Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1966
- Issue
- No. 19 (Mai 1966)
- Date
- 1966-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Schwester und setzte sich in Hamburg zur Ruhe. Ein anderer Enkel wurde Arzt, ein anderer kaufte ganze Wälder und verarbeitete sie zu Streichhölzern. Ein vierter Enkel von Vetter Joseph Mugdan ging nach America, er zeigte nach Jahren an, dass er sich zu Schiff begebe, es sei ihm geglückt, er bringe Reichtümer mit nach Hause, auch einen Goldklumpen. Von dem Schiff hörte man nie mehr etwas. Der Mann ist mit dem Schiff untergegangen. Der 5. Sohn des Onkel Joseph hatte einen Sohn, der Kammergerichtsrat wurde und Mitarbeiter von Von Roennen war und die Materialen zum Bürgerlichen Gesetzbuch herausgab. Eine Schwester meines Vaters heiratete nach Warschau. Ihr Mann Boherz hatte eine feine Weinstube. Eine Tochter dieser Tante heiratete einen Günstling des Fürsten Paskiewitch, Gouverneur von Warschau. Er machte diesen Vetter Grass zum Landrat von Warschau (naczelnik powisdi — war sein Titel). Er schenkte ihm auch ein Landgut bei Warschau. Während der Zeit der Geburt seines ersten Kindes war er in Breslau und befand sich in grosser Erregung, denn er hatte bei dieser Gelegenheit seiner Schwiegermutter erklären müssen, dass er getauft war. Das Kind kam nicht lebend zur Welt, so verschob sich die Beichte. Er war ein schöner Mann, und meine Mutter erzählte, sie genierte sich, mit ihm auf der Strasse zu gehen, so sehr zog er alle Blicke auf sich. Nach dem Sturze des Fürsten verlor auch der Vetter seine Stellung und zog sich auf sein Landgut zurück. Er lebte dort wie ein polnischer Grandseigneur. Der zweite Sohn von Vaters Schwester war ein reicher Holzhändler. Er hatte eine sehr schöne Tochter, Rusza, die ein sehr abenteuerliches Leben führte. Von diesen Verwandten hatte mein Vater mich zurückgehalten. Ich wende mich nun zu meinem geliebten Vater und meiner Mutter. Während alle seine Brüder im Eisengeschäft ihren Broterwerb fanden, war für meinen Vater dort kein Platz. Die Brüder meinten, er sei ihnen im Wege, sie mäkelten an ihm herum, nichts war ihnen recht, sie hielten ihn für untüchtig, weil er die vornehme Natur war. Er ging nach Österreich- Schlesien und nahm auf dem Gute von Frau S. E. Goldschmidt eine Stelle als Lehrer für die Kinder im Hebräischen an. Da in der Nähe BUCHBESPRECHUNG Esther Rabin Zippor Haplaim Hozaath Massada 1965 Frau Dr. Else Esther Rabin schrieb wieder ein hebräisches Märchenbuch für die Jugend Israels. Uralte jüdische Legenden und Midraschim sind in diesem Buche von der Verfasserin mit grossem Geschick zu spannenden Geschichten verarbeitet worden. Wir hören von Weisen und Narren, von Königstöchtern und Fuhrmännern, Gerechten und Frevlern, deren anschaulich geschilderten Gesprächen, Reisen und Abenteuern unsere Kinder atemlos lauschen. Die Geschichten atmen den Geist der Belehrung, wie sie uns in unserer Jugend von Eltern und Grosseltern aus Bibel und Talmudschatz erzählt wurden. Eines der wiederkehrenden Motive ist das nahe Verhältnis zwischen Mensch und Tier, aus deren Gesprächen auch Erwachsene manch ethischen Wert schöpfen. Das für Jung und Alt interessante lehrreiche Buch ist jedem jüdischen Hause sehr zu