Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1965
- Issue
- No. 14-15 (März 1965)
- Date
- 1965-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bitte bewahren Sie die „Mitteilungen" und denken Sie immer wieder an die „Suchanzeigen IUDAK IN^PIZI >N¥1> 11ATN MITTEILUNGEN No DES VERBANDES EHEMALIGER BRESLAUER *7W niy>"r> 14-15 März 1965 n*3wn ttn IN ISRAEL E. V. Und Schlesier — Gegruendet 1958 (n ’iun) in Tel-Aviv Actions-Comit: Dr. Lilli Berg-Platau, Dr. William Boss, Benno Cohn, M. d. K. Heinrich H. Cohn, A. Dombrowski, Dr. Wilhelm Freyhan (Tel Aviv, Lord Byron 4) Dr. Julie Freund, Dr. B. Grzebinasch, N. Heimann, Erich Lewin, Paula Lewy, L. Löwenberg, W. Neuländer, Dr. Prager, M. Pick, M. Rosenfeld (Maro), J. Sachs, M. Schmerel-Hofstein, E. Tauber . Die Reaktien auf „The New Generation in Israel” Au) den Leitartikel unserer letzten Nummer 12/13 sind uns von verschiedenen Seiten Äusserungen zugegangen, von denen wir nachstehend diejenige bringen, in der wohl alle Einwendungen und Zustimmungen am klarsten zum Ausdruck kommen: Herr Wilhelm Müller, Newe Chajim Hadera (Israel) schreibt: Sehr geehrter Herr Dr. Freyhan: Mit Vorliegendem möchte ich Ihnen zur Kenntnis geben, dass ich Ihren Artikel “The new generation in Israel“ mit grossem Interesse gelesen habe und es sei mir gestattet, auf einige wesentlichen Punkte unserer Religion einzugehen, die in diametraler Auffassung zu der Ihrigen stehen. Zur Klärung meines Standpunktes sei eingangs erwähnt, dass ich in meiner Jugend weder im Elternhause noch in der Schule sehr wenig von jüdischem Schrifttum gelernt habe. Ich bin daher in religiösen Dingen auf die Analyse des Wortlauts unseres Schrifttums und der Gebetsliturgie angewiesen. Ich habe die grundsätzliche Auffassung von dem Vorhandensein Gttes, von dessen Wesen wir uns keine vollkommene Vorstellung machen können. Unser Schrifttum, das unsere Beziehung zu Gtt einerseits und unserem sozialen Leben anderseits regelt und im Lauf der Jahrhunderte festgelegt wurde, ist in seiner Relation begrifflich von dem Wesen Gttes zu trennen. Nehme ich die wissenschaftlich erwiesene Tatsache zur Kenntnis, dass sich seit Uranfang des Universums ein ständiger Wandel in physischer, gesellschaftlicher und kultureller Beziehung vollzieht, so bringe ich diese Erkenntnis mit dem mir noch erinnerlichen Glaubenssatz des Judentums in Zusammenhang. Er lautet: Es ist ein Gtt, der einzig, ewig, heilig ist, der Alles erschaffen hat, erhält und regiert. Die logische Erkenntnis aus diesem Satz ist meines Erachtens nicht anders auszulegen, als dass die ersten drei Worte die imveränderliche Konstanz Gttes beweisen. Die Worte “erhält”, “regiert” verkün- IDr. HURWITZ LTD. \ TRAVEL & TOURIST AGENCY || - NEUE ADRESSE: || TEL-AVIV, Yehuda Halevi Str. 43 jj Neue Telephon-Nummer jj 6 2 1 3 5 1;! Special-Arrangements für Reisen nach U.S.A. **■ zur Weltaustellung New York den nichts Anderes, als dass die oben erwähnten Veränderungen Gesetze gttlichen Willens sind. Das Judentum betont jedoch in seinem Schrifttum die dogmatische Unveränderlichkeit unserer Gesetze und kulturellen Einrichtungen und gesellschaftlichen Lebensform bis zum Ende der Welt. Sind jedoch meiner Meinung nach für unsere heutige Zeit in ihrer ursprünglichen Gestalt zum Teil praktisch nicht mehr anwendbar. Ich denke Z. B. an die vielumstrittenen Auffassungen bezüglich religiöser Ehegesetze, an die rechtlich noch angewendete Chalitza, über die juristisch nicht beweisbar mündliche Überlieferung, ob einer vom Stamme Israel, ob er Levi oder Cohen ist. Die Anerkenntnis des heute nicht mehr existierenden höheren gesellschaftlichen Standes innerhalb des Judentums führen oftmals Erschwerung im wirtschaftlichen und psychologischen Leben jüdischer Menschen beiderlei Geschlecht, speziell was die Anwendung jüdischen Eherechts anbetrifft. Ich erinnere mich eines vor Jahren geschriebenen Artikels mit der Überschrift ungefähr wie: Rabbinatsgerichte, ihre Praxis und Anwendung, der von kompetenter orthodoxer Seite geschrieben war, wobei man zwischen den Zeilen die