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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1967-04-01 · No. 21 (April 1967) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1967
Issue
No. 21 (April 1967)
Date
1967-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Wie ich in Amerika „Schriftsteller“ wurde Das kam so: Komplettes Greenhorn, eben in Amerika in April 1940 gelandet, erzählte ich unserer Freundin, Dagmar Godowsky, einer in New York stadtbekannten Persönlichkeit, der Tochter des unvergessenen Pianisten Leopold Godowsky, eine Geschichte. Es war ein wahres Erlebniss, noch ganz frisch, denn wir hatten es bei der Auswanderung im Schnellzug zwischen Brenner und Verona gehabt. Dagmar war entzückt und sagte in ihrem stets unbeschwerten Optimismus und Enthusiasmus: “Ernst, das muss Du aufschreiben, das muss ins Englische übersetzt werden und wird bestimmt Erfolg haben”. Damit hatte sie mir einen Floh ins Ohr gesetzt. Ich begann tatsächlich zu schreiben und zwar erst diese Geschichte, dann aber auch andere interessante Episoden aus der Hitlerzeit von drüben. Ich hatte nämlich, ach, nur allzuviel freie Zeit; denn es hat 1% Jahre gedauert, bis ich mit über 50 Jahren hier den ersten job bekam. Ich brauchte mich deswegen nicht zu schämen; denn es erging den meisten “Intellektuellen” von drüben in meiner Altersstufe ebenso. Wir wurden von unseren Frauen ernährt, die leichter als wir einen job fanden, notfalls im Haushalt. Man erzählte in unseren Kreisen, dass der gute Präsident Roosevelt, den wir alle sehr gern hatten — in welch wohltuendem Gegensatz stand seine melodische Stimme zu dem hasserfüllten Gekrächz Hitler’s, das wir alle noch in den Ohren hatten! — etwas Besonderes zu unseren Gunsten plane: er bringe eine Bill im Kongress ein, dass den intellektuellen Refugees erlaubt sein solle, mehrere Frauen zu haben, da eine allein ihren Man nicht ernähren könne. Freilich ist ein solches Gesetz nie zustande gekommen. Es war in Pittsburgh, wo ich die ersten Geschichten zu Papier brachte. Unverfrorenerweise DIE LETZTEN TAGE VON BRESLAU (Fortsetzung von Seite 5) gen oder zerstört werden konnten, sind in die Hände des Feindes gefallen. Nächtelang arbeiten Löscherketten der Einwohner. Der Musiker ist nach seiner Entlassung aus dem Lazarett Brandwache bei den Heustapeln für die Stallungen der Fuhrkolonne des Regiments. Ein neuer Luftangriff. Glutflockenfall auf das Heu. Das Feuer kann man nicht mehr austreten. Da braust eine wilde Jagd vorüber. Pferde haben sich in der Todesangst durch die Bombe aus den Ställen befreit. Ihnen nach. Der Instinkt der Tiere weist den rettenden Weg. Den Fluss erreichen. Hier weht eine andere Luft, kühler, wassergesättigt. Eine kleine Brücke spannt sich über das Wasser. Und mit einem Male liegt die Dominsel vor ihnen. Auch sie brennt. Das heilige Herz der Stadt brennt. Der rasch treibende Fluss ist blutrot. Die alte Urophezeiung erfüllt sich: Breslau geht einst unter, wenn die Oder rot ist wie Blut. (360) Eine gespenstische Tragödie ist es, die an uns vorüberzieht, in der nur manchmal Sprache, Strassennamen und Gegenden vertraut aufblitzen. Ob ein Buch wie dieses dazu beitragen mag, dass aus den erfahrenen Leiden eine innere Umkehr erwächst? Das ist auch die Frage, die am Ende aus dem Gespräch des Musikers mit einer tapferen alten Ärztin klingt. “Ein Serum” so fürchtet sie, “können wir aus unseren Erfahrungen nicht gewinnen! ” “Sollen denn unser Kinder wieder durchmachen müssen, was wir erlebt haben?” “Meistens passen Eltern besser auf, wenn ihr Kind den Topf mit kochendem Wasser runtergerissen oder die Gardinen mit Streichhölzern angezündet hat. Aber die Menschheit — hat keine Eltern, die auf sie aufpassen. (400) Mitgeteilt von Anni Löwenstein (Priebatsch) Von Dr. ERNST WARSCHAUER tat ich das auf Englisch, dessen Studium ich erst mit 49 Jahren begonnen hatte. Als ich 4 Geschichten beendet hatte, zog ich damit zum Redakteur einer kleinen Pittsburgher Monatsschrift. Er warf einen kurzen Blick auf die Brerinerstory, die ich ihm zuerst vorlegte. Dann erklärte er, das Englisch wäre unter aller Kritik, und ich solle mit dem Zeug nach Hause gehen. Betrübt zog ich ab und klagte noch am gleichen Tage einer hier geborenen Studentin mein Leid. Sie war so gerührt, dass sie mir anbot, mein Englisch zu verbessern, und es sofort tat. Mit den nunmehr frisch aufpolierten Geschichten ging ich wieder zu demselben Redakteur, der so verblüfft und befriedigt war, dass er sie sofort akzeptierte. Dafür bekam ich 8 Dollar, mein erstverdientes Geld in Amerika. Ich war nicht wenig stolz darauf, bat aber den Mann, meinen Namen nicht zu publizieren, da meine 80 Jahre alte Mutter noch in Deutschland lebe, an der die Nazis wegen allerhand Unfreundlichkeiten in diesen Geschichten Rache üben könnten. Er versprach mir das, aber hat offenbar daran vergessen: denn mein Name prangte über der Geschichte