Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1967
- Issue
- No. 21 (April 1967)
- Date
- 1967-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Gedrückt in Im letzten Friedensjahr, 1913, waren meine Eltern mit mir in den Sommerferien im Schlesischen Bad Salzbrunn. Anschliessend war ich am Tischa b’av in Breslau, wo ich abends und morgens in der traditionellen Synagoge betete, die den Namen “Storch” hat und auch heute nach Renovierung weiter benutzt wird. Am Vormittag ging ich auf den alten jüdischen Friedhof im Zentrum Breslaus und Nachmittag fuhr ich auf der Oder ungefähr eine Stunde flussabwärts nach Dyhernfurth, um den alten Friedhof im Park des Grafen von Saurma-Jeltsch zu besuchen. Mit diesem winzigen Ort im Kreise Wohlau sind eine Fuelle jüdischer Erinnerungen verknüpft. Als ich da war, bestand noch eine kleine ungefähr siebzig Jahre alte Synagoge, aber sie wurde kaum noch benutzt, denn es wohnten nur noch fünf Juden dort. Sie wurde daher während des ersten Krieges an die Stadt verkauft, und das Inventar in das Breslauer Jüdische Museum überführt, wo es bis zur Vernichtung blieb. Wie so viele jüdische Gemeinden in Nord- und Süddeutschland, geht auch die Dyhemfurther Gemeinde auf die Juden zurück, welche vor den Verfolgungen des Kosaken-Hetmans Bogdad Chmielnicki seit 1648 aus Polen flüchteten und sich irgendwohin retteten. Zu den Flüchtlingen gehörte auch Schabtai Ben Josef, der zuerst nach Prag kam, dort lernte und sich in der Synagoge als Chorsänger betätigte, woher er den Beinamen Bass (Bassista) bekam. Schabtai war nachher in Deutschland und Holland als Drucker und ausgezeichneter Kenner jüdischer Bücher tätig. Schon 1680 druckte er sein Hauptwerk, das bibliographische Handbuch: “Sifte jeschenim”. Es ist in mehreren Auflagen hebräisch erschienen, wurde schon 1681 ins Lateinische und später zweimal ins Deutsche übersetzt und liegt allen späteren bibliographischen hebräischen Werken zu gründe. Es ist eine alphabetisch geordnete Liste von zweitausend zweihundert hebräischen Büchern, die Schabtai grösstenteils aus eigener Kenntnis beschreibt. Wenige Jahre später bot sich ihm in dem kleinen Dyhemfurth ein Betätigungsfeld, das wie für ihn geschaffen war. Der Grundherr des Ortes hatte schon 1667 ein kaiserliches Buchdruckerprivilegium erhalten, das er nicht gut verwerten konnte. Da aber damals die Nachfrage nach jüdischen Druckerzeugnissen stark war, interessierte er sich für einen erfahrenen jüdischen Buchdrukker und Verleger. Er fand ihn endlich in Schabtai Bass und Uberliess ihm pachtweise 1688 das Buchdruckerprivilegium. Schabtai begann sofort, 1688, zu drucken. Als seinen Stab zog er mehr als dreissig jüdische Drucker heran, welche den Grundstock der neuen Gemeinde D. bildeten. Schon 1689 erwarb er im Park des Grafen ein Gelände zum Friedhof. Hier wurden zunächst auch die wenigen in Breslau verstorbenen Juden begraben, die vorher nach dem so entfernten Krotoschin in Polen gebracht worden waren. In Breslau durften sich erst seit 1697 Juden dauernd niederlassen, wenn auch manche schon vorher aus wirtschaftlichen Gründen geduldet worden waren. Hierüber sind wir durch die neueste Arbeit von Bernhard Brilling im “Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilmelm-Universität zu Breslau”, 1967, Bd. XII, unterrichtet. Auch das Memorbuch der Gemeinde D. geht