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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1965-07-01 · No. 16 (Juli 1965) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1965
Issue
No. 16 (Juli 1965)
Date
1965-07-01
Page
Seite 3 (sequence 3066)
Language
German
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grössten Verdienste erworben haben. Eduard Sachs, Vorsitzender des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, und Geh. Sanitätsrat Dr. Ernst Sandberg, seit 1890 Primärarzt des Fraenckelschen Hospitals Eduard Sachs war eine jener Persönlichkeiten, die einer Gemeinschaft oder einer Institution ihren Charakter zu verleihen imstande sind. Fast ein halbes Jahrhundert hindurch hatte er seine ganze Arbeitskraft ausschliesslich der jüdischen Gemeinde gewidmet, als deren Vorsitzender es ihm gelang, ausser dem neuen Krankenhaus mehrere andere vorbildliche Wohlfahrtsnistitutionen ins Leben zu rufen. Seine medizinischen Vorzüge, seine moderne Ausstattung und vor allem den Geist, in dem es geführt wurde, verdankte das neue Krankenhaus, dem Primärarzt der inneren Abteilung, Geh. Sanitätsrat Dr. Sandberg Geh. Sanitätsrat Dr. Ernst Sandberg. Aus der allgemeinen Praxis hervorgegangen, als Internist eigentlich ein Autodidakt, hatte er seit 1890 das Fraenckelsche Hospital geleitet und hatte ebenso eine führende Stellung bei der Schöpfung des neuen Krankenhauses. Bis 1901 lag die Leitung der Anstalt ausschliesslich in Händen des Internisten. Da vorher kein jüdischer Chirurg in Breslau praktizierte, wurden grosse Operationen von dem jeweiligen Direktor der chirurgischen Universitätsklinik ausgeführt der,als die Chirurgie immer grössere Bedeutung gewann, vertragsmässig zugleich chirurgischer Chefarzt des jüdischen Krankenhauses wurde. Der letzte und berühmteste unter ihnen war Geheimrat v. M ik u 1 i c z, der zugunsten seines Schülers Dr. Reinbach im Jahre 1901 diese Stelle aufgab. Reinbach starb bereits 1906. Sein Nachfolger wurde mein hochverehrter Lehrer Prof. Dr. Georg Gottstein, ebenfalls ein Schüler v. Mikulicz. Er hat den Ruf der chirurgischen Abteilung weit über die Grenzen Schlesiens hinaus verbreitet. Als erste Autorität auf dem Gebiet der Speiseröhrenerkrankungen anerkannt, zog er Patienten aus allen Teilen Europas nach Breslau. Ausser den beiden Hauptabteilungen hatte das Krankenhaus eine grosse gynäkologische unter Geheimrat Rosenstein, eine neurochirurgische unter Dr. Ludwig Guttmann und eine Augenabteilung, die von Sanitätsrat Jungmann geleitet wurde. Während des ersten Weltkrieges diente die Anstalt zum grössten Teil der Pflege verwundeter und kranker Soldaten. Durch seine Lage war das Krankenhaus die erste wichtige Station für Notbehandlung der auf den südlichen Ausfallstrassen Breslaus verkommenden Uufälle, deren Zahl mit Zunahme des Autoverkehrs entsprechend wuchs. Bis in die dreissiger Jahre dieses Jahrhunderts erfreute sich das Haus der Beliebtheit weiter Kreise Schlesiens und des benachbarten Polen, dessen mittellose jüdische Bevölkerung hier Heilung suchte. In Breslau selbst waren es u. a. die den Krankenkassen angehörenden nichtjüdischen Angestellten und Arbeiter, die stets einen grossen Teil der Belegschaft ausmachten. Es ist ein schönes Zeichen für den Geist, der diese Patienten vor 1933 beseelte, dass das Zusammenleben im gleichen Raume von nach Herkunft, Religion, sozialer und rechtlicher Stellung so verschiedenen Gruppen nicht nur niemals Schwierigkeiten verursachte, sondern dass zwischen ihnen stets vorbildliche Verbundenheit herrschte. Diese erfreulichen Beziehungen nahmen im Sommer 1938 durch gesetzliche Massnahmen ein Ende. Am 30. August 1939 wurde dem Schreiber dieser Zeilen, damals von der Regierung zum verantwortlichen Leiter des ganzen Krankenhauses bestellt, von der Gestapo aufgetragen, das Krankenhaus innerhalb von 48 Stunden zu räumen. 150 Kranke und 150 gesunde alte Männer und Frauen, die in dem seit 1938 leerstehenden Teile der Anstalt ein Heim gefunden hatten, wurden in der vorgeschriebenen Zeit evakuiert. Für die stationäre Behandlung jüdischer Kranker wurde zuerst in dem nahe dem Krankenhause gelegenen jüdischen Siechenhause Unterkunft geschaffen. Als einige Monate darauf auch diese Räume von der Müitär-Behörde beschlagnahmt wurden, gelang es, in einer leerstehenden Privatklinik 78 Patienten unterzubringen. Auch diese musste Ende 1942 zugunsten der Militär-Behörde geräumt werden. Die Räume der jüdischen Religionsschule, die aus Mangel an Schülern nicht mehr gebraucht wurde, waren die letzte Unterkunft des einst stolzen und angesehenen Instituts. Im Juni 1943 wurden die letzten Kranken und der Ärzte- und Schwesternstab nach