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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1967-04-01 · No. 21 (April 1967) · p. Seite 8

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1967
Issue
No. 21 (April 1967)
Date
1967-04-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Das Sanatorium Charlottenhaus in Breslau Damals — es mag 1901 gewesen sein — war die Tiergartenstrasse nur teilweise bebaut. Rechts und links gab es wohl schon einzelne Häuser, aber vielfach waren noch baumbestandene Wiesen, unbebaute Plätze zu sehen. Die Hansastrasse war noch nicht durchgelegt, dies geschah erst mit dem Bau der Kaiserbrücke. An ein Pferdebahn — Depot erinnere ich mich auch noch Ecke Dickhutstrasse. Dort wurden meist die Pferde der Scheitniger Linie ausgewechselt. Wenn wir uns auf dem Bürgersteig weiter in Richtung Passbrücke begaben, so kamen wir in das sogenannte Kliniken — Viertel. Man sah Aerzte und Pflegepersonal, Tragbahren, es roch nach Krankenhaus, je näher man zur Maxstrasse kam. Berühmte Professoren hatten dort ihre Praxisräume oder auch Wohnungen so Prof. Mikulicz, Professor Minkowski und viele andere Kapazitäten. Ein Gebäude fällt uns auf No. 55/57, das Sanatorium Charlottenhaus. Nach der Frau Erbprinzess Charlotte von Sachsen Meiningen, Schwester Wilhelms II, die zur Einweihung erschienen war, ward es so genannt. Zwei junge Breslauer Doktoren waren die Besitzer, mein Vater Dr. Albert Sachs und ein Dr. S. Winkler. Es war als vorbildlich geleitetes Krankenheim schnell im Lande bekannt, ja, es kamen sogar aus dem Ausland — Mexico, Brasilien, aus U.S.A. — Kranke. Der gute Ruf des Hauses ging weit bis in fremde Lande. Insbesondere waren die Methoden der Bäderbehandlung, die mein Vater nach dem Beispiel von Bad Gräfenberg (Priesnitz) in geeigneten Fällen verordnete, besonders erfolgreich. Es gab alle möglichen Badekuren, Wechselbäder, Kohlensäure, Galvanische — Wellenbäder, elektr. Lichtbäder, russische Dampfbäder, Fangokuren und Massagen aller Art. Modernste Badewannen, elektrische Bademaschinen meist aus den Fabriken der süddeutschen Specialfirma Reiniger Gebbert und Schall oder von der Breslauer Firma Hermann Härtel waren in den riesigen Bade Räumen installiert. Geübte Bademeister und Bademeisterinnen walteten hier sorgsam ihres Amtes. Im Unterstock war die Sanatoriumsküche mit riesenhaftem Herd, eine Oberköchin sorgte für das leibliche Wohl der Kranken. Dann waren unten noch Vorratskammern, die Wohnung des Maschinisten und die Büroräume. Im Anfang leitete die Oberin Fräulein von Sczymonski die Administration ihre Nachfolgerin war Fräulein Sophie Nagel, fast beispiellos an Fürsorge für das Krankenheim und seine Patienten. 30 modernst eingerichtete Krankenzimmer und ihre Insassen galt es zu betreuen. In 3 Etagen waren neuzeitlich eingerichtete Einzelzimmer vorhanden, durch Lift schnell erreichbar. Soweit möglich wurde Mittag und Abendessen im Speisesaal gemeinsam gereicht. Das Essen kam direkt aus der Küche mittels eines speziellen Speiseaufzuge. Es war schön gedeckt und es wurde vollendet serviert. Anschliessend an den grossen Speisesaal war ein behaglichr “Wintergarten”, in dem auch jedes Jahr für christliche Patienten die Weihnachtsfeier abgehalten wurde. In dieser Etage gab es noch die Sprechzimmer der Aerzte, dann ein Damen, ein Lese und ein Musikzimmer. Gattin eines Arztes zu sein ist ein nicht leichter Beruf. Schon in der Privatwohnung des Arztes ist es schwer mit Patienten umzugehen, mit Nervösen, mit ängstlichen, und es bedarf einer grossen Klugheit, Menschenkenntnis und Liebenswürdigkeit, Kranke zu beruhigen, wie überhaupt mit ihnen fertig zu werden. Noch schwieriger ist es im Krankenheim z. B. nach anstrengenden Kuren, nach Operationen us.w. Leidende abzulenken, auf andre Gedanken zu bringen, ihnen Hoffnung auf Gesundung zu machen und ihnen Mut zuzusprechen. Mit besonderem Takt und Feingefühl hat m eine Mutter in diesem Krankenheim in vorbildlichem Sinne gewirkt. Sie besuchte die 30 Krankenzimmer täglich, spielte mit den Leichtkranken Schach, las ihnen vor, erledigte ihre Correspondenz, ging mit ihnen spazieren und wusste auch für die Schwerleidenden das richtige zu treffen. Sie war das Vorbild einer Arztfrau. Denn zu einem tüchtigen Arzt, Diagnostiker, Krankenhaus — Leiter gehört unzweifelhaft die nie versagende Liebenswürdigkeit, der Charme und angeborenes Geschick seiner Gattin, mit Patienten umzugehen. Die starken und tiefen Eindrücke, die diese menschlichste Frau auf alle machte, sind unvergesslich. Sie war eben auch der gute Geist des “Sanatoriums Charlottenhaus” in der Tiergartenstrasse 55. Fast hätte ich den Garten vergessen, der zum Haus gehörte. Er war wunderbar gepflegt, mit seltenen Blumen und Bäumen