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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1966-09-01 · No. 20 (September 1966) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1966
Issue
No. 20 (September 1966)
Date
1966-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3109)
Language
German
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Die Vorfahren der Familie Pringsheim (Zur Geschichte der Juden in Bernstadt) Zu den bekanntesten jüdischen Familien Schlesiens gehört die Familie Pringsheim, deren Angehörige sich durch ihre Betätigung im geistigen und kulturellen Leben Deutschlands einen Namen erworben haben. Diese Familie stammte aus dem kleinen schlesischen Städtchen Bernstadt (b.Oels), aus dem auch der Maler Ludwig Meidner (1884- 1966) und der Prediger am Hamburger Tempel Israel (Eduard) Kley (1789-1867) stammten. In Bernstadt sind bereits im Mittelalter (1350) Juden nachweisbar gewesen. Aber diese Siedlung ist im 14. Jahrhundert wohl aufgelöst worden. Erst im 17. Jahrhundert gab es wieder Juden im Herzogtum Bernstadt. Die Gemeinde war sehr klein und zählte 1751 nur drei tolerierte Familien. Im Jahre 1753 liess sich der älteste feststellbare Vorfahre der Familie Pringsheim in Bernstadt nieder, nämlich Menachem Mendel ben Chajim (in den Akten Mendel Jochem genannt). Er dürfte bereits als wohlhabender Mann nach Bemstadt gekommen sein, da er sonst wohl kaum die Niederlassungsgenehmigung und die Pacht des dortigen Schlossbrauausschanks erhalten hätte. Ein weiterer Beweis für seinen Reichtum und für seine angesehene Stellung unter seinen Glaubensgenossen ist die Tatsache, dass er bald Vorsteher der kleinen Gemeinde wurde. In dieser Eigenschaft unterschrieb er (wie seine Mitvorsteher in hebräischen Schriftzeichen) eine an die Behörden gerichtete Eingabe der Gemeinde wegen der Anstellung eines Gemeindekrankenwärters an erster Stelle. JÜDICHE AERZTE IN BRESLAU (Fotsetzung von Seite 2) lege, der im wirtschaftlichen Kampf der Breslauer ärztlichen Gemeinschaft in vorderster Reihe stand und sich in diesem Kampfe besondere Verdienste erworben hat, hier in der Nähe von New York lebt: Dr. Reinhold Kutner. Ich habe ihn wiederholt hier getroffen und die geistige Frische des jetzt 86 jährigen bewundern können. Es bedürfte mehr als des Umfangs einer ganzen Ausgabe dieses Blattes, um alle die ärztlichen Persönlichkeiten nennen und schildern zu können, denen ich in meiner fast 40 jährigen beruflichen Tätigkeit in Breslau begegnet bin. Nicht alle standen mir persönlich so nahe wie die beiden hervorragenden Kinderärzte Weigert und Steinitz, mit denen mich, den Studenten, bereits Freundschaft verband, als sie an der Universitäts — Kinderklinik Assistenten des genialen Czerny waren. Aber auch mit nicht wenigen der anderen jüdischen Ärzte verband mich ein nahes Vertrauensverhältnis. Viele von ihnen bewunderte ich wegen ihres Wissens, ihrer ärztlichen Fähigkeiten, ihrer steten Hilfsbereitschaft und Gewissenhaftigkeit und, nicht zum wenigsten, wegen ihrer grossen menschlichen Qualitäten. Es waren gerade diese den jüdischen Arzt auszeichnenden Züge, die von nichtjüdischen Patienten besonders geschätzt wurden. Eine wahre Begebenheit charakterisiert in ihrer Kindlichkeit wohl am besten, was ich oben sagte. Nach der Vertreibung aus unserem schönen Krankenhause war die chirurgische und gynäkologische Abteilung nach mehrfacher Wanderung in einer Privatklinik in der Viktoriastr. für eine gewisse Zeit zur Ruhe gekommen. Von einem Ausgange zurückkehrend erzählte mir eine Stationsschwester, sie