Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1964-01-01 · No. 12-13 (1964) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1964
Issue
No. 12-13 (1964)
Date
1964-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/7411685-7413052-7497122--0090-7413069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

12 entity mentions

Zum 60. Todestage von THEODOR HERZL Mit diesem Thema will ich versuchen, Vergleiche zu ziehen, zwischen dem Prophetischen Vorausahnen THEODOR HERZL’s in seinem Pamphlet “DER JUDENSTADT” und in dem einige Jahre später erschienenen Roman “ALTNEULAND" und den jetztigen Errungenschaften des JUNGEN STAATES ISRAEL. Bevor ich jedoch zu dem Thema komme, möchte ich etwas über den NUCLEUS des MODERNEN Zionismus, d. h. die Zelle, aus der er entstanden ist, vorausschicken, und woraus schliesslich das heutige Gebilde, der Staat Israel, sich entwickelt hat. Die Sehnsucht nach Wiederrichtung eines Jüdischen Staates und die Sammlung der über die ganze Welt zerstreuten Juden in unserem alten angestammten Lande ist über 2000 Jahre alt, nämlich seit der Zerstörung des zweiten Tempels und des jüdischen Reiches durch die Römer. Die Sehnsucht und der Wunsch ist unter den Juden nie erloschen. Kaum ein Jahrhundert ist vorübergegangen, ohne dass nicht Anläufe gemacht wurden, durch Schrift und Wort die alten Prophetischen Verheissungen in die Tat umzusetzen. Erwähnen möchte ich die von Sabbatai Zwi aus Saloniki, damals Türkei, inaugurierte Bewegung, später die Schriften von Rabbi Mohilewer, das Buch “Rom und Jerusalem” von Moses Hess, zuerst gedruckt in Breslau 1862 *. Ferner in Russland, damals der grössten Ansammlung von Juden veröffentlichte im Jahre 1882 der bekannte Arzt Dr. Leo Pinsker, Odessa, seine Broschüre, “AUTOEMANZIPATION”, in der er die physische und ökonomische Judennot in Russland und in der ganzen Welt schilderte. In geistvoller und klarer Weise schlägt er als Lösung die Rückkehr nach Palästina vor und zwar nach einem ganz bestimmten Plan. Scheinbar hierdurch angeregt wurde zu dieser Zeit von Russischen Juden die grosse Vereinigung “Chowewe Zion” gegründet, und es folgte dann die bekannte Kattowitzer Konferenz. Die Tendenz war eine planmässige Ansiedlung in Palästina in die Wege zu leiten. Eine Anzahl von diesen Juden, Inteleetuelle, sowohl als Bauern wanderten nach Palästina aus und gründeten die Geselltschaft “Bilu” ( id1? apy Ü3) BILU sind die Anfangsbuchstaben hievon. Es entstanden sodann zunächst die Kolonieen: , Rischon Le Zion, Sichron Jacob und Gedera. Vorher, etwa um 1870 gründete Baron Hirsch, Paris, Die “Alliance Israelite Universelle”, die zunächst eine Landwirtschaftliche Schule in Mikweh Israel errichtete, um dort Juden zum Ackerbau zu erziehen. Etwas später entstand mit Geldern von Baron Edmund Rothschild Paris, die “JEWISH COLONISATION ASSO¬ CIATION” die sofort mit dem Anbau von Weinbergen begann und Weinkellereien anlegte. Zu diesem Zwecke wurden vorwiegend Juden aus Jerusalem angesiedelt, die bisher nur von Unterstüzungen lebten (CHALUKAH) und keine nützliche Arbeit verrichteten, und zwar war dies in Petach Tikwah. Aber als eigentliche Pioniere der Jüdischen Colonisation müssen doch die Russischen Juden aus der Association “BILU” anerkannt werden. Ihre Arbeit war hart und schwer und bald gingen ihre Mittel zu Ende, bis dann die * (Siehe unsere “Mitteilungen", Pessach No. 1962 (5722) *1 Alliance Israelite Universelle und die Jewish Colonisation Association mit deren Geldmitteln zu Hilfe kamen. Es folgten dann weitere Kolonieen, Rechowoth, Metulla, Hadera, und andere, so dass um das Jahr 1900 etwa 17 Kolonien vorhanden waren. Aber erst Theodor Herzl, bis dahin bekannt nur als glänzender Journalist und damals Vertreter der Wiener NEUEN FREIEN PRES¬ SE in Paris, war es Vorbehalten, die grosse Bewegung zu inauguriren, die er “ZIONIS¬ MUS" nannte, und ihr einen internationalen politischen Charakter zu geben. Im Jahre 1896 veröffentlichte er nach vorherigen kleineren Artikeln und Unterhaltungen mit seinem Herausgeber der Freien Presse, Benedict, der sich völlig ablehend verhielt, und nach Verhandlungen mit Freunden, sowie vielen Besprechungen mit Rabbi Adler London, Dr. Singer, Israel Zangwill, Colonel Goldsmith, sein Pamphlet “DER JUDENSTAAT”. Auch Lord Rothschild, dem er sein Project vortrug, verhielt sich zunächst völlig ablehend. Etwa sechs Jahre später folgte dann sein Tendenz Roman “ALTNEULAND”. Das Büchlein Judenstaat schlug wie eine Bombe in die jüdische wie nichtjüdische Welt ein. Ich erinnere mich genau, damals 15 Jahre alt und Gymnasiast, wie die gesamte Jüdische Presse dieses Buch lächerlich machte und Theodor Herzl gewissermassen für geisteskrank hielt. Ich war von der Idee jedenfalls stark beeindruckt und verfolgte die Entwickelung mit grösstem Interesse. Gleich nach dem ersten Zionistencongress im Jahre 1897 stellte ich mich, der