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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1965-07-01 · No. 16 (Juli 1965) · p. Seite 2

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1965
Issue
No. 16 (Juli 1965)
Date
1965-07-01
Page
Seite 2 (sequence 3065)
Language
German
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Dr. S. E. HADDA M. D. Zur Geschichte des Breslauer Jüdischen Krankenhauses Anfang des vorigen Jahres waren sechs Jahrzehnte vergangen, seit das neue Jüdische Krankenhaus im Süden Breslaus eröffnet wurde. Am 1. September vorigen Jahres j ährte sich zum 25. Male der Tag, an dem die deutsche Militärbehörde die Anstalt in Besitz nahm. Mit diesem Akt schloss die Geschichte einer Institution ab, die vor mehr als zwei Jahrhunderten brüderliche Liebe zum Leitmotiv ihres Wirkens erhoben hatte und die seitdem in der Wohlfahrtspflege der Hauptstadt Schlesiens eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat. Bereits im Jahre 1724 war eine „fromme Brüderschaft” (Chebra Kadischa) in der 775 Seelen umfassenden Breslauer Jüdischen Gemeinde begründet worden, die sich „Gesellschaft der Krankenbesucher und -Verpfleger” nannte. Obwohl in Aufzeichnungen aus jener Zeit wiederholt von einem Hospital gesprochen wird, bestand noch keine eigentliche Krankenanstalt. Die Kranken wurden in gemieteten Wohnräumen untergebracht. Im Jahre 1760 genehmigte Friedrich der Grosse den Breslauer Juden den Ankauf eines eigenen „an der Stadtmauer zwischen der Antoni- und Graupengasse gelegenen einzelnen Häusgens unter der Restriktion, dass solches zu keinen anderen jüdischen Gebrauch als zum Hospital zu emploiren sei”. Das Haus trug später die Nummer Wallstrasse 19. Es umfasste nur drei enge „Behältnisse”. Zeigten sich schon in der eben erwähnten Verfügung der Weitblick des grossen Königs und seine für damalige Zeiten ungewöhnliche Toleranz den Juden gegenüber, so ist eine kurz vor seinem Tode erlassene Anordnung besonders charakteristisch für den Ernst, mit den er sein hohes Amt führte. Es heisst darin: „Auf das zum Armen-Wesen I $: David Fraenkel gehörige Judenlazareth müssen die Vorsteher ebenfalls ein wachsames Auge haben und darauf hinsehen, dass die Kranken ordentlich verpflegt und von den Vorstehern des Armen- Wesens mit deneh zur Unterhaltung dieses Hospitals sowohl als zur Armenkasse eingehenden Geldern ordentlich gebahrdet werde.” Nur 24 Jahre diente das Lazarett seinen Zwecken, denn bereits im Jahre 1784 musste es auf Anordnung des Magistrats wegen drohenden Einsturzes niedergerissen werden. Wieder wurden die Kranken in gemieteten Räumen — Weissgerbergasse 65 —■ untergebracht. Zwei Jahre darauf erwarb die Jüdische Gemeinde ein Gartengrundstück, das dem Platz, auf dem das erste Lazarett gestanden hatte, benachbart war. Hier wurde das neue Hospital errichtet, das bereits im Dezember 1787 fertiggestellt war. Es lag „seitwärts der Antonienstrasse an der Isr. Krankenhaus Gesamtansicht *** Sä*» „TOMR ***** * gg£f Stadtmauer” hatte in 4 Räumen für 16 Kranke Raum, war aber immerhin ein bedeutender Fortschritt gegenüber dem „Häusgen”. Die ganze Stadt nahm lebhaften Anteil an der jungen Anstalt, zu deren Gunsten bald Schenkungen von Juden und Nichtjuden, Bürgern und Adligen eingingen. Während der Belagerung durch die Franzosen im Jahre 1806 wurde das wegen seiner Lage an der Stadtmauer besonders gefährdete Haus von sieben Bomben und 40 Kanonenkugeln getroffen. Trotz der dadurch verursachten schweren Schäden konnten sehr bald wieder verwundete Soldaten in grösserer Zahl aufgenommen werden. Über ein halbes Jahrhundert lang hatte das Hospital trotz vieler Mängel seinem