dem Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Die früher mehr als 21 000 Seelen zählende jüdische Gemeinde Breslau hat an diesem Tage auf gehört zu bestehen. BEWÄHRUNG IM UNTERHANG Im Auftrag des Council of Jews from Germany, London, hat E. Löwenthal bei der Deutschen Verlags-Anstalts, Stuttgart ein Buch erscheinen lassen, das dem Andenken der Frauen und Männer gewidmet ist, die in edelster und selbstlosester Pflichterfüllung bis zur letzten Minute in ihren Ämtern ausharrten, um dann eines gewaltsamen Todes zu sterben. Es ist eine erschütternde Lektüre, und doch sollte dieses Buch in keinem Haus fehlen, dessen Bewohner einst im deutsch-jüdischen Kulturkreis lebten, und ihren Kindern sollte es in die Hand gegeben werden und von Generation zu Generation sollte es wandern als ein ewiges Mahnzeichen an die Opfer, die wir Juden um unseres Glaubens willen zu bringen haben. In schlichter, würdiger Aufmachung ist dieses Buch mit seinem in Gold geprägten Titel: “Bewährung im Untergang” ein Zierstück jeder Bibliothek. Für die Schlesier und namentlich Breslauer werden beim Durchblättern und Lesen des Buches viele Erinnerungen geweckt, und Persönlichkeiten erscheinen im Blickfeld, die einst in unserem und unserer Väter Leben eine bedeutende Rolle spielten. Da unter den Männern, die ihr Letztes für die Gemeinschaft hergaben, sehr viele geistliche Würdenträger waren, bleibt es nicht verwunderlich, dass in den Lebensbeschreibungen der Einzelnen das Jüdischtheologische Seminar in Breslau als Ausbildungsstätte einen besonderen Platz einnimmt. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, alle die aufzuzählen, die in dem Buch erwähnt sind und bei denen das Seminar an der Wallstrasse die geistigen Grundlagen für ihr späteres Leben legte. — Ich konnte mich kaum der Tränen erwehren als ich nach über einem halben Jahrhundert meinem ehemaligen Religionslehrer am Johanneum und an der Religions-Unterrichtsanstalt I in diesem Buch in Bild und Wort begegnete und von seinem furchtbaren Schicksal Kenntnis nehmen musste. Da heisst es u. a.: “... die konservative Religions Unterrichtsanstalt der Synagogengemeinde Breslau hatte, als Dr. Berhard Hamburger nach Absolvierung der Rabbinerseminars Berlin und der Universität Strassburg nach Breslau kam, infolge Überalterung der Lehrerschaft manchen Verlust erlitten. So bot sich Dr. Hamburger ein Wirkungsfeld, das seinen Fähigkeiten und seinem Wissen entsprach. Er gehörte der streng orthodoxen Richtung an und verstand es, dieser seiner Überzeugung Anerkennung zu verschaffen. Der Gemeindevorstand übertrug ihm bald zusätzlich zu seiner Tätigkeit an der Religionsschule, auch den Religionsunterricht an den Gymnasien. Seine Redegabe und seine wissenschaftlich anspruchsvollen Vorträge und Predigten führten zu seiner Berufung als Rabbiner an die seit etwa 150 Jahren in Breslau bestehende Altglogauer Schul. Hier fand er einen seiner Lebens- und Weltauffassung adäquaten Kreis. Seine Predigten und Vorträge erfreuten sich starken Zuspruches, eine Anerkennung, die Dr. Hamburger besondere Genugtuung bereitete. Bis zum letzten Augenblick bewahrte er seiner kleinen Privatgemeinde die Treue. 1941 wurde er nach Ausschwitz deportiert, während seine Frau Eugenie, geb. Wolf nach Lublin verschleppt wurde." Von den vielen anderen Schicksalen, die sich hier vor uns abrollen, möchte ich nur die folgenden erwähnen: Dr. Reinhold Lewin, der 1911 an der Universität Breslau seinen Dr. Phil, und 1912 am Seminar sein Rabbinerdiplom erlangte, hernach Rabbiner in Leipzig und von 1921 bis 1938 Rabbiner in Königsberg war, wurde 1938 nach Breslau berufen, über ihn ist u. a. gesagt: “Dr. Lewin war nicht nur ein glänzender Redner und ein feiner Denker, sondern auch ein ausgezeichneter jüdischer Historiker. Sein Interesse galt hauptsächlich der Reformationszeit und der Periode der Judenemanzipation. 1910 hatte die Evangel.-Theologische Fakultät der Universität Breslau einen Preis für eine umfassende Bearbeitung des Themas “Luthers Stellung zu den Juden” ausgeschrieben. Lewin gewann den Preis, und die Arbeit wurde in den “Neuen Studien zur Geschichte der Theologie und der Kirche” veröffentlicht. Während der Nazi Verfolgung spannte Dr. Lewin, geschwächt durch Konzentrationslagerschaft und Krankheit, seine Kräfte im Dienste seiner Gemeinde und des Judentums bis zum äussersten an. Den Versuchen seiner Freunde, ihn nach Amerika zu retten, war kein Erfolg beschieden, weil das amerikanische Generalkonsulat in Berlin die Erteilung des nötigen Visums verweigerte. So ist Reinhold Lewin mit seiner Frau und zwei Kindern zum Märtyrer geworden.” Viele Breslauer werden sich Erich Kliban- 3

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