden fühlen, dass die Stadt Haifa eine orthodox geführte Mädchenschule nach Dr. Israel Rabin s.A. benannt hat. Die Stadtverwaltung Haifa, Abteilung für Unterricht und Kultur, hat im Dezember eine Feier zur Einweihung der Schule für orthodoxe Töchter veranstaltet und gleichzeitig eine kurze Gedenkbroschüre über Leben und Werk von Dr. Israel Rabin herausgegeben, die auch seine wesentlichsten Schriften anführt. Der durch diese Schulbenennung Geehrte war von 1921 bis 1935 Dozent und Bibliothekvorsteher am Breslauer Saminar, zuletzt für kurze Zeit Seminarrabbiner. 1935 ging er nach Erez Israel, wo er 1951 gestorben ist. In Breslau übernahm Rabin den Lehrstuhl für Bibelkunde und Geschichte, den vor ihm Heinrich Graetz und Markus Brann Innehatten. In der von Guido Kisch herausgegebenen Sammelschrift “Das Breslauer Seminar” berichtet Lothar Rothschild in seinem Beitrag “Die Geschichte des Seminars von 1904 bis 1938” Uber den Amtsantritt von Rabin folgendes: “Mit dem neuen Dozenten trat ein Mann, der aus dem russischen Judentum stammte, und von seiner frühesten Jugend an mit dem jüdisch-religiösen, insbesondere dem talmudischen Schrifttum vertraut gemacht worden war, in das Lehrerkollegium des Jüdisch-theologischen Seminars ein. Israel Rabin war 1882 in Proskurow in der Ukraine geboren, wo er seine erste Ausbildung erhalten hatte, die er dann an litauischen Jeschiwoth vertiefte. Er promovierte an der Universität Bern und war kurze Zeit in der Schweiz als Lehrer tätig. Dann folgte er einem Ruf als Oberlehrer an das Lehrerseminar des Hilfsvereins der deutschen Juden in Jerusalem, von wo er im Jahre 1911 als Rektor der Rabbiner-Bildungsanstalt nach Odessa ging. Der Ausbruch des Weltkrieges überraschte ihn in Deutschland, und er verbrachte die Kriegszeit in Giessen, wo er 1918 zum Lektor für jüdische Wissenschaften an der Landesuniversität ernannt wurde. Im gleichen Jahr erhielt er einen Lehrauftrag f.ür alttestamentliches Hebräisch an der Universität Frankfurt am Main und wurde kurz darauf dort auch zum Lektor für die Geschichte und Literatur des nachbiblischen Judentums ernannt. Durch Rabins Berufung kam im Seminar ein weiteres Element zur Geltung: Rabin war ein tätiges und führendes Mitglied des Misrachi, dessen deutschen Kreis er auf mehreren Zionistenkongressen als Delegierter vertreten hat. Mit ihm wurde erstmals ein aktiv im zionistischen Leben stehender Anhänger der jüdischen Volksidee in das Lehrerkollegium berufen, dessen übrige Mitglieder der jüdisch-politischen Betätigung fernstanden.” 10

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