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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1966-05-01 · No. 19 (Mai 1966) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1966
Issue
No. 19 (Mai 1966)
Date
1966-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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EIN WENIG KUET UMS OPEHNPULT (Gedanken um den Opemdirigenten) In meiner Geburtsstadt Breslau war das Musikleben auf allerhöchster Stufe. Namen wie MAX BRUCH, RAPHAEL MASZKOWSKI, DAM- ROSCH, BERNHARD SCHOLZ, GEORG DOHRN als Konzertdirigenten, ALFRED HERTZ, MICHAEL BALLING, LEOPOLD REICHWEIN, JULIUS PRUEWER, LEOPOLD WEINTRAUB als Opemdirigenten bestätigen diese Tatsache. Ich besuchte Opernaufführungen seit meiner frühen Jugend, und sie haben stets einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht. Vor allem empfand ich, dass von der Tätigkeit des jeweiligen Dirigenten eine besondere Ausstrahlung auf die Bühne ging. Alles, was vom Dirigentenpult aus geschah, verfolgte ich mit enormer Spannung und höchstem Interesse. Bald waren mir die Tempi des Dirigenten bekannt, seine Art zu dirigieren fesselte mich. Wie er den gesamten Bühnenapparat und gleichzeitig das Orchester beherrschte, wie er Zeichen und Einsätze gab, wie rhytmische Präzision, Klangempfinden und Führung des Melos zu einem Grossen-Ganzen zusammenschmolzen, das zu beobachten ist bis heute das grösste Erlebnis im Musiktheater für mich geblieben. Daneben interessierten mich der Bühnentelegraf und andere musikalisch-technische Dinge am Opernpult. Die eigenartige Stimmung vor Beginn der Ouvertüre, wenn die Musiker ihre Instrumente stimmen, wenn die Lichter langsam verlöschen, wenn der Dirigent an das Pult tritt und die allerletzten Anordnungen gibt — diese Atmosphäre, die eine Art Theaterfieber hervorruft, tritt nun in Erscheinung. Und besonders dann, wenn die Persönlichkeit des Kapellmeisters voll überzeugt, wenn sie für sich gewinnt und entzündet. Immer hat es ja Dirigenten gegeben, die mit dem Werk und seiner Musik Wesentliches auszudeuten vermochten. Bei den oben genannten Dirigenten war dies ganz bestimmt der Fall. In Breslau bestand jahrzehntelang ein eigenes Konzert-Orchester, nämlich die Schlesische Philharmonie, eng verbunden mit der Breslauer Singakademie, das Stadttheater (Opernhaus) hatte sein eigenes hervorragendes Opernorchester. Oper und Konzert waren — was die Dirigenten anbelangt — seit den neunziger Jahren personell völlig getrennt. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Denn die Aufgaben des Theaterkapellmeisters sind ja wesentlich andere als die eines Konzertdirigenten. Der Operndirigent muss vor allem Sinn für dramatisches Geschehen besitzen, er muss die Eigenart der Bühne kennen, er muss dem Operngesang voller Verständnis gegenüberstehen und er muss auch in der Lage sein, unvorhergesehene Situationen des Bühnenablaufs abzufangen und unbemerkt in Ordnung zu bringen. LEOPOLD WEINTRAUB, der in den neunziger Jahren der führende Operndirigent in Breslau war, besass, wie mein Vater — der zu dieser Zeit bei Direktor Dr. Loewe Theaterarzt war — mir oft erzählte, alle diese Eigenschafften. Er war Theatermann durch und durch, ihm fehlte nicht die leidenschaftliche Hingabe und die Besessenheit zur Oper. — Auge, Suggestion, Ausstrahlung, Geistesgegenwart, Geste und Schlagtechnik gehören nun einmal zu den Forderungen, die man an den leitenden Mann des Opernorchesters stellt. Hierin war auch LEOPOLD REICHWEIN vorbildlich, den sich später Intendant Dr. HAGE¬ MANN nach Mannheim holte. — Mit all diesen Eigenschaften verstand es ebenfalls MICHAEL BALLING, den Kontakt zwischen Partitur und Bühne herzustellen, das heisst, das auf die Szene zu projizieren und zu zaubern, womit der Komponist die Handlung und die agierenden Personen musikalisch ausgestattet hat, also heitere Opern lächelnd und, wo notwendig, tänzerisch, ernste Werke der Tragik der Geschehnisse entsprechend. Wenn hier von Geistesgegenwart die Rede war, so bedeutet dass, dass der Operndirigent im Moment “hören” muss, wenn Unreinheiten Vorkommen. An der Breslauer Oper begann eine Säugerin eine Arie um einen halben Ton zu tief. Sofort schraubte der Dirigent das ganze Orchester durch leisen Zurufin die gleiche Tonlage — und das Publikum hatte nichts gemerkt. Aber nicht immer geht das. — Als souveräner Beherrscher von Orchester und Bühne zeigte sich ALFRED HERTZ, der um 1900 den Opern-Taktstock hochkünstlerisch in der Hand hielt. Er verkehrte in Breslau im Hause meiner