Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1966
- Issue
- No. 20 (September 1966)
- Date
- 1966-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 3110)
- Language
- German
- Belongs to
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Erinnerungen eines Breslauer Anwalts Wenn man an die Breslauer Anwaltschaft zurückdenkt, ist es unvermeidlich, zuerst an Geheimrat Heilberg zu denken. Er war ohne Frage der Führer der Breslauer Anwaltschaft. Heilberg, mit seinem wallenden schwarzen Bart, Sommer und Winter ohne Hut, war schon äusserlich eine imponierende Erscheinung. Er besass eine unglaubliche Arbeitskraft. Er war politisch sehr tätig, ewiger Kandidat der chwachen “Freisinnigen Volkspartei” für den Reichstag, Stadtverordnetenvorsteher, Vorsitzender der Anwaltskammer und als einziger Jude und als einziger Anwalt Mitglied der Prüfungskommission für Referendare. Und daneben hatte er eine umfangreiche, sehr angesehene Praxis am Oberlandesgericht. Aber natürlich ging der “übliche” Antisemitismus an ihm nicht vorbei. Als zu Ehren von Heilberg einmal ein Festessen bei Hansen stattfand, schrieb ein Kollege aus einer kleinen Stadt, dass er einen Platz reserviert wünsche, aber nicht neben einem jüdischen Kollegen. Der sehr witzige und geistreiche arische Kollege Quabbe, der master of ceremonies war, antwortete ihm sarkastisch “Zu schade, ich hatte gerade einen Platz neben Geheimrat Heilberg für Sie freigehalten”. Im Oberlandesgericht am Ritterplatz herrschte immer eine feierliche würdige Stille. Unter den dort zugelassenen Anwälten waren eine ganze Anzahl ausgezeichneter Juristen. Ganz anders ging es am Amts-und Landesgericht zu. Das Anwaltszimmer war ein Taubenschlag, wo Anwälte dauernd ein-und ausgingen und zu Zivil-oder Strafsachen gerufen wurden und viele Klienten sich vor der Tür sammelten und auf ihre Anwälte warteten. Das politische Gegenstück von Heilberg war Eugen Bandmann am Landgericht. Er war frühzeitig Sozialdemokrat, zu einer Zeit, als es noch sehr imgewöhnlich für einen Anwalt war, zur Arbeiterpartei zu gehören. Er dokumentierte seine Gesinnung auch, indem seine Akten rote Aktendeckel hatten. Als die Sozialdemokraten ans Ruder kamen, wurde er an Stelle von Heilberg Stadtverordnetenvorsteher. Bandmann hatte trotz seiner starken politischen Betätigung und einer grossen Praxis immer Zeit zu witzigen Bemerkungen im Anwaltszimmer. Ich erinnere mich, wie er zu einem jungen Kollegen, der an seinem Schild zu der Zulassund am Amts- und Landgericht in grossen Buchstaben hinzufügte-zugelassen am Finanzamt 1, 2, und 3, äusserte: “Sie haben vergessen zu erwähnen, dass Sie auch bei der Synagogengemeinde zugelassen sind”. Sehr oft liessen die Anwälte im Anwaltszimmer ihren Geist sprühen. Die jüdischen Anwälte waren sehr in der Majorität. Allein von Cohns hatten wir den alten sehr klugen Emanuel Cohn, Siegmund Cohn, Julius Cohn, Fritz Cohn und manche andere Cohns. Besonders erinnerlich ist Isidor (allgemein genannt Ickel) Cohn, der durch seinen trockenen Witz bekannt war. Da seine Praxis nicht gross war, hatte er viel Zeit, mit seiner sehr eleganten Frau, die 2 Köpfe grösser war als er, spazieren zu gehen. Sie waren ein ulkig aussehendes Paar. Ickel platzte einmal in eine Verhandlung hinein mit der Frage: “Wo hält man”? El verteidigte einmal eine Mutter, die wegen Misshandlung ihres