gerade gegründeten Zionistischen Ortsgruppe Breslau für die Arbeit zur Verfügung, die ich lange Jahre hindurch fortsetzte. Dass ich der Idee treu geblieben bin, bemerke ich nur nebenbei. Wie hat sich nun Herzl in seinen beiden Schriften “JUDENSTAAT und ALTNEULAND” seinen Judenstaat vorgestellt und was ist von seinen darin enthaltenen prophetischen Voraussagen Wirklichkeit geworden? Im “Judenstaat” schlägt er vor als Anfang der Zionistischen Bewegung die Gründung der sogenannten "JÜDISCHEN GESELLSCHAFT” als Juristische Person, die alle Vorarbeiten für eine spätere Gründung des Staates leisten soll. Als financielle Basis sieht er vor Sammlung der Gelder zunächst bei den reichen jüdischen Weltbankiers. Dieses Committee, die "JÜDI¬ SCHE GESELLSCHAFT" soll die Jüdische und Nichtjüdische Welt für den Plan der Gründung des Jüdischen Staates interessieren, also alle Propaganda-Aufgaben lösen, politische Verhandlungen mit allen massgebenden Regierungen führen, insbesondere mit dem Sultan der Türkei, dem damaligen Herrscher über Palästina. Das Ziel war die Erreichung eines Charters für eine gesetzliche Grosseinwanderung von Juden in Palästina. Theodor Herzl, unterstützt von Geistesgrössen wie Dr. Max Nordau, Chiefrabbi Zadok Cahn, Paris, Chief - Rabbi Dr. Adler London, Professor Alexander Marmorek vom Pasteur Institut Paris, Professor Mandelstamm, Odessa, und vielen anderen, leitete selbst alle Verhandlungen ein. Er fand sogleich Gehör z. B. bei dem als durchaus judenfreundlich allbekannten Grossherzog von Baden, nahm Verbindung auf: mit der Englischen Regierung, dem Deutschen Kaiser Wilhelm, und schliesslich auch mit dem Sultan der Türkei. Er schlug ferner vor : Gründung einer Internationalen Jüdischen Bank mit dem Sitz in London, die die Finanzierung der Colonisation zur Aufgabe haben sollte. Er sah ferner vor: Gründung eines besonderen Fonds zum Ankauf von Land in Palästina, "Jüdischer Nationalfond”. Des Weiteren eine eigene Financierungsgesellschaft zur Erforschung und Ausnutzung der agriculturellen Möglichkeiten, besondere Committees für Culturaufgaben, sah vor: Errichtung von Lehranstalten, Universität, Krankenhäusern, Volksbildungsanstalten, Theater, Technische Hochschulen, Strassenbau, Transportunternehmen, u. s. w. Er sieht in seinem Weitblick auch Bildung einer Armee zum Schutze des Landes nach innen und aussen, einer Kriegs und Handelsmarine vor, macht bereits Vorschläge für die wirtschaftliche Ausnutzung der reichen Bitumenvorkommen am Toten Meer, Resortplätze am Tiberias See. Bis ins Kleinste hat Herzl Pläne ausgearbeitet für Bewirtschaftung der Siedlungen, sowie mancher lebenswichtigen Betriebe, so schlägt er als bestes System, ein Mittelding zwischen individueller und collectiver Wirtschaft, also etwa wie die heutigen Kibbutzim und Corporativen vor. Er hat sogar schon eine Staatsflagge vorgeschlagen, nämlich die heutige Blau-Weisse mit dem Magen David in der Mitte. Dass diese Blau-Weisse Israel Flagge nunmehr vor und in dem United Nation Gebäude stolz weht, zusammen mit den vielen anderen, ist ein Beweis für Herzls kluge Voraussicht. Man kann aber auch erkennen, wie eingehend und mit welchem Ernst er alle Fragen studiert hat. Als Regierungsform kommt für Herzl nur die reinste Democratische Form in Frage. Er sieht in seinem scharfen Geist die Entwickelung von Grossstädten vor und denkt als solche, z. B. Haifa, von der er als Internationales Schiffs — und Handelscentrum träumt. Über das Zusammenleben der aus allen Teilen der Welt einwandernden Juden ist er. überzeugt, dass trotz der heterogenen Elemente mit den verschiedensten Sprachidiomen, Sitten und Gewohnheiten mit der Zeit eine Synthese sich bilden wird, zum Wohle des Staates selbst als auch zum Wohle aller übrigen Juden in der Welt. Und nun möchte ich vergleichen, was von dem prophetischen Vorausahnen eingetroffen ist bezw, was im heutigen Staat Israel Wirklichkeit geworden ist. Die sogenannte "ÖFFENTLICH RECHTLICH GESICHERTE HEIMSTÄTTE für DIE JU¬ DEN”, wie das von Herzl selbst inaugurierte "BASELER PROGRAMM" genannt wurde, ist Wirklichkeit geworden. Der Staat ist gegründet und es muss Präsident Trumann ewig Dank abgestattet werden, für seine starke Initiative und Hilfe. Der Staat ist von der Welt und der United Nation anerkannt. Die von Herzl vorgeschlagene Bank ist im Jahre 1899 als "Jüdische Colonialbank” in London gegründet worden. Sie wurde später convertirt in die "BANK LEUMI Le Israel” die nun die grösste Bank Israels ist. Officielle Staatsbank ist die Bank of Israel. Der Jüdische Nationalfond — Keren Kajemeth Lejisrael — Vorschlag von Professor Schapiro, Heidelberg — hat, wie Herzl es vorsah, durch Sammlungen bei der grossen Masse Riesensummen zusammengebracht und damit die wichtigen Landkäufe in Palästina ermöglicht. Das Land bleibt Eigentum des Staates. 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.