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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1965-09-01 · No. 17-18 (September 1965) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1965
Issue
No. 17-18 (September 1965)
Date
1965-09-01
Page
Seite 7 (sequence 3081)
Language
German
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Wir Lesen im “Archiv”, Informationsdienst des “Göttinger Arbeitskreises” folgende sehr intressante Ausführungen des bekannten Schriftstellers und Politikers : Erwin Rogalla Israeli nach Ostdeutschland? Einige Bemerkungen zu einer Auseinanderse tzung der NZZ mit Hans Fleig Die “Neue Züricher Zeitung” nahm vor einiger Zeit nachdrücklich gegen eine Meinungsäusserung des Schweizer Journalisten Hans Fleig Stellung, der bei einer Erörterung der Lage Israels inmitten der arabischen Umwelt in Werner Höfers Ferneseh — “Frühschoppen” sinngemäss etwa geäussert hatte, die Israeli könnten doch in den deutschen Ostgebieten jenseits von Oder und Neisse angesiedelt werden, womit der Stein des Anstosses für die Araber aus dem Nahen Osten entfernt werden würde. Da die Gründung des Staates Israel auf die Schuld der Deutschen zurückgeführt werde, stelle sich sehr wohl die Frage, ob man die Juden nicht an einer Stelle ansiedeln solle, wo sie — so berichtete die NZZ über die diesbezüglichen Ausführungen Fleigs — “gewissermassen von Deutschland zehrten, nämlich in den Ost gebieten des ehemaligen Deutschen Reiches jenseits von Oder und Neisse. “Fleig habe dann noch hinzugefügt, dass eine solche Umsiedlung der Israeli “heutzutage ohne wirtschaftliche Schwierigkeiten zu bewältigen” sei. Gegen diese “Anregung” des bekannten schweizerischen Publizisten hat nun das angesehene Zürcher Blatt, das mit Recht zur “Weltpresse” gezählt wird, mit ungewöhnlicher Schärfe polemisiert, indem es behauptet, ein solcher Gedanke der Umsiedlung der Israeli in die Oder-Neisse-Gebiete sei "zu verrückt, als dass man ihn diskutieren könnte”, aus ihn spreche “wenig mehr als nackter Zynismus”, und Fleig habe damit “ähnlich wie frühere Organisatoren von ‘Umsiedlungen’ ein Faible für eiskalte Überlegungen” an den Tag gelegt. Wenn die Israeli tatsächlich "auf die pommerschen Kartoffeläcker verpflanzt" würden, würden sie zwischen zwei Völkern eingeklemmt sein, die sich beide über ihre Gefühle gegenüber den Juden in überaus eindeutiger Weise historisch ausgewiesen haben. Die Israeli würden sich auf einem Flecken Erde befinden, wo sie von allem Anfang an dem Revisionismus ihrer Nach- RAS5C0 EIN FAKTOR IN ISRAELS WIRTSCHAFT Initiativeffifi&iiuigAusfüJifttHg barn ausgesetzt und ihrer Existenz nicht einmal so sicher wären, wie sie es heute auf dem Boden des Heiligen Landes sind... Hierzu muss eindeutig festgestellt werden, dass zwar der Gedanke einer Umsiedlung der Israeli in die Oder-Neisse-Gebiete, wie ihn Hans Fleig vorgebracht hat, tatsächlich als “abwegig” erscheint, aber dies allein deshalb, weil der Zionismus, jene Bewegung, die zur Ansiedlung der Juden eben im Heiligen Lande führte, tiefe religiöse und sonstige Wurzeln hat, die es tatsächlich “unmöglich” machen, eine Niederlassung der Israeli in dem deutschen Ostgebieten auf die gleiche Ebene zu stellen mit eben der Ansiedlung der Juden im biblischen Lande an der Ostküste des Mittelmeeres. Deshalb — und allein deshalb — ist der Vorschlag Fleigs mit der gebotenen Kritik zu bedenken, und der Vorwurf, er habe allein “eiskalte Überlegungen” angestellt “wie frühere Organisatoren von ‘Umsiedlungen’ ”, wird in seinem ganzen Gewichte ersichtlich, wenn man in Betracht hält, dass doch in den ersten Jahren nach der Vertreibung der Ostdeutschen verschiedentlich eine Lösung des deutschen Vertriebenenproblems durch Auswanderung in überseeische Länder allen Ernstes vorgeschlagen worden ist. Ebenso wie die deutschen Ostvertriebenen dies zurückgewiesen haben, dürften auch die Israeli zweifelsohne die “Anregung” Fleigs weithin ablehnen. Soweit der bekannte Schlesische Schriftsteller und Demokrat Erwin Rogalla, dessen Auffassung wir uns, soweit es sich um einen Vergleich der alt-neuen Heimat Israels, des Heiligen Landes mit der Ansiedlung in den deutschen — jetzt polnisch verwalteten — Ostgebieten handelt, durchaus anschliessen. Wenn aber Rogalla weiterhin schreibt, “dass durch eine Ansiedlung von Juden in Ostdeutschland nicht nur keine- Gefährdung dieser heraufbeschworen werden würde sondern dass im Gegenteil die Verpflichtung, diesen überlebenden des nazistischen Terrors und ihren Kindern und Enkeln ein Leben in Geborgenheit sicher