Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1965
- Issue
- No. 16 (Juli 1965)
- Date
- 1965-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3064)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bitte bewahren Sie die „Mitteilungen” und denken Sie immer wieder an die „Suchanzeigen". t. 1 H*7V12 >N*1> 11ATN MITTEILUNGEN No DES VERBANDES EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL E. V. iw niyn> 16 UND Juli 1965 rrawri Tinn SCHLESIER Actions-Comite: Dr. Lilli Berg-Platau, Dr. William Boss, Benno Cohn, M. d. K. Heinrich H. Cohn, A. Dombrowski, Dr. Wilhelm Freyhan (Tel Aviv, Lord Byron4) Dr. Julie Freund, N. Heimann, Erich Lewin, Paula Lewy, L. Löwenberg, W. Neuländer, Dr. Prager, M. Pick, Rosenfeld (Maro), J. Sachs, M. Schmerel-Hofstein, E. Tauber. WILHELM FREYHAN ZUM KULTURKAMPF IN ISRAEL Man liest immer wieder in der Israelischen Presse Schlagworte und Abhandlungen übe^ den “Kulturkampf” in Israel. In schwarzen Farben wird dieser an die Wand gemalt und warnend wird die Stimme erhoben, dass man es nicht hierzu kommen lassen dürfe. "Religiöse Freiheit” und die “Trennung von Kirche und Staat” wird gefordert. Von anderer Seite wieder wird betont, dass man sich überhaupt bereits mitten im "Kulturkampf” befindet. Wie sieht es nun hiermit aus und was ist an den Behauptungen richtig? Und wo liegt die Wahrheit? Zunächst zur Klärung der Begriffe : Wir können wohl sagen, dass die drei Schlagworte “Kulturkampf”, “Religiöse Freiheit” und “Trennung von Kirche und Staat” mehr oder weniger ein und dasselbe Problem bilden. Religion ist ein Teil der Kultur, wie die Repräsentanten unserer zeitgenössischen Kultur Albert Schweitzer, Lecomte de Nouy, Arnold J. Toynbee u. a. nachweisen. Damit haben wir aber schon die Verbundenheit der drei Begriffe als Voraussetzung gegeben. Denn wenn die Kultur ein Teü der Religion oder umgekehrt ist, so wird gewiss niemand bestreiten, dass die "Kirche” — in unserem Falle die “Synagoge” — als Gemeinschaft gefasst — der Religion dienen wollen und um ihrer willen vorhanden sind. Und weiterhin ist kaum zu leugnen, dass der Begriff "Religion" von seiner Urbedeutung (religio — Band — Bindung) zu der Bezeichnung eines Verhältnisses zwischen Mensch und Gtt übergegangen ist. Und ein solches Verhältnis bedingt “Glauben”, nämlich den Glauben an den Gtt, dem man sich verbunden fühlt. Eine Definition des Glaubens schlechthin kennt das Judentum nicht, weü es Glauben mit Wissen und Erkennen identifiziert, (s. Meimonides, Jessode Hadath, Perek Aleph.) Nach IDr. HURWITZ LTD. TRAVEL & TOURIST AGENCY |! NEUE ADRESSE: |j TEL-AVIV, Yehuda Halevi Str. 43 || Neue Telephon-Nummer!; 6 2 1 3 5 1!i Special-Arrangements für Reisen nach U.S.A. zur Weltaustellung New York der Überlieferung hat die Offenbarung am Sinai in Gegenwart von 600.000 erwachsenen Menschen stattgefunden, kann also bezeugt werden. Insofern muss naturgemäss der Glauben an die Offenbarung und an die am Sinai offenbarten 10 Gebote die Grundlage des Judentums bilden. Mit diesem Argument werden wir aber kaum weiter kommen und diejenigen, welche nicht das Glück haben “glauben” zu können, überzeugen. Und da auch die Strengsten der traditionell eingestellten Juden alle anderen Juden von den Segnungen des Judentums nicht ausschliessen wollen, so müssen wir unsere Beweisführung auf eine andere Basis stellen. Der Philosoph Karl Jaspers sagt in seinem Standardwerk "Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung" (München 1962) : "Glaube ist nicht ein Wissen von etwas, das ich habe, sondern die Gewissheit, die mich führt... Glauben kann nicht durch einen Gedanken erzwungen, auch nicht als blosser angegeben und mitgeteilt werden. Glaube ist die