Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1967
- Issue
- No. 21 (April 1967)
- Date
- 1967-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dr. CURT PROSKAUER, New York Von Dr. ERNST WARSCHAUER, New York Curt Proskauer und ich haben unsere Jugend in Breslau ziemlich nahe beieinander wohnend verlebt. Er hat in der Höfchenstr. nahe bei der Augustastr. gewohnt, ich in der Charlottenstr. auch unmittelbar bei der Augustastr. So haben sich unsere Wege oft gekreuzt, obwohl wir verschiedene Gymnasien besucht haben und nicht befreundet, nur miteinander bekannt gewesen wäret», Er hat dann Zahnheilkunde studiert, ich Jurisprudenz. Er hat die Schwester des in Breslau recht bekannt gewesenen Studienrates Willi Cohn geheiratet und sich als Zahnarzt in der Kaiser Wilhelmstr. niedergelassen, ich mich als Anwalt in Oels (Schles.). Schon frühzeitig hat er ein besonderes Interesse an Kunst und Kultur gezeigt. In den 20er Jahren hat er sich eine Sammlung von Bildern deutscher Expressionisten angelegt. Er besass Gemälde von Nolde, Pechstein, Franz Marc, ferner Aquarelle und Zeichnungen von Heckei, Kokoschka, Otto Müller, Hanns Leistikow u.a. Die meisten dieser Kunstschätze sind ihm später verloren gegangen. In den 20er Jahren unterhielt er überhaupt enge Beziehungen zur Breslauer Künstlerschaft, u.a. waren Otto Müller und Lotte Hauptmann, die Schwester Gerhart Hauptmann’s, seine Patienten. Bemerkenswerter war aber etwas, was die Angelsachsen sein hobby nennen würden: Er entwickelte nämlich eine Leidenschaft für Erforschung der Kulturgeschichte der Zahnheilkunde, womit er sich intensiv neben seiner Praxis beschäftigte. Er hat die Ergebnisse seiner Forschungen in Fachzeitschriften veröffentlicht und sich daneben eine Sammlung von alten zahnärztlichen Instrumenten, Bildern und Dokumenten angelegt, eine Sammlung, die als solche bald einzigartig dastand. Sie wurde 1924 vom Deutschen Zahnärzteverband angekauft und ein Museum dafür in Berlin gegründet, dessen Direktor Curt Proskauer bis 1933 gewesen ist. Die Sammlung wurde 1926 in Philadelphia auf dem Internationalen Zahnärztekongress zur Schau gestellt, an dem Dr. Proskauer als offizieller deutscher Delegierter teilgenommen hat. In das Jahr 1926 fällt auch die Veröffentlichung seines umfassenden und noch heute grundlegenden Buches IKONOGRAPHIA ODONTOLOGICA. Dieses Buch wird gerade jetzt wieder photomechanisch in Deutschland neu gedruckt. Vom Jahre 1933 ab waren alle seine beruflichen und ausserberuflichen Tätikeiten eingeschränkt und erschwert und im November 1938 wurde auch Dr. Proskauer in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Dr. Proskauer hat mir einmal als mein Gast, nachdem wir uns vor etwa 25 Jahren in New York wiedergetroffen hatten einiges von seinen Erlebnissen in Buchenwald erzählt. Er selbst war zu seiner eigenen Verwunderung persönlich dort nicht angerührt, also auch nicht misshandelt worden, wie die meisten der damals eingelieferten Insassen. Was er aber dort erlebt und mitangesehen hat, war so grauenhaft, dass mir schwindlig wurde, als er davon berichtete, so übel, dass buchstäblich Tisch und Möbel um mich herum zu schwanken begannen. Er wurde wie üblich mit der Auflage aus dem K.Z. entlassen, Deutschland innerhalb bestimmter Frist zu verlassen. Es gelang ihm mit Frau und dem jüngeren seiner beiden Söhne durch besondere Beziehungen