Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1966
- Issue
- No. 20 (September 1966)
- Date
- 1966-09-01
- Page
- Seite 8 (sequence 3114)
- Language
- German
- Belongs to
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ERINNERUNGEN AN LEO BAECK (Fortsetzung von Seite 5) ich einmal die Hände etwas freier habe, komme ich zu Ihnen, um dieses Buch genau durchzuschauen. ” Baeck klimmt mit elastischen Schritten die 2 Treppen zu uns hinauf und ist schon im lebhaften Gespräch, ehe er sich hingesetzt hat. Keine Spur von Müdigkeit, nachden wir 4 Stunden miteinander gesprochen haben. Als er eingetreten war und kaum den Mantel abgelegt hatte, drehte er sich, im Zimmer Umschau haltend, um sich selbst und sagte: “Hier ist’s aber schön.” Er ist eben nicht nur ein geistig sinnender, nach innen gekehrter Mensch, sondern ein Mensch, der mit allen Sinnen das Leben auffängt und ein ausserordentliches Gefühl für Atmosphäre hat, in der er sich befindet. Seine Liebenswürdigkeit strömt aus ihm als etwas ganz Natürliches, als ein Wohlbefinden seines Körpers, als eine Harmonie seiner Seele. Er ist eine charismatische Natur. Gross, elegant angezogen, sorgfältig gekleidet, glänzend geputzte Schuhe, kein Stäubchen auf dem schwarzen Anzug. Er arbeitet über “Romantische Religiosität,” fühlt sich hier in Cincinnari ausserordentlich wohl, weil er Ruhe zur Arbeit, und die Bibliothek nebenan hat. Er ist sehr abgehärtet, geht im Winter ohne Überzieher vom Dormitory zur Chapel, kommt aus unverwöhnter Kleinstadt, Lissa in der Provinz Posen. Ist der Sohn eines Rabbiners, hat harmonische Kindheitseindrücke aus Lissa, wo es keinen Antisemitismus gab; bestes Einvernehmen zwischen Juden und Christen. Die Familie wohnte all die Jahre in einem der drei Pfarrhäuser und wurde sogar in der Miete niemals gesteigert, trotzdem der alte Baeck darauf aufmerksam machte, dass doch alle Preise höher gegangen seien; warum nicht der seiner Wohnung. Lissa hatte schon seit dem 16. Jahrhundert eine Universität. Vortrag der aus London gekommenen Miss Lili Montagu, einer Sechzigerin, der Vorsitzenden der Gesellschaft für “Progressive Judaism” in England. Nach dem Vortrag sagte Baeck: wieviel England seinen “spinsters” verdanke. Er schilderte, wie er einst einer interkonfessionellen Versammlung in Westminster Abbey beigewohnt habe. Beim Verlassen der Kirche sah er im strömenden Regen eine Frau an der Kirchentür, die Traktätchen verteilte. Da sie in der linken Hand die Traktätchen hielt und mit der Rechten Stück für Stück austeilte, konnte sie keinen Regenschirm halten, aber das machte ihr gamichts aus. “Ich schaute ihr eine Weile zu und sah am Ende, wie sie in einen eleganten Ttolls Royce’ stieg mit Chauffeur und Diener. ’Spinsters’ waren es, die das Wahlrecht der Frauen am Anfang des 20. Jahrhunderts erkämpften. Sie liessen sich von Schutzleuten verhaften und waren doch Damen der besten Gesellschaftskreise. ” Baecks Bescheidenheit: “Ich sitze gern in der hinteren Reihe.” Ein anderes Mal sagte er: “Wenn ich einen armen Mann sehe, so halte ich ihn so lange für ehrlich, bis er mir das Gegenteil beweist. Wenn ich aber einen reichen Mann sehe, so halte ich ihn so lange für imehrlich, bis er mir das Gegenteil beweist. Cum grano salis.” Manfred Rosenfeld (Maro) ZUM 80. GEBURTSTAG Hier erfüllen wir eine angenehme Pflicht unserem lieben Vorstandsmitglied Manfred Rosenfeld zu seinem 80. Geburtstage von ganzem Herzen zu gratulieren. Eilebt in Tel-Aviv und nimmt an allen Vorgängen unseres Verbandes lebhaften Anteil. Er ist ihr Schriftführer. Wer von uns, die viele Jahre in Breslau gelebt haben, hat nicht die “Breslauer Zeitung” gelesen entweder täglich oder ihre Sonntagsausgabe. Mit welchem Interesse studierten wir die “Politischen Leitartikel” die uns immer ein genaues Bild über die Lage in der Welt gegeben haben. Als Schüler des bekannten Elisabet Gymnasium studierte er dann Geschichte und neuere Sprachen. Im 1. Weltkrieg nahm er als Frontsoldat teilö Er hat es verstanden, immer seinen Lesern ein genaues Bild über alles zu geben, was von Interesse war. Wie wir wissen verfolgte die Zeitung die Democratische Politik und es war ihm nicht immer leicht, in schweren Zeiten diese Linie seinen Lesern