Zweck gedient, hatte während des Befreiungskrieges wie schon in den Jahren 1806/7 zahlreiche Verwundete der Heilung zugeführt, hatte in den darauf folgenden Jahren während schwerer Epidemien regen Anteil an der Bekämpfung der Typhus- und Choleragefahr genommen. Die neue Zeit und die gegen Ende der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasch fortschreitende Entwicklung der medizinischen Wissenschaft Hessen die schon von Anfang an bestehenden Mängel des Hauses immer drückender erscheinen. Ein blosser Umbau hätte die bestehenden Probleme nicht lösen können. In dieser Notlage kam der Gemeinde die Hinterlassenschaft des Grosskaufmanns David Fraenckel zu Hilfe. Fraenckel, lange ein Gönner des Hospitals, hatte in seinem Testament seinen Bruder, den Kgl. preussischen Kommerzienrat Jonas Fraenckel beauftragt, einen Teil seines hinterlassenen Vermögens für das jüdische Hospital zu verwenden. Jonas Fraenckel, ein weitsichtiger Mann, der später sein ganzes grosses Vermögen zu Wohlfahrtszwecken hinterliess, hatte sich schon seit geraumer Zeit von den Mängeln des Krankenhauses überzeugt. Mit den aus dem Vermögen seines Bruders verfügbaren 30 000 Thalern erwarb er am 17. Oktober 1838 die Häuser Antonienstrasse 6, 7, 8 sowie einen anstossenden Garten, und hier wurde das von nun an „Fraenckelsches Hospital” genannte Krankenhaus erbaut, dessen Grundstein am 3. Juli 1839 gelegt wurde, fast genau hundert Jahre vor jenem ersten Tag des September 1939, als die ehrwürdige Institution für immer auf hörte zu bestehen. Am 1. September 1841 wurde das neue Haus feierlich eingeweiht. Die ursprünglich für den Bau bestimmten 30 000 Thaler reichten nur zu einem geringen Teil aus. Kommerzienrat Fraenckel stiftete deshalb aus seinem eigenen Vermögen noch insgesamt 85 000 Thaler. über zwei Menschenalter hindurch erfreute sich das nun allen Anforderungen der Medizin genügende Haus weit über die Grenzen Schlesiens hinaus grosser Beliebtheit, wenn auch die grundlegende Wandlung ärztlicher Wissenschaft und Kunst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Haus schliesslich unmodern erscheinen lassen musste. Was ihm trotzdem einen besonderen Ruf verlieh, waren die dort wirkenden Ärzte. Bei der Eröffnung des ersten eigenen kleinen „Häusgen” gab es in Breslau keinen jüdischen Arzt. Das Hospital wie die Aussen- und ArmenPraxis zunächst von dem christlichen Arzt Dr. Boenisch versorgt, bis im Jahre 1767 Dr. Abraham Kisch aus Prag von der das Hospital verwaltenden „frommen Brüderschaft" (Chebra Kadischa) berufen wurde. Dr. Kisch muss eine aussergewöhnliche Persönlichkeit gewesen sein. Er hatte in Berlin und Halle Medizin und Philosophie studiert, wurde in Halle zum Dr. med. promoviert und soll dort auch den philosophischen Doktortittel erhalten haben. Schüler des berühmten Philologen Christian Wolff, beherrschte er die klassischen Sprachen völlig, so dass er auf diesem Gebiet der Lehrer seines Freundes, des berühmten Philosophen Moses Mendelsohn werden konnte. Unter den Nachfolgern dieses ersten „Institutsarztes” zeichnete sich Anfang des 19. Jahrhunderts Dr. Elias H e n s c h e 1 besonders aus. Kommerzienrat Jonas Fraenkel T JK*Z Er war von 1818 bis 1939 Primärarzt des Krankenhauses. Neben seiner anerkannten Bedeutung als Internist galt er, nach den Zeugnissen seiner Zeitgenossen, als „einer der berühmtesten Geburtshelfer Schlesien”. Wenn ich jetzt zu einer Zeit übergehe, die alten Breslauern näher liegt als die weit zurückliegende Vergangenheit, so muss ich zwei Männer erwxhnen, die sich um das Entstehen des neuen Krankenhauses im Süden Breslaus die 2

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