Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1965
- Issue
- No. 14-15 (März 1965)
- Date
- 1965-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Eines unserer zahlreichen Gutachten, das vielleicht zur Erlangung von Wiedergutmachung von allgemeinem Interesse ist: Wir erhielten folgende Anfrage vom Regierungs Präsidenten in Köln: Betr.: Entschädigung der Bediensteten jüdischer Gemeinden nach dem Bundesentschädigungsgesetz; Sehr geehrter Herr Dr. Freyhan! Die Erblasserin, Frau B. ist nach Aktenlage ab 1934 als Büro-Angestellte bei der jüdischen Gemeinde Breslau tätig gewesen bzw. war nachher mit der Leitung der Neumann’schen Stiftung betraut. Ich bitte um Beantwortung folgender Fragen: a) Bis wann war Frau B. bei der jüdischen Gemeinde und bis wann bei der Naumann’- schen Stiftung beschäftigt? b) Gehörte die Naumann’sehe Stiftung zu der jüdischen Religionsgemeinschaft im Sinne des § 112 BEG? c) Wie hoch belief sich das zuletzt an Frau B. gezahlte monatliche Gehalt? d) Hatte Frau B. einen vertraglichen Anspruch auf Versorgung nach beamtenrechtlichen Grundsätzen? Für eine baldmögliche Mitteilung wäre ich im Interesse der Antragstellerin dankbar. Im Aufträge: gez. Lückerath WIR ANTWORTETEN! An den Herrn Regierungs-Präsidenten in Köln KÖLN 1 Postfach 1448 Betr. Entschädigung der Bediensteten jüdischer Gemeinden, Antrag M. nach ihrer Mutter G. Sehr geehrter Herr Regierungspräsident! 1) Ihre Anfrage vom 2. September er. ist ohne nähere Angaben schwer zu beantworten. Wenn die Erblasserin, Frau G. (die der Unterzeichnete übrigens persönlich gekannt hat) bereits seit 1934 als Bureau-Angestellte bei der Synagogengemeinde Breslau tätig war und sogar die Leitung der Neumann’schen Stiftung (nicht Naumann’schen Stiftung) innehatte, so ist in der Tat anzunehmen, dass sie bei Erreichung einer gewissen Anzahl von Dienstj ähren einen Pensions-Vertrag nach dem Preusischen Beamtenbesoldungs-Gesetz von dem Vorstand der Synagogengemeinde erhalten hätte. Bis wann Frau B. bei der Synagogengemeinde und bei der Neumann’schen Stiftung beschäftigt war, kann ich nicht sagen, da ich im August 1938 nach hier ausgewandert bin. Bis dahin war ich stellvertretender bezw. Amtsvorsitzender der Synagogengemeinde. 2) Die Neumann’sche Stiftung dürfte im Sinne des § 112 des BEG zur jüdischen Religionsgemeinschaft gehört haben, doch bitte ich, mir eine Abschrift dieses Paragraphen zu übersenden damit ich positiv dazu Stellung nehmen kann. 3) Wie hoch sich das Gehalt von Frau B. zuletzt belief kann ich ebenfalls (siehe obige Ziffer 1, letzter Absatz) nicht sagen. Ihr Anfangsgehalt dürfte nach den Gepflogenheiten des Wohlfahrtsamtes der Synagogengemeinde Breslau RM. 150.— betragen haben. 4) Die Antwort ergibt sich ebenfalls aus Ziffer 1. ^AAAAAAAAAJlAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA 3 Missadali Nahariyah t TEL-AVIV, GEULA Str. 44, Ecke Allenby ► ► ► ERSTKLASSIGER MITTAGTISCH. ► ► Alle Sorten Naharyiah-Wurst. ( ► < STRENG KOSHER ► ■WYYWVVVVVYYVVYVVVVVVWVVYVVYVVYY Es wäre erwünscht, bei den zahlreichen Anfragen, die wir erhalten, in Zukunft Rückantwortporto für Luftpost beizufügen, da wir sonst die Spesen aus unserem Sozialfonds entnehmen müssten. Hochachtungsvoll Dr. WILHELM FREYHAN ehemals Vorsitzender der Synagogengemeinde Breslau, zurzeit Vorsitzender des Verbandes ehemaliger Breslauer E. V. in Israel DIE NOBELPREISTRÄGER Der Schlesier schreibt: Unter zweiundzwanzig Nobelpreisträgern, die aus Ostdeutschland kommen, das sind zweiundzwanzig von im ganzen Sechsundsechzig deutschen Nobelpreisträgern, sind neun schlesischen Geblüts. Als Ernst Lemmer, der Bundesminister für Vertriebene und Flüchtlinge, jüngst in Bonn die Ausstellung über die ostdeutschen Nobelpreisträger eröffnete, erwähnte er aus gutem Grund den hohen Anteil, den an dieser Zahl Schlesier und Ostdeutsche jüdischen Glau- Erinnerungen eines ostpreussischen Juden Holzner-Verlag, Würzburg. Dr. Curt Rosenberg, London, hat im achten Jahrzehnt seines reich erfüllten Lebens Jugenderinnerungen veröffentlicht, nicht in chronologischer reihenfolge sondern in Ausschnitten, in Bildern aus seiner Geburtsstadt, einem kleinem Städtchen ohne Eisenbahnstation, 25 Kilometer vom nächsten Ort entfernt; Bilder, die von seiner Verbundenheit mit der Landschaft, ihren Menschen, ihrer Sprache vor allen Dingen wegen ihrer Rückerinnerungskraft ebenso anschaulich wie tief ergreifend sind. In dem kleinen Ort kommt auf hundert christliche Bewohner ein Jude, die Juden sind