in manchen Fällen auftretenden Schwierigkeiten bei der Praxis des angewendten jüdischen Rechts erkennen konnte. Es gibt aber noch andere Sitten und Gebräuche, die bezüglich meiner glaubensmässigen Auffassung auf Unverständnis stossen. Z.B. die Kapparah: Durch Schwingen eines Huhnes über dem Kopfe befreit sich der Betreffende am Vorabend des Jom Kippur mit einem Spruch von seiner Schuld, d. d. Huhn mit seinem Blute büsst. Diese Handlung steht im Widerspruch zur Auffassung des Gebetes, wonach nur Gtt uns von unseren Sünden erlösen kann. Sie haben recht, wenn Sie schreiben, unsere Religion wendet sich an die Seele und nicht an die logische Denkfähigkeit. Aber die Voraussetzung hierfür ist doch eine widerspruchlose Logik unserer Gebete und unseres Schrifttums unserer Lehre, der Thora, die jedem Widerspruch oder gegenteiligen Auslegung gewachsen sein sollte. Dies ist der eine persönliche wunde Punkt in meiner religiösen Auffassung, dass ich durch Herausfinden von Gegensätzen mich in Zweifel an dem ethischen Wert unseres Schrifttums verstricke. Der Kürze nur ein Beispiel: Es heisst: Kodosch (3x) Adonai Zebaoth, Adonai, Gibor milchamah. Heilig ist der Herr derHeerschaaren (wörtl. plural) Armeen, ein Held des Krieges (ist Er). Ein vernünftig denkender Mensch unserer Gegenwart kommt wohl zu der Auffassung, dass das Handwerk eines Soldaten und Kriegshelden das Töten ist und dass sich diese Worte nicht auf die himmlischen Herrschaaren bezieht, lässt deswegen darauf schliessen, weil man Gtt die Eigenschaft eines Kriegshelden zuschreibt. Demnach besteht hier ein Widerspruch zum Gebot: Lo tirzach, Du sollst nicht töten, Rabbanim haben mir in der Unterhandlung diese meine Gedankenassoziation nicht befriedigend widerlegen können. Ein weiterer wunder Punkt in meinem Streben nach geistig seelischem Erleben ist die Weihelosigkeit, der Mechanismus des religiösen Ritus, den ich seit Rosch Ha Schanah 1936 hierzulande immer wieder erlebe. Quantität und mechanische Formlosigkeit eines nicht verstandenen Gebets können Inhalt und Geist des Religionsgesetzes unmöglich erfassen. Wenn mich meine Erinnerungen die erlebten Jomkippurtage in meiner Jugendzeit nicht täuschen, so höre ich die Worte unseres Rabbis (Dr. Max Freudenthal, Nürnberg) der von der Kanzel mit den Worten Jesaias. Euer Fasten ist mir ein Greuel und Eure Gebete eitel Lippenbekenntnis (?) zu meinem eben ausgefürten Gedankengang Stellung nahm. Der Mangel an Intuition in unserem Kult bewirkt — wenigstens bei mir — ein Nichfindenkönnen geistig ethischer Erhebung. Er bewirkt eher einen Relativismus, der wie Sie schreiben, die gttliche Flamme religiösen Glaubens nicht entfachen kann, sondern den Funken geistigen Antagonismus glimmen lässt. Ich bin der Meinung, dass ich nicht allein mit meiner Auffassung und Empfindung dastehe. Die Zahl derer, ob Jung oder Alt, die mehr oder minder wie ich empfinden, geht ins Ungezählte. In der geistigen Erneuerung unserer religiösen Werte und in der Koordination unserer religiösen Gesetze zu der struktuellen Form unseres heutigen Lebens liegt die Hauptaufgabe unserer Religion, unsere Generation von dem verderblichen Weg der Sucht nach überhöhtem Lebensstandard, geistlosem Snobismus und Sittenverfall abzuhalten. Geistiger Liberalismus und praktische Einordnung zu unserem Leben der Jetztzeit, ist der sicherste Stützpunkt für die geistige Koexistenz, die den bereits vorhandenen tiefen Gegensatz aller religiösen Meinungen überbrückt und die den Weg zu einem späteren Synhedrion vorbereiten. Au) dieses Schreiben erwidern wir: Ich habe in meinem Aufsatz “The new generation in Israel”, Mitteilungen No. 12/13 des Verb, ehern. Breslauer, die Gründe darzulegen versucht, welche zu dem enttäuschenden Ergebnis in David Pryce-Jones Buch führen. Sie schreiben: “dass Sie sowohl im Elternhause als auch in der Schule sehr wenig vom jüdischen Schrifttum gelernt haben und daher “in religiösen Dingen auf die Analyse des Wortlauts unseres Schriftums und der Gebetsliturgie angewiesen sind”. Hiermit ist Ihre Auffassung (Schluss letzte Seite)