Kraft, in der ich mir gewiss bin aus einem Grunde, den ich wohl annehmen, aber nicht hersteilen kann.” Mit dieser Erklärung kommen wir schon der Lösung des Problems etwas näher. Wir sind jetzt vielleicht an einer Station angelangt, die es uns leichter macht vom "Verstehen” zur “Verständigung" zu gelangen. Wir müssen verstehen, dass der Streng-Konservative aus einer “Gewissheit", wie es Jaspers formuliert, einfach nicht heraus kann, wenn er sich und sein Leben nicht selbst aufgeben will, während dem Religiös-Liberalen lediglich darum zu tim ist, einen äusseren Ausdruck für sein religiöses Empfinden zu “finden”, das er in irgend einer der Zeit entsprechenden Form befriedigen will, da ihm die überlieferte Ausdrucksweise, die äussere Form des jüdischen Religionsgesetzes nichts bedeutet, nichts sagt — ihn einfach nicht anspricht. Deswegen nennt er seine religiöse Anschauung im Gegensatz zur überlieferten, auch progressiv, fortschreitend — fortschrittlich, um nicht zu sagen “modern”, weil diese Bezeichnung zu sehr an die Mode erinnert, welche Bezeichnung sein religiöses Empfinden degradieren könnte. So haben wir hier zwei ziemlich diametral gegenüber stehende religiöse Bewegungen vor uns, die wir vielleicht am klarsten wie folgt charakterisieren können: die eine, die sich “orthodox” nennt, lebt lediglich von der Tradition, die sie in Jahrtausende alter Überlieferung sich zu eigen gemacht hat und in der sie eine "Gewissheit” gefunden hat und zu besitzen “glaubt!” Diese Gewissheit verbürgt ihr Sicherheit, Glück, Zukunft ihrer Kinder und enthebt sie der Sorge, um einen Ausgleich zwischen der kommenden Generation und der eigenen. Die andere Bewegung im Judentum, die sich die liberale nennt, strebt das gleiche Ziel an, nämlich die Erhaltung des Judentums für die nächste Generation — für die Jugend und Gewinnung der Jugend für das Judentum. Man sollte eigentlich denken, dass das gemeinsame Ziel verbindend wirkt. Das ist leider nicht der Fall. Die Wege, welche beide Bewegungen gehen, um dasselbe Ziel zu erreichen, streben nicht nur weit aus einander, sondern sie verlaufen in geradezu entgegen gesetzter Richtung. Während es der Orthodoxie darauf ankommt, ihren Kindern, der kommenden Generation, der Jugend, die Tradition und das jüdische Gesetz in strahlendem Licht zu zeigen, und durch eigenes Vorleben dieses Gesetz zu verlebendigen und dem “toten Buchstaben" frisches Leben einzuhauchen, indem sie ihn mitten im modernen Leben wieder aufleben lässt, sucht der Religiös-Liberale, der Frei-Religiöse die Jugend dadurch für das Judentum zu gewinnen, dass er den nach seiner Meinung “toten Buchstaben”, das überlieferte Gesetz abstreift und an seine Stelle eine neue religiöse Vorstellung und neue Formen finden will, die er in Übereinstimmung mit Zeit und Raum, in welche diese hineingeboren ist, bringen will. Er geht dabei von der Voraussetzung aus, dass die jüdischen Ewigkeitswerte auch in einer anderen, neuen, von ihm geschaffenen, äusseren, d. h. für den jugendlichen Zögling äusserlich wahrnehmbaren Form zu Tage treten und ihren alten Glanz nicht nur behalten sondern sogar neuen Glanz erstrahlen lassen werden. Zwei so diametral entgegen stehende Anschauungen müssen sich gegenseitig ausschliessen und bedürfen der höchsten Toleranz, um sich gegenseitig zu dulden. (Eine Fortsetzung dieser Betrachtung, deren Gedanken meinem Buch “Der Weg zum Judentum" entnommen sind, folgt in der nächsten Nummer der Mitteilungen.) ALLE EHEM. BRESLAUER treffen sich in TEL AVIV, im CAFE NOGA (vis ä vis Mograbi) Pinskerstr. 4 (Tel. 56063) Touristen u. Einheimische herzlich willkommen! Behaglicher Aufenthalt, auch air co-nditioned. Räume für Konferenzen, Versammlungen, usw.