nahezubringen. Eine ganze Zeit war er Leitender Redakteur der “Breslauer Zeitung”. Nach der Arisierung übernahm er die Redaktion des “Jüdischen Gemeindeblattes” in Breslau und hatte eine ganz schwere Aufgabe zu bewältigen, da man seinen Artikeln auf Schritt und Tritt nachspürte. Im Jahre 1939 ging er als Emigrant nach Shanghai und auch dort betätigte er sich in der Emigranten Zeitung “Das Echo”. Im Lande Israel schrieb er beachtenwerte Artikel in der deutschprachigen Zeitung “Hakidma”. Wir wünschen unserem lieben “Maro” einen geruhsamen Lebensabend und denselben Optimismus, den er bis jetzt bewiesen hat. “Ad Mea Weesrim” in Gesundheit. Der Vorstand des Verbandes ehemaliger Breslauer 1. Vorsitzender Ernst Tauber Aut dem Friedhof Lohestrasse Weisser- Flieder — Die Vögel singen dir die Totenlieder Und über deinem Grabe blüht der Flieder! Nur, dass die Hände dir jetzt gebunden, Die feinen, weichen, die so schön gewunden Den weissen Flieder! Wenn alles singet, jauchzend klinget, Wenn durch die Wolken sich die Sonne ringet, Muss deine Schönheit dort im Finstern liegen, Indes sich über dir die Zweige biegen Von weissem Flieder! Die goldnen Locken — einstens deine Krone, Dein mildes Lächeln auf dem Hoheitsthrone — Dies alles — alles soll da unten modern, Man hört nicht mehr, wie deine Schmerzen lodern Unter dem weissen Flieder! BEGEGNUNGEN MIT LANDSLEUTEN (Fortsetzung von Seite 7) des Ratiborer Tierarztes Dr. Richard Froehlich, gesprochen unter den selbst gepflanzten Orangenbäumen klingen lange nach. Der Empfang kann nicht herzlicher sein. Die Strecke von Tel-Aviv zu der nahezu nur von Deutschen geschaffenen, 25 km entfernten Dorfsiedlung, deren Ernte genossenschaftlich bewirtschaftet wird, führt an Orangenhainen entlang, und immer wieder heisst es mit verständlichem Selbstbewusstsein: “Das war alles Sand, wir haben hier ganz von vorn anfangen müssen.” Neben dem eigenen Garten voller Orangen. Clementinen, Mandarinen, Zitronen, Mango- und Mispelbäumen erntet gerade der Nachbar zusammen mit seiner Frau, die aus dem schlesischen Städtchen Kätscher stammt, Erdbeeren. Diese sind für den Export nach Europa bestimmt und werden täglich ausgeflogen. Hier müssen wir die Reihe der Begegnungen abbrechen. Es wäre noch von einem gebürtigen Aussiger zu erzählen, der heute eine bedeutende Funktion bei der Histadruth, der mächtigen Gewerkschaftsorganisation des Landes innehat, von einem Brüxer Bürger, der im Handelsministerium in Jerusalem arbeitet, von einem hohen Ministerialbeamten des Auswärtigen Amtes, der sich als Brünner vorstellt. Als ich früh um sechs Uhr den Zubringer zu dem 20 km entfernten Flugplatz von Tel-Aviv besteige, steht plötzlich und völlig unerwartet der Sohn des Breslauer Einwanderers Julius Sachs, der in Schlesiens Hauptstadt eine angesehene Musikalienhandlung sein eigen nannte, neben mir und bringt mich zur Maschine. Der Staatsangehörigkeit gemäss ist es ein Abschied des Deutschen vom Israeli. In Wirklichkeit sagen sich aber zwei Landsleute, die die gleiche Muttersprache sprechen, die — nur auf unterschiedliche Weise — zu Vertriebenen aus der Heimat wurden, in neu erstandener Freundschaft herzlich auf Wiedersehen. I Welt der Musik j / Die schöne Schallplatte — / ) Interessante Neuerscheinungen — ) > Grösste Auswahl — J W. H. ROBERT ] \ RADIO UNION \ > 116 DIZENGOFF STR. TEL-AVIV J \ Tel.: 248526. \ > n 2 i a n j tr ) BÜCHER in sorgsamer und reicher Auswahl, hebräisch, englische und deutsch, neu und antiquarisch. LANDSBERGER Inh. I. S. PARNES TEL-AVIV, BEN JEHUDA STR. 9. Tel. 56330. n 2 i d nitf “Wer kann bezeugen, dass meine Schwester HILDE GOLDBERG (Tochter d. verst. Richard Goldberg aus Kempen) in den Jahren 1937—40 im Breslauer Jued. Krankenhaus arbeitete, dass mein Bruder MARTIN GOLDBERG sich in Steckelsdorf befand, wo er Ende Juli 1939 hingekommen war. dass meine Schwester RUTH, geb. 1924 in die Breslauer jüd. Volksschule ging. Alle drei Geschwister sind umgekommen. Antworten sind zu richten an Jakob Goldberg, Jerusalem, Giwat Schaul 20. b. CLARA SACHS (gest. 1934 in Theresienstadt) Gi. muzc?42P DEIN FEST — OB ZU HAUSE ODER IM SAAL — bei „TCHELET" GELINGT’S DIR JEDESMAL TEL AVIV Tel. 2 2 0 5 4 5 n 2 i ta n : t? 59, Sheinkinstr. 8