bepflanzt. Auch ein Tennisplatz gab es da und einen kleinen Hügel, eine Weinlaube und gedeckte Liegeplätze. An der Rückseite grenzte er fast an die Oder. Später ging hier eine Strasse durch, parallel zum Fluss. Aber das wird heut alles nicht mehr da sein! Man kann davon nur träumen. J. S. Ungereimtes i. DAS OPERNHAUS Sydney’s im Bau (moralisch im Abbau) begriffenes Opernhaus ist nunmehr als Weltblamage allgemein anerkannt. Der dänische Architekt Utzon, der es auf dem Gewissen hat und wie man jetzt häufig entschuldigend sagt, nur als Traumbild vor sich gesehen und entworfen hat, liess es wie ein nicht lebensfähiges Kind, fortwirkend als einen versteinerten Alptraum zurück. In seiner monsiroes zackigen Gestalt stellt es sich auf einer Peninsula des Sydneyer Hafens, eines der schönsten der Welt, wie eine unheilvolle Vision dar und schweigt für seinen Vater. Dieser hat beim Verlassen der Stadt deutlich und endgültig erklärt nichts mehr davon wissen zu wollen und dasselbe sagen die von allen Illusionen beraubten Australier von ihm auch. (Man of the Jahrzeit). Wieviel bittere Worte sind über die schwere Enttäuschung jetzt schon gesagt und wie viel Tränen über die verschwendeten Millionen vergossen worden und zwar nicht nur von denen, die zu nah am Wasser verbaut worden sind. Die Frage, ob die Idee unserer Stadtväter Sydney mit einem Opernhaus beglücken zu wollen, das es in keiner Weise braucht oder verdient, nicht allein schon eine Fehlleistung war, muss unbeantwortet dahingestellt bleiben. Doch sind emsige, aufbauende und sachverständige Hände bereits damit beschäftigt, an dem totgeborenen Kinde Wieder — bezw. Neubelebungsversuche zu machen. Und so schreiten die Arbeiten, leider aber auch die Zänkereien und Streitigkeiten weiter munter fort. Ein Opernhaus ohne Motiv ist wie eine Oper ohne Musik, und das Ende von allem ist noch nicht abzusehen. Als Eröffnungs-Vorstellung, die nach meiner optimistischer Schätzung im Jahre 1980 stattfinden wird, habe ich daher zur Weihe des Hauses Auber’s “Die Stumme von Portici” vorgeschlagen und als Trägerin der Hauptrolle soll bereits die Sutherland verpflichtete worden sein. Leider steht aber zu befürchten, dass sie wegen Heiserkeit absagen wird. II. DAS KLIMA Von dem Klima Australiens weiss eigentlich niemand genau, ob es sehr gut oder sehr schlecht ist. Die an unerträglich heissen und schwülen Tagen immer wieder auf der Strasse gehörte sinnlose Frage “Hot enough for you?” beantwortet man hier, der anwachsenden Kriminalität entsprechend, neuerdings mit dem Modewort: “It’s minder! ” Dieselbe bedrohliche Atmosphäre spiegelt sich aber auch im Haus- und Privatleben wieder: kommt an trüben und kalten Regentagen mich jemand in meiner für meine müden Augen viel zu dunklen Wohnung besuchen und sagt: “Hell aus Sydney enough for you?”, so erdolche ich ihn kaltblütig mit meinen Blicken, muss ihm aber post mortem Recht geben. III. KRIMINALITAET UND LOTTERIE Nicht nur die in erschreckenderweise ansteigenden schweren Verkehrsunfälle sondern vielmehr Raubüberfälle, Bankräubereinen im Wild West Stil, Autodiebstähle, Geldfälschung und vieles andere führen zu der bedauernswerten Erkenntnis, dass es in Sydney nur noch eine grosse Sicherheit gibt, und das ist die einmal eines unnatürlichen Todes zu sterben. Uber die in Sydney 3 bis 4mal in der Woche gezogene über alles beliebte, wenn auch sehr ungünstige Staatslotterie hat ein witziger Statistiker einmal geurteilt: Die Chancen hier ermordet zu werden sind grösser als die, das grosse Los zu gewinnen. IV. DAS BUCHSTABIEREN Eine der schwächsten Seiten der Australier ist das richtig-Buchstabieren. Darüber gibt es folgende kleine Geschichte, die diese Schwäche, gleichzeitig aber die ausgleichende Stärke, bei jeder Gelegenheit um Geld zu wetten, wiederspiegel. A. Was für eine Blume hast du, da im Knopfloch? B. Ein Chrysanthemum. A. Das gibt es nicht, das ist doch eine Aster. B. Wenn ich sage Chrysanthemum, meine ich es auch. A. Es ist doch eine Aster und dabei bleibt es. Es entwickelt sich ein heftiger Streit, der in Tätlichkeiten auszuarten droht. Schliesslich kommen beide auf die beglückende Idee um 5 Pfund zu wetten, worauf der Streit sofort eine gutartige Wendung einnimmt. A. (beschwichtigend) Ich nehme hier einen Zettel, schreibe meinen Namen und “Aster” darauf, und Du nimmst den anderen Zettel und schreibst Deinen und den Namen Deiner Blume darauf. Dann tragen wir die Blume und beide Zettel zu einem Rechtsanwalt, der die Entscheidung treffen soll. B. ist einverstanden, setzt zum Schreiben des Blumennamens an, blickt blöde um sich, zieht blitzschnell eine 5 Pfundnote aus der Tasche und sagt lachend: “You win” (Du hast gewonnen)! Dr. Ludwig Laband 8

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