Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1965
- Issue
- No. 17-18 (September 1965)
- Date
- 1965-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 3080)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ROLF Der Wortlaut der Ansprachen anlässlich der Überreichung des Beglaubigungsschreiben des ersten Botschafters der Bundesrepublik Deutschland beim israelischen Staatspräsidenten Salman Schazar in Jerusalem am 19. August 1965. Botschafter Br. Pauls sagte: “Es ist für mich eine hohe Ehre, Eurer Exezllenz heute das Schreiben zu überreichen, mit dem mich der Präsident der Bundesrepublik Deutschland als ausserordentlichen und bevollmächtigten Botschafter bei Ihnen beglaubigt. Der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern wird vom ganzen deutschen Volk grosse Bedeutung beigemessen. Das neue Deutschland sieht mit Trauer und Abscheu auf die grauenvollen Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes zurück, die vor allem den jüdischen Menschen so schwere Leiden auferlegt haben. Seitdem haben viele Menschen guten Willens auf beiden Seiten geduldig daran gearbeitet, den Weg zu diesem neuen Anfang der Beziehungen unserer beiden Völker zu bereiten. Wir hoffen, dass der Austausch von Botschaftern wird, auf diesem Wege erfolgreich weiterzugehen, ich bin mir darüber im klaren, dass ich als erster Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Ihrem Land vor einer schwierigen und wichtigen Aufgabe stehe. Wenn ich bei meinen Bemühungen um die Gestaltung unserer beiderseitigen Beziehungen auf die wohlwollende Unterstützung Eurer Exzellenz und Ihrer Mitarbeiter rechnen darf, so würde dies eine sehr grosse Ermutigung für mich sein. Gestatten Sie mir, Exzellenz, dass ich zum Schluss im Namen des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland Eurer Exzellenz und dem israelischen Volk die besten Wünsche für eine glückliche und erfolgreiche Zukunft übermittle, und mich selbst diesen Wünschen von Herzen anschliesse”. Präsident Salman Schazar erwiderte: “Wir alle sind uns der besonderen Bedeutung dieses politischen Aktes tief bewusst. In dem Vorschlag der Bundesrepublik Deutschland, volle diplomatische Beziehungen mit Israel aufzunehmen, und in der israelischen Annahme dieses Vorschlags ist der schlagende Beweis für die tiefgreifenden Veränderungen zu sehen, die seit der Zeit, die Eure Exzellenz gerechterweise als ‘Zeit entsetzlicher Verbrechen’ bezeichneten, Platz gegriffen haben. Es sind nur 20 Jahre vergangen, seit die Reste meines Volkes, die überlebt hatten, aus den Konzentrationslagern und den Feueröfen gerettet wurden, die das Nazi-Regime zur Ausrottung der Juden in allen von ihm unterjochten Ländern erfunden hatte. Die Erinnerung an diese Greuel und ihre Opfer ist in den Gedanken unserer Generation lebendig und wird so lange weder von uns vergessen noch jemals aus den Gewissen anständiger Menschen gelöscht werden können, solange die Unverletzlichkeit des Lebens und das Prinzip der Gerechtigkeit von der Menschheit anerkannt werden. Selbst in den bösesten Tagen der Vernichtung haben die Gepeinigten und Gequälten meines Volkes nie ihren Geist der menschlichen Würde und ihren unerschütterlichen Glauben an die Zukunft verloren. Aus dieser Wurzel erwuchs das Heldentum, das sich in den Todeslagern, den Getto-Revolten und im Kampf um die jüdische Unabhängigkeit in unserem alten Vaterland manifestierte. Das Wort, das ein Dichter Jahre zuvor geschrieben hatte, bestä- FRIEDEMANN Der Erste deutsche Botschafter in Israel tigte sich: ‘Ich habe meinen Gott gerettet und mein Gott rettete mich...’ Die Überreichung diese Beglaubigungsschreibens heute in Jerusalem, der Hauptstadt des Staates Israel, beweist, dass das Chaos nicht für immer anhält und dass selbst die dunkelste der Nächte mit dem Anbruch der Dämmerung enden muss. Und gerade wegen der Lehren der bitteren Vergangenheit sind wir verpflichtet, unsere Energien auf die Zukunft zu konzentrieren, damit die Verbreiter des Hasses zum Schweigen gebracht werden können und der Geist jener entsetzlichen Periode nie wieder zum Leben erweckt werden kann. Ich möchte über Sie, Herr Botschafter, die mir von Ihrem Präsidenten übermittelten Grüsse erwidern und ihm versichern, dass Sie bei Ihrer Aufgabe die Unterstützung finden werden, die Sie benötigen. Möge es den Vertretern unserer beiden Länder vergönnt sein, einen bedeutsamen Beitrag beim Legen jener Grundlagen zu leisten, auf denen allein Beziehungen der Verständigung und der Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern errichtet werden können”. Am gleichen Tage schrieben wir an: Den Botschafter der deutschen Bundesrepublik