sei unweit der Klinik hinter zwei etwa zehnjährigen Jungen hergegangen, deren in lautem Ton geführtes Gespräch sie interessierte, da es von Ärzten handelte. Dabei hörte sie folgende Worte: “Und wenn du einen guten Arzt haben willst, musst Du zu einem jüdischen gehen”. Ich glaube, ich brauche nicht mehr zur Ehre meiner jüdischen Kollegen zu sagenÄ. von DR. B. BRILLING, Münster Nach einem Bernstädter Juden Verzeichnis vom Jahre 1761 besass er ein kleines Häuschen, und zwar ein sogenanntes “Freihaus”, das er zusammen mit seinem Bruder, dem Oelser Hofjuden und Schankpächter Meyer Jochem, auf einer unbebaut gewesenen Brandstelle für über 1500 Rtlr. errichtet hatte. Solche Häuser konnten Juden im friderizianischen Preussen mit besonderer Genehmigung erwerben. In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1764 heisst es von ihm: “Mendel Jochem, Brau Urbahrs Arendator, wohnet schon allhier 11 Jahr, seine Familia bestehet aus ihm, seinem Weibe, seinem Sohn und Tochter, so noch unmündig.“ Am 11. Juni 1765 erschien eine preussische Kabinettsorder, durch die alle jüdischen Branntweinpachtungen in den akzisbaren Städten aufgehoben wurden. Allerdings wurden damals die beiden Brüder Meyer Jochem (Pringsheim) in Oels und Mendel Jochem (Pringsheim) in Bernstadt dadurch vor dem Verlust ihrer Pachtung geschützt, dass sich lt. einem Entscheid der Breslauer Kammer vom 22. Oktober 1768 das Verbot nicht auf diese beiden herzoglichen Schutzjuden beziehe, da diese ihre Schänken auf den Schlossdominien in Oels und Bemstadt, die sich ausserhalb dieser Städte auf dem flachen Land befänden, gepachtet hätten. Im Jahre 1780 wurde Mendel Jochem dennoch zur Aufgabe der einträglichen Branntweinpacht gezwungen. Dies geschah aufgrund der am 8. März 1780 erlassenen königlichen Verordnung, “dass die von Adel auf ihren Gütern sich weiterhin keiner Juden bei ihren Oekonomien und Wirtschaftsangelegenheiten bedienen, sondern dass die in Schlesien tolerierten Juden sich lediglich mit. dem Commercio und Handlung beschäftigen sollen.” Diese Verordnung wurde heftig bekämpft, aber alle Proteste von jüdischer und nicht jüdischer Seite halfen nichts. Mendel Jochem selbst nahm als Delegierter an einem speziell einberufenen Gemeindetag der schlesischen Landjudenschaft teil, der eine Delegation in dieser Angelegenheit nach Berlin entsandte, die aber nichts ausrichtete. Erst nach dem Tode Friedrichs d. Gr. wurde diese Verordnung i.J. 1787 wieder aufgehoben. Aber trotz der kurzen Geltungszeit dieses Ediktes hatten seine Auswirkungen das wirtschaftliche Gefüge besonders der schlesischen Landjudenschaft, dji. der schlesischen Juden, die ausserhalb der drei Städte Breslau, Glogau und Zulz wohnten, erschüttert. Zu den Juden, die sich damals “umschichten” mussten, da ihnen ihre bisherige Existenzgrundlage durch dieses Edikt genommen wurde, gehörte auch Mendel Pringsheim. Er musste die Pacht des Schlossbrau-Urbars, die er 27 Jahre hindurch innegehabt hatte, aufgeben und zum Handel übergehen. Am 29. September 1780 bat er die herzogliche Regierung um die Handelsgenehmigung in Bernstadt, die ihm auch vom Herzog anstandslos erteilt wurde. Wie angesehen er beim Herzog war, ergibt sich auch daraus, dass er auf herzoglichen Befehl von der Zahlung des Schutzgeldes, das sonst alle Juden zu entrichten hatten, befreit wurde, wahrscheinlich gegen Erlegung einer einmaligen Abstandssumme. Auch in seinem neuen Beruf als Handelsmann scheint sich sein Vermögen nicht gemindert zu haben. Er hielt sich (1783), wie alle wohlhabenden Juden