zu stellen, die unabdingbare Richtschnur des deutschen Verhaltens sein würde”, so zeugt diese Auffassung zwar von der ehrlichen Überzeugung und Nächstenliebe Rogallas. Er wird es uns aber nicht übel nehmen, wenn wir angesichts der aufreizenden Artikel der — in der Bundesrespublik nicht verbotenen — Deutschen National — und Soldaten-Zeitung”, und der immer wieder und wieder auftretenden Synagogen- und Friedhofsschändungen ernstlich fürchten, dass die deutsche Regierung .solche entweder mit wohlwollender Nachsicht betrachtet oder nicht stark genug sein wird, um im Ernstfälle das Leben jüdischer Mitbürger zu schützen, gegenüber den Tausenden von Nazis, die nichts vom “1000 jährigen Reich” gelernt haben oder lernen wollen. Nur zu schnell würde die jüdische Bevölkerung, wie die “Neue Züricher Zeitung” durchaus richtig annimmt, zum Prellbock zwischen der deutschen und polnischen Bevölkerung des ehemaligen deutschen Ostens werden. Dass uns ehemalige Schlesier, denen die Schlesische Heimat bis zum 30. Januar 1933 eine wahre Heimat war, solche Erwägungen schmerzlich genug und mit Wehmut erfüllen, brauchen wir kaum zu erwähnen. Denkwürdige Opernaufiührung einst: RICHARD STRAUSS “SALOME” im Breslauer Stadttheater In Israel hat man Ausgrabungen des alten CAESAREA — zwischen Tel Aviv und Haifa — unternommen. Sie sind recht weit gediehen. Unter anderem hat man dort ein Amphitheater freigelegt, in dem jetzt alljährlich israelische Festspiele stattfinden. So hörten wir dort z. B. Konzerte mit Casals und Strawinsky. Die Stadt hatte ihren Namen einst zu Ehren des Caesaren AUGUSTUS bekommen. Sie liegt am Mittelländischen Meer und war zeitweise eine Festung. Sie war die Sommerresidenz der römischen Statthalter. OSKAR WILDE, dessen Drama “SALOME” Richard Strauss zur Vertonung inspiriete, gibt zwar als Ort der Handlung Jerusalem an, aber es ist durchaus möglich, dass der Schauplatz dieser Tragödie, deren Schluss übrigens nicht historisch ist, CAESAREA war, eben jene Sommerresidenz. Breslau hat mit dieser Oper — den Stoff hat der Dichter einem biblischen Bericht (bei Matthäus 14. Kapitel und Markus 6. Kapitel) entnommen — einiges zu tim. Erstens lernten die Breslauer Oskar Wildes Werk schon im Jahr 1901 durch die “Freie literarische Vereinigung” in deutscher Sprache kennen (Übersetzung Hedwig Lachmann). Und zweitens gab es im Mai 1907 ein Ensemble-Gastspiel des Breslauer Stadttheaters (Direktion Dr. Th. Löwe) im Deutschen Volkstheater in Wien. Dies kann man in allen Theaterberichten nachlesen. Der musikalische Leiter war der Breslauer Opernkapellmeister JULIUS PRUEWER, ein genialer Bühnendirigent. Die Titelrolle sang die Kroatin FANCHETTE VERHUNK. Sie zählte zu den berühmtesten Darstellerinnen dieser schwierigen Rolle und führte auch den “Tanz der Sieben Schleier”, dessen leidenschaftliche Turbulenz jeden ergreift, aus. Die weitere Originalbesetzung des Breslauer Opernhauses war: Herodes, Tetrach von Judaea : FRITZ TROSTORFF, HERODIAS : MARGA NEISCH. Den Propheten Jochanaan sang GEORGE BEEG, NARRABOTH war CORFIELD-MERCER. Den Pagen der Herodias sang MARGA DANNENBERG und Lotte DOERWALD. Unter den fünf Juden, die über Religionsfragen diskutieren: über die Ankunft des Messias, über die Propheten, die den Allmächtigen geschaut haben, war EMIL LUECKE, MAX MARTINI, MARK OSTER, ALFRED SCHAUER, die wohl noch in der Erinnerung der Breslauer Opernfreunde weiterleben. Allerdings hat die Besetzung, soweit ich mich erinnere, später manchmal gewechselt und die eine oder andere Partie wurde umbesetzt. In einer der Aufführungen, die der Verfasser dieses kleinen Berichts sah, sang HANS SIEWERT den Herodes, der zwar für einen Heldentenor geschrieben ist, während SIEWERT eigentlich ein lyrischer Tenor war. Den Yochanaan gaben in spätem Aufführungen BUERSTINGHAUS, HOEPFL und RHODE. Als der erste Kapellmeister PRUEWER einmal plötzlich vor einer Vorstellung erkrankte, sprang-oftree Probe der junge Kapellmeister und Korrepetitor RUDOLF TISSOR für ihn ein und führte die Vorstellung hervorragend durch. Regisseur der Aufführungen war der Breslauer Opernregisseur HUGO KIRCHNER. “SALOME” ist wohl eines der markantesten Beispiele der Operngeschichte und mit der genialen Musik RICHARD STRAUSS’ begann damals eine neue Epoche. Hier ist der Komponist in Harmonie und Rhythmik, in Farbe, Orchestierung, in der Behandlung der Singstimmen völlig neue Wege gegangen. Diese Musik ist voll Leidenschaft, inspiriert und erfasst von dem grausigen Geschehen auf der 7

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