Kindes zu einer hohen Strafe verurteilt worden war. Der Richter bemerkte in seinem Urteil: Strafschärfend kam in Betracht, dass die Angeklagte keine Reue zeigte. Ickel gab seiner Klientin den Rat, bei der Verhandlung vor dem Berufungsgericht ununterbrochen zu weinen. Unter dem Schluchzen der Klientin begann Ickel seine Verteidigungsrede: Der erste Richter hat gerügt, dass die Angeklagte keine Reue gezeigt hat. Sie holt das in zweiter Instanz nach. 4 > von DR. FRED SINGER ) > (früher Rechtsanwalt in Breslau) l S Präsident der Society of Friends from Breslan S NEW-YORK < Bis ca. 1920 stand der alte Justizrat Schreiber als Strafverteidiger im Vordergründe. Er war ein grossartiger Redner und verstand es mit grosser Geschicklichkeit Geschworene zu beeinflussen. Er pflegte, ehe er in die Sprechstunde ging, in der Conditorei von Wende auf der Junkern-Strasse Skat zu spielen. Eines Tages, so wurde mir erzählt, kam der Bürovorsteher aufgeregt zu Wende mit der Meldung, das Wartezimmer sei voll. Schreiber antwortete ruhig: “Lassen Sie die Leute warten. Sie sollen sich ans Sitzen gewöhnen.” An der Spitze der Breslauer Verteidiger stand ohne Frage Justizrat Mamroth, der nationalen Ruf besass. Er war auch einmal in der “Woche unter den bedeutendsten Anwälten Deutschlands abge- Einer der dem Breslauer Theaterleben viele köstliche Stunden verdankt, sah in verschiedenen Theaterbüchern Namen von Künstlern, die auch in Breslau gewirkt haben. So wollte er diese noch einmal im Gedächtnis festhalten und sich vergegenwärtigen, dass sie auch bei vielen Lesern noch unvergessen sind. In diesen Namen spiegelt sich eine bis heute lebendig gebliebene Epoche des Breslauer Theaters und seiner Geschichte. Wenn wir die Namen lesen, gedenken wir der Persönlichkeiten und ihrer Erfolge, ihrer Rollengestaltung und der glanzvollen Premieren. Ihre Künstlerschaft ist vielen von uns ein Begriff geworden und geblieben. Wie haben sie uns lachen und weinen gemacht, diese Menschendarsteller, die uns die grössten Werke der Meister der Literatur und Musik vermittelten! Sie haben uns gezeigt, was höchste Kunst ist oder wie tief Musik in die Seele der Menschen eindringen kann. Sie haben uns beglückt, wenn sie da oben auf der Bühne standen, sie haben nicht nur unterhalten — sie haben gelehrt. Ein wertvolles Theaterbuch über das Mannheimer National-Theater, verfasst von Dr. LEOPOLD STAHL, das ein Jahrhundert deutscher Theaterkultur umspannt, enhält u.a. auch die Namen vieler Breslauer Kuenstler. Dass HUGO ROEHR, der spätere Dirigent der Münchner Staatsoper, auch in Breslau gewirkt hat, duerfte vielen nicht bekannt sein. Dann finden wir als geborenen Breslauer einen Schauspieler EMIL RECHT, der später in Mannheim Schwankrollen spielte, denen er Seele gab. — Ein berühmter Wotan — bereits bei uns in Breslau — war H. MOIIWINKEL (Bariton). Dieser Sänger, wie berichtet wird, wurde der wildesten Orchesterbrandung mit Leichtigkeit Herr. — Zur gleichen Zeit wirkte MELLA FIORA als souveräne Beherrscherin der französisch-italienischen Spieloper in Breslau. Wir erfahren, dass sie als Darstellerin anmutig, natürlich, intelligent, humor- und temperamentvoll war, als Sängerin meisterhaft geschult, stimmlich von angenehmen Wohllaut und grosser Elastizität. Ihr Gatte war Kapellmeister LEOPOLD REICHWEIN, ein berühmter Opemdirigent der neunziger Jahre (ca. bis 1905) in Breslau. Reichwein dirigierte in Breslau 1894 die erste Aufführung von Humperdincks “HAENSEL UND GRETEL”, Frau Mella war das ”GRETEL“. Sie gingen von Breslau nach Mannheim. — übrigens ist Reichwein auch als Opemkomponist in Breslau bekannt. Seine Oper “DIE LIEBENDEN VON KANDAHAR” mit unserem unvergessenen FRITZ- TROSTORFF in der männlichen Hauptrolle, hat der Schreiber dieses Berichtes gesehen. Eine bildet. Mamroth schrieb einen Commentar zur Strafprozessordnung, der allgemein benutzt wurde Viele haben Glossen darüber gemacht, dass er schon durch seine Eleganz aufzufallen suchte. Er trug Anzüge von dem selbst sehr eleganten Wiener Schneider Herschan ging fast immer mit einem Cylinder, Handschuhen, geschniegelt und gebügelt und fuhr gern im Taxameter.” Es wäre unfair, von den zahlreichen Civilrechts-Spezialisten, die umfangreiche Praxen hatten, irgenwelche Namen herauszugreifen. Diese beschäftigten Anwälte bevölkerten tagtäglich das Anwaltszimmer, und wenn sie sich auch vor Gericht befehdeten, so herrschte doch im Anwaltszimmer eine gemütliche unvergessliche Atmosphäre. Es wurde noch gemütlicher, wenn jeden Mittag ausgezeichnete koschere Würstchen von Nebel -oder waren sie von Grünpeter?- geliefert wurden, die sogar auch den christlichen Kollegen schmeckten. zweite Oper “VASANTASANA” (indisches Kolorit) wurde ebenfalls bekannt. Als Darsteller mit ganzem Einsatz fiel am LOBETHEATER einst RUDOLF AICHER auf, ein begabter Schauspieler mit starker persönlicher Note. Als “jugendlichen Helden” finden wir den späteren Mannheimer Intendanten ALFRED BER¬ NAU 6 Jahre lang in Breslauer Schauspiel hervorragend tätig. Interessant ist eine kleine Notiz, nach der Breslau (nur im Opernbetrieb) in dieser Zeit -etwa 1914- 80.000 Mark für den Bedarf an Ausstattung jährlich auf wenden durfte! Ein junger Küenstler kam von der Münchner Staatsoper und bedeutete eine immens wertvolle Bereicherung des Breslauer. Ensembles unter Dr. Theodor Loewe. Es war WALTER GUENTHER- BRAUN. Viele Leser werden sich an seinen Walter Stolzing (MEISTERSINGER) mit Entzücken erinnern. Neben GUENTHER-BRAUN war ARTHUR CORFIELD-MERCER ein glanzvoller Tenor bei uns in Breslau, ein geschmackvoller routinierter Sänger. FRANZ SIOLI ist vielleicht manchen Theaterfreunden der Zeit bis 1910 als wertvolle Schauspielkraft lebhaft im Gedächtnis. Er ging später als Intendant nach Mannheim. — Ab 1926 finden wir die Sängerin MARIANNE KEILER in Soubrettenrollen in Oper und Operette. Auch ADOLF LOELTGEN ist im Heldentenorfach der Breslauer Oper bemerkenswert. Kapellmeister FELIX WOLFES, ein Breslauer Kind, war Assistent unter PRUEWER und dass auch FURT- WAENGLER in Breslau als Solo-Korepetitor angefangen hat, dürfte bekannt sein. Wer erinnert sich noch der Balletmeisterin FERNANDE ROBER¬ TINE, die gutes Ballet auf die schönen Beine stellte? Und als heiteren Abschluss dieser kleinen Reportage nenne ich TRUDE REITER, Tochter des bestbekannten Mannheimer Regisseurs, Emil Reiter, die als gefeierte Operettensängerin am Breslauer Schauspielhaus wirkte und unvergessen ist. Eine entzückende Persönlichkeit voll von natürlichem hinreissenden Charm. Wir haben sie alle noch gesehen, nicht wahr? Wir applaudierten wie toll! Julius SACHS BEI KÄUFEN BITTEN WIR, UNSERE INSERENTEN ZU BERÜCKSICHTIGEN! BRESLAUER THEATERNAMEN AUCH ANDERWÄRTS BERÜHMT