Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1966
- Issue
- No. 20 (September 1966)
- Date
- 1966-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 3115)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Kurt Matzdorf (HAIFA) s.A. Viele Bekannte und Freunde in Israel und in der weiten Welt, die diesen Nachruf lesen, werden erschüttert sein, dass unser lieber Kurt Matzdorff uns verlassen hat. Viel zu früh ist er heimgegangen. Eigentlich kein Breslauer, geboren in Posen, dieser bekannten jüdischen Gemeinde. Dort verbrachte er seine Jugend. Aus religiösem angesehenen Hause stammend, hat er sich schon als Schüler in jungen Jahren dem “Jüdischen Wanderbund Posen” zur Verfügung gestellt und wenn ich nicht irre, war er sein Mitbegründer. Ihm widmete er all seine freie Zeit und auch die, die er nicht hatte. Ich lernte ihn im Jahre 1919 in Posen kennen und sah mit eigenen Augen: Dort wo Kurt Matzdorff war, stand um ihn eine frische jüdische Jugend, die seinen Befehlen gehorchte, die ihm zugetan war, wie man es selten sieht. Sein Studium der Medizin führte ihn nach Breslau und Würzburg. Aber Breslau, ist ihm zweite Heimat geworden. Dort war er im V.J.A. Verband jüdischer Akademiker, dort war er im “Esra”, dem religiösen Wanderbund der “Madrich”, dort lebte, er, dort arbeitete er, dafür gab er alles her. Als Gynäkologe und Operateur am bekannten “Allerheiligen Hospital” erwarb er sich einen Namen, der weit dem entspricht, was ein Assistenzarzt sich erträumt. Dort lebte er bescheiden mit seiner Frau Gerda geb. Krieg aus Liegnitz, ganz aufgehend in seiner Arbeit und dem Glauben an die Jüdische Jugend. Streng religiös, hat er stets den anderen durch Liebe und seine Überzeugungskraft zu gewinnen versucht. Jedes scharfe Kampfmittel lag ihm fern. Seine Zionsliebe brannte in ihm von frühester Jugend und sie hat er anderen durch Vorträge und Lemabende zu vermitteln versucht. Die kleine Gemeinde Rosenberg Oberschlesien, in der der Unterzeichnete Prediger und Lehrer gewesen ist, hat durch den Einzug von Familie Matzdorff einen grossen Aufstieg erfahren. Es entwickelte sich dank seiner Mitarbeit ein reges jüdisches Gemeindeleben zu dem alle Nachbargemeinden am Sonntag nachmittag oder Abend strömten, wo Gemeindeabende, Vorträge und Feiern stattfanden. Wir hatten das Glück, auch einmal unseren hochverehrten Lehrer Rabbiner Dr. Simonsohn s.A. in unserer Gemeinde zu sehen, wo mehr als 150 Menschen aus den Kleingemeinden erschienen waren, um seinen Auführungen zu lauschen. Das städitsche Krankenhaus in Rosenberg 0/S. erhielt einen besonderen Ruf durch die Operationen von Dr. Kurt Matzdorff und es war nicht mehr nötig, lebensgefährdete Patienten 30 bis 40 Kilometer in schlechten Ambulanzen zu transportieren, was oft zu spät war. Trotz seiner grossen Praxis in Rosenberg und der ganzen Umgebung — er war dauernd unterwegs — fand er sich jeden Schabbath zum Gttesdienst ein und sorgte für reges kulturelles Leben. Wie oft wurde er aus dem Gttesdienst zu schweren Fällen herausgerufen. Sein “Neilah” Gebet am Jom Kippurer betete meistens Neilah — zeugte von tiefer Frömmigkeit und der Klang seiner Stimme verlässt mich nicht auch heute nach 30 Jahren in Israel, immer wenn ich mit der Gemeinde Neilah bete. In Haifa war er der beliebte und bekannte Frauenarzt und Helfer während 30.Jahren und seine Bestattung legte Zeugnis ab von der Wertschätzung, die er genoss. Seine Liebe galt