empfehlen! Die Verfasserin ist uns schon von anderen ähnlichen Büchern bekannt und wir wünschen ihr weitere Jahre segensreichen literarischen Schaffens zur Bereicherung der neu -israelischen Kinderliteratur. David Prichen — Freyhan. kein Schächter war, lernte er dort das rituelle Schächten, um der Hausfrau einen Gefallen zu erweisen. Mit ihrem Mann kam er später in Breslau in gute Beziehungen. Goldschmidt sagte später dem Vater, es sei ihm gar nicht egal, neben wem er einmal auf dem Friedhof ruhe; sie seien im Leben gut miteinander ausgekommen, er möchte neben dem Vater nahen. Beide gingen zusammen und kauften nebeneinander die Plätze. Später ging der Vater wieder nach Kempen und wurde wieder von den Brüdern herumgestubst. Ich erinnerte später den Vater einmal daran, dass einer seiner Brüder bei uns war und sich zuckersüss zeigte. Der Vater war ihrer aller Wohltäter geworden. Er sammelte feurige Kohlen auf ihr Haupt. Er gab jedem der Brüder mit vollen Händen, ebenso ihren Kindern. Sein Schwager Goldbaum riet meinem Grossvater Traumann, dem Gelehrten, ihn zum Schwiegersohn zu nehmen. Der Grossvater versprach eine gute Mitgift und ein Jahr Kost. Sie fanden eine ihnen passende Wohnung im dritten Stock des “Mühlhofes”, einem am Karlsplatz und Rossmarkt gelegenen Hauses, da wo jetzt die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv ist. Das Haus gehörte dem “Fleischermittel”. Ebenso wie die “Fechtschul” war das Haus riesig, hatte drei Eingänge, einen langen grossen Hof mit Altanten an beiden Seiten. Der Name deutete auf Mühlenbetrieb, den die Nähe des Flusses leicht ermöglichte. Die ganze Örtlichkeit hatte in meiner Jugend einen ganz anderen Aspekt. Man kann sich schwer ein so gänzlich veränderte Stadtbild vorstellen. Ein Stück Alt- Breslau ist durch die Zuschüttungsarbeiten der Ohle vernichtet worden. Damals durchlief der Ohlefluss die innere Stadt. Darüber führten hölzerne Brücken mit hohem Holzgeländer. Zur Frühjahrszeit, wenn sich dort die Eisschollen ansammelten, die Brücken gefährdeten und das Eis gesprengt wurde, sah ich dort stundenlang dem Treiben zu. Sonst bot das träge dahinfliessende, oft auch stagnierende Wasser keinen schönen Anblick und war sogar eine Gefahr für die Stadt. Dort war der Herd für so manche Epidemie, die Cholera wütete in Breslau am verheerendsten. Der Fluss musste zugeschüttet werden. Als wir dort wohnten, war noch alles beim alten. Im Hofe unseres Hauses war eine Synagoge, die “Mühlhof-Schul”. An den Längsseiten im Hofgebäude waren drei jüdische Fleischereien. Daran zog sich nach der Ohle hin ein schmaler Gang entlang, der sich schräg zum Flusse neigte. Als mein Bruder Louis ein Jahr alt war, hatte er eine schwere Krankheit. Die Kinder- KURT HIRSCH LEATHERGOODS 35, Jaffa Rd. Haifa. £j' I SONDERANGEBOT 1 ZU DEN FEIERTAGEN : b Billige Preise in Anzügen, Mänteln, ij Hosen, fertig und nach Maass. § Reelle Bedienung. [1 Das Haus für Herren-Bekleidung I E. R O E M E R [1 Nachlat Benjamin Str., i corner Mohilewer Str. 49, Tel Aviv b (vis ä vis Rambamstr.) frau hatte ihm heimlich Wurst gegeben, die verdorben war. Es wurde dem Kinde ein grosses flaches Stück Fleisch auf den Rücken gebunden. Dieses Fleisch musste mehrere Tage liegen geblieben sein, denn es