ein Transitvisum für Italien zu bekommen, auf solange Zeit, bis er nach USA, wie geplant, weiterwandern konnte. So ging er mit diesen Angehörigen im Sommer 1939 nach Italien und hielt sich zum Herbstbeginn 1939 in der Gegend von Neapel auf. Dort wurde der Familie plötzlich von der italienischen Palizei die zwangsweise Abschiebung an die deutsche Grenze angedroht. Es war eine der Folgen des besonderen Drucks, den Hitler gerade damals auf Mussolini ausübte. Proskauer tat das klügste, was er in dieser Situation tun konnte. Er ging mit Frau und Sohn nach Rom und erreichte auf der deutschen Botschaft, die damals noch mitfühlend war, die Zusicherung, dass alle drei vor zwangsweiser Abschiebung bewahrt bleiben würden. Hinter dem Palazzo Venezia in Rom ist ein Stadtviertel, wo Buchhandlungen und Antiquariate ihr Quartier aufgeschlagen haben. Dort war der Lieblingsaufenthalt Dr. Proskauer’s und dort stiess er eines Tages, bald nach seiner Ankunft, auf ein grosses Werk eines italienischen Kollegen über die Kulturgeschichte der Zahnheilkunde mit zahlreichen Zitaten aus seinen eigenen entsprechenden Schriften. Er trat sofort mit diesem italienischen Kollegen in Verbindung, der sehr prominent und nicht nur der Zahnarzt Mussolini’s, sondern auch der Zahnarzt des Papstes war. Nun war sein Bleiben in Rom mit Angehörigen bis zur Weiterwanderung nach USA gesichert. Er erhielt die Erlaubnis, in der Bibliothek des Vatikans in seinem Lieblingsfach weitere Forscherarbeit zu tim. Sein ältester Sohn Hans war damals in der Schweiz und konnte seinen Angehörigen in dieser schweren Übergangszeit etwas finanzielle Hilfe leisten. Als den Flüchtlingen im Mai 1940 das Immigrationsvisum nach den USA bewilligt wurde, hat der Papst zu den Kosten der Schiffsreise finanzielle Beihilfe geleistet. Sie konnten noch mit dem letzten Schiff, das vor dem Eintritt Italiens in den Krieg nach Amerika fuhr, nach New York gelangen. In den USA wurde ihm sein hobby wiederum zum Segen. Wer nämlich in dieses Land beruflich etwas besonderes mitbringen konnte, hatte auch immer besondere Chancen. Dr. Proskauer bekam ein Stipendium von der Medizinischen Akademie in New York und später erhielt er den Posten als Kurator des zahnärztlichen Museums an der Columbia Universität in New York. Zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften — im ganzen hat er hier und drüben über hundert solche Beiträge verfasst — sind die Früchte seiner Forschungsarbeit in beiden Kontinenten. Schliesslich hat er im Jahre 1963 im Alter von 76 Jahren in Zusammenarbeit mit seinem alten treuen deutschen Freunde und Kollegen Dr. Witt eines grosses Werk herausgebracht BILDGESCHICHTE DER ZAHNHEILKUNDE das ausser in deutsch gleichzeitig in englischer, französischer, italienischer und spanischer Sprache erschienen ist. Es war die Krönung seines Lebenswerks. Wie unsere Eltern in Breslau, so wohnten wir in New York zufällig nahe beieinander. Ich konnte daran teilnehmen, dass beide Söhne den Eltern viel Freude bereitet haben. Hans, der ältere, ist ein geschätzter Architekt in New York, Paul, der Jüngere, ist Hochschullehrer für Germanistik an der Columbia Universität und an einem College. Leider verlor Dr. Proskauer im Jahre 1964 seine geliebte Lebensgefährtin. Diesen Schlag hat er bisher nicht verwinden können. Er hat sich mit doppeltem Eifer in seine Arbeit gestürzt, aber zuviel