kaisertreu, Patrioten, fühlen sich als Deutsche, leben mit ihren christlichen Mitbürgern in Eintracht. Vom Antisemitismus sind sie verschont und als nach den Progromen in Russland unzählige Flüchtlinge hilfesuchend den Ort überfluten, sind die jüdischen Einwohner überzeugt, dass so etwas in Deutschland nicht passieren könnte. Der Vater, ein erfolgreicher Landwirt, gütig,, gläubig, tolerant, hoch angesehen am Ort, ist besonders stolz auf seine ostpreussische Heimat und ihre historische Rolle im deutschen Befreiungskrieg 1813. Als der Sohn, im zehnten Lebensjahr von Theodor Herzl hört und sich für die Besiedlung von Palestina begeistert, warnt ihn der Vater vor den Gefahren der Wüste. Curt Rosenberg, ein phantasiebegabter Junge, ein Ausreisser, findet seinen Weg. Er gibt seine Kaufmannslehre auf, studiert, hungert bens hätten. Wir sollten dem Bundesminister für seinen Hinweis dankbar sein, da er uns dazu aufruft, bei der Pflege und Fortsetzung unserer schlesischen und ostdeutschen Tradition immer auch des jüdischen Bevölkerungsteiles eingedenk zu bleiben. Unser Stolz auf die neun schlesischen Nobelpreisträger ist zugleich ein Bekenntnis zu dem segensvollen Zusammenleben der Schlesier katholischen, evangelischen und jüdischen Glaubens. Die schlesische Toleranz, der jüngst erst wieder in dem Band “Meine schlesischen Jahre” Max Tau ein Preislied gesungen hat, verpflichtet. (Von den 9 Schlesischen Nobelpreisträgern waren 4 jüdisch. Konrad Bloch, Paul Ehrlich, Fritz Haber und Otto Stern. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Bevölkerung Schlesiens dürfte kaum 1% überschritten haben, der Anteil an ihren Nobelpreisträgern fast 50%!! Wer erinnert sich nicht dabei der Nummer der “Jüdischen Rundschau” vom 1. April 1933, da Robert Weltsch den deutschen Juden zurief: "Tragt ihn mit Stolz den gelben Fleck!” Dr. W. F.) sich durch, wird Lehrer und ist erstaunlicherweise noch bis 1937 als solcher tätig. Die Zerreissung eines hebräischen Buches auf seinem Kateder erschüttert ihn tief. Seine Leidenszeit beginnt. Verfolgungen und Lageraufenthalt in Sachsenhausen brechen ihn nicht. Trotz alledem hat er die glücklichen Jahre seiner Kindheit nicht vergessen und in seinen Erinnerungen seinen Eltern, seinen Freunden und seinen von ihm sehr verehrten Lehrern ein Denkmal gesetzt. Ein gutes Buch, das den Lesern einen Genuss bereiten wird, freilich aber an der Tatsache nichts ändert, dass die Geschichte des deutschen Judentums 1933 ihr Ende gefunden hat. Dombrowski. ALLE EHEM. BRESLAUER treffen sich in TEL AVIV, im CAFE NOGA (vis ä vis Mograbi) Pinskerstr. 4 (Tel. 56063) Touristen u. Einheimische herzlich willkommen! Behaglicher Aufenthalt, auch air conditioned. Räume für Konferenzen, Versammlungen, Künstlerische Veranstaltungen, usw. NS-GEWALTVERBRECHEN IM LAGER HUNDSFELD BEI BRESLAU Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in der Bundesrespublik führt Vorermittlungen zur Aufklärung von NS-Gewaltverbrechen in einem Lager Hundsfeld bei Breslau. In den Jahren 1937/38 wurde in Hundsfeld bei Breslau mit dem Bau eines feinmechanischen Werkes der Firma Rheinmetall-Borsig AG begonnen. In diesem Werk das bis Kriegs ende teilweise fertiggestellt worden ist, wurden später kriegswichtige Erzeugnisse hergestellt. Während des Aufbaus in den Jahren 1941/43 wurden ausser fremdländischen Arbeitskräften u. OT- Leuten auch etwa 100 Juden eingesetzt. Diese waren in einem besonderen Barackenlager mit doppelter Stacheldrahtumzäunung untergfrbracht und wurden von SS-Leuten in schwarzer Uniform bewacht. Nach Mitteilung eines ehemaligen Werkschutzmannes sollen in diesem Lager Misshandlungen vorgekommen sein, die zum Tode der Verfolgten führten. Einer Aussage zufolge soll das Gerücht umgegangen sein einige Juden seien ‘totgebadet’ worden. Die Betreffenden sollen veranlasst worden sein, in eine Badewanne mit eiskalten Wasser zu steigen und darin so lange zu bleiben, bis sie das Bewusstsein verloren. Die Aufklärung dieses Verbrechen hat sich bisher recht schwierig gestaltet, weil zwischen den eigentlichen Werksangehörigen, die teilweise vernommen werden konnten und der SS bzw. den jüdischen Hilfswüligen kein Kontakt bestand, so dass über die Darstellung des allgemein wiedergegebenen Sachverhalts hinaus keine Erkenntnisse gewonnen werden konnten. Sachdienliche Angaben bitten wir an die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg Schorndorferstrasse 28, zum Aktenzeichen 5 AR-Z 503/61 zu richten. Curt Rosenberg Bilder aus einem Leben 6