seiner Gattin ad mea weesrim, die ihm die letzten Jahre seiner Krankheit beste Kameradin und Helferin war, seinen Kindern und Enkeln. Die Tochter ist in Haifa verheiratet und der Sohn “Esra”, genannt nach dem religiösen Wanderbund Esra, ist im Kibbuz “Schluchoth”, einem der bekannten religiösen Kibbuzim des Landes. Am Grabe sprach Erich Elieser Lewin Worte Marie Hirschberg s.A. Vor einigen Wochen haben wir hier in Tel-Aviv Frau Marie Hirschberg, geborene Ritter, zur letzten Ruhe gebettet. Sie ist in gesegnetem Alter im Hause ihrer Tochter Dita Ehrlich, wo sie zu Besuch weilte, sanft entschlafen. Frau Marie Hirschberg war die Witwe des bekannten Justizrats Hirschberg, der allzufrüh in Breslau heimging, und der für die Synagogengemeinde Breslau unendlich viel geleistet hat in all seinen Gremien und seinen verschiedenen Commissionen. Die Heimgegangene stammt aus der bekannten Familie Ritter aus Oels i. Schlesien, die das bekannte und grösste Kaufhaus am Ort hatte. Das Haus Justizrat Hirschberg war in Breslau Mittelpunkt jüdischen Gemeindelebens. Beide Söhne stellten sich schon in ganz jungen Jahren wie der Vater der jüdischen Gemeinschaft zur Verfügung und gründeten den jüdischen Wanderbund “Kameraden”. Sie haben die Liebe zum Judentum aus ihrem Elternhause mitgebracht. Erst im Jahre 1939 verliess Frau Hirschberg mit ihren Kindern Breslau und eröffnete damals schon im Alter von 60 Jahren eine Pension in Santiago (Chile). Ganz neu hat sie angefangen, aber ihre starke Aktivität, ihre immense Arbeitskraft, nicht rückwärtsschauend, was einmal gewesen ist, befähigte sie das zu vollführen. Ihr Sohn Dt. Hirschberg war lange Jahre Vorsitzender und “der Mann” der jüdischen Gemeinde Santiago, insbesondere der Auswanderer aus Mitteleuropa. Im Jahre 1952 ging sie mit ihrem Sohn, Schwiegertochter und deren Familie nach Israel, nachdem schon Familie Ehrlich und deren Kinder vorausgegangen waren. Hier lebte sie mit ihrer Tochter Dita — der Schwiegersohn Adolf Ehrlich, der bekannte und beliebte Hilfskantor der Gemeinde Breslau “Storchsynagoge” und dann Santiago, starb gerade in der Woche, wo Hirschbergs einwanderten — und ihren Enkelkindern in dem bekannten religiösen Kibbuz “Saad”. Sie hat 2 Söhne und eine Tochter verloren und hat diese schweren Schicksalsschläge mit Gttvertrauen ertragen. Bis in die allerletzte Zeit war sie rührig, lebte in dem bekannten Altersheim “Beth Gila” von Frau Paula Barth, aber umgeben von der Liebe der Tochter, von Enkeln und Urenkeln und korrespondierte noch am letzten Tag mit Verwandten. Die Bilder in ihrem Zimmer zeigten ein lebendes Stück jüdischer Geschichte der Gemeinde Breslau. Erich Elieser Lewin Salo A. Sklarz s. A. Dem würdigen Nachruf von Erich Lewin möchten wir einige wenige Worte .hinzufügen. Salo Sklarz und seine Frau sind uns hier Freunde geworden, wie man nur wenige in der Emigration gefunden hat. Und das obwohl wir ihnen gegenüber beinahe Ungläubige sind. Was für ein toleranter freundlicher und humorvoller Mann ist Dr. Sklarz gewesen. Seine Güte ebenso wie sein herzliches Lachen werden wir nie vergessen. LISA u. FRED BECKER der Würdigung und des Abschieds von diesem teuren Freund. Möge ihm die Erde unseres heiligen Landes leicht sein. Sein Andenken wird uns Richtschnur sein in unserer Arbeit. Er bleibt bei uns unvergessen. Erich Elieser Lewin Friedhofs-Inspektor Louis Neumann s. A. Vor wenigen Monaten ist in Montevideo, wo er aus