roch widerlich in der heissen Sommerzeit. Wahrscheinlich schlugen die ärztlichen Verordnungen nicht schnell genug an. Da wurde zu solchen Volkskuren gegriffen. Das Geschäft des Vaters hatte inzwischen eine Veränderung erfahren. Sei es, dass das von ihm begonnene Geschäft nicht genug Ertrag brachte oder dass der Grossvater zu alt und kränklich geworden war, um das seinige allein fortzuführen, — vielleicht waren beide Gründe massgebend — der Vater übernahm die Kundschaft des Grossvaters mit der Verpflichtung, für den Grossvater zu sorgen. Das Kurzwarengeschäft (noch Anfang des 20. Jahrhunderts bestand dieses Geschäft, an das sich manche Breslauer noch erinnern mögen, in der Karlstr. 27. Angabe nach Dr. W. Freyhan), ging zurück, und das Kommissionsgeschäft vergrösserte sich von Jahr zu Jahr. Die grosse Gewissenhaftigkeit des Vaters erwarb ihm immer mehr Kunden. Aber jahrzehntelange Mühe kostete es, ehe ein grosser Aufschwung kam. Wie musste er sich in den Speichern und auf dem städtischen Packhof quälen, ehe eine Sache dort beendet war. Einmal wäre er dabei beinahe ums Leben gekommen. Ein riesiges Zuckerfass rollte ihm entgegen, ohne dass er es merkte. Wie durch ein Wunder entkam er der Gefahr. Ich hörte den Vater sagen, er bitte zu Gott, er möge ihm im Alter reichlich geben. Der Wunsch ging in Erfüllung. Er wurde reich und konnte nach Herzenslust geben. Eines Tages besuchte ich mit den Geschwistern die Grosseitem. Als wir auf dem Rückwege wieder den Karlsplatz passieren wollten, um nach der Antonienstrasse zu gelangen, war eine grosse Veränderung vor sich gegangen. Der Platz war voll von Kürassieren, die auf ihren Pferden wild über den Platz ritten und die Menschen vor sich her trieben. Keiner durfte stehen bleiben. Wir hatten keine Ahnung, was inzwischen in der Welt und auch in unserer Stadt vorgegangen war. Die Mutter wird von den Vorgängen auf der Strasse nichts erfahren liaben, sonst hätte sie uns nicht ausgehen lassen. Es war das Revolutionsjahr 1848, und was sich in unserer Umgebung abgespielt hat, steht unverlöschlich in meiner Erinnerung. Es wurden Barrikaden gebaut, vorbeifahrende Wagen wurden angehalten und zum Bau der Barrikaden verwendet. Nachts durfte in keinem Zimmer Licht brennen, das wurde vom Militärkommando bekanntgegeben. Professor Dr. HANS BIEBERSTEIN, New York Die Ortsgruppe New York hat im Hinscheiden Ihres Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. Hans Bieberstein einen schweren Verlust erlitten und wir haben ihr als auch Frau Dr. Erna Bieberstein unsere innigste Teilnahme ausgesprochen. Wer von alten Breslauern hat diese Persönlichkeit nicht gekannt? Er war weit über die Grenzen Breslaus, Schlesiens etc. bekannt und berühmt. Schon als Assistent von Jadassohn hat er sich einen Namen gemacht, den er durch Tüchtigkeit und Umsicht immer mehr vergrösserte. Bis zu seiner späten Auswanderung 1938 hat er schwer gearbeitet und sich im neuen Erdteil auch bald einen Namen gemacht. Sein Humor, seine Hingabe an den Patienten wurden überall geschätzt. Die Ortsgruppe New York hat durch einen Betrag für den Dr. Wilhelm Freyhan Fond seinen Namen verewigt und wir haben den Heimgegangenen ins Goldene Buch des Verbandes ehemaliger Breslauer eingetragen. E. L. 5