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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1966-05-01 · No. 19 (Mai 1966) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1966
Issue
No. 19 (Mai 1966)
Date
1966-05-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Geschicklichkeit beim Sezieren und Präparieren, dass Morgenbesser ihn Präparate für die Vorlesungen anfertigen liess, und nach Abgang des Prosektors ihn als dessen Nachfolger empfahl. Er erhielt diese Stelle, die mit einem Jahresgehalt von 50 Thalern dotiert war. Henschel war jetzt aller Geldsorgen ledig, da er ausser seinem Gehalt das vorher erwähnte Stipendium von 12 Thalern monatlich erhielt. Was ihm aber fehlte, war die Gymnasialbildung, die ihm als Juden verschlossen blieb. Obwohl schon über die erste Hälfte des dritten Lebens jahrzehnts hinaus, wäre er gern in die Schule gegangen. Dem Zwang der damaligen Verhältnisse sich fügend eignete er sich die für einen Mediziner notwendigen Kenntnisse in den Naturwisenschaften und ebenso allgemeine Bildung durch Privatunterricht an. Sein Hauptaugenmerk blieb natürlich auf seine Weiterbildung in der Medizin gerichtet. Durch seinen Gönner, Professor Morgenbesser wurde er ausser in seiner allgemeinen medizinischen Ausbildung in Geburtshilfe so weit gefördert, dass er später weit über die Grenzen Schlesiens hinaus als Geburtshelfer gesucht war. Trotz aller seiner Kenntnisse hätte er keine Aussichten gehabt je als Arzt praktizieren zu können. Denn dazu bedürfte er des regulären Studiums an einer Universität. Er selbst hätte die Kosten dafür nicht aufbringen können. Wieder treten Dr. Warburg und Prof. Morgenbesser für ihn ein und erwirkten für ihn bei seinen bisherigen Wohltätern eine jährliche Unterstützung von 200 Thalern bis zur Beendigung des Studiums sowie Übernahme der Kosten für die Doktor Promotion. Nachdem er in Breslau das Wundarzt-Chirurgen Examen bestanden hatte, bezog er die Universität Halle. Im Jahre 1787 bereits 32 Jahre alt, konnte Henschel sich endlich in Breslau als Arzt niederlassen. Seine Praxis blühte sehr schnell auf, nicht zum geringsten Teil wegen seiner guten Vorbildung in Geburtshilfe, die er ausser Professor Morgenbesser seinem Hallenser berühmten Lehrer Meckel verdankte. Es ist interessant, dass letzterer, der zu den Klassikern der Anatomie gehört, wie sein Breslauer Kollege Morgenbesser neben der Anatomie auch Geburtshilfe lehrte. Noch sollte mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen, noch mussten tausende gebärender Frauen Opfer des Kindbettfiebers werden, ehe die geniale Beobachtungsgabe eines Semmelweis die Ursache dieser fürchterlichen Infektion in der Kombination der Ausübung von Anatomie und Geburtshilfe aufdeckte. Henschel war, wie schon erwähnt, bald ein gesuchter Geburtshelfer, der vor allem mit alten Vorurteilen und gefährlichen Methoden in der Geburtshilfe aufzuräumen versuchte. Noch nicht sechs Monate waren seit seiner Niederlasung vergangen, als er von der königlichen Kriegs und Domänenkammer als “öffentlicher Accoucheur für alle Hilfsbedürftigen ohne Unterschied der Religion" approbiert wurde. Bald darauf wurde ihm von derselben Behörde in Anerkennung seiner erfolgreichen Tätigkeit ein Jahresgehalt von 100 Reichsthalern bewilligt. Eine andere weniger erfreuliche Folge seiner imgewöhnlich erfolgreichen Arbeit war der Neid und Hass der Fachgenossen, die ihm Jahre hindurch viel zu schaffen machten, ihn aber weder entmutigten noch sein Ansehen als Arzt schmälern kennten. Im Jahre 1799 trat er als zweiter Institutsarzt in die Dienste des jüdischen Hospitals, dessen Primärarzt er nach dem Tode Dr. Warburgs im Jahre 1818 wurde. Er verblieb in dieser Stellung bis zu seinem im Jahre 1839 erfolgten Tode. Von seinen Nachfolgern am Krankenhaus möchte ich Sanitätsrat Dr. Anselm Davidsohn deswegen besonders erwähnen, weil einer seiner früheren Patienten, der imvergessliche langjährige Vorsitzende des Krankenhaus und Gemeindevorstandes Eduard Sachs mir ihn eingehend geschildert hat. Davidsohn, Primärarzt des Krankenhauses von 1864 bis 1888, muss ein ebenso guter Arzt wie Menschenkenner gewesen sein. Als Sachs seinem Rate die geschäftliche Tätigkeit mit Rücksicht auf seine Gesundheit aufzugeben nicht folgen wollte, sagte Davidsohn kurz: Ein Mann, der im fünften Lebensjahrzehnt noch nicht einsieht, was für ihn gut ist, verdient nicht zu leben.” Dieser kategorisch ausgesprochene Satz wirkte und hat m. E. indirekt nicht wenig dazu beigetragen, dass die Breslauer jüdischen Wohlfahrtsanstalten durch Sachs Weitblick innerhalb eines halben Jahrhunderts zu beispielhater Höhe hinaufgeführt wurden. Davidsohns Nachfolger wurde Dr. Jonas Grätzer. Er war noch unter Dr. Henschel als zweiter Institutsarzt in den Stab des Krankenhauses eingetreten. Sein BUd wie das des Dr. Henschel hing im Arbeitszimmer des Vorsitzenden des Krankenhaus Vorstandes, Henschel in langem braunen pelzverbrämten Mantel im Stü des frühen 19’. Jahrhunderts ähnlich dem Bilde des berühmten Berliner Dr. Heim. Geheimrat Grätzer hat im Jahre 1841 eine Geschichte des jüdischen Krankenhauses geschrieben die vor allem das damals neuerbaute Fränkelsche Hospital in der Antonienstrasse eingehend schildert. Er hat in der Folgezeit ausser Arbeiten über Armen Pflege (Krankenpflege), Bevölkerungsstatistik und Epidemielogie mehrere medizin-historische Schriften veröffentlicht. Bis zu seinem im Jahre 1890 erfolgten Tode blieb er im Dienste des jüdischen Krankenhauses, zuletzt als Primärarzt von 1880 bis 1890. Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ragt noch in die ersten Jahre des zwanzigsten die wohl bedeutendenste jüdische ärztliche Persönlichkeit hinein, deren die jüdische Gemeinde sich rühmen durfte: Geh. Medinizalrat Prof. Dr. Hermann Cohn. Den meisten Breslauern war er als herrvoragender Augenarzt bekannt, der ganzen ärztlichen Welt gilt er als Schöpfer der modernen Schulhygiene. Ich selbst hatte das Glück, diesen verehrten Manne seit meinem dritten Studiensemester (1902) als Privatsekretär zu dienen. Bis zur Beendigung meiner Studienzeit sah ich ihn täglich und hatte so Gelegenheit ihn wohl als hervorragenden Augenarzt als eleganten Operateur und vor allem als schöpferischen Wissenschaftler nahe kennen zu lernen. Seine grosse wissenschaftliche Arbeit, die die ersten Fundamente für die moderne Schulhygiene legte, begann im Jahre 1865. Gelegentlich einer ärztlichen Beratung des Rektors einer in der Nikolaistrasse gelegenen Volksschule fiel ihm im Vorbeigehen die Dunkelheit der öffentlichen Klassenzimmer auf. Manchem anderen hätte diese Beobachtung kaum zu denken gegeben. Cohn veranlasste sie die Augen der Schüler nicht nur dieser sondern vieler anderer Schulen Breslaus zu untersuchen. Das Ergebnis basiert auf Augenbefunden von 10600 Schülern, war vernichtend. Es gab Cohn den Anstoss zu fordern, dass die Gesundheit der Schuljugend dauernd ärztlich überwacht werde, und dass Schulhäuser, deren Klassenzimmer nicht genügend durch Tageslicht beleuchtet sind, geschlossen würden. Diese Forderung an Magistrat der Stadt Breslau gerichtet veranlasste einen Stadtverordneten, als er auch das alte Elisabeth Gymnasium auf Cohn’s Liste fand, zu sagen, der Prof. Cohn müsse geisteskrank sein. Erst 20 Jahre später wurde das Gymnasium in einem neugebauten Gebäude untergebracht. 1880 stellte Cohn auf der Naturforscherversammlung in Danzig die Forderung auf, dass jede Schule einem Schularzt haben müsse. Zwei Jahre später wurden seine dem Internationalen Hygienekongress in Genf unterbreiteten Thesen über die Rechte und Pflichten des Schularztes und die Organisation des ärztlichen Überwachungsdienstes der Schulen von dem Kongress einstimmig angenommen. Mit diesen beiden Vorträgen war die Grundlage für die moderne Schulhygiene geschaffen. Als ich zwanzig Jahre später zu Cohn in Beziehung trat, hatte seine Idee die Welt erobert. Täglich fand ich auf seinem Schreibtisch Sonderabdrucke von Arbeiten, die ihm Hygieniker aus allen Teilen der Welt widmeten oft in der Handschrift des Autors die Worte “dem Vater der Schulhygiene” tragend. Die Worte mit denen im Jahre 1906 der aus Breslau stammende Strassbürge Ophthalmologe Prof. Laquer in seinem Nachruf das Werk Hermann Cohns würdigte, sind Wahrheit geworden. “ Wer immer noch in späten Tagen sich mit der Hygiene der Schuljugend beschäftigt, wird seinen Namen nicht ignorieren können". Drei auf ihrem Spezialgebiete als Unsterbliche in die Geschichte der Medizin eingegangene Breslauer Ärzte möchte ich hier nur erwähnen; sie waren als Juden geboren sind dann aber zum Christentum übergetreten. Albert Neiser und sein Nachfolger Jadassohn sowie Oskar Minkowski. Zu dem Kreise um Hermann Cohn gehörte ein in seiner Zeit sehr gesuchter Internist Professor Rosenfeld. Sein erstes grosses wissenschaftliches Verdienst war, dass er nicht lange nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen diese neueste Errungenschaft auf dem Gebiete der Physik systematisch zur Aufklärung von Erkrankungen der inneren Organe verwandte. Sein Lehrbuch der Röntgendurchleuchtung war das erste Werk, das die Literatur der Röntgenologie begründete. Rosenfeld war ein Mann ideereich. Seine Methode der Behandlung der Fettleibigkeit war als Rosenfeldsche Kartoffelkur in weiten Kreisen bekannt, seine Therapie des Diabetes hat die Militärverwaltung veranlasst ein grosses Spezial Lazarett während des ersten Weltkrieges also vor der Insnlinär Aera seiner Leitung anzuvertrauen. (Schluss Seite 4) SALON ELFY TEL AVIV, Reh. Dizengoff 117. Specialgeschäft für Damenmoden. Elegante und sportliche Modelle. r ALWAYS WELCOME THE MAN WITH THE RIGHT TOUCH FOR GIFTS rivoli 104 ALLENBY RCX TEl-AVIV ONLYI' Unser Herr ERICH ABER vormals LEIPZIGER & KOESSLER, BRESLAU bedient gern alle ehemaligen BRESLAUER persönlich. 3

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