und noch mehr, er druckte dahinter, dass ich eben glücklich aus einem Konzentrationslager von drüben hier gelandet wäre. Das war nun glatt unwahr. In Wirklichkeit hatte ich Glück gehabt und war, als mich die Gestapo am 9 November 1938 abholen wollte, zufällig grade ausgegangen und habe mich während der Razzia versteckt gehalten. Zwar wütend über diesen Redakteur, aber doch nicht entmutigt, schrieb ich in New York, wohin wir übersiedelt waren, fleissig weiter. Ich bekam eine Empfehlung an den Redakteur einer vorzüglichen Monatsschrift, die von einer sehr wohlhabenden Congregation in Brooklyn herausgegeben wurde. Als der Mann meine MS durchblätterte, lachte er laut auf und sagte: “Endlich mal ein Refugee, der uns keine Greuelgeschichten, sondern Humoristisches bringt. “Akzeptiert”. Ich musste freilich sehr lange warten, bis er die Zeit fand, mein Englisch zu korrigieren, aber er bestellte von mir von da ab laufend sogenannte adjustmentstories s. h. komische oder tragikomische Begebenheiten, die uns Greenhorns hier passiert sind, als wir versuchten, uns hierzulande umzustellen. Solche Begebenheiten habe ich nicht nur selbst erlebt, sondern von vielen Leidensgefährten gehört. Statt vieler hier nur 2 Proben: Ein Arzt, noch nicht lange im Lande, erlebte folgendes. Ein Patient von ihm, auch ein Refugee, war gestorben, und die Familie, ganz verstört und noch völlig ungewandt, bat den Doktor, für die Beerdigung Sorge zu tragen. Der Doktor benachrichtigte ein Funeralhome, und alles wurde zufriedenstellend erledigt. Er war sehr erstaunt, als er von diesem Funeralhome einen Scheck über 100 Dollar erhielt. Er dachte, das sei ein Versehen, und schickte den Scheck zurück. Darauf bekam er einen neuen Scheck, diesmal über 200 Dollar. Nunmehr ging ihm ein Licht auf: er war eine Provision, die ihm da gegeben wurde! Er übermittelte den Scheck der Witwe. Besonders kurios waren oft die Missverständnisse, die vom schlechten Englisch der Neulinge herrührten. Ein solcher Neuling mit noch sehr embryonalem Englisch war bei Verwandten namens Kahn untergebracht. Kahns waren eines Abends ausgegangen und das Telefon läutet. Der Gast von drüben geht an den Apparat und hört die Frage: “Is Mr. Kahn at home?” — “No, he passed away,”* war die Antwort. “How terrible!”, schrie der Fragende, “and where is Mrs. Kahn?” “She passed away, too”, erwiderte unerschrocken Kahn’s Verwandter. — “God Almighty and who are you?” — “I am only the ghost** of the family”, stellte sich der Herr vor. Etwa 10 Jahre lang versorgte ich diese Monatsschrift — wenn auch in immer längeren Abständenmit solchen Geschichten. Meine Freunde von drüben staunten. “Du hast doch drüben in Deutschland fast nie geschrieben, bist Du denn plötzlich so begabt?” fragten sie. “Ich schreibe doch nicht aus Begabung, ich schreibe aus Verzweiflung!”, war meine Antwort “Und wo erscheinen denn Deine Sachen?” wollte hin und wieder jemand wissen.” — “Unter Ausschluss der Öffentlichkeit“, pflegte ich zu antworten, und das war wahr! Denn die Monatsschrift wurde in etwa 1000 Exemplaren unter den Mitgliedern gratis verteilt und war für Geld nirgends zu haben. Etwa 1952 verlor mein Redakteur, der immer brav mein Englisch in die rechte Facon gebracht hatte, langsam die Geduld. Er pflegte mir immer zu sagen, dass ich meine MS nicht zu zeichnen brauche, er erkenne den Autor am Englischen. Er verlangte von mir einen Stoffwechsel. Ich aber sah ein, dass ich zu alt war, um noch elegantes, druckfähiges Englisch zu Papier zu bringen. So nahm ich meinen Abschied von diesen guten Leuten und kehrte reumütig wieder zum Deutschen, meiner geliebten Muttersprache, zurück. Was ich seither geschrieben habe, war deutsch und so wird es bleiben. Dr. Emst Warschauer 250 Cabrini Blvd. New York 33 NY Eine ehemalige Breslauerin in Japan Frau Margarete Netke, eine gebürtige Breslauerin, lebt seit 42 Jahren in Japan. Sie war als Gesangspädagogin an der Musik-Universität tätig, wurde dort als einzige Frau Professor emeritus und zu einem ersten japanischen Orden erhielt sie jetzt einen zweiten “nur für Frauen, die etwas für das Land geleistet haben”. — Momentan unterrichtet sie an Privatschulen. Es ist interessant von unserer ehemaligen Breslauerin in Kürze etwas über das japanische Musikleben zu erfahren. Sie schreibt, dass es dort ausgezeichnete Musiker gibt, sehr gute Orchester mit erstklassigen japanischen Dirigenten. Amerikaner, Europäer vieler Länder konzertieren dort, auch mit japanischen Orchestern. Die Berliner Oper mit Fischer — Diesskau gastierte jetzt längere Zeit. Im Programm: Mozart, Verdi, Wagner und Henze. Die Japaner haben allmonatlich ihre Konzerte mit Orchester, auch Solisten Konzerte finden allabendlich statt und viele junge Japaner studieren in Europa Musik, denn man schickt auch alljährlich 4 — 5 Musikstudenten auf Stipendien nach Europa. J. S. 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