Arbeit und der Kummer über den Verlust seiner Frau, haben bei ihm eine Herzkrankheit verursacht, die ihn zur Zeit arbeitsunfähig macht. Seine Spezialkollegen und alle die Menschen, die ihn schätzen und verehren, wünschen, dass es ihm vergönnt sein möge, seine Arbeit wieder aufzunehmen und weiterzuführen. EICHENDORFF — LITERATUR PREIS ÜBER¬ REICHT AN FRAU DAGMAR NICK DAVID¬ SOHN, Nahariah. Auszüge aus der Rede anlässlich der Ehrung gesprochen vom 1. Vorsitzenden, Schriftsteller Egon H. Rakette (Bonn). “Wenn wir heute mit dem 9. Eichendorff-Literatur-Preis Dagmar Nick-Davidson auszeichnen, ehren wir nicht allein die uns seit Jahren vertraute und geschätzte Lyrikerin, sondern einen Menschen aus unserem Kreis, der heute im Land des jüdischen Volkes, in Israel, lebt. Sie wird dort aussagen können, dass gerade auch in jenen älteren Generationen Wille und Kraft hinreichend sichtbar sind, Schuld und Schande des Gestern mit den Beweisen der Läuterung abzutragen. Verständlich ist, dass die von den Nazis Verstossenen und Verfolgten glauben, nur mit der vom Damals unbelassteten Jugend ein neues Gespräch führen zu können, und gerade gestern ist solches auch in Worten aus dem Munde von Prof. Golo Mann angeklungen. Stellt aber die Last auf den Schultern der Alteren nicht eine sehr nachhaltige, andauernde Mahnung gerade für diese dar, nicht nur das erkennbar Böse um sich herum zu verdammen, sondern bereits die zum Bösen führenden Eigenschaften in ihrer selbst, durch Versuchung hervorgelockt oder durch Drohung erpresst, zu wandeln? Birgt das Gefühl dieser Bedrückung nicht das Streben in sich, diese Last abzutragen und alles zu tun, um ihr neues Anwachsen zu verhindern, — um dieses neue Anwachsen vielleicht deshalb leichter verhindern zu können, weil nicht nur die fürchterlichen Ergebnisse totalitärer Vergewaltigung von Geist und Freiheit, sondern bereits die frühen Anzeichen sie warnen? Auch diejenigen der älteren Generationen, dennen das Mal der von Angehörigen ihres Volkes verübten Frevel auf der Haut brennt, sollten nicht erfolglos auf ein Wort der Versöhnung warten, auf das die Unverbesserlichen und Reuelosen weder dringen noch Anspruch erheben. “Dagmar Nick-Davidson mag auch in diesem Sinne, nicht nur mit ihrer Lyrik, unsere Botschaftern in jenem Land Israel sein, das sie sich an der Seite ihres Mannes, den ich hier herzlich begrüsse, neue Heimat werden lässt. Vielleicht wird einmal der Titel ihres neuen Buches “Einladung nach Israel” nicht nur ihr Wort sein, sondern der Ruf jener dort drüben, die, wie sie aus trostloser Wüste neue wertvolle Frucht werden lassen, auch fähig sein werden, den trostlosen, dem Hass verwandten Zorn durch die Bereitschaft zum Anhören und Begründen neuer Fruchtbarkeiten zu ersetzen, die Menschen im gleichen Gespür von Ethos, Geist und Herz zu Brüdern machen. Wir werden warten, ohne zu drängen, in guter Hoffnung warten, weil wir meinen, dass das, was unsere Freunde Lippmann und Meckauer vermochten, nicht das Ausserge wohnliche, sondern das dem Menschen lebensnotwendig Zugehörige darstellt”. SHA00LY-GiFr-'7iNUI GOLD and SILVER JEWELLERY ART OBJECTS Big Selection of religious articles for Bar-Mitzva: Kosher Tfilin, Talith, Sidur, Bibles etc. Orders accepted and forwarded to any place in the world. Recomended by the Government Tourist Corporation. Tel-Aviv, 62 Ben-Yehuda St. — Tel. 220138 9