Eltern — ich sehe ihn noch vor mir — er ging später als erste Kraft an die Metropolitan Opera nach New York. — Bei der Bühne ist es wichtig, alle Taktarten und Taktzeiten unter Kontrolle zu haben. Deshalb muss der Bühnendirigent mit einem Taktstock arbeiten, weil sonst weder der Orchestermusiker noch der Sänger auf der Bühne in dem Halbdunkel deutlich genug die Einsätze erkennen kann. Ohne den Taktstock des Kapellmeisters sind die Mitwirkenden oft unsicher. Im beleuchteten Konzertsaal, insbesondere bei Chören ,ist das etwas ganz anderes! Der Bühnendirigent darf mit dem Orchester auch nicht die Stimmen überdecken. Die Sänger müssen hörbar sein. Der Bühnendirigent muss wohl vom Klavier herkommen, das liegt im Opernbetrieb begründet. Um noch einmal das Wort “Kontakt-Kapellmeister” zu gebrauchen : Ein solcher empfindet jeden Atemzug des Darsteller-Sängers mit, er muss mitlieben, mithassen, miterleben — nicht nur dirigieren. Er muss dem Musiktheater mit Haut und Haar verschrieben sein, um die theatralischen Wirkungen wissen und für die szenische Wirkung musizieren, die Bühnenerscheinungsform als solche festlegen, also gleichzeitig szenisch und musikalisch gestalten. Das Opernpult verlangt den szenisch-musikalischen Meister, den Theatermenschen mit Theaterblut, der fünf auch einmal gerade sein lässt und dennoch letzte Wirkungen erzielt, wie es der berühmte Opernintendant Hagemann einst ausdrückte. Der freundliche Leser hat bereits gemerkt, dass ich nun von unserem genialen Julius PRÜWER gesprochen habe, der unter der Direktion Dr. Th. Loewe’s die Geschicke der Breslauer Oper leitete. — Der Operndirigent muss mit Sicherheit die im vielfältigen Bühnenapparat vorhandenen künstlerischen Werte beherrschen und zu vergrössern verstehen. Der Konzertdirigent hingegen muss mehr ein orchester-pädagogisches Talent, ein Ausdeuter der Melodie sein, der die Klanggruppen ausbalanciert, ihnen Ruhe, aber auch Tempo, Glissando, Vibrato, Schönheit verleiht, wie es einst Prof. Georg Dohrn vermochte. — Die Breslauer Musikfreunde, die Opernbesucher jener vergangenen Zeit, verdanken allen oben Genannten die grössten Erlebnisse, sei es Mozart, Wagner, Humperdinck, Bizet und alle anderen. Es waren die Besten, auf die es der Direktion ankam, und sie hatten wahrhaft eine glückliche Hand. Aber in grosser Bescheidenheit stellten sie ihre grossartigen Leistungen und sich selbst ganz in den Hintergrund, sie dienten einzig nur dem Werk! Julius Sachs SALO ALFRED SKLARZ ^-T Aus London erreicht uns die traurige Nachricht, dass Salo Alfred Sklarz am 16. Februar 66 (27. Schwat) ganz plötzlich verschieden ist. Wer den Heimgegangenen gekannt hat, wer in seiner Umgebung sich aufhielt, war gefangen von der Herzensgüte und Vielseitigkeit dieses Menschen. Der Unterzeichnete war lange Jahre in inniger Freundschaft mit Salo Sklarz verbunden. Im Magdalenen Gymnasium mit ihm in vielen Klassen, im Esra ging ich in seinem Elternhaus ein und-aus ... Seine Verehrung zu Eltern, Geschwistern, Freunden und Verwandten kannte keine Grenzen und übertrug sich auf seine Gattin, Kinder und Enkel. Als Oberlehrer am Reformgymnasium in Breslau, Rhedigerplatz,einige Zeit auch an der Adass in Berlin war er bei Schülern u. Eltern geschätzt und geehrt. Sein grosses Wissen befähigte ihn viel zu geben und er verstand zu geben. Im Rahmen der Pinchas Synagoge in Breslau war er tätig nie versagend, wo man ihn brauchte. Welche unbeschreibliche Freude erlebte er mit seiner Gattin und Familie bei seinem Besuch in Israel. Jugenderrinerungen wurden ausgetauscht und er vergass nicht die schönen Sommerferien, die er in einem ganz kleinen Städtchen der damaligen Provinz Posen in meinem Elternhause verlebte. — Ob es Gebet, Vortrag, Wanderung, Feiern im Familien- und Freundeskreise waren, sein Herz war immer dabei. Stundenlang sind wir am Schabbath nachmittag durch Breslauer Strassen und Anlagen gegangen und haben Pläne für die Zukunft geschmiedet. Wie wir wissen, hat er sich im neuen Kreise in London einen Namen erworben, der ihm allerseits Ehre und Achtung eintrug. Eine grosse Zahl seiner Schüler in Israel, in England und in allen Teilen der Welt trauern mit den Kindern, Enkeln, der weiteren Familie und den Freunden um diesen vorbildlichen Menschen und treuen Jehudi. In Liebe Erich Elieser Lewin, Tel Aviv. SCHNELISTE ÜBERWEISUNG IHRER GELDER aus Deutschland und Österreich in direkten Verrechungsverkehr , KUPATH MILWE •HAQLEH* , '1 COOPERATIVE SOCIETY LTD.? 7

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