Dr. Pauls, Scheraton Hotel, Tel Aviv. Tel Aviv, 19.8.1965. Ew. Excellenz beehren wir uns im Staate Israel, dem Heiligen Lande, herzlich Willkommen zu heissen. Wir sind kein politischer Verein. Wenn auch unsere in der ganzen Welt verstreut lebenden mehr als. 2000 Mitglieder die ersten Opfer eines mörderischen Regimes und die ersten Heimatvertriebenen waren, wenn wir auch in unserer alt-neuen biblischen Heimat und viele von unseren Mitgliedern in anderen Staaten eine neue Heimat gefunden haben, mit der sie aufs innigste verbunden sind und der sie für alle Zeiten sich zu Dank verpflichtet fühlen — so glauben wir doch — trotz allen, was unsere ehemaligen Landsleute — das deutsche Volk — SCHWEDENS OBERRABINER KURT WILHELM GESTORBEN An den Folgen eines Herzanfalles verstarb in Stockholm Oberrabiner Kurt Wilhelm im Alter von fünfundsechzig Jahren. Den Herzaniall hatte er erlitten, als die Affäre mit dem Auftreten der Neonazis in Schweden ihren Anfang genommen hatte. Wie die Nachrichtenagentur INA mitteilt, hatten rechtsradikale Kreise in Schweden Oberrabbiner Wilhelm des öfteren zum Ziel ihrer Angriffe genommen und ihm “antichristliche Aktionen” vorgeworfen. Oberrabbiner Dr. Kurt Wilhelm, der aus der zionistischen Bewegung aus BRESLAU stammt, war Rabbiner in Braunschweig und war dann in den dreissiger Jahren nach Palästina gekommen und war der geistige Führer der Jerusalemer Gemeinde "Emeth w’Emunah”. 1948 wurde er zum Oberrabbiner von Stockholm gewählt und leistete dieser Berufung Folge. Jüdische Rundschau. KEINE KRIEGHETZE Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), Landesverband Bayern, fasste folgende Resolution: „Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), Landesverband Bayern, protestiert entschieden gegen die in Bonn in der vergan- PAU LS uns angetan hat — den Repräsentanten Deutschlands, unserer ehemaligen Heimat in unserem Lande herzlich empfangen und ebenso herzlich begrüssen zu sollen. Die Tatsache, dass sich mehr als 2000 ehemalige Schlesier zu einem — wenn auch nicht politischen sondern socialen Verband zur gegenseitigen Hilfe zusammen geschlossen haben allein beweist schon die Anhänglichkeit an unsere ehemalige Heimat, in der wir eine glückliche Jugend verlebten, der wir unser bestes an Kulturarbeit geleistet haben und in der unserer Eltern und Altoorderen seit Jahrhunderten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Möge sich die Tätigkeit Ew. Excellenz zu einer für beide Staaten glücklichen und friedlichen gestalten und Beispiel friedlicher Politik für andere Staaten sein, auf dass die seit einem halben Jahrhundert aus dem Gleichgewicht friedlicher Arbeit gebrachte Welt wieder zu einer Politik des Friedens, der gegenseitigen Duldung und gegenseitigen Förderung ihrer Kulturarbeit zurückkehren möge! Mit vorzüglicher Hochachtung Verband ehemaliger Breslauer E. V. Dr. WILHELM FREYHAN Hierauf ging folgendes Antwortschreiben ein: Tel Aviv, den 25. August 1965. Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Herrn Dr. Wilhelm Freyhan Verband ehemaliger Breslauer e. V. Tel Aviv. Sehr geehrter Herr Dr. Freyhan, Für Ihren Willkommensgruss vom 19. August 1965 möchte ich mich, auch im Namen meiner Mitarbeiter, sehr herzlich bei Ihnen bedanken. Es hat mich überrascht und bewegt, dass — nach allem, was geschehen ist — die emigrierten Schlesier noch immer die Verbundenheit mit der alten Heimat pflegen. Ich würde mich sehr freuen, Sie auch persönlich kennen zu lernen. Mit sehr herzlichem Gruss Ihr sehr ergebener Rolf Friedemann Pauls genen Woche von den arabischen Studentenvereinigungen verabschiedete Resolution, in der die Aufstellung bewaffneter Armeen und Partisanengruppen der Palästinaflüchtlinge gefordert wird. Dazu stellt der RCDS fest, dass die arabischen Studentenvereinigungen mit dieser Erklärung zum offenen Krieg gegen Israel aufgerufen haben. Wenn auch grundsätzlich jeder in Deutschland Studierende dass Recht auf freie politische Meinungsäusserung hat, so protestieren wir dennoch dagegen, dass unter Missbrauch des Gastrechtes auf deutschen Boden Propaganda gegen die Völkerverständigung und Krieghetze gegen einen mit uns befreundeten Staat betrieben werden. Die Resolution der arabischen Studentenverbände stelle keine freie Meinungsäusserung, sondern einen aggressiven Akt dar. Solange die arabischen Studenten das Gastrecht in unserem Lande gemessen und solange sie deutsche Stipendien erhalten, muss man von ihnen verlangen, dass sie nicht gegen die Interessen unseres Staates handeln. Wir fordern die Bundesregierung auf, im Wiederholungsfälle die Konsequenzen zu ziehen”. Allgemeine Sonntagszeitung Würzburg. 6