seiner Zeit, für seine 8 Kinder. (6 Söhne und 2 Töchter) einen eigenen jüdischen Hauslehrer, sowie eine jüdische Köchin. Als im Jahre 1784 bei den reichsten Mitgliedern der jüdischen Landgemeinde (d.h. der als besondere Gemeinde anerkannten schlesischen Landjudenschaft) eine Umlage erhoben wurde, um die alten Schulden dieser Gemeinde zu decken, wurde aus Bernstadt ursprünglich nur Mendel Jochem Pringsheim mit einem Betrage von 50 Rtl. herangezogen, zu den später aus Bernstadt nur noch ein weiterer Jude namens Salomon David mit einem Betrage von 20 Rtl. trat, über das Vermögen Mendel Jochems gibt diese Umlage Auskunft, denn eine Bemerkung sagt dort: “Mendel Jochem hat nach Anzeige des Magistrats 1300 und des (Juden-) Toleranzamtes 1500 Rtlr. Vermögen.” Nach der Aufhebung des Verbotes der Branntweinpachtungen an Juden im Jahre 1787 scheint Mendel Pringsheim wieder zu seinem alten Beruf zurückgekehrt zu sein. In seiner Todesanzeige wird er ausdrücklich als Brau-Urbars-Arrendator genannt. Wie wichtig seine Person war, ergibt sich daraus, dass bei der herzoglichen Kammer sein Tod besonders angezeigt wurde, und zwar in folgender Form: “Berstadt, den 22. August 1794 Einer Hochwohllöbl. Herzogi. Cammer zeige hierdurch unterthänigst an, dass gestern abend um 9 Uhr der hiesige Brau Urbars Arrendator und Besitzer eines Freyhauses in der Stadt allhier, Mendel Pringsheim, jähling gestorben ist. Kühnei. ” In dieser Urkunde wird zum erstenmal der Familienname Pringsheim in den Akten erwähnt, für den bisher noch keine Erklärung gefunden werden konnte. Alle heutigen Träger dieses Familiennamens sind Nachkommen dieses Mendel Jochem Pringsheim aus Bemstadt, da sein Bruder Meyer Jochem in Oels kinderlos war. Bereits 1812 gab es zahlreiche Nachkommen des Mendel Pringsheim in Schlesien. In der Liste der Juden der Regierungsbezirke Breslau und Oppeln, die 1812 gemäss dem Emanzipationsgesetz preussische Staatsbürger wurden und dabei einen festen Familiennamen annahmen, sind 7 Träger des Familiennamens Pringsheim verzeichnet, die alle bereits selbst Familienväter waren. Davon lebten vier in Bernstadt (Witwe Mendel Pringsheim sowie ihre Söhne Joseph, Löbel und Meyer), zwei in Oels (Witwe Rebecca Mendel oder richtiger Witwe des Meyer Pringsheim und Heymann) und einer (Löbel Pringsheim) in Strehlitz (Krs. Namslau). Mendel b. Chajim Pringsheim ist auf dem Alten Friedhof der Bernstädter jüdischen Gemeinde, wo ich seinen Grabstein noch 1934 gesehen habe, beigesetzt worden. Dieser erste Friedhof der Bernstädter jüdischen Gemeinde, der sich mitten im Wald in der Nähe der Ortschaften Minken und Mühlatschütz befindet, wurde von 1769 (?) bis ungefähr 1900 benutzt. Die den Friedhof umgebende Mauer nebst dem Leichenhaus ist, wie folgende Inschrift zeigt, 1847 von einem Nachkommen des Mendel Pringsheim, von dem aus Bernstadt stammenden Emanuel (= Mendel) Pringsheim in Oppeln, gestiftet worden: “Dem Verdienste seine Kronenl Das Haus und die Friedhofsmauer zu Ehren der hier selig Ruhenden erbaut von Herrn Emanuel Pringsheim 5607 aus Oppeln 1847.” 1812 nahmen die Bernstädter Juden folgende Familiennamen an: Baum, Block, Brauer, Brühl, Fröhlich, Goldstein, Gottheiner, Gross, Heilborn, Jaffa, Kley, Kohn, Ledermann, Lewy, Meidner, Praschnin, Pringsheim, Rüben, Sachs, Seidner, Siegheim, Warschauer, Winternitz und Zender. Die Namen dieser Familien konnte man damals noch auf den Grabsteinen des Alten Friedhofs wiederfinden. Ob er heute noch besteht, ist mir nicht bekannt. 3

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