Jerusalem zu seinen Kindern gefahren ist, Ludwig Neuman verschieden. Wer hat in Breslau diesen stattlichen, gut aussehenden Mann nicht gekannt. Wer hat nicht gewusst, dass Ludwig Neuman weit über sein Amt als Friedhofsinspektor in Stunden schwerster Erschütterung den Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite stand. Wurde er in Todesfällen gerufen, so hat er alles erledigt, Trost zugesprochen, alle Formalitäten erledigt oder erledigen lassen, Wege gewiesen, mit den zuständigen Stellen verhandelt und eben den Leidtragenden alles abgenommen, was in solch schweren Stunden Aufgabe der Nächsten ist, die nicht in der Lage sind, dies alles zu erfüllen. Schon im den Jahren 1920 etc., als die Lage in der Gemeinde und im allgemeinen schwer gewesen ist, hat er den Verein “Gemiluth Chasadim umischan Awelim” gegründet in einer Zeit, wo er noch Kaufmann war und nichts mit dem Amt eines Friedhofsinspektors zu tun hatte. Die Gründer sind ausser ihm Heinrich Sichel s.A., und Ludwig Ludnowsky “ad mea weesrim,” der heute in Israel lebt. Die ersten Vorstansdmitglieder waren Isidor Lichtenberg S.A., Gustav Unikower s.A. und die Herren Paul Seidmann “ad mea weesrim,” der heute in Haifa lebt und Ismar Schüftan “ad mea weesrim,’ der in Santiago (Chile) lebt. Was diese Vereinigung aufgetan hat, ist in kurzen Zeilen nicht zu beschreiben. 2 Mal im Jahr zu Pessach und Rosch Haschanah wurden Pakete an Bedürftige verteilt, Darlehen gewährt und bei “Schiwah” wurde ein Minjan gestellt, Sefer Thora Siddurim und Kle Kodesch gebracht. 2 Büchsen sind in jedem Trauer- Haus aufgestellt worden, die eine mit Geld offen und die zweite geschlossen auch mit einem Geldbetrag. Bei Abholung der Büchsen musste die geöffnete leer sein, dJi. man war gezwungen den Geldbetrag entweder in die geschlossene Büchse hineinzulegen oder wenn es nötig war, ihn für eigene Zwecke zu verwenden. Da die Büchsen immer erst nach mehreren Runden geöffnet wurden, so konnte man nie feststellen, wer das Geld benützt hat bezw, wer zu dem Betrag in der geschlossenen Büchse noch Geld hinzugefügt hat. Das war “Matan Besether” im wahrsten Sinne. Louis Ludwig Neumann war immer zur Stelle, wo und wann man ihn brauchte. Ob er in Versammlungen erschien, in der Vorstandssitzung des Vereins sein gewichtiges Wort sagte, ob er genau auf die Minute das Zeichen gab zum Beginn der Beerdigung, bei Überführungen etc.: Es war eine Beruhigung mit ihm zu verhandeln. Wie er im Zylinder, schwarzen Anzug erschien, strahlte von ihm eine Wärme aus, die gerade in solchen Momenten wichtig gewesen ist. Nicht etwa gestellte Pose oder Amtsmiene, die dazu gehörte. Hier schlug ein warm fühlendes jüdisches Herz. Vor vielen vielen Jahren starb ein einsamer junger Mensch, der keine Angehörigen hatte, sehr jung und man wusste, dass ein Verwandter in Amerika Geld für einen Grabstein hinterlegt hatte. Die Beerdigung war würdig. Rabbiner Moses Hoffmann s.A. sprach in der Halle vom “Meth Mizwah”, sie war ziemlich stark gefüllt von Bekannten und Freunden und Louis Neumann ruhte nicht, bis nach einem Jahre die “Mazewah” gestellt wurde. So hat er sich für alles interessiert. So lebte er in der Gemeinschaft für die Gemeinschaft, so lebte er mit Frau und Kindern und der weiteren Familie. Wer einmal die Geschichte der jüdischen Gemeinde Breslau schreibt, darf Friedhofsinspektor Ludwig Neumann nicht vergessen. Sein Beruf war ihm Berufung. Erich Elieser Lewin 9 *