bis ungefähr 1690 zurück. Schabtai Bass selber leitete die Druckerei achtundzwanzig Jahre, dann übergab er sie 1717 seinem Sohn Josef. Sie blieb in Familienbesitz bis 1767, also fast achtzig Jahre. Dann wechselte sie fünfmal ihren Besitzer und ging 1834 völlig ein, als inzwischen schon 1780 von Jechiel Mai aus Breslau eine zweite Druckerei in D. eingerichtet Dyhernfurth worden war, und vor allem, als die grössere mit modernen Typen ausgestattete Druckerei Monasch in Krotoschin entstanden war. Wenn man später den Ausdruck gebrauchte: “Gedruckt bei Monasch in Krotoschin”, so sagte man früher in jüdisch-deutscher Aussprachee: “Gedrückt in Dyhernfurth”. Da es damals nur noch in Prag hebräische Druckereien gab, so hatte D. lange Jahre hindurch den östlichen Teil Mitteleuropas mit hebräischen Büchern, insbesondere Gebetbüchern versorgt, aber auch mit Ausgaben des Talmud und des Maimonides. Der letzte Besitzer der alten Druckerei in D. war David Sklower, dessen Name uns aus der “Sklower Schul” in Breslau vertraut ist, und dessen Nachkommen später in Tilsit, Insterburg und Elbing ansässig waren. Mit der Liquidation der Druckerei ging die Zahl der Juden in D. zurück. Zur Zeit ihrer höchsten Blüte hatte die Gemeinde 280 Seelen, 1833 waren es noch 191, aber infolge der Auflösung der Druckerei ging die Zahl bis 1843 auf 117 zurück, und 1913 wohnten, wie erwähnt, nur noch fünf Juden dort. Rabbiner Dr. Neufeld -*- Carl Sachs 70 Jahre (Aus der Breslauer Zeitung im Jahre 1930) Unser Mitbürger Carl Sachs, eine starke Persönlichkeit eigener Prägung, begeht am 14. Februar fern von Breslau seinen siebzigsten Geburtstag. Die Breslauer Zeitung würdigt diesen Geburtstag aus mancherlei Gründen. Der Jubilar gehört zu den opferfreudigsten Mitgliedern der D.D.P. in Breslau. Sein Rat in wirtschaftspolitischen Fragen wird auch von den demokratischen Mitgliedern der Parlamente gewürdigt. Carl Sachs besitzt ein ausgeprägtes Kunstverständnis. Seine Villa weist eine erlesene Bildersammlung nur erster Meister auf, auch sein musikalisches Interesse ist besonders rege. Persönliche beste Beziehungen verbinden ihn mit Busch, dessen Quartett bereits mehrfach in seiner Villa vor geladenen Gästen spielte. Überhaupt liebt der Jubilar eine edle Geselligkeit. Alle Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt, seien sie politischen, geschichtlichen, volkswirtschaftlichen oder schöngeistigen Inhalts verfolgt er mit grossem Verständnis. Zur Erfüllung dieser vielseitigen Interessen findet der Jubilar Zeit, obwohl er stärkstens in seinem grossen Unternehmen in Anspruch genommen ist. Die Fa. M. Forell und Co. in Breslau und Berlin, deren Mitinhaber Carl Sachs ist, hat einen klangvollen Namen in ganz Deutschland. Sein Weitblick und seine Energie haben, unterstützt von wertvollen Mitarbeitern, die Firma zu ihrer heutigen imponierenden Grösse geführt. Das Bild des Jubilars, dem niemand sein wahres Alter ansieht, wäre nicht richtig gezeichnet, wenn man nicht auf seine manchmal bewusst kräftige Ausdrucksart hinwiese. Die rauhe Schale birgt aber ein weiches Herz. Es macht ihm eine besondere Freude, wo er mit Geldmitteln helfen kann, einzelnen oder auch Wohltätigkeitsanstalten schnell und reichlich zu geben. Mit Genugtuung kann der Jubilar auf seinen bisherigen Lebensweg zurückblicken. Die Wünsche seiner Freunde und Bekannten gehen jedenfalls dahin, dass ihm noch viele Jahre rüstigen Schaffens vergönnt sein mögen zum Wohle der deutschen Wirtschaft, zur Förderung ideeller Interessen und nicht zulezt der Deutschen Demokratischen Partei. Als ich im Jahre 1916 als Lehrling in die Kurzwarengrosshandlung M. Forell & Co. in der Karlsstr. 36 eintrat, hatte sich Carl Sachs bereits den grossen Konzern auf gebaut, dessen Hauptstellen in Berlin und Breslau waren, und der mit der Firma Brann & Moritz in Berlin durch Personalunion verbunden war. In Breslau machte Jeder vom Junior Partner Gustav Pietrkowski bis zum juengsten Lehrling einen Bogen um das Privatkontor von Carl Sachs, dessen kräftige Stimme oft durch das ganze Haus drang. Als Kunstmäzen und Original war er weit über die Grenzen von Schlesien bekannt, in Breslau besonders unter dem Namen “Gletscher Sachs”. Er war immer ein begeisterter Alpinist gewesen, und man erzählte sich, dass er zu Anfang des Jahrhunderts bei einer Alpentour in eine Gletscherspalte gefallen sei und erst nach langer Zeit gerettet worden wäre. Da man damals noch auch auf solchen Touren Manschetten trug, hatte er auf eine solche mit Bleistift bereits sein Testament geschrieben, und man fand ihn erschöpft und erfroren mit verrenkten Handgelenk auf. Als ihm der Schweizer Arzt sagte, dass es weh tun würde dieses einzurenken, soll er ih angeschrieen haben: “Wem wird’s weh tun, Ihnen oder mir?” Durch seinen Neffen Gerhard Sachs, der damals auch bei Forell arbeitete, hatte ich Gelegenheit Carl Sachs’ Kunstschätze oft zu bewundern, die wohl die grösste Sammlung im Osten Deutschlands darstellten. Ich erinnere mich an ein grosses Porträt der Gräfin von Pourtales von Renoir, das wohl das wertvollste Stück der Sammlung war. Von Ölgemälden aus der Barbizon Schule bis zu den Modernen waren die führenden Künstler vertreten, daneben eine riesige Sammlung von handsignierten Stichen der feinsten Graphiker, darunter pikante Stiche von Toulouse-Lautrec und Felicien Rops. Bei Forell tauchte auch eines Tages im Jahre 1922 ein junger Violinist Adolf Busch auf, der kurz zuvor von Sachs das Geld für seine erste “Stradivari” bekommen hatte. Später spielte auch das Busch Quartett mehrfach in Sachs’ Hause, wobei ich ungesehen einen Platz im Treppenhaus einnahm. Ausserdem spielte Carl Sachs regelmässig zuhause Bratsche in einem Quartett, an dem auch professionelle Spieler teilnahmen, aber er soll als Mäzen besser als als Musiker gewesen sein. Im Jahre 1924 kam ich in mehr persönlichen Kontakt mit meinem Chef, als ichnach einiger Zeit in dem Berliner Hause-eine Filiale für Brann & Moritz in Wien eröffnete. Bei seinen Besuchen lud er mich gelegentlich in ein Konzert oder zum Essen ein. Es blieb mir in etwas peinlicher Erinnerung, als er in einem erstklassigen Restaurant dem Kellner auf die Frage, ob er eine “Mehlspeis” wolle, mit Sentorstimme zurief: “Sehen Sie nicht, dass mein Bauch schon viel zu dick ist?”. Diese originelle, grosszügige, aber oft rücksichtslose Persönlichkeit, die in dem beliegenden Artikel gut beschrieben ist, wird bestimmt Jedem in Erinnerung bleiben, der mit Carl Sachs je zu tim hatte. Rudolph S. Heams (fr. Hermstadt) \ Weit der Musik IDie schöne Schallplatte — Interessante Neuerscheinungen — Grösste Auswahl — W. H. ROBERT (früher Breslau) RADIO UNION 116 DIZENGOFF